Ausgabe 
21.10.1898 Drittes Blatt
 
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dne Beipflichtung besteht, den Vrfitzern der Prtvatschlacht- HSaser eine Entschädigung zu leisteu. Trotzdem nach richterlicher Entschriduog der Stabt eine derartige Beipfl ch- tu-ifl nicht obliegt, halten die Metzger an dem Standpunkt ftft, baß fie eine Entschädigung beanspruchen Manen, doch bat die Metzgerinnung der Bürgermeisterei jetzt ein Schreiben zuzehen lasten, worin mitgetheilt wird, daß man die Frage der Ersatzpflicht der Stadt nur unter der Bedingung auf fich bk ruhen lasten will, daß der neue Schlacht« und v ehhof all eine dem Jntertste der gefaetmtcn Bevölkerung dienende Anlage behandelt und nicht za einer Seldqaelle für den Stadt« fädel auf Kosten der Metzger aulgenützt werde. Zar Ehrung bei im verflisteuen Jahr verstorbenen, verdienstvollen Stade» daameiftrrß Krehfsig, der in Mainz Große! geschaffen, bat die städtische Verwaltung brich osten, eine der großen Berbindungsstraßen zwischen der SU» und Neustadt Krth'fig- S'taße zu benennen. Einer weiteren Straße in der Neu­stadt nebst eine« darangreuzenbru Platz soll der Name Sömwe» ring-Ttraße und Söwmermg-Platz gegeben werden. Stimme- rng war einer der letzten Prosefforea der Mainzer Naiver» sität und brachte dal anatomische Wissen der damaligen Zelt zu eine« großen Aufschwung.

Dertnif

* Englische kanknotensäischrr. Aul Budapest, 17. Oct., wird gemeldet: Am Samltag wurde die hiefige Polizei von der Troppauer Polizei davon verständigt, daß dort etn Ja» dividuum Namens Manpuette verhaftet worden fei, bei dem man 28 gefälschte englische Psnndnoten gefunden habe und dal ein Postlagerudel Telegramm nach Budapest gesandt habt. All fich nun auf dem hiesigen Postamte ein Mann nach dem Telegramm erkundigte, wurde er verhaftet. Nach längerem Leugnen gab er an, er beiße Leopold Schwalbe und wohne tn der Aodrastystraße. In feiner Wohnung fand öle Polizei eine junge elegante Dame, die sich geborene Gräfin Westerfield, verebelichte Jokiug, nannte unb ta der Nähe von Oxford ein Majorat zu besitzen behauptete. Bet dec Durchsuchung btl Hauses wurden 200 Pfund Sterling tn falschen Noten, mehrere noch unvollendete andere Falsifikate, Platten und Werkzeuge vorgesnndef. Die Polizei stellte lerne: fest, daß Manguette, Schwalbe und besten Geliebte, Fran Joking. in der die aus Ptllau gebürtige, unverehelichte Iosefine Iobsch ermittelt wurde, tn einem Hanfe an der Dembtnskygafle eine vollkommen eingerlchteie Notenfabrik hatten. Btt Schwalbe wurde etn geladener Revolver, bet der Iobsch ein scharfgefchliffener Dolch vorgesuaden. Beide Personen sagten aus, baß fie längere Zeit in London, Berlin und München gelebt hätten. Unter den bet Schwalbe bc»

schlagnahmten Schriftstücken wurden mehrere Artikel gefunden, die den Anarchismus verherrlichen.

Eine seiterte Jagdbeute. I» Jagdgebiete bei Baron Lichtenberg zu R «schttz in Krain erlegte kürzlich der Forst» wart Alesch ein Thier, dal Niemand kannte. Durch Sach­verständige wurde nun constatirt, daß dal erlegte Wild eine gefleckte Hyäne sei, eia Thier, dal In der Regel nur in Nordafrika und Wkstafien vorkommt, in den krainschen Forsten aber bis jetzt noch niemall gesehen worden ist. I« Magen del erlegten Thierei wurde eine Menge Federn, aber auch Kuknrutz nnrgefunben. Wie nun constatirt wurde, ist die Hyäne im April laufenden Jahres von der Menagerie Schulze in Laibach aulgekommen und trieb fich demnach sechs Monate in der Umgebung von Laibach herum. Baron Lichtenberg hat bal seltene Wild de« Landesmuscu« In Laibach geschenkt.

Auch Dir de« Gerichtsvollzieher soll man bei Humor nicht verlieren; Etn poetisch veranlagterSteuerzahler" in Klein«Lindow, der mit feinen Gemeinde-Abgaben rück ständig geblieben war und infolge besten den Besuch dc- GerichtsVollziehers erwartete, hatte dem unliebsamen Besuch zum Gruße m seinem Zimmer auf einem in die Augen fallenden Zettel folgende Verse niedergeschrieben.-34 weiß, Du kommst, um mich zu pfänden Du strammer Bote des Gerichts! Ich kenn die Leute, die Dich fcnbtn, Doch diese Leute kriegen nichts; Zwar Dein Bestreben scheint mir löblich, Pflichteifer treibt so früh Dich her; Doch glaub mir, Freund, Du kommst vergeblich, Denn hier ist Alles öd und leer. Sieh hier ehmalgen Reichlhuml Reste; Ein Portemonnaie mit nichts darin, Dort an der Thür hängt eine Weste Wenn sie Dir ansteht, nimm sie hin! Sonst bieten nichts Dir diese Räume, Die suchend jetzt Dein Blick durchirrt; Denn Stiefelknecht und Gummi- bäume Gehö en meinem Z>mrnerwirth. Du siehst: hier ist nichts fortzuschleppen, Mich dauert, daß Du Dich be­müht! Es sind hier unbequeme Treppen! Geh hin, wo Pracht unb Luxus blüht. Noch ist cs früh, genieß den Morgen! Was nützt es, daß Du länger wellst? Doch kannst Du, Freund, mir etwas borgen, Leg- hin, eh' Du von bannen eilst!"

Mancherlei Regen schilderte schon der alte Hebel in seinem Schatzkäftlein, neuerdings aber sind solche von unge­wöhnlicher Form an mehreren Orten beobachtet worben. So trat am 30. Juni 1897 bei Nether Priors in Esiex ein Wirbelwind auf, der eine große Menge Heu in die Lust hob unb völlig aus dem Gesichtskreise der Anwesenden fort­trug. Die Heumafle machte durch die Luft einen Weg von 6 Kilometer. Zu Belchamp St. Paul im nördlichen Esiex

erschien plötzlich die ganze Atmosphäre Heu erfüllt, bal herabfallend Bäume unb Häuser in phantastischer Art ver­zierte. Unangenehmer war ber Regen, der an bem nämlichen Tage in ber Vorstabt Moselty von Birmingham einlrat. Dort fiel nämlich ein Schauer von weißen Fröschen in ver­schieben er Größe nieder. Diese Thiere waren unzwctselbast von einer Wasierhose cmporgezogen unb vorn Sturmwind über Birmingham geführt worben. Anderer Art war cm Regen ober richtiger Schneefall, der in ber Rächt vom 16. zum 17. Februar b. I. zu Tragöß sich ereignete. Nachdem Tags vorher der Föhn die Schneedecke fast zugleich we-igesegt, fiel bei Südwind neuer Schnee, dessen Oberfläche Morgen! mit zahlreichen lebenden Insekten, vermuthlich im Laiven- zustande besät war. Dieser Inseklenfall dauerte sogar noch Morgen! an. Der Beobachter beschrieb die Insekten all 2 bis 3 Ceniimeter lang, von kaffeebrauner Farbe, vier Millimeter breit, von gegliedertemKöip.rbau unb eigenthum- lich sammtähnlicher Oberfläche. Em ähnltcher Insektenfall zusammen mit Schnee wurde einige Tage früher in Zwischen- wässern (Krain?) beobachtet.

rvifteirschast, Citeratur und Kttwft.

Katechismus der Petrographie (G. steint kuvde) von Pro!. Dr. I. BlaaS. Mit 86 «ddUdungm. Zweite, vermehrte Auflage. In DrlginaUdnenbanb 3 Mk. Brrlag von 3 I Weder in Leipzig. Die Petrographie, die Lehre von brr Besch»ffenbett, Lagerung und BU"ungSwetse ber Gesteine, ist eine roch junge W'ssen- Ichaft. Aber gerade hier batte sich di-her der Anfänger od<r auch ber Fachmann anderer Disc plinen entweder durch umfangreiche Werke durchzuardeiten oder mii den knapp.'n Autzzügen zu deonügen, wie sie sich m Lehrbüchern der Geologie g wödnl'ch sinder In ten Utzteren können aber besonders die mikroskopischen Vetbältniffe nur oberflächliche Behandlung erfahren, und doch kann rin Gestein nicht eher dem System eingeoidnet werden, bevor nicht nach diese' Richt» ung vollkommene Klarheit herrscht. Hier tritt nun das voiliegende Merkchen alS Führer auf, dessen Verfasser gedrängte Kürze mit er» schöpfender Information meister halt zu verbinden weiß. Zahlreiche mikroskopische Abbildungen von Gefteinldünrschliffen erhöhen die Brauchbarkeit bei Buche», da« bei Laien wie angehenden Natur­forschern wohlwollendste Aufnahme verdient.

Die Sinder esse» re wirklich gern, aber auch für Erwachsene lägt sich in ca. 10 Minuten ein liebliches Gericht durch einfaches Kochen der M ld mit Brown und PoUon'S Mondamin Herstellen. Dies ergiedt eine nahrhafte und leicht o t> bauliche Speise, regt durch seinen eigenen Wohlgeschmack Kinder wie auch Kranke an, solche Milchspeise yäufigrr zu erbitten. Beliebige Zuthat von Vanille, Eitrone k., Beigabe von Fruchtsauce, gekochtem Obst erhöhen den Geschmack unb liefern zugleich für den Familien- iisch ein nahrhaftes und köstliches Deffert. Ausführliche- auf den Mondamin-Packeien ä 60, 30 und 15 Psg. erhältlich In allen ein­schlägigen Geschäften. Engros bei Türk u. Pabst, Franksur! a. M

Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

Garte«str«he 8.

«ngebot der Arbeitnehmer r 1 Heizer, 1 Maschinist. 1 Bauschlosser, 1 Mechaniker, 1 Bauschreiner, 2 Packer, 1 ftaffircr, 1 Mann für einen Vertrauens, posten. 1 Hausdursche, 2 Laussranen, 1 Kleibermacherin. 1 Näherin, 2 Büglerinnen, 1 (jonrptorrift, 1 Schrcibgehülfe, 1 Büreaugehülse.

Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Dnchüler, 3 tückt. Spengler, 1 Jnftallateur, 1 tücdt. Glaser (Rahmcnmacher) bei hohem Lohne, 3 Weißbinder, 1 Küfer, 4 Bau­schlosser, 2 tricht. Schmiede, 1 Wagner, 8 Bauschreiner, 3 Fuhrknechte, 12 Tag. jähner. 1 Ausläufer, 1 Maschrnenputzer, 2 Hauöburschen, 4 Dienstmädchen für Kücde und HauSarbeit, 8 Laufmädcken.

Bekanntmachung,

betr.: Das Einhalten der Tauben während ber Saatzeit.

Die Besitzer von Tauben werben unter Hinweis auf Art. 79 des Feld straf gefetzes aufgefordert, ihre Tauben vom 20. bis Ende d Mts. in bin Schlägen eiuzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Maßgabe bei Feldstrafgesetzes zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden.

Gießen, den 17. October 1898.

Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

10409 _________________Gnautb._______________________

Bekanntmachung.

Da» 4. Ziel Gemeindesteuer für 189N/99 ist innerhalb acht Tagen bei Meidung des BeitreibimgSverfahrens anher zu bezahlen.

Zahltage: Dienstag, DonnerNag und Samstag.

Gießen, den 19. October 1898.

Stadtkaffe Gießen: Doepfer. 10423

Verdingung.

Dietz^rd- und Planirarbeiteu, sowie die sChaussirarbeit zur Herstellung einer Zusuhrstraße zum künftigen Friedhose werden hiermit wiederholt ausgeschrieben, da die bei ber erstmaligen Verdingung ein» gereichneten Forberungen die Ansätze des Voranschlags erheblich über- schrellen. E» wird Termin auf

Dienstag, 25. Kct. d. I.,

Vormittags HVs Uhr, festgesetzt, mit dem Anfügen, daß die Verdingungsunterlagen auf Zimmer Nr. 7 bei uns zur Einsicht offen liegen.

Angebote find verschlossen bis zur genannten Stunde einzureichen.

Zuschlagsfrist 14 Tage.

Gießen, den 18. October 1898. Da- Stadtbauamt.

Schman dt. 10420

-NrrßeigrrnnM

Versteigerung.

Ein der Gemeinde Wiefeck ge­höriger fetter

Jasetochs

soll Dienstag deu 25. October l. I., Vormittags 11 Uhr, auf bem Bürgermeistereibureau da­hier an den Meistbietenden ver­steigert werden.

Wiefeck, am 18. October 1898.

Großh. Bürgermeisterei Wiefeck.

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