Ausgabe 
21.8.1898 Drittes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ii>n!

s L

£ E C- M

3>_ et

3 5 « K

E * h

= L

v

V

E - a» b

L a

C £ ti A

« Q K

C S 3 K a L v E

ZL

ü t I Q

iah« t» 3 u v SSL s

sT

A

V a «4

- 6

72

Hitk

lder zu und unter

ssen)

ineralwaeaer.

ilelwasser.

gegen Catarrhe » - Grippe - i-Anetalten etc.

Erfrischung

; Sect, Cognac, 6694

iseen.

®

®

7432

rauchen?

«11

.ed-E ment biHi6«r> ihof»trJ

D

isch-«Lcen«' Reco''"'"

>i4t

cttentobrlk

«rt«%»

Nr 195 Drittes Blatt. Sonntag den 21. August

1S98

HgH4

tt LuSnahme brt Äentogl.

Die Sttßenrr »eet(t<e»(»tter wrScn dem Lnzeigrr ***mfhd) viermal bfigflfgt.

Gießener Anzeiger

JUlMMTrf* »terltgätzrNch

9 Mark 90

mmiatllch 75 mit Vringrrlvtz».

VN Velkgug

8 Mark 50 Wg. ttrrtdjMrtt*

Net wen Anzeigen zu brr Nachmittag» für br» vatchenbrn tag erlcheinrnben Nummer bi» Barm. 10 Uhr.

General-Anzeiger

Air Anzeigen.BcrmtttlungsKrllrn M In. unb KaMaatat nehmen Anzeigen *^r den Girhener Unzriger «»WWW

Amts« und Anzeigeblatt für den Kreis Giefzen.

lUUcttan, Gspebilivn enb Druckerei:

>4*fitet< »r- 7.

I Gratisbeilage: Gießener Familienülätter.

Abreffe für Depeschen: Anzeiger Kietze«.

Fernsprecher 1h. 51.

Politische Wochenschau.

Mehr und mehr wendet fich die allgemeine Aufmerksam- ketr den bevorstehenden preußischen Landtagswahlen zu, die insofern ein besondere» Juterrffe beanspruchen, al» ja die Soeialdemokraten sich diesmal netto an dem Wahlkampf detheiligen wollen, dem fie bisher gleichsam als völlig Un> briheiligte au» der Ferne zugeschaut haben. Wir haben schon früher, gleich nach der Beschlußfassung de» Hamburger PattU- tag», unserer Anficht dahin Au»druck gegeben, daß da» Ein« greifen der Socialdemokratie in die preußischen Wahlen dem Sbgeordnereuhause kaum ein andere» Gepräge geben werde, wenigsten» vorläufig nicht.

Die englische Prrsie fignalifirt mit großer Bestimmtheit eine bevorstehende Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit dem Ezaren auf russischem Boden. An und sür sich hat-diese Meldung nicht» Ausfällige», wenn auch die von dem betr. Londoner Blatt gebrachte weitere Nachricht, daß diese Entrevue auf dem Schloß de» Fürsten Hohenlohe in Werk! stattstndeu werden, nicht sehr wahrscheinlich und die Meldung ganz un­begründet ist, daß Kaiser Wilhelm dem Czaren beruhigende Erklärungen wegen seiner Palästinafahrt geben wolle. Dem Ezareu Erklärungen zu geben, dazu liegt kein Grund vor, unb wären dieselben nothweudig gewesen, um etwaige Ber- siimmungen zu hintertreiben, so würde auf diplomatischem Wege da» Erforderliche sicher schon längst veranlaßt wordru sein. I« Uebrigen scheinen die Türken den größten Borihetl au» der Reise unsere» Kaiser» ziehen zu sollen, denn die Be­hörden de» o»wanischeu Reich» find sehr unsanft aus ihrem Schlaf geweckt worden, um die Vorbereitungen für den Empfang b » deutschen Herrscher» zu treffen. In der Türkei liegt viele» im Argen, wa» man den Augen de» sremdeu Monarchen nicht gern enthüllen möchte. Wege und Stege in den Pro« vlnzeu find höchst lodderig und müffru nun schleunigst in Ordnung gebracht werden, so daß die Bewohner dauernde Üortheile darau» ziehen.

In Portugal gab e» im Laufe dieser Woche eine Mlnisterkrtfi», welche jedoch bereit» gehoben ist. Da» kleine Land hat stark unter den ungünstigen Finanzen zu leiden, and die Unzufriedenheit hat daselbst weite Kreise gezogen, so daß die Monarchie auf schwachen Füßen steht und bei einem heftigen Anprall tu Trümmer zu gehen droht.

Da» angrenzende Spanien steht nunmehr vollständig unter dem Eindruck de» Frtedensschluffe». ES scheint, als lütte das Land den Kelch der Demüihtguug bi» zur Neige kosten sollen, denn auch Manila hat fich den Amerikanern

noch ergeben müffen. Mangel an den norhwendtgfien Nahrungs­mitteln ist auch hier der Grund, weßhalb die Spanier capitulirt haben. Den Amerikanern kommt die Uebergabe Manilas natürlich sehr recht, insbesondere angefichtS der so unbestimmt lautenden Bestimmungen bezüglich der Philippinen der Friedenspräliminarien. Schon fordert ein Theil der amerikanischen Preffe, daß man nun die malahlsche Insel­gruppe nicht wieder herauSgrbe, nachdem die Unionsarmee Befitz von der Hauptstadt genommen habe. Wie wir schon mehrfach auSgesührt haben, dürfte denn auch die Philippinen- frage zum Stein de» Anstoße» sür den günstigen Verlauf der Frieden»verhandlungen werden. Wir wollen vorläufig mit unseren Erörterungen zurückhaltrn bi» eine Klärung der An­gelegenheit eingetreten ist, umsomehr, als jetzt auq die In­surgenten in Action zu treten scheinen und den Amerikanern die Früchte de» Steges streitig machen oder wenigsten» mit ihnen die Beute theilen möchten.

All' die Lonflict» gerüchte, die bezüglich England» und Rußlands in Umlauf waren, sollen nicht wahr gewesen sein, wenigsten» versichert jetzt die Londoner Preffe, daß Alle» in schönster Ordnung sei. Aber die Ernennung deS neuen Vice- könig» von Indien läßt doch darauf schließen, daß England auf seiner Hut ist und seinem Rivalen stark auf die Finger sehen will.

In Frankreich steht die Drehfuß Hydra noch immer im Vordergrund de» JnterefftS, aber etwas Neue» hat fie noch nicht wieder hervorgebracht. Esterhazy ist au» der Unter­suchungshaft entlasten worden, was übrigen» nach dem ganzen Gang der Untersuchung kaum noch zweifelhaft war, ebenso wie e» höchst zweifelhaft ist, daß dem Obersten Picquart der Prozeß gemacht werden wird. Damit Waffen aber die französischen Chauvinisten die DrtysuS-Affaire nicht au» der Welt! (xx)

Deutsches Reich.

Berlin, 19. August. Da»Berliner Tageblatt" meldet aus Pari»: Da» Profefforen-Eollegium der Sorbonne hat eine Adreste an den Unterricht»winifter Bourgeoi» gerichtet, um gegen die Maßre g e lu n g de» Professors Stapfer zu protestiren. 35 Professoren von 43 haben die Adresse unterzeichnet.

Berlin, 19. August. Bon einem Misfionar tn Süd- Shantung geht derGermania" ein ausführlicher Bericht über die Verfolgung ber Mörder der dortigen I deutsch en Missionare zu. Aus demselben ergibt fich

die Bestätigung der Beschuldigung gegen Eugen Wolff, wonach er fich al» Vertreter de» deutschen Gesandten in China aus- gegeben und den Misfionaren geholfen hat, unschuldig Ver­folgte unter stillschweigendem Zugeständnis de» chinesischen Mandarinen au» der Haft zu befreien.

Berlin, 19. August. DiePost" berichtet, daß betreff» de» von dem Reisenden Eugen Wolff in Shantung ver­übten Falle» autokratischer Gerichtsherrlichkeit eine eingehende amtliche Untersuchung eingeleitet ist. Wie die Post" erklärend auSsührt, würde Wolff» Handlung fich im Sinne unsere» Strafgesetzbuches zunächst darstellen, al» un­befugte Ausübung eine» öffentlichen Amte» bezw. unbefugte Vornahme einer öffentlichen Amtshandlung, welche mit Ge- fängniß bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 300 Mark bestraft wird Außerdem habe fich Eugen Wolff der vorsätzlich widerrechtlichen Befreiung von Gefangenen schuldig gemacht, wa» mit Gesängnih bi» zu 3 Jahren bestraft wird.

Berlin, 20. August. Aus Kamerun berichtet da» Commando des Habicht, daß da» LandungScorp» de» Habicht einen erfolgreichen Streifzug gegen die Mpaugwe» unternommen habe, die die Station Kampo unweit Kribi (Kamerun) bedrohten. Seit dem 7. Juni versuchte ein Stamm der Mpangwe, die Mbasfis, die Gegend um die Station Kampo zu beunruhigen. Sie plünderten eine Karawane, ver­übten verschiedene Diebstähle und bedrohten den Verwalter der dortigen Cacaoplantage mit Gewalt, sodaß er fich genöthigt sah, von seiner Schußwaffe Gebrauch zu machen. Später wurde ein schwarzer Arbeiter von den Mbassi» schwer ver­wundet, sodaß er am Tage nach der Verwundung starb, worauf alle schwarzen Arbeiter, etwa hundert Mann, an» Angst die Plantage verließen. Auf Bitten de» Leiters der Station wurde während der Nacht zum Schutze eiuLaudungS- zug de» Habicht an Land geschickt. Dieser hatte den Befehl, Station und Plantagenhau» zu besetzen, am nächsten Tage den Versuch zu machen, den Hauptanführer der Aufständischen sowie einige von ihnen gefangen zu nehmen und die Dörfer der Mbasfis, die etwa zwei Stunden von Kampo entfernt im Busch lagen, niederzubrennen. Erstere» ist dem Expedition»- corp» nicht geglückt, da alle» au» den Dörfern in den Busch geflohen war, wohin eine Verfolgung unthunlich erschien, da die» von der am nächsten Tage zu erwartenden Schutztruppe gründlicher auSgesührt werden konnte. Die feindlichen Dörfer wurden indrffen niedergebrannt. Auf dem Marsche dahin wurden al» Seitendeckung gegen plötzliche Uebersälle im Busch

Feuilleton.

Wanderöitder aus dem Spessart.

Bon Carl Geißler.

I.

Trotzdem da» Fahrrad fich längst die Welt erobert hat, habe ich noch immer eine Vorliebe für da» Wandern. Eine Reise um die Erde zu Fuß ist heute noch «ein Ideal, dessen Verwirklichung ich al» da» schönste Ziel meine» Leben» be­trachten würde, wenn Ich über da» nölhigr Kleingeld und die erforderliche Zeit verfügen könnte. Da ich aber nur in geringem Maße über diese beiden Dinge gebiete, so muß ich »ich bescheiden und mit kleineren Fußwanderungen vorlieb nehmen, die ich nicht allzu laage auSdehne, damit ich nicht »ft in die Lage komme, in Gasthäusern übernachten zu üffeu.

Ich gestehe, ich habe eine Abneigung gegen daS Logiren In Gasthöfen - der Anblick eine» bepackten Reisekoffers flößt «r Entsetzen ein und befrackte, auf Gummisohlen einher- gleichende Kellner und andere Bedientengefichtrr find meine erklärten Feinde. Ich weiß e», man ruht am besten l» eigenen Heim- wenn der Abend naht, will ich schlafen in «einen ,m Grün verborgenen Häu»chen, wo die Tanne vor »eine« Fenster rauscht und fröhliche Vogelstimmen den iahenden Morgen verkünden.

Erdrückende Hitze ist die Signatur der letzten August, tage. Wir d. h. mein Freund Zacharia» Tröppelweier rud ich find heute frühzeitig aufgebrochen, nm mit der Eisenbahn die Station Sulzbach am Main zu erreichen unb von boxt au» unseren Streifzug in den lieblichen Spessart zu beginnen.

Mein wohlbeleibter Freund bedarf dringend der Stärkung seiner durch anstrengende geistige Thätigkeit etwa» herab­gekommenen Nerven und will die» erreichen durch den Auf­enthalt in den stillen Thälern und herrlichen Wäldern de»

Speffart». Al» Grundbedinguog für daS Wohlgelingen einer jeden Fußwanderung dünkt meinem Freunde ein kräftige» Frühstück, wehhalb wir ein solche» in dergoldenen Sonne" zu Sulzbach in doppelter Quantität eivnehmen, wobei wir natürlich nicht unterloffen, die in Anbetracht der übergroßen Hitze unbedingt noihweudige Befeuchtung mit Pfälzer Rothem eintreten zu laffen.

Daun führt unser Weg in der Sounengluth de» Morgen» hinan» nach dem eine Stunde von Sulzbach am Fuße de» vorspeffart» in einem schönen Thälchen gelegenen Bad Sodenthal. Diese freundliche Heilstätte früher eine Saline besitzt einige jodbromhaltige Qulllen, deren Heil­kraft gerühmt wird- da» Bad erfreut fich einer jährlich wachsenden Frequenz seitdem Herr Proseffor Hoffer au» Würzburg Eigenthümer deffelbru geworden unb durch Her­stellung zeitgemäßer Neueinrichtungen auch höheren Ansprüchen genügen kann. Da» alte Kurhau» hat durch den Anbau einer Restauratton»halle eine nicht unwesentliche Vergrößerung er­fahren- ein neu erbaute» stattliche» Blockhau» neben dem Kurhau» unb eine prächtige Villa am jenseitigen Bergabhange finb zur Aufnahme von Kurfremden bestimmt. Wer fern vom Getriebe der Menschen Heilung, Ruhe und Erholung suchen will, der findet in Sodenthal hierzu Gelegenheit- die friedliche Stille de» Orte», der hübsche Park mit den schönen Waldspaziergängen genügen allein, eine wohlthätige Wirkung auf den Mengen hervorzubringen.

Wir ließen nn» nieder, um an» zur Weiterwanderung zu stärken und wanderten bann nach dem Genuß von Frankeu- unb Moselwein, den wir sür gut unb prei»würdig befanden, weiter bergan nach der Hohen Warte, die wir nach etwa anderthalbstündigem Marsche auf schönen Waldwegen erreichten. Leider laffen ans diesem Wege die von dem vereine der Speffartfreunde hergestellten farbigen Wegzeichen viel zu wünschen übrig, da dieselben zum größten Theile verblaßt und erneuerungSbedürftlg find- wir gingen dehhalb auch öfter» fehl, doch gelang e» nn» immer wieder, den rechten

Weg zu finden. Auf dieser langen Wanderung begegnet man in der R:gel keiner Menschenseele, doch ba gerade Feiertag war, so hatten wir da» Glück, mit Speffartbewohnern zu­sammenzutreffen, die unS, besonders aber zu meine» wohl­beleibten Freunde» Beruhigung, verkündeten, daß tn dem nicht mehr fernen Hohewarthäu»chen eine Erfrischung zu haben sei. Wir verdoppelten nun unsere Schritte und fanden zu unserer Freude inmitten de» herrlichen Walde» ein Häu»chen, da» die müden Wanderer anfntmmt. Der Förster von BolkerSbrunn betreibt dortselbst au Sonn- unb Feiertagen eine Wirthschaft, wo man für wenige» Veld eine anständige Verpflegung erhalten kann.

Da» HohewarthäuSchen liegt in einer der Stadt Aschaffeu- bürg zu Eigenthum gehörigen Waldung. Im vorigen Jahr- hundert al» Schutzhütte für den Förster erbaut, wurde e» vor Jahrzehnten durch Ausbau eine» zweiten Stockwerk» ver­größert und bietet jetzt für eine große Anzahl Personen Raum. Da» freundliche WirthSzimmer ist getäfelt und theil- weise mit Wandbildern auf» Schönste geschmückt, die alt­deutsche Ausstattung läßt nicht» zu wünschen übrig, und zwei ausgestellte Feldbetten laden den Wanderer zur Rast ein. Alle», wa» ba» Auge hier fieht, ist von Freunben de» Walde» und der Hohen Warte gestiftet worben, um den Besuchern ben Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, von dem Frembenbnche, der Tischdecke und der Guitarre bl» zu den Feldbetten, den Wandschränken und den Butzenscheiben. Ein Ofen tn der Ecke de» Zimmer» deutet au, daß da» WarthauSchen selbst im Winter Besuche empfängt.

Um da» Häuschen befinden fich teraffeaförmige Anlagen, die mir Tischen und Bänken versehen find und auch größeren Gesellschaften Gelegenheit geben, hier eine Festlichkeit zu ver­anstalten- ja, selbst eine Kegelbahn und ein großer Pferdestall ist vorhanden.

Zu unserer Freude trafen wir gute Gesellschaft. Ein Herr au» Aschaffenburg hielt fich mit seiner Gattin einige Tage hier auf, um der Jagd auf Rehböcke obzuliegen.