Ausgabe 
21.10.1898 Drittes Blatt
 
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so wird er bei dem geringen Geschäftsbetriebe der örtlichen | Schiedsgerichte und der hiermit zusammenhängenden verhältniß- I mäßig seltenen Anberaumung von Sitzungen in der Regel erst nach Monaten in der Lage sein, bet dieser den localen Verhältnissen oäherstehenden Behörde, welcher Arbeitgeber und Arbeitnehmer aogehören, seinen Anspruch persönlich zu vertreten. Demgegenüber will der Entwurf zur Erledigung aller obenbezeichueteu Geschäfte und namentlich zum Zwecke der Reuteufestsetzuog in der Localtnstauz besondere örtliche Organe der Berficherungs-Aostalten errichten, welche auf Grund der von ihnen vorzuvehwenden thatsächltchen Fest­stellungen unter Zuziehung von Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Gewährung und Entziehung von Reuten selbständig entscheiden. Durch diese weitgehende Decentralisatton würde den Arbeitern die Gelegenheit gewährt werden, ihre Ansprüche vor der Renteostelle persönlich zu vertreten und damit sich selbst zu überzeugen, daß ihre Be­hauptungen gehört und im Einzelnen geprüft sind. Hierdurch wird aber ferner auch die Möglichkeit geboten, den Arbeitern über alle auf die Invalidität»- und AlterSverficheruog bezüg- licheu Angelegenheiten eingehende sachverständige Auskunft zu ertheilen und das Verfahren der Rentenfestsetzung wesentlich zu beschleunigen. Gegen die Entschließung der örtlichen Renteustelle würde demnächst umgekehrt wie bisher die Be­rufung an BezirkS-SchtedSgertchte und zwar für die ver- ficheruugSaostalt wie für den Rrntensucher offen stehen, deren Entscheidungen eine tu der Localtnstauz gefällte, auf der örtlichen Ermittelung der Berhältniffe begründete Vor­entscheidung zu Grunde läge. Er ist sicher auzuurhmen, daß sich bei dieser Verlegung der Schwerkraft der Entscheidung in örtliche Instanzen die Zahl der Revisionen und Beruf­ungen wesentlich vermindern und damit eine Quelle persön­licher Verstimmung und wirthschaftlicher Benachthriliguvg be­seitigen lassen wird, welche io der häufig monatelang hinauS- geschobeuen Entscheidung der Schiedsgerichte über begründete oder unbegründete Reoteuansprüche liegt.

Die Gesammtbelaftung aller Anstalten wird hiernach in eine Gemetulast oder in eine Sonderlast getheilt- für erstere haftet ein als Gemetnvermögeu au-zusonderuder Theil des Vermögens der einzelnen Aostalten, für letztere dagegen der Rest d:S vermögens jeder Anstalt als Sondervermögen. In demjenigen verhältniß, tn welchem die Gemetulast zur Ge- sammtlast steht, werden das vermögen jedes BerfichrruugS- trägerS und dte dem Letzteren zuflteßeuden Beiträge in ein Gemetuvermögen und ein Sondervermögen getheilt. Der Ge­metulast und dem zu deren Deckung bestimmten Gemein- vermögen werden die Gruodbeträge der Invalidenrenten und dte diesen Gruudbeträgeu fortab gleichkommenden Altersrenten zugewtesev, wetl diese von den Etuzelbetträgen unabhängig fiad, dte Verschiedenheiten also vorzugsweise hervorgerufen haben. Dte übrigen Lasten (SteigeruugSbeträge der Invaliden- reuten, BeitragSerstattuugen, BerwaltuagSkosteu), welche theilS von der Zahl und Höhe der Beiträge abhängen, theilS freiem Ermessen auheimgegeben find, entfallen auf das Sonder­vermögen. Das verhältniß, in welchem die Gesammtlast zur Sonderlast und demgemäß der für daS Gemetnvermögeu zu verwaltende Thetl des vermögens jeder Anstalt zu deren Sondervermögen steht, tst rechnungsmäßig auf 6 zu 4, d. h. auf % zu 2/s ermittelt. Jeder BersicheruugSträger soll also 8/6 feiner vermögens und der Beiträge der Gemetulast Vor­behalten, während die übrigen 2/6 seiner Souderlast dienen. Dte Trennung hat nur buchmäßig ftaltzufiudeu. Dem von thr verwalteten Thetl deS Gemetnvermögeu- führt jede Anstalt Zinsen nach einem einheitlich vom BundeSrath zu bestimmenden Zinsfuß zu, während die etwa mehr erzielten Zinserträge dem Sondervermögen zuwachsen. Die rechnerische Ausgleichung erfolgt durch die Rechnungsstelle deS ReichSverficherungSamtS. Diese Regelung ist für dte erforderliche Ausgleichung hin­reichend wirksam, beläßt jedem Träger der Berficheruug ein lebhaftes Interesse an sparsamer Verwaltung, fichert gleich hohe Beiträge bet allen BerficheruugSanstalten und gestattet tn-besondere, deren Selbstverwaltung von den bet der Vor­jährtgen Vorlage mtt großem Nachdruck beanstandeten ein­schneidenden AuffichtSbefugviffen der Staats- und RetchS-

behörden zu befreien. Die Bestellung von StaatScommtssareu würde in Fortfall kommen. __

Deutsches Reich.

verlta, 19. October. DteNordd. Allgem. Ztg." bespricht den dem deutschen Katserpaare in Konstan­tinopel zu Thetl gewordenen überaus herzlichen Empfang und sagt, eS bestehe kein Zweifel, daß derselbe den Gefühlen aufrichtiger Freundschaft deS Sultans für das deutsche Herrscherpaar entspringe. Die aufrichtige Sympathie, dte mau tu Deutschland für dte Türket hege, könne durch dte festlichen Tage, die der Sultan unserem Kaiser und seiner Gemahlin bereite, nur bestärkt werden und sicherlich würden dte Festtage tu Konstantinopel dazu bettrageu, die friedlichen Interessen beider Reiche zu fördern.

Berlin, 19. October. DteNordd. Allg. Ztg." schreibt: Als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden bisherigen Gesandten beim Batican Otto v. Bülow ist sicherem ver­nehmen nach der bisherige Gesandte bei der schweizerischen Eidgenossenschaft, Freiherr v. Rothenhahn auSerfeheu. An seine Stelle trttt der bisherige preußische Gesandte tu Oldenburg, Albrecht v. Bülow. Dieser soll du»ch den btShrrigeu Mtnister-Rrfideuteu tu Luxemburg, Grafen Henckel von Donnersmarck ersetzt werden, au dessen Stelle als Gesandter der bisherige Vortragende Rath im Auswärtigen Amt, vr. Mumm von Schwartzenstein kommen soll.

Wiedererrichtung des BtSthumS Aachen. Za dieser Frage erhält dieSt. 8 " au» dem Aachener Bezirk folgende Zuschrift: In dieser Angelegenheit hat sich Land- rath a. D. Janssen ganz besondere Verdienste erworben und persönlich, sowohl in Rom als in Berlin Schritte gethan, welche insbesondere zu Gunsten von Aachen als zukünftiger BifchosSstadt gemeint waren, vorübergehend soll nämlich auch von Lauten als Sitz eines Bischofs die Rede gewesen sein mtt seinem Dom. Aber nicht lauge kann diese» Schwanken gedauert haben, da für Aachen ungleich mehr tnS Gewicht fiel. Was den Aachener Sprengel betrifft, so würde er im Wesentlichen den Regierungsbezirk Aachen umfassen und da­neben noch dte Stadt München-Gladbach sowie den Landkreis Gladbach des Düsseldorfer Regierungsbezirk», vereinzelt will mau von einer Zuweisung noch weiterer Bestaudthetle des Erzbi»thum» Köln au Aachen wissen, allein eiusttpeilen ohne jede Gewahr für die Richtigkeit. Natürlich, daß dem alten Plane dte katholische Aachener Bürgerschaft mit nicht geringer Genugthuung gegenüberfteht, gleichwie auch bereit» die Hoffnung ausgesprochen wurde, die Stadt Aachen werde sich bere t finden laffen, für das unentbehrliche Prtesterseminar einige Opfer zu brtugru, also mindestens deu Bauplatz unent­geltlich herzugeben. ES herrscht übrigen» darüber volles Einverständuiß, daß bet Lebzeiten des Kardinals Kremrntz an dem gegenwärtigen Umfange de» Kölner Sprengel» nicht» geändert werden soll, und tn diesem Sinne ist dte Meldung, der Zeitpunkt der Besetzung des neuen Bischofssitzes sei offen gelaffen, auch richtig.

Ausland.

Als Mittel zurBekämpfung de» AnarchtSmuS empfiehlt vr. Jurnitschek imSchweizer Allgemeinen An­zeiger für Handwerk, Gewerbe, Industrie und Handel" deu Erlaß eine» Bundesgesetzes mtt folgenden Hauptbestimwungen: 1. Ausländer, welche tn der Schweiz anarchistische Schrtfteu verbreiten, anarchistische Thaien verherrlichen, zum Anschluß an die anarchistische Partei oder eine Gruppe derselben auf« fordern, sich selbst al» Anarchisten brkeuuen, Verschwörungen gegen Leib, Leben oder vermögen politischer Personen im Jnlande oder AuSlaude anzetteln, werden aus dem Gebiet der Eidgenoffeuschaft lebenslänglich auSgewtesen. Rückkehr solcher AuSgewieseuer in daS Gebiet der Eidgenoffeuschaft zieht Zuchthausstrafe von zwei bis fünf Jahren nach fich. 2. Schweizer, welche in der Schweiz anarchistische Schriften mtt Kenntniß de» Inhalts verbreiten, anarchistische Handlungen oder Thaten veiherlltchen, zum Anschluß an die anarchistische Partei oder eine Gruppe derselben auffordern, fich selbst als

Anarchisten bekennen, Verschwörungen gegen Leib, Leben oder vermögen politischer Personen im Jnlande oder AuSlavte anzetteln oder fich in solche einlaflev, find von dem Kanton, in welchem fie dieser Handlungen überführt wurden, bis zur vollständigen Heilung einem Jrrenhanse zu übergeben. Rück- fälligkeit au» dem Jrreuhause entlassener Anarchisten zieht lebenslängliche Versorgung im Jrrenhanse nach fich."

totales unt provinzielles.

Gießen, deu 20. October 1898.

Ntchttheiluehmer-Sesprache. Seit dem 1. d. M. ist im Telephonverkehr eine bemerkenSwerthe Verände­rung betriff» der sogen. Ntchttheilnehmer-Gesprache" em- getreten. Ein derartiges Gespräch ist ein Gespräch, daS mit Jemanden geführt wird, der nicht Theilnehmer an einer Fern- sprecheiurichtuug ist, der vielmehr zu der amtlichen Fern­sprechstelle, wo mau ihn sprechen will, erst durch einen Boten dieser Stelle geholt wird.Nichttheiluehmergespräche" sind wie bisher nur im Vorort- und Nachbarortverkehr, nicht auch im Fernverkehr, zulässig. Der Preis eine» solchen Gespräche« betrug bisher 1 Mark, und dte Dauer war auf 5 Minuten bemessen. Jetzt kostet auch einNtchttheilnebmergespräch" nicht mehr als ein Theilnehmergespräch im Vorort- oder Nachbarortverkehr, dafür tst aber auch die Dauer deS Ge­sprächs von fünf auf drei Minuten herabgesetzt worden. Za dem Preise deS Gesprächs tritt nach wie vor dte Gebühr für das Herbeiholen dessen, der zu sprechen verlangt wird. Diese Gebühr beträgt wie bisher 25 Psg. Später wird diese Eta- rtchtung sicher auch auf den Fernverkehr ausgedehnt werden. Wenn die- einstweilen nicht geschieht, so tst der Grund dafür darin zu suchen, daß durch einNichttheilnehmer-Grspräch", der längeren Verhandlungen wegen, welche dte vermtitelnng eine» solchen Gesprächs erfordert, der Draht mehr benutzt wtrd, als durch ein Theilnehmergespräch. Da nun im Fern- verkehr die Drähte ohnehin au vielen Stellen schon stark in Anspruch genommen find, wird, um nicht eine Übermäßige Belastung der Drähte herbetzuführen, gegenwärtig von einet weiteren Ausdehnung derNichtthetlnehmer Gespräche" noch Abstand genommen. Mit der fortschreitenden Vermehrung der Drähte für den Fernverkehr werden auch der weiteren Zulässigkeit derNichttheilnehmer-Gespräche" dte Wege geebnet.

* Regulirnng der Wärme in den v Zügen. Um de« Retsendeu dte Regultrung der Wärme in den Wagen der V-Züge innerhalb gewisser Grenzen selbst zu ermöglichen, ist eine Verbesserung der HeizungSvorrtchtungen indea Personenwagen der D Züge auf den preußischen Staatsbahnen in der Weise angeordnet worden, daß ohne Aenderung der vorhandenen Einrichtung für Niederdruckheizung tn jedem vom Setteogang abgeschlossenen Abtheil ein kleiner Hetzkörper an­gebracht wtrd, der unmittelbar an die Hauptdampfleitung an­geschlossen und zur Abstellung durch dte Reisenden etnge- richtet wtrd.

Portoseeiheit und Postkarten für Soldaten. Wte die Briefe, so find auch die an Soldaten vis zum Feldwebel auf­wärts gerichteten Postkarten portofrei, was vielfach nicht bekannt zu sein scheint, da fie sehr häufig fravkirt werden. Die Postkarten müssen, ebenso tote die Briefe, den vermerk Soldatenbrief, eigene Angelegenheit de» Empfänger»" tragen. Briefe an Soldaten kosten bekanntlich erst dann Porto, wenn fie über 60 Gramm schwer find. Dte Portovergünstigung tritt nicht ein, im Ort»- und Laudbestellbeztrk des Aufgabe­orte» und für Etnjährig-Freiwillige.

In Amerika verstorbene Hessen. Fort Madison, Iowa, Heinrich Ov ermann, 76 Jahre alt, auS Heffen-Darmstadt. Baltimore, Md., Frau Catharina Hübner, 64 Jahre alt, au» Echzell. Arlkngton, O., Gottlieb Binau, 81 Jahre alt, auS Gadernheim. Lang Island, Frl. Christina Fischer, 48 Jahre alt, au» Roßdorf.

Mainz, 19. October. Mit der Eröffnung de» neuen Schlacht- und BiehhofeS hier, welche eine Schließung sämmtlicher Privatschlachthäuser zur Folge hatte, tst die Frage wieder aufgetaucht, ob und wie weit für die Stadt

hinwegzutäuschen vermag. Nach Heien meist sehr alten kommen von Mdiz her sehr junge Herren: Die Prinzen und Privzchen, die bei den verschiedenen Regimentern ein- treten. Ihnen folgen in geschlossenen Equipagen, mehr oder weniger tief verschleiert, dte bevorzugtesten Damen de» Harem». Boran dte ehrwürdige Vullantu-Mutlec, die, wie jede muhamedanische Frau, dte ihrem Gatten einen Sohn geschenkt hat, im höchsten Ansehen steht. E» find auch junge Damen dabei und durch die seinen weißen Stidenhüllen erkennt man manche» schöne Antlitz von vornehmen Formen mtt großen flammenden, schwarzen Augen. Im Borhofe der Moschee halten die Wagen. Die Pferde werden au-gespannt und die Damen, die ja am Gebet nach mohamedanischer Sitte nicht theilnehrnen büifen, warten hier, bi» dte Ceremonie vorüber tst.

Nun vergehen nur noch wenige Minuten, bi» oben von der Galerie de» Mtnaret herab der Muezzin mit Heller Stimme zum Gebete ruft. Dann ertönen Trompttenfignale, dte Truppen präsenitren, die Musiken spielen eine Weise, die an unseren Präsentirmarsch stark erinnert. Der Padischah hat den Mdtz-Kiosk verlassen. Gleich darauf fährt die kleine zweispänntge Halbchatse, in welcher derKranke Mann" mit demLöwen von Plewna", Okman Pascha, fitzt, lang­sam dicht an uns vorüber. Der Sultan fieht etwas leidend au». Er trägt einen einfachen, schwarzen Rock mit schlichtem Fez ohne jede Abzeichen. Wir begrüßen ihn mit einem kräftigen dreifachen Hurrah, da» ihm aufrichtige Freude zu bereiten scheint.

Während der Sultan zum Gebet in der Moschee weilt, werden wir mit Thee, Gebäck und Cigaretten bewirthet. Als besondere Auszeichnung für un» deutsche Gäste wird dabei wie e» heißt zum ersten Mal bei einem Selamlik

in goldenen Tassen servirt, die nicht nur wegen ihrer Kost- , barkeit, sondern mehr noch wegen ihrer Schönheit Bewun­derung erregen. DaS imponirt selbst den Herren Protzen, die natürlich in einer so großen Gesellschaft nicht ganz fehlen und denen sonst nichts überraschend genug ist- eine von diesen Buchholznamren ließ sich auf dem Parthenon also vernehmen: Schöne Jejend, thenrer Marmor, aber 'neWeiße mit Himbeer" wäre mir do» lieber". Gegen die goldenen Tassen aber haben selbst sie nicht» elnzuwenden und ich bin überzeugt, daß fie sofort da» Thema für mehrere Hundert AnfichtSpostkartentexce abgegeben haben. Noch eine andere Auszeichnung wurde uns zu Theil. Ein Kammerherr de» Sultans ließ fich unsere in Uniform erschienenen Offiziere, unter denen fich auch ein bayerischer General mit Dreimaster uad blau-weißem Helmbusch befindet, vorstellen und über­brachte ihnen die sehnsüchtig erwarteten Medschischt»? Nein, die blieben leider aus wohl aber dte besten Em­pfehlungen Sr. Majestät. Dann wandte fich der gold» strotzende Hofmann an Herrn Carl Stangen und theilte ihm mit, der Sultan habe mit Interesse von den Namen der vielen Mitglieder unserer Gesellschaft Kenntniß genommen, er heiße un» willkommen, wünsche un» angenehmen Aufenthalt und viel Vergnügen und lasse sein Bedauern darüber au»- sprechen, daß er zu spät von unserer Anwesenheit erfahren habe, um noch umfangreichere Vorbereitungen für unsere Bewirthuug treffen zu können.

Daß nach dieser Aufmerksamkeit unsere Hurrah» bei der Rückfahrt de» Sultans noch begeisterter klangen al» bei der Hinfahrt, kann man fich denken. Bei der Rückfahrt fährt der Padischah eigenhändig ein Gespann von zwei herr­lichen weißen Araberhengsten. Die Minister und Würden­träger müssen hierbei hinter ihm herlanfen, wa» bei der

Steilheit de» Wege» manchem würdigen Herrn arge Schwierig­keiten verursacht und für den Fremden ein ganz curioses Schauspiel darbietet. Am nächsten Freitag aber werden fie. wohl mit noch größerem Pflichteifer laufen als gen ähnlich, um den deutschen Kaiser von der frischen BewegungSfähigkett der türkischen StaatSmaschine in recht augenfälliger Weise z« überzeugen.

Da» Programm für den Aufenthalt de» Kaiserpaare» am goldenen Horn umfaßt außer dcr Parade am Fretta» noch eine BoSporuSfahrt am Mittwoch und einen Ritt um die Mauern von Stawbul am Donnerstag. Außerdem am Dienstag ein Besuch der deutschen Schule in Ausfich» genommen, die bereits an 500 Schülern und Schülerinnen zählt und sehr segensreich wirkt. Hierüber wird fich schon noch etwa» Genaueres mittöeden lassen.

Bei dem Empfang des Kaiserpaarc» wird Deutschlav» in würdiger Weise vertreten sein. Unsere Gesellschaft hrt fich mit dem hiesigen deutschen VereinTeutonia" in Ver- bindung geletzt und nach den Abmachungen mit der deutsch« Botschaft ist nunmehr bestimmt worden, daß wir dem Kaistt mit vier Schiffen eutgegenfahren werden. Am Eingang I» den Bosporus vom Marmarameere her werden die vier Schiffe, unsereBohemia", zwei Dampfer mit bi< an hundert Personen umfassenden deutschen Colonte und ein Fahrzerz mit den Schulkindern der deutschen Schule, Spalier bittea und sich dann nach dem Borbeifahren derHohevzollern" uai ihrer beiden Begleitschiffe der Kaiserlichen Flottlle bi» nach Dolma-Bagtsche anschließen, wo der große Empfang ftoii' findet. Wir alle können schon kaum die Zeit erwarten W zu dieser Stunde, und die Zusammenkunft, die für heickt Abend in derTeutonia" verabredet ist, wird gewiß ba|« beitragen, unsere begeisterte Stimmung noch zu steigern.