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lidlet Zunnahwe ihrer Tiefe nach dem äußersten Norden ge- iltft. lieber der scaudtnavischen Halbinsel sind dabei die uckunterschiede sehr erheblich und betragen sie in der Rich«
mng von Nord nach Süd mehr als 35 Millimeter. Aus nlerem Gebiete bleibt die Witterung die gleiche. — Bor« ILS sichtliche Witterung: Keine Aenderung deS Witte« lwagScharaeterS.
Sociale und individuelle Ursachen von Verbrechen,
•0* lautet das Thema, über das in der letzten Wochenver- aminlung der Turngemeinde Darmstadt Herr Amts- itrroalt Dr. Pusch in nahezu zweistündigen Ausführungen i«h verbreitete, An Händen eines reichhaltigen Materials D':e6 der Redner anschaulich nach, in wie vielfacher Weise )sr Mensch dem Verbrechen zugeführt werden könne. Zumeist ;erschehe es wohl aus Roth; ein satter Mensch habe es viel e chter, zufrieden zu sein. Besonders schlimm sei es, wenn iui der Armuth Mangel an dem sittlichen Bewußtsein und L^aracterschwäche trete. Hierher gehörten fast alle Vergehen zagen das Eigenthum, sowie namentlich auch die Prostitution, riir in sich wiederum den Anreiz zu zahlreichen weiteren Verschlungen trage. Begünstigt werde diese Art des Verbrecher- ihütms durch unsere iocialen Verhältniffe, rasches Anwachsen )er Industrie, die Frauen- und Kinderarbeit, mangelhaftes rmilienleben und andere gleichartige Ursachen. Hierher zchören auch Betrug u. s. w. Eine zweite Art von Ver- zchungen seien die sog. Rohheitsdelicte, Körperverletzungen, Strleidigungen u. s. w., deren Ursachen mehr individueller JJhtur seien.
Namentlich der Zusammenfluß der Menschen in den Moßstädten und Jndustriegegenden, sowie vor allem der Lkrrmäßige Alkoholgenuß seien die Ursachen zur Mehrung )er Gewaltthätigkeiten. Sehr leicht führt dieses zu Verzechen wider das Leben, deren Motive sonst sehr verschieden se'in können. Die schlimmste Art sei der Raubmord, die oßysiologisch interessanteste der Kindesmord. Die vierte große Gruppe der Vergehungen ist in schneller Zunahme begriffen, bi-e Verbrechen wider den Staat und die öffentliche Gesell- idgaft. Namentlich die gesteigerte Betheiligung aller Bürger acn öffentlichen Leben, die Wahlagitation u. s. w. führen hi.rr vielfach zu Vergehen gegen das Strafgesetz, oft aber n_ich das ungeschickte Vorgehen der Sicherheitsbeamten, wie la; in letzter Zeit mehrere besonders auffallende Fälle gezeigt iahen. Als traurigstes Zeichen, wohin die Leidenschaft den Menschen führen könne, führt Redner den Anarchismus, den ikmeg Aller gegen Alle, an.
So sind es in den meisten Fällen Trunksucht, Sitten- lotigfeit und Roth, die den Menschen auf die Bahn des L rrbrechens führen, während die individuellen Eigenschaften »et Menschen mehr die Art des Verbrechens bestimmen. Dohl auf die Einrichtung der Arbeitshäuser ist es zurück- ;u. Ähren, daß sich die Zahl der Gewohnheitsverbrecher, die i< meist aus sog. fahrenden Leuten, Landstreichern u. s. w. ich ergänzen, im Abnehmen begriffen find. Es wird eine h«uptaufgabe der menschlichen Gesellschaft sein, durch Besserung »er socialen Verhältnisse und durch gesteigerte Bildung der Massen dem Einzelnen zu ermöglichen, den Kampf uuis Da- ein auch ohne Conflict mit Gesetz und Moral zu führen. 13i dem Criminalisten aber ist es, durch Aufdeckung der llasachen zu den Verbrechen es zu ermöglichen, diese Ursachen M beseitigen und somit die Möglichkeit, Verbrechen zu be- zchen, zu verringern.
Mit diesem trostreichen Ausblick in die Zukunft schloß ebner seine interessanten Ausführungen aus den Nachtseiten bt:i heutigen Culturlebens.
