Ausgabe 
20.11.1898 Viertes Blatt
 
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Verhandlungen mit Rußland, daß die Spannung in China nachgelassen hat. Allerdings entfalteten bisher die Russen in Port Arthur die regste Thatigkeit. Die Arbeiten bei dem W ederausbau der BesestigungSwerke und der Ausstellung der Geschütze würden btt Tag und bei Nacht gesördert. In China ist Kwei'Tschaufu am oberen Jang.tse-ktang von den Aufständischen angegriffen unb geplündert und daS dortige katholische MisfioulgebSude uiedergebraunt. Einzelheiten fehlen.

Bereinigte Staaten. Wenn die leitenden Männer in Washington aus ein nicht offen ausgesprochene- aber stilles EtuverstSudniß Englands gegenüber den Absichten der Ber­einigten Staaten aus die Philippinen rechnen, so haben sie damit ohne Zweifel das Richtige getroffen. Man braucht nur anzuhören, waS die Times über diese Angelegenheit sagt. Es ist kaum nothwendig, meint da- englische Blatt, zu wieder­holen, daß unser Land, indem eS vollständig anerkennt, daß die Bereinigten Staaten gebunden waren, die Frage (der Einbehaltung der ganzen Philtpplnengrnppe) nach nüchternen Geschäft-grundsätzen zu entscheiden, die gegenwärtige Ent- scheidung genügend findet. Wir werden die Philippinen lieber in den Händen unserer amerikanischen Freunde al- in denen irgend einer europäischen Macht sehen. Aber hier, wie in Amerika versteht man vollkommen, daß vielmehr in Frage steht, al- lediglich der Besitz der Inseln. Ihre Erwerbung bedeutet daS Emportaucheu der Bereinigten Staaten aus ihrer bisherigen isolirten Stellung und setzt sie in eine Lmie mit den anderen englisch sprechenden Gemeinwesen als einen bedeutenden Factor in der Weltpolitik. Da» Erscheinen einer neuen Macht wird natürlich immer mit einer gewtffen Be­klommenheit beobachtet, weil sie eine Neuordnung der be­stehenden Beziehungen erforderlich macht. Eine solche Neu­ordnung kann möglicherweise zu Störungen fübren oder, wie Lord Salisbury es ausdrückt, für den Augenblick dem Frieden nicht dienlich sein. Aber sie kann ebenso gut ohne jede Störung der Rnhe vor sich gehen, und da» wird, wie wir glauben, bei dieser Gelegenheit der Fall sein. Mehr als einer europäischen Macht ist die Uebertraguog der Philippinen an die Bereinigten Staaten herzlich wenig erwünscht, und noch weniger erwünscht find die weiteren Folgen dieser Thatsache. Aber es ist kein Grund vorhanden, zu glauben, daß angesichts der Haltung der größten Seemacht da- deutlich gesühlte Mißvergnügen in anderer Weise, als in Worten, Ausdruck finden wird. Graf Cassini, der russische Botschafter in Washington, hat gegen den Gedanken protestirt, daß seine Regierung jemals die Absicht gehabt habe, sich in die ameri« ramsche Action einzumischen. Die Regierungen find nicht so unklug, eine Absicht einzugestehen, von der sich herau-gestellt hat, daß sie nicht ausführbar ist- allein die Amerikaner find wahrscheinlich überzeugt, daß, wenn da- Unternehmen nur auSfich'Svoller erschienen wäre, die Absichten Rußlands und einiger anderer Mächte doch schließlich zu einer Einmischung tu die Berhandlungeu, die dem Kriege folgten, geführt hätten. Jndiffku, wie dem auch fei, wir nehmen au, daß keine solche Einmischung mehr beabsichtigt und daß die begehrte Station im Stillen Ocean ruhig in den Besitz der Vereinigten Staaten übergehen wird. Für Spanien kann der Verlust der Inseln nicht ernstlich als eine Einbuße betrachtet werden. Wenn aus der einen Seite die catalonischen Industriellen, die durch UuterscheidungSzölle geschützt waren, aus den Philippinen einen sicheren Markt sür ihre Maaren sanden, so legte auf der anderen Seite die Herrschaft über die Inseln den spanischen Steuerzahlern eine Bürde auf, die jrnen vortheil reichlich auswog. ES kann in der That bezweifelt werden, ob die Philippinen für Spanien praktisch nicht gerade verloren ge­gangen wären, wenn ein Eingreisen feiten- der Bereinigten Staaten nicht erfolgt wäre. Köln. Ztg.

Cacakf und ^provinzielles.

*t Ankauf ans erster Hand. Das Königliche Proviant- Amt in Hanau gilbt bekannt, daß dasselbe fortgesetzt ge­sunden, gut gereinigten Hafer, gutes Pferdeheu sowie gesundes Roggen-Flegelftroh ankauft. Bei gutem Wetter kann jeden Tag eingeliefert werden. Bei Hafer-Angeboten ist die Einsendung einer Probe von reichlich i/i Liter erforderlich. Den Producenten wird in jeder dienst­lich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch der Verkäufer Magazinsäcke, jedoch unfrankirt, zur Verfügung gestellt. Die Abfuhr von der Bahn wird auf Wunsch ttir Rechnung des Verkäufers übernommen. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich wie schriftlich ertheilt.

4- Nidda, 18. November. Heute Nachmittag besichtigte der Herr Justizminister vr. Dittmar aus Darmstadt das hirsige Gerichtsgebäude, nachdem derselbe am Vormittag auch in Schotten das Amtsgerichtslocal inspicirt hatte. Vermuthlich geschah dies im Zusammenhang mit der Frage über die Errichtung von Grundbuchsämtern beim Inkrafttreten des bürgerlichen Gesetzbuchs.

Gräuberg, 18. November. Unseren gestrigen söge- nannten zweiten oder letzten GalluSmarkt begünstigte entschieden btffereS Wetter, als seinen Borgänger, den Haupt- gallutwarkt. Obschon in vorgerückter Jahreszeit daS Wkihnoch sfest rückt schon naher, herrschte ein wirklicher Tpä'sommertag. Der Biehmarkt, welcher außerhalb der Stadt auf dem gewöhnlichen Marktplatz abgehalten wurde, zeigte überall starke Auffahrt und lebhaften Handel. In An­betracht der schlechten Arffahrt der Rindviehmärkte, fiel die gute Besetzung durch Rindvieh gestern auf. Die Preise standen aus der seitherigen recht hohen Stuft. Trotz diesen hohen Preisen entwickelte sich ein flottes Geschäft. Noch fließender ging der Handel auf dem überaus stark befahrenen Schweintmarkt. Wohl zeigte sich hier ein kleiner Preisrück gang für die Ferkel, aber der Absatz ging flott, weil eben dieser Markt der letzt Biehmarkt de» Jahres ist, und somit für den Verkäufer die letzte Zeit da ist, wenn er absetzen will. Ungeachtet des Preisrückgangs für Jungschweine, wüffen die Preise hierfür doch als recht hoch angrsehen werden.

Denn 40 Mark für ein Paar Herbstferkel ist immer noch eine respektable Preisstufe. Mau zahlte weiter für das Paar 35 bis 40 Mk., 30 bis 35 Mk. Auch die fetten Schweine find nur zwei Pfennig per Pfund Lebendgewicht abgeschlagen- statt seither mit 46 Pfg., wird jetzt daS Pfund mit 44 Pfg. bezahlt. Der Krämermarkt wurde auf dem Marktplatz in der Stadt abgehalten und hatte guten Besuch anfznweisen.

Friedberg, 17. November. In der verfloffenen Nacht entstand in der Engelapotheke dahier durch einen glühend gewordenen irischen CoakSosen ein Zimmerbrand, der leicht schlimme Folgen hätte haben können. Durch einen starken Schlag wurden die Bewohner geweckt: eine Flasche war von einer verkohlten Wandbank zu Boden gefallen. Da­durch war eine schreckliche Gesahr nicht nur sür die Bewohner der Apotheke, als auch sür die Nachbarschaft glücklich ab­gewandt, man wurde aufmerksam und konnte daS Feuer löschen, bevor eS sich in daS anstoßende Zimmer auSdehnen konnte, worin Flaschen mit Benzin und anderen explosiblen Stoffe« sich befinden. Hätten diese sich entzündet, so wäre wohl daS Gebäude in die Luft glflogen und eS wäre durch die ganze Bauart dieses StraßentheilS, wo Haus dicht an HanS steht, gewiß Großfeuer entstanden. Der Srtegerverein will in Sachen deS Kriegerdenkmals nochmals umUeberlaffung der Allee als AufsttllungSplatz beim Gemeinderath vorstellig werden. Nach nochmaligem abschlägigem Bescheid soll der ganze Plan aufgegeben und die gezahitrn Beiträge den Gebern zurückerstattet werten.

vermischtes.

