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Nr. 246 Zweites Blatt
Donnerstag den 20. October
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Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
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Aints- und Anzeigeblutt für den Tkreis Gieren.
Jetzt herrscht tn Athen tiefster Friede. TS ist, al» ob seit Jahresfrist gar nicht« Besondere« vorgefallea wäre. Der Köllig unb die Prinzen weilen anher Lande«, und die Symparhieen de« Bolte«, da« noch vor wenigen Monaten recht bedenkliche Neigungen zur Revolution zeigte, folgen thuev. Diesen Umschwung zum Guten hat allein die Festig« Leit deS König« bewirkt, der allen Aofetuduugeu -um Trotze da« Ministerium Zaime« durchgedrückt hat, da« vou den Griechen da« „Deutsche Ministerium* genannt wird, weil Ftuanzmiutster, Baron vou Streit, ein geborener Deutscher und der Justizmtnister Tomann ein Oesterretcher ist. Im Frühjahr war Deutschland in Griechenland nicht« weniger al« beliebt, wa« der Reisende, vou Konstantinopel kommend, nm so «ehr empfand, al« am goldenen Horn den Deutschen mit ganz besouderer Aufmerksamkeit begegnet wurde. Jetzt ist aller Groll gegen Deutschlaud tu Athen vergessen, und man hätte hier nicht- lieber gesehen, als daß Kaiser Wilhelm auch den PträuS auf feiner Orieotfahrt aozolaufeu sich ent« schloffen hätte. Der segensreiche Einfluß des jfceutftfen Ministeriums" wird allgemein empfunden unb dadurch ist das Dentschthu« im Allgemeinen zu neuer Beliebtheit gelaugt.
Sehr günstig wird vom griechischen Volke auch die Thatigkeit der ioteruationaleu Ftoavzcommisstou beurtheilt, und nur einige athenische Kaufleute sträuben sich gegen sie, weil fie ihnen die Möglichkeit genommen hat, mir den Douavebemnteu gemeinsame Sache zu machen und ihre vom Au-laude bezogenen Waareo ohne den hohen Einfuhrzoll zu beziehen.
Die Fillanzcommisfioo, in der namentlich der deutsche Lommtffar, Herr v. Winkler, eine wichtige Rolle spielt, über« wacht jetzt auf da- Strengste die Thätigkeit der Donaue nud belegt deren ziemlich bedeutende Baareiukünfte mit Be- schlag, während In die Regierung-kaffen zunächst nur die sogenannten Lontrolpapiere wandern. Bon den Baareingängeu bezahlt die Eo «Mission in erster Reihe die Zinsen der Staat-« schulden soweit al- möglich und liefert nur den Rest an die Regierung-kaffen zur Bestreitung der laufenden Ausgaben ab. Bon gut unterrichteter Seite wurde mir verfichert, daß
der Staat trotz der Abzüge für Zio-zahlungeu jetzt aus der Donane mehr Eiukünfte bezieht als früher, wo die Zoll« beamten den größeren Thetl der Baareinnahmen in ihre eigenen Taschen gleiten ließen. Unter diesen Umständen glauben die Griechen selbst daran, daß fie einer erfreulicheren Entwickelung entgegengehen, und wir können nur wünsche», daß dieser Glaube fich erfüllen unb unsere vielen im Besitz griechischer Papiere befindlichen Landsleute roch einmal zu ihrem Gelde kommen mögen.
Gegenwärtig herrscht im PträuS ein sehr rege« Treiben. Die Lormthenernte ist vorüber, und der Hafen ist dicht mit Schiffen gefüllt, die diesen Havptexportartikel aufnehmen und nach dem Westen befördern. Im Uebrigeu macht Griechen« land freilich noch immer einen ziemlich kläglichen Eindruck uud wohin man blickt, bemerkt man, daß da« Motto »Arbeit macht da« Leben süß" noch immer keine rechte Verbreitung unter den Nachkommen der Helden vou Marathon und Salami« gefunden zu haben scheint. Wir hatten Gelegenheit, griechische Soldaten in größerer Zahl au un« vorüberziehen zu sehen. Mit diesen schlottrigen Gesellen hätte LerxeS leichtere Mühe gehabt. Und dabei scheint da« Menschenmaterial nicht schlecht zu sein. Nur die DtScipliu fehlt offenbar. Die Gelegenheit betraf da- Leicheubegäogaiß eine- General«, da« auch tu mancher anderen Hinficht intereffaut war. Boran marfchtrte eine RegimeutSmufik, die — nicht Übel — einen Trauer« marsch spielte. Ja zwei langen Rethen folgten zu beiden Seiten der Straße Soldaten, die Gewehre unter dem Ar« io nachläsfigem Schlenderschritt. In der Mitte der Straße ging die Geistlichkeit, um den Archtmaudriteu grupptrt, der tu seinem kostbaren Gewände die Hauptperson in diesem Trauerzuge darstellte. Die Leiche selbst wurde in einem unseren Leichenwagen erster Klaffe ähnlichen Gesährt offen durch die Straßen geführt. Der Tobte lag tu voller Uniform, mit Mütze unb Stiefeln, die behandschuhten Hände mit de» Gebetbuch über der Brust gekreuzt unbedeckt tu schwarzen Sammeiktffeu, so daß Jeder sein bleiche« Antlitz genau betrachten konnte. E« reihten fich nun in Sectioneo die den verschiedenen Truppengattungen angehörigen Mannschaften der Trauerparade an. Den Schluß bildete ein Wagen mit
und Drogerien.
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Ätbection, (tprbition unb D rudern: Nr. 7.
Gratisbeilage: Giehener Familienblätter
Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«.
Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung, detr.: Feldberetuigung tu der Gemarkung Rtngel«hausen. In der Zett vom 19. Oktober l. I«. bi« einschließlich 1. November I. I» liegen auf dem Amtszimmer der Grohh. Bürgermeisterei RabertShauseu die Arbetteu de« zweiten Abschnitte« rubr. Feldbereinipnng, nämlich:
1. 6 Bonitiruog«karten,
2. Da« Gütergeschoß,
3. Die Zusammenstellung der Geschoffe,
4. Da- BefitzflanbSverzetchniß,
6. Da« Protokollbuch, zur Eivficht der Betheiligteu offen.
Tagfahrt zur Eatgegennohme von Einwendungen hier« gegen findet flott:
Mittwoch, den 2. November 1S98, Vormittags 10 bis IO1/, Uhr t« Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen, wozu ich die Vethetligten unter dem Aofügen einlabe, baß die Nichterscheineoden mit Einwendungen au-geschloffen find. Einwendungen find schriftlich abznfaffen, zu begründen trab auf Papier tn Actengröße (mindestens */i Bogen) ein« tureichev.
Friedberg, 13. Oktober 1898. Der Großh. BeretntgungS-Eomnriffär. Merck, Kretsomtmann.
Spaniens Verfall und Wiedergeburt.
von der FrtrdenSconferevz, welche gegenwärtig tn Paris tagt, hört man nicht viel,- nur ab und zu dringt einmal eine Meldung tn die Oeffentlichkeit, welche den Erfolg der Eon« ierenz sehr tn Frage stellen. Soch über die tnoerpolttifchen Anstände io Spanien liegen nur dürftige Nachrichten vor- ledenfallS find Diejenigen, welche einen sofortigen RegirrnngS« »echfel io AuSficht stellten, Lügen gestraft worben. Sagasta iührt noch immer baS Steuer, und man darf wohl von ihm trwarten, daß er die Regierung behalten wird, bis der Kriede zwischen Spanien und den Bereinigten Staaten odge« schloffen ist.
Vor einiger Zeit wurde gemeldet, daß einzelne Provinzen fich von Spanien loSzutrenuen und die Selbständigkeit zu erlangen strebten. Wird dieser Plan ernstlich verfolgt und ins Werk gesetzt, so würde das den Bürgerkrieg bedeuten, der Spanien vollends dem Abgroude zuführen müßte. Jeder wahre Patriot sollte jetzt Alles vermeiden, was der Re« gieruog Verlegenheiten bereiten uud fie abhalteu könnte, den Reformen im Innern des Landes alle Fürsorge zu widmen. Denn daß t« anders werden muß, daß auf dem bisherigen Wege, der zum Verfall de- Laude« geführt hat, nicht weiter geschritten werden kann, sollte jeder Einsichtige erkennen. Die Lehre, welche Spanien au« der Erfahrung gezogen hat, ist furchtbar, aber es steht doch jetzt auch zu hoffen, daß eine Wirkung erzielt worden ist und daß Umkehr gehalten werden wird.
Der Verfall Spanien« datirt nicht erst seit heute oder gestern, nicht seit dem letzten unglücklichen Kriege; auch wenn der letztere günstig für Spanien au-gefallen wäre, würden die Zustände im Innern ungemein bedenkliche gewesen sein, unb zwar sowohl in politischer wie auch tn wirthschaftlicher Hinsicht. In keinem Laube erheben die Gegner der Regierung seit Längerem so ungenirt ihr Haupt wie in Spanien: Karlisteu, Republikaner und Anarchisten führen etoenso heftigen Kampf gegen da-herrschende System, wozu noch kommt, daß auch die beiden Regierung-Parteien — die Eonservativeu und die Liberalen — fich überau« eifrig befehden. Dirrückficht-loseAusbeutung derLolo» nien, die Pfaffenwirthschast und die Willkür der jeweilig am Ruder befindlichen Regierung haben dann noch ihr Theil dazu bei« getragen, den verfall perfect zu machen.
Ernste Politiker beschäftigen fich jetzt eiftig mit dem Gedanken, ob eine Wiedergeburt Spaniens im Bereiche ber Möglichkeit liege. Angesichts seiner schlechten Finanzen ist eine solche freilich sehr schwierig, aber keineswegs auSge« schloffen- dazu gehört aber, daß gründlich aufgeräumt wird, daß die Regierung fich durch weise, volkSthümliche Maßnahmen das vertrauen und die Achtung der großen Allgemetnhett verschafft. Wir wollen keiner Ueberstürznng das Wort reden und legen eine« Borgehen Schritt für Schritt den größten Werth bei.
Was in Spanien am meisten ooth thut, das ist die Schaffung eines Mittelstandes, welcher dort fehlt. Arm und Reich stehen fich zu schroff gegenüber, ein lebensfähiger
Mittelstand würde dazu beitragen, die Gegensätze auf sozialem Gebiete zu mildern. Alles kommt jetzt darauf an, ob die richtigen Männer am Ruder stehen werden, wenn dir Wiedergeburt Spaniens in die Wege geleitet wird. Man sollte mit dem Beginn nicht zu lange zögern, da doch viele Jahre vergehen dürsten, ehe ein Erfolg sichtbar sein wird, (xx)
Deutsche» Reich.
Darmstadt, 18. Oktober. Gestern Nachmittag trafen Ihre Großherzogltche Hoheit die Prinzefstn Ludwig von Battenberg mit Familie, von England kommend, hier ein unb haben im PalaiS am Luisenplatz Wohnung genommen. Seine Durchlaucht der Prinz Ludwig von Battenberg, der fich al« Commandant de« Schiffe« ^Majestic" bei de« englischen Eanalgeschwader befindet, wird erst gegen Weihnachten erwartet.
Berlin, 18. Oktober. Der Kaiser hat am heutigen Geburt«tagr de« Kaiser« Friedrich an de« Sarge seine- Bater- im Mausoleum ber Frieben«kirche zu Potsdam einen kostbaren Kranz niederlegen taffen. Der Marmor- Sarkophag de« Kaiser- Friedrich war mit Herbstblumen und Gewächsen gesäumt. Im Lause de- vormittag« wurde auch vom Osfizier-Eorp« de« ersten Garde Regiment« und von anderen OsfizierS-Deputationen Kränze mit WidmuogSschleifen uiedergelegt.
Berlin, 18. Oktober. Da- Staat-Ministerium trat heute Nachmittag 3 Uhr unter dem vorfitz de- Reichskanzler- Fürsten Hohenlohe tn seinem Dienstgebände zu einer Sitzung zusammen.
Berlin, 18. Oktober. Der „ReichSanzriger" veröffentlicht die Ernennung de- ehemaligen Hamdurger Richter- I)r. P aul Gelpcke zum kaiserlichen Richter in Kiantschon.
AusUrud.
Wien, 18. Oktober. In hiesigen diplomatischen Kreisen verlautet, der rusfische Minister deS Aeußern, Gras Mura w i e w werde auf der Rückreise nach Petersburg auf einen bis zwei Tage fich hier aufhatten.
Rom, 18. Oktober. Die Meldungen aus Erithrea lauten immer beunruhigender. Menelik fall bereits auf dem Vormarsch nach Tigre begriffen sein. Ein Zusammen«
Feuilleton.
Zur ßinweihungsfeier nach Jerusalem, m.
Dardanellen, 13. Oktober 1898.
Eben hält unser Dampfer tn ber Einfahrt zur Dar« .unellenftraße und einer ber SchiffSoffiziere ist nach bem xuf der aflatifchen Seite neben den mächtigen Befestigung-« !verken liegenden Amt-Hanse hioübergefahren, um dort unsere kSäffe vorznlegen und nach Erledigung der sonst noch erfor« Serlichen Formalitäten für die «Bohemia* die Erlaubniß gar Durchfahrt zu erwirken. Zu sehen ist hier nicht viel.
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sellsShrt, daß einem kattblütigen Nordländer dabei angst und
AIS ich zu Anfang März dfS. J-. in Athen war, 1906 herrschte dort große Aufregung. Die Griechen find im All-
Gesprächen aufzugehen, und in der Ablynth-Stunde, die, wie rI, ,o ®on$p französische Sitte, resp. Unsitte, von den Neu«
in* ^*chen nachgeahmt wird, wurde zwischen den im Freien örtih ® R / lohenden Tischen der Easts am EonstituttonSplotz ein Lärm
Die Gegend ist öde uud vou den FestungSaolagen find nur die äußeren Umriffe zu erkenuen. Während also die mtlb «Irischen, wie civileu Kenn er an Bord darüber debattiren, ob und wie eS wohl möglich sein könnte, die Dardanellen gj erobern, will ich ein wenig vou meinen Erlebnissen und Beobachtungen während der letzten beiden la Griechenland verlebten Tage berichten.
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und nach dem Erscheinen ber TageSblätter hält e« wohl eine K Stunde lang schwer, einen Wagen zu bekommen, weil die -45; Herren Rosseleuker sich in dem Studium ber Neuigkeiten «cht gern stören lassen. Damals aber erzitterte btt Sr- tigung des Krieges noch in den Semütheru nach unb über« i eS war wenige Tage zuvor das Attentat ans den König S'i »iSgesührt worben. Sanz Athen schien damals la politischen
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rfltnbtar-^pS^19(i ^meinen eifrige Poltttker. DaS Geschrei der ZettnngS« KiN SunLl1-1^ i ' cextäufei ist auf bem EoastitutionSplatze der Helleneacapitole sstst noch lebhafter wie auf den Boulevards an der Seine,