Verrochßchte»
* Frankfurt a. M., IS. Janvar. Uebcr einen Uns all imf b?m Bahnhof Hanau (Ost) verlautet: Heute früh jh 4 Uhr 38 Mln. ist der Gütrrzug 706 von Gießen im 8'ichnhof (Ost) auf zwanzig im EinsahrrSgeleise stehende S'tterwagen aufgefahren. Hierbei sind die Zugmaschine atc» zehn Güterwagen stark beschädigt worden, so daß her Materialschaden nicht unbedeutend ist. Menschen wurden oiiht verletzt, auch keine BerkrhrSstöruogen heroorgerufen. ll.der die Ursache deS UafalltS wird die eingeleitete Unter- lochuag das Nähere ergeben; muthmaßlich trifft den Weichensteller die Hauptschuld, der seiner Pflicht insofern nicht genügt hat, als er sich vor dem Geben des EinsahrtfignalS ritzt davon überzeugte, ob das Ginfahrtgeleise frei war obeer nicht.
♦ Koblenz 18. Januar. Ein Einjähriger des 288. Infanterie Regiments ist in der letzten Nacht vom ZsesiungSwerk auf Die Moselfläche abgestürzt. Heute gegen Mittag wurde die Leiche mit gebrochenem Genick auf« Mnden.
• Corfu, 18. Januar. In dem Augenblicke, alS die BHptr in der katholischen Kirche endete, griff ein junger vlensch die Priester an und schlug auf vier derselben ein. ßia Priester wurde getöbtet unb ein anderer lebens« gefährlich verletzt. DaS Verbrechen rief lebhafte Bewegung ^«röor.
* Eine Nachricht von Anbree? „Wolffs Bureau" meldet au® Stockholm vom Donnerstag: „Professor Nordenskjöld Mte in der Akademie der Wissenschaft mit, dem Ministerium bss Aeußeren sei eine Nachricht zugegangen, nach welcher jmschen dem 4 und 7. August 1897 in Britisch-Columbien unter dem 53. Grade 20 Minuten nördlicher Breite und bsn 121. Grad 30 Mir.^ten westlicher Länge, sieben Meilen Edlich vom Quesnelle-See, von mehreren glaubwürdigen Personen ein Ballon beobachtet worden sei. Nordenskjöld Mt die Nachricht für eine derartige, daß eine nähere Untersuchung derselben empfehlenswerth sein dürste. — Andrer W mit seinem Ballon am 11. Juli auf Spitzbergen auf- gerttegen. Nach dem Gutachten von Sachverständigen wurde rngenommen, daß der Ballon nicht länger als 30 Tage in
der Luft schwebend erhalten werden könne. Danach wäre in der Theorie die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß am 4. August der Ballon gesehen morden ist. Es bleibt aber zu bedenken, daß auch im Jahre 1896, als Andree überhaupt nicht aufgestiegen war, aus Britisch-Columbien die Nachricht eintraf, Andrees Ballon sei unter dem 55° 15z nördlicher Breite und 127° 40' westlicher Länge — also nicht gar so weit entfernt von der Stelle, wo der Ballon auch in diesem Jahre beobachtet sein soll — „von zwei zur Zeit weit von einander entfernten Indianer-Trupps" glaubwürdig gesehen worden. Die falsche Nachricht wurde damals schon am 11. August bekannt, es ist auffallend, daß diesmal eine Nachricht aus denselben Gegenden fast ein halbes Jahr später eintrifft. 1896 wurde angenommen, die Phantasie habe den Nothhäuten einen Streich gespielt. Ueberall in den Polar- gegendcn war den Bewohnern die mögliche Ankunft einer in der Lust schwebenden großen Kugel angekündigt worden und bei Rettung der mit dem räthselhaften Lustgefährt eintreffen- ben Menschen eine Belohnung versprochen worden; die Indianer hatten sich damals wohl in ihrer Phantasie eingebildet, daß sie wirklich gesehen, was sie zu sehen hofften.
* Da werben sich die Fluvbern wunbern — das ist das neueste Berliner geflügelte Wort, welches das vielberufene „Du ahnst es nicht" abgelöst hat. Es wird mitgetheilt, daß man diesen Coupletrefrain, den man jetzt in verschiedenen kleineren Casechantants zum größten Gaudium des Publikums allabendlich vernimmt, bereits in der verschiedenartigsten Weise selbst in der „Gesellschaft" anwenden hört. Als die Rede davon war, daß Paul Schlenther Director des Wiener Burgtheaters geworden ist, hieß es allgemein: „Da werden sich die Flundern wundern"; als man bemerkte, daß ein bekannter Maler beim gestrigen Ordensfeste leer ausgegangen sei, hieß es ebenfalls im Chor: „Da werden sich die Flundern wundern", und derselbe Ruf ertönte, als die Nachricht sich verbreitete, Frau X. sei diesmal mit ihrem — Gatten nach Nizza gereist. Das neue geflügelte Wort stellt sich stets ein, wenn eine Meldung den Gipfel des Seltsamen erreicht. Als im Spielsaal des P-Clubs in der Nacht zum Sonntag unwiderleglich feststand, ein sonst vom Glück merkwürdig begünstigter „Cavalier" habe im Makao eine große Summe verloren, sagten seine Spielgefährten wie auf Verabredung: „Da werden sich die Flundern wundern", und als gestern früh die Zeitungen eine Gerichtsverhandlung veröffentlichten, aus der hervorging, daß bei einem Zusammenstoß zwischen einem Rowdy und einer anständigen Frau drr Schutzmann nicht die angegriffene Dame, sondern den Rowdy verhaftet hatte, erhielt die neue Redensart Bürgerrecht an manchem Frühstückstische der Neichshauptstadt. Ja, sogar bis in die Ministerhotels scheint — nach einer allerdings unver^ bürgten Meldung — das Bonmot gedrungen zu fein. Als dem Herrn Eisenbahnminister berichtet wurde, daß sich in den letzten Tagen auf den preußischen Bahnen kein nennens- werther Eisenbahnunfall ereignet habe, soll dem Gehege seiner Zähne dieses neueste geflügelte Wort entflohen fein und auf Die Petition einiger besonders enragirten Flottenschwärmer um Ertheilung des Abiturlentenzeugnlsscs an die Ludwigsluster Tert aner, die 54 Mark und 67 Pfennige zum Bau von neuen Schiffen aufgebracht hatten, soll der Herr Cultus« minlster die Marginalbemerkung geschrieben haben: „Da würden sich ja die Flundern wundern". Nach alledem darf man also darauf gefaßt fein, daß der neue Reim ebenso rasch wie die Berliner Gewächse ähnlichen Genres feinen Weg durch alle Gaue machen wird, der neue Reim, der in der Zelt, die im Zeichen des Verkehrs steht, in Verkehr gefetzt wurde.
* Si« UnglfidSbrief Ein bekannter Brüsseler Bildhauer erhielt einen Brief, in welchem eine Dame sich in den bittersten Vorwürfen über feine Untreue erging unb ihn anklagte, daß er sie verlassen habe. Der Schluß lautete: „Du erinnerst Dich doch noch, daß Du heute vor einem Jahre unser Kind ins Waffer geworfen hast, und ich habe geschwiegen." Der Bildhauer laS kopfschüttelnd den Brief zu Ende und betrachtete dann nochmals die abreffe und die Unterschrift. Nur bemerkte er, daß der Bries nicht an ihn, sondern an einen Kaufmann, einen Herrn ähnlichen Namen-, gerichtet war, der in der nächsten Nähe wohnte. Auf da- Aeußerste erregt darüber, daß er durch diese Adreffenverwechselung Mitwisser eine- so furchtbaren Geheimnisses geworden war, begab sich der Künstler sofort zu dem jungen Kaufmann. In dessen Wohnung erfuhr er jedoch, baß derselbe nach Tpaa gereift wäre. Einen ganzen Tag lang trug der Bildhauer nun den Brief bei sich, un schlüssig, waS er thun solle; endlich sandte er ihn an die Staatsanwaltschaft. Als der junge Mann, dem der Bries gegolten, verhaftet werden sollte, wurde ihm sofort klar, um was eS sich handelte, und ehe e- der Criminalbeamte verhindern konnte, ergriff er einen auf dem Tische liegenden Revolver und erschoß sich. Der Unglückliche war mit einem Mädchen aus angesehener Familie verlobt, und noch in diesem Monate sollte die Hochzeit sein.
Universität». Nachrichten.
— Cassirung eines Doctor-Diploms. AuS Tübingen schreibt man der „Frkf. Zig.": Eine Erklärung, die soeben von der hiesigen philosophischen Facultät im Anzeigeniheil des Literarischen Centralblattes veröffentlicht wird, lenkt die Ausmerkiamkrit writester Kreise aus einen akademischen Zwischenfall, wie er glücklicher Weise sehr selten vorkommt, der aber gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zu der F<age deS Druckzwangks bei den Doctor-Dissertationen bedeutet. Der Sachverhalt irt in Kürze folgender: Vor fast fünf Jahren hat die hiesige philosophische Facultät einen gewissen I. R. auf Gru» d einer eingrreichten Doctorschriit zum Doclor der Philosophie promooirt. Im gleichen Jahre reichte der junge Doctor seine Doctorfchrift bei der Redaction des philosophischen Jahrbuches der GörreS-Gesellschast zur Veröffentlichung ein; hier mußte aber mitten im Druck die Ver öffentlichung unterbrochen werden, weil Professor Baeurnker in Breslau feststellte, daß die Abhandlung in wesentlichen Tbeilen und im größten Umfange nur ein Plagiat seines einige Jahre vorher erschienenen Buches über da« gleiche Thema darftelle. Daraufhin wurde die peinliche Angelegenheit von der ptomovirenben Facultät in die Hände genommen, diese kam aber zu keiner Entscheidung,
weil — nicht sestgestellt werden konnte, ob das Plagiat schon in der Doctorschrift enthalten, ober, wie der Betceffende behauptete, erst nachher durch Umarbeitung herelngebracht worden sci: die Facultät hat nämltch keinen Druckzwang für die eingereichten Dissertationen, und sie behält nicht einmal ba6 Original der Dissertationen in ihren Acten l Jetzk, nach mehr als vier Jahren erst, ist die Facultät dazu gekommen, den damals verliehenen Doctorgrad „wegen Plagiats für null und nichtig zu erklären", well der in Frage stehende „Doctor" sich in Straßburg als Privaldocent habilitiren wollte, und weil r un bei diesen Verhandlungen solche Widersprüche über das Schicksal der Doctor-Dissertalion zum Vorschein kamen, daß die promooirenbe Facultät jrßt die Ueberzeugung gewann, das Plagiat fei schon in drr Doctor-Dlssertatton begangeu worden. Also jetzt, nach so langer Zeil, wird auf Grund von Jndic enb.wetsen der Doctortitel aberkannt, und auch jetzt wäre es natü lich nicht dazu g'kommen, wenn der Betroffene sich nicht hätte habilitiren wollen! Wenn das bei einer philosophischen Facultät pafftren kann mit d m Plagiat eines Buches, das kurz- Zett vor der betreffenden Promvlion über den gleichen Gegenstand erschienen war, also nicht etwa mit dem Plagiate eines versteckten Zeitschriftenaussatzes oder einer wenig verbreiteten anderen Dissertation, — muß man da nicht neuerdings mißtrauisch weiden, ro nn an der einen ober anderen Universität heute noch Vrüfungsarbeitrn von durchgefallenen Referendaren ohne Weiteres als Dissertation angenommen, diese „Dissertationen" aber wegen Mangels des 1 ruckzwanges niemals der Kritik der wissenschaftlichen Welt unterbreitet werden? Dieser Tübing r Zwischenfall ist so interessant, daß er aller Voraussicht nach zu recht ernsthaften und vlellerchl heilsamen Erörterungen über die PromotionSfrage an unseren Universitäten Anlaß geben wird.____
HMMirust in her Synagoge
SamStag den 22. Januar 1898
Vorabend 48a Uhr, Morgens 9 Uhr Predigt. Weit® de» Geburtstages Tr Majestüt deS deutsche« Kaiser-. Nachmittags 3 Uhr, Sabbat Haus gang 545 Uhr.
Gottesdienst der iSraelittschm RettgionSgesellschaft.
Sabbathfeier am 22. Januar.
Freitag Abend 4« Uhr, Samstag Vormittag 8" Ubr frtit® deS Geburtstages «r- «ajestLt des deutschen Kaisers. Nachmittag 3 Uhr, Sabbathausgang b" Uhr.
Nachmittag 2» Uhr SchrifterklLrung Bahnhosstr. 50.
Wochengottesdienst Morgens 7" Uhr, Abends 4J0 Uhr
Verkehr, €aub* tmfr
SiMburg^ 19 Januar. Fruchtmark! Rother Wetz« JL 16,88, weißer Weizen X 00.00, Korn X 10 96, Gerste X 10.90, Hafer X 6.96.
Neueste Nachrichten.
Depeschen des Bureau „Herold".
Berlin, 20. Januar. Ja die Commission zur Be- rathung der lex Heintze sind Seitens der soctaldemo- krattschen Fraction die Herren Bebel und Auer in Vorschlag gebracht. Den Abgeordneten Stadthagen, der dem „Vorwärts" zufolge heute seine sechswöchevtliche Haft autritt, wird Kuvert in der Commission vertreten.
Berlin, 20. Januar. Der bisherige Vertreter Chinas am hiesigen Hose, Herr Hsue, ist von Peking auS angewiesen worden, seine Rückreise noch aufzulchleben. Der Kaiser wünscht, Laß Herr Hsue so lange in Berlin bleibt, bis die Kiao-Tschau-Frage ihre völlige Erledigung gesunden hat.
Berlin, 20. Januar. Eine gestern Abend stattgefunbene Frauenversammlung mußte wegen deS außerordentlich starken Andranges lange vor Beginn polizeilich abgesperrt werden. In den Vorträgen wurde besonders auf den Fall Köppen hingewiesen. Die Vorschläge wurden besprochen, die von Setten der Frauenkreise zur Aenderung der Sittenpolizei gemacht worden find. Auch wurde beschlossen^ an den Reichstag mit Anträgen heranzutreten. Herren wurde der Zutritt zu der Versammlung nicht gewährt.
Wien, 20. Januar. Der Ministerpräsident Gautsch begibt sich heute in Begleitung deS Finanz- und Handels- Ministers nach Budapest.
Prag, 20. Januar. Am Graben und auf dem Wenzels- platze fanden gestern Abend wieder Versammlungen von Tschechen statt, worauf Militär die Straßen und Plätze besetzte. Auf dem Wenzelsplatze sammelte fich die Menge wiederholt, sang nmional-tschechiche Lieder und versuchte, durch die Straßen zu ziehen, wurde aber stets durch Cavallerie zersprengt. Gegen 8 Uhr AbmdS mußte die Infanterie mit gefälltem Boyonett die Massen angreifen und auseinander- treiben. Auch die übrigen Gaffen und Plätze wurden geräumt. Fast alle Deutschen tragen jetzt blindgeladene Revolver bei sich, um Nachts Allarmschüsse abzugeben, falls fie angegriffen werden.
Prag, 20. Januar. Die Menschen-Ansammlungen dauerten bis spät in die Nacht hinein. Trotzdem ist eS zu keinen ernsten Zusammenstößen gekommen, da das gefommte Militär aufgeboten war, welches die Polizei bei der Säuberung der Siraßen energisch unterstützte. Im L^use deS Abends und der Nacht wurden vier Verhaftungen Borge- nommen. Für heute find umfassende SicherheitS-Maßregeln getroffen.
Pari», 20. Januar. Gestern Nachmittag beschloß der Meinisterrath unter dem Vorsitze des Präsidenten Faure die strengsten Maßregeln zur Unterdrückung weiterer antt« semitischer Unruhen. Die Präfecten erhielten scharfe Weisung. Vielfach werden die Excesse als clerical-rohallstische bezeichnet.
Pari-, 20. Januar. Zola wird ohne Voruntersuchung blrect vor die Februar Asstsen gestellt.
Paris, 20. Januar. Die Regierung ist gewillt in der SamStagfitznng die Erklärung abzugeben, daß sie vor Durchführung deS Zolaprozesses an keiner Dis- cusfion über die DrelffuS-Affaire theilnimmt. Sie will darüber die CabinetSfrage stellen. Man glaubt, Cavaignac : werde erklären, er verzichte derzeit aus StaatSraison auf ! seine Interpellation.
Pari«, 20. Januar. Die Kundgebungen der Studenten dauerten wiederum bis zum späten Abend. Die Manifestanten haben übrigens eine neue Methode gesunden, ihre Ueberzeugung zum Ausdruck zu bringen. Sie erstürmen die Imperiale der Omnibusse und fahren stehend unb Conspuez Zola singend durch die Stadt. Uebirall be- 1 gegart man solchen Manifestat onS-Omnibuffen.