* Ortskrankenkasse und Betriebs- (Fabrik) Krankenkasse. Einige dreißig Fabrikanten des Bergischen FabrikantenveretnS beabfichtigen, sür ihre Arbeiter am 1. Januar Betriebs­krankenkassen in* Leben zu rufen. Die Arbeiter würden sich bei diesen Raffen in wanchir Hinsicht besser stehen al­bet der OitSkrankenkaffe, die ziemlich hohe Berwaltungskosteu hat und keine freie Aerztewahl bietet. Dabei spielt aller­ding» auch der Gedanke mit, den socialdemokratischen Einfluß, der in der Ortskrankenkasse ebenfalls zu Hanse ist, zu be­kämpfen. Daß die Unternehmer in» Schwarze getroffen haben, sieht man daran», wie sich die Ortskrankenkasse in Remscheid in dieser Sache benimmt. Sie reizt nämlich zn einem Strikt ans, wie aus folgendem Aufruf heroorgeht: Durch da» Betreiben einiger Herren im Bergischen Fabrikanten- verein veranlaßt, habe eine Anzahl Arbeitgeber den Plan ge­faßt, für ihren Betrieb einige BrtriebSkrankenkaffeu zu gründen. Das Vorgehen richtet sich in erster Linie gegen die Allgemeine Ortskrankenkasse, mit deren Leistungen und Verwaltung die Mitglieder fast ausnahmslos zufrieden find. . . . Mit aller Eatschitdeuheit wehren sich selbst die ältesten Arbeiter gegen die entwürdigende Zumuthung, in Zukunft die srüheren Kaffen- ärzte in Anspruch nehmen zu sollen, von denen die Arbeiter durch die verschiedenen Zeitungsartikel theilweise geradezu schmachvoll behandelt worden find. Wir dachten, daß eS ge­nügt, wenn die Arbeiter ihre Pflicht, welche ihnen der ArbetS- vertrag auserlegt, gewissenhaft erfüllen, ohne daß sie noch im Jutereffe weniger Aerzte gegen ihren Willen in Kaffen gezwungen werden, die nicht die geringsten Bortheile bieten, wohl aber sür die gesummte Arbeiterschaft die größten Nachtbette mit fich bringen würden. Leider scheint die Gunst der Aerzte einigen Arbeit­gebern werthvoller zu sein, als der Friede mit ihren Arbeitern. Bereits ist es zu einem Ausstande gekommen, und e» ist zu befürchten, daß auch noch in anderen Betrieben die Arbeiter die Äibett niederlegen werden. Wir erklären hiermit feierlich, daß die ganze Verantwortung für diesen Zustand diejenigen Herren des FabrikantenvereinS trifft, welche glaubten, ein blühende» Kaffenwesen zu Gunsten einiger Aerzte unschädlich machen zu könnet-. An die gesammte Arbeiterschaft richten wir die dringende Bitte, dahin wirken zu wollen, daß die Arbeitgeber in Güte zur Zurücknahme der geplanten Reffen» gründungen veranlaßt werden. Wo die» nicht zu erreichen sein sollte, da wird die Gesammtheit für die Arbeiter jmer Betriebe eintreten und diese auch materiell unterstützen. Wir haben zu diesem Zweck Sammellisten herauSgegeben, die beim Unterzeichneten bezw. im Koffenlokal in Empfang zu nehmen find. ES sucht sich natürlich Jeder seiner Haut zu wehren, so gut er kann. Diese Darstellung der Remscheider Orts- kravkenkoffe ist aber nicht richtig, denn in Folge der hohen BrrwaltungSkosten bedient die Kaffe ihre Leute in Bezug auf Arzneimittel nicht so, wie e» eine andere billiger geleitete Kosse vermöchte. Auch dieKölnische Zeitung" schreibt: Gerade die hohen Berwaltungskosteu find eS, welche zur Zeit die OrtSkrankenkaffe zwangen, eine Verminderung der Kosten für Arznei, natürlