auf einem am „Spieß" abgehaltenen Landtage vollzogen. Leider war damit der Bruderzwist in die landgräfliche Familie getragen, ohne daß die Landstände im Stande gewesen wären, das Unglück zu verhüten. Im Gegentheil, auch sie spalteten sich in zwei Lager. Da trat Prinz Hermann, der unterdessen Domherr in Köln und Propst des Peterstifts in Fritzlar geworden war, als Vermittler auf, indem er einen feierlichen Aufruf an die Stände erließ. Er las ihnen derb den Text und forderte sie zur Ruhe und Rückkehr zu ihren Pflichten auf. Auf einem gemeinen Landtag am „Spieß" wurden 1470 alle Streitigkeiten geschlichtet.
Das Jahrhundert sollte nicht zu Ende gehen, ohne die Landstände noch einmal zu einem Acte zu vereinigen, der dem hart bedrängten Vaterland für einige Zeit Ruhe verschaffte. Es war dies der Abschluß des Schutz- und Trutz- bündnisscs zwischen Landgraf Wilhelm dem Mittleren und seinem Oheim Hermann, jetzt Erzbischof von Köln, der 1498 zu Kassel unter Mitwirkung und Zustimmung der Stände zu Stande kam. Bemerkenswerth ist dieser Landtag auch noch besonders dadurch, daß an ihm zum ersten Male in Hessen die Prälaten theilnahinen. Das neue Jahrhundert brachte den Ständen erhöhte Macht und Bedeutung.
Der obengenannte Landgraf Wilhelm II. oder der Mittlere starb 1509. In seinem drei Jahre früher errichteten Testament hatte er für seinen zweijährigen Sohn Philipp, nachmals der Großmüthige genannt, für seine Gemahlin Anna und andere Verwandte eine Regentschaft eingesetzt, die alljährlich vor zwölf geschworenen Abgeordneten der Stände Rechenschaft ablegen sollte. Dieser Geschworenen- AuSschuß bestand aus vier Prälaten, vier Rittern und den Bürgermeistern der Städte Kassel, Marburg, Eschwege und Gießen. Auf dem Todtenbette jedoch hat Wilhelm wahrscheinlich seiner Gemahlin die Vormundschaft übertragen und ihr einen Beirath zur Seite gestellt. Als er todt war, versammelte sich ein großer Landtag wiederum am Spieß. Dort wurde zunächst der von der Landgräfin erhobene Anspruch verworfen, dann scharfe Kritik geübt an den letzten Regierungshandlungen Wilhelms: „wie ohne gemeiner Land
schaft Rath und Verwilligung Krieg und Fehde geführt, neue Münze aufgerichtet, das ganze Land wider löbliches Herkommen getheilt, zuletzt auch alle Gerechtigkeitspflege vernachlässigt worden" (nach Rommel). Hierauf schließen die Stände untereinander eine Einung zur Schutz- und Rechtsgenossenschaft gegen das Ausland und, wenn es sein muß, gegen den eigenen Landesfürsten. Schließlich wählen sie eine neue Regentschaft „im Namen gesummter Landschaft" und senden Abgeordnete an Kurfürst Friedrich den Weisen, seinen Bruder Johann und die Herzoge Georg und Heinrich von Sachsen, um ihnen die Obervormundschaft zu übertragen. Man sieht, wie weit sich bis jetzt die Befugnisse der Stände ausgedehnt haben und wie mächtig ihr Selbstbewußtsein gewachsen ist, man sieht aber auch, daß sie thutsächlich die Macht besaßen, ihrem Auftreten den nöthigen Nachdruck zu geben. Denn der gekränkten von ihrem Sohne getrennten Landgräfin nützte aller Protest nichts, selbst die Vermittelung des Kaisers Maximilian konnte ihr nur in unwesentlichen Punkten helfen. Ihr Wittum wurde erhöht und statt Gießen und Grünberg, wo sie sich seither abwechselnd aufgehalten hatte, wurden ihr die Städte Felsberg und Rotenburg als Residenzen zugestanden. Das geschah 1511. Doch nur drei Jahre wartete die thatkräftige Frau, dann konnte sie mit begründeten Anklagen gegen die Regentschaft, die sich selber in Parteien gespalten hatte, zu Treisa vor den Landtag treten und dort umso eher Gehör finden, als die Regentschaft, insonderheit der Landhofmeister Boyne- bürg, große Unzufriedenheit im Lande erweckt hatte. Die Städte fielen zum größten Theil der Landgräfin zu und 1514 durfte sie als Regentin vor den versammelten Landtag treten.
Diese Skizzen mögen genügen, um ein Bild von der Bedeutung der Stände in althessischer Zeit zu geben. Wir wollen nur noch Weniges von der Stellung, welche die Städte unter Hessen-Darmstädtischer Hoheit im Landtage einnahmen, berichten.
Philipp der Großmüthige hatte zum letzten Male die gesummte hessische Hausmacht in seiner Hand vereinigt. Er beging — obgleich er der erste moderne Regent genannt
werden darf — den verhängnißvollen Fehler, sein Land unter feine Söhne zu vertheilen. Aber dennoch hat er die Interessen des ganzen Landes für solidarisch gehalten und demgemäß in feinem, auch von den Ständen untersiegelten Testamente, das Fortbestehen gemeinsamer Landtage bestimmt, eine Einrichtung, die leider bald außer Gebrauch kam. In Hessen-Darmstadt, das damals so ziemlich das Gebiet der heutigen Provinzen Starkenburg und Oberheffen mit dem 1866 preußisch gewordenen Hinterlande umfaßte, setzte sich der Landtag aus den Prälaten (Ordenskommen- thur zu Schiffenberg, Obervorsteher der adligen Stifte und Landes-Univerfität Gießen), der Ritterschaft (42 Familien^ Zahl veränderlich) und den Vertretern folgender Städte zusammen: Darmstadt und Gießen mit je zwei Stimmen und Mendorf a. d. Lumda, Alsfeld, Battenbergs Biedenkopf, Braubach, Butzbach, Eppstein, Grünberg, Großgerau, Grebenau, Großenlinden, Homberg a. d. Ohm, Hatzfeld, Königsberg, Lichtenberg, Nidda, Reinheim, Romrod, Rüsselsheim, Schotten, Stauffenberg, Lißberg, Ulrichstein, Umstadt und Zwingenberg mit je einer Stimme. Zeitweise gehörte auch Marburg dazu, das im Verlaufe des Streites um die „Marburger Erbschaft" bald Kassel bald Darmstadt zuge- sprachen wurde, ehe es endgültig an das nördliche Erblond' fiel. Die drei Stände bildeten zwei Kurien, Prälaten und Ritter die erste, die Städte die zweite. Eine der Städte mußte bei deren großer Anzahl die Leitung übernehmen,, die darin bestand, daß sie die von Regierung oder Erb- marschall bei ihr eingelaufene Einladung zu einer Session den übrigen Städten übermittelte. Diese Stadt, die- aus- schreibende genannt, führte während des Landtags eine Art Vorsitz in ihrer Kurie, indem sie den Vortritt beanspruchen durste und die Vollmachten der Vertreter einsammelte und prüfte, sowie überhaupt den Verkehr mit ber anderen Kurie und der Regierung besorgte. Diese Rolle fiel der Residenz Darmstadt zu, wenn der Landtag in ihren Mauern zusammentrat, dagegen der Stadt Gießen, sobald ein Landtag im Oberfürstenthum abgehalten wurde. Dieses Ehrenamt ließ sich Gießen nicht nehmen. (Schluß folgt.)
Aufgebot.
Für den Johannes Benner, geboren am 9. Mai 1810 zu Alten« Buseck, als Sohn bee Johann Thielmann Benner und der Anna Marie geb. Schön, lange Jahre unbekannt wo abwesend, wird bei dem unterzeichneten Amtsgericht eine jetzt etwa 900 Mk. betragende Einlage bei dem Spar- und Vorschußverein Alten-Buseck curatorisch verwaltet. Auf Antrag des Curators Heinrich Ford ach von Alten-Buseck ergeht an Johannes Benner, sowie an Alle, welche von beffen Leben ober Tob Äunbe haben, hiermit bie Aufforderung, dem unterzeichneten Gericht spätestens bis zum
4. März 1899,
Vormittags 10 Uhr, hiervon Nachricht zu geben, desgleichen werden die nächsten Verwandten des Benner, sowie alle sonstigen Personen, die Ansprüche an das fragliche Vermögen bilden zu können glauben, aufgefordert, ihre Ansprüche und Rechte spätestens im sbigen Termin anzumelden und durch den Nachweis ihrer Ecbeneigenschaft zu begründen, widrigenfalls der Johannes Benner für tobt erklärt und das fragliche Vermögen oen sich meldenden (und dem Gericht bekannten) legitimirten Erbberechtigten überrotefen werden wird.
Gießen, den 14. December 1898.
Großh. Amtsgericht Gießen.
Neuenhagen. 12405
Versteigerung.
Dienstag den 20. d. Mts., Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 65 dahier gegen vaarzabluna:
I. 1 Waschtisch, 2 Bilder (Kaiser und Kaiserin) und mehrere Bücher wissen- schaftlichen Inhalt«;
2. 8 Fahrrüder, 1 Kassaschrank, 1 Break, 1 Partie Filzschuhe, mehrere Del« gemälde, 1 Berticow, 1 Sopha, zwei Spiegel, 1 Schrcibsecretür, 1 Wasch« eommode, 1 Nachttisch, 4 Tische, ein 4onsol, 12 geschnittene Eichenstümme, 1 goldene Brache, 1 deögl. Medaillon und 2 Armbänder.
Die Versteigerung zu 1 findet bestimmt, zu 2 theilweise statt.
12450 vorn, Gerichtsvollzieher.
Eine große Auswahl
ikss- Christbäume
traf ein. 11826
Dienstmann Böckncr, EelterSthor.
fassendes Weihnachtsgeschenk für 12860
Zager u. Iouristen
A. Schuster & Co.
tiO cs C8 CK S
Kaken Sie schon Ihren Bedarf in Ghristkaumschmuck für Weihnachten gedeckt?
Wenn nicht, so versäumen Sie nicht, sich ein Kistchen mit 10 CartonS feinsortirt, alS Fisohe, Leuchtkugeln, Uebersponnenes, Naturfrüchte, Vögel, Glocken, Weihnachtsmann, Perlen, Tannen- und Eiszapfen, eine schöne Baumspitze u. s. w. für nur 5.30 Mk. bei franco Zusendung zu sichern.
Auch aiebt eS Sortimentskistchen zu 10 Mk. bei franco Zusendung. Zur Weiterempfehlung lege 1 Packet Lameta- schäum und 12 Lichterhalter bei.
Lauscha in Thg. 10980
Carl Köhler, Schm. M.
tzttttil- nub Dam». Rtnmtoir-Wrkn mit Goldrand von 15 Mk. an.
Georg
Koch IN
Uhrmacher
5
Neuen-Bäue
5 To
NÄ
Daioen-Rtmontoir-Nhttn in Gold
von 25 Mk. an.
Nilkel-Uhrrn nun 10 Mli. an.
Cämmtlichc Uhren werden bei mir abgezogen und genau geprüft, sowie zwei Jahre Garantie geleistet. 12419
Gugl. Gummischuhe, unübertroffenes Vdtub. Fabrikat, billigst bei 12436
PH. Schlatter.
Aachener Badeofen
11950
D. R.-P. Ueber 50 000 Offen im Gebrauch.
In 5 Minuten ein warmes Bad! Original
Houben’s Gasöfen
* J K. Honten Sohn Carl Aachen. *
Weihuchts-Meut. Cigarren in eleganten Kistchen von 25, 50 und 100 Stück von 1,25 Mk. an bis zu den feinsten empfiehlt 12390
Louis Lind,
10 Kirchenplatz 10.
Wollene Schlafdecken, Banmw. Schlafdecken, Reisedecken, Tischdecken, Tischtücher und Servietten, Bettdecken, Bettvorlagen, Flanell-Betttücher
in großer Auswahl. 11888
C. Röhr & k«.
WkllllW Mkscheilkk in großer Auswahl zu billigen Preisen empfiehlt 12312
Karl Krebs,
Buchhandlung, Schnlstr. 10.
Ausführliche Kataloge gratis und franco.
Ieuerwerkskörper für die RenjahrSnacht, alS Frösche, Schwärmer, Lady-KrackerS, 70 Mal knallend, u. s. w.. empfehle billigst. Wiederverkäufern Hoyer Rabatt.
Richard Buchacker, Gießen, 12220 Neuen-Büu» 11.
Waarenhaus EL Seuling
Wetzsteiustratz« 45. Wetzsteiustraße 45
Neu eingetroffene
var 1 Waggon Porzellan nnd Steingut, ten
Größte Auswahl in 12155
Tellern, Tassen, Schüsseln, Salj- und Weylmehen, Kkeisch- platten, Dorratystonnen, Suppenterrinen, Kaffee- und Milchkannen außerordentlich Billig, empfehle ganz besonders:
250 Dtz. Taffen m. Uutertaffeu, per Paar 1Ä Pfg.
300 Dtz. glatte Speiseteller, per Stück 8—10 Pfg.
300 Dtz. gerippte Speifeteller, per Stück 11-13 Pfg.
100 Stück Waschgaruitnrev, 4theilig, decorirt, von Mk. 1,80 an.
100 Stück Kaffee-Serviee, s theilig, decorirt, von Mk. 2,45 an.
Küchen-Etagöreu,
von 45 Pfg. an.
Zu haben in Glessen bei J. M. Schulhof, Marktstrasse, B. Schlabach Nchf,, Ludwigsplatz, und K. Bender, Wallthorstr. 14. |
A. Welz, Seltersweg 2
Special-Geschäft für modernsten Haarschmuck und Toilette-Artikel Seifen und Parfümerien
der besten in- und ausländischen Firmen. 11562
Sämmtliche Bürstenwaaren, Thürvorlagen etc.
Iür Weihnachten
empfehle in nur besten la. Qualitäten: 1245T
Anis und Butter-Gebäck, Zimmtfterne
Frankfurter Breuteu, Pfeffernüsse
BaSler, Nürnberger und Honig-Lebkuchen Banm-Coufeete
Kaufladen- und Puppeukücheu-Artikel Marzipan-Torten
ff. BoubouS nnd BonbouuiöreS
Cacao, Thee, Chocolade re. :c«-
Conditorei H, Hettler
Gcke Fraukfurterstraße-Südaulage.


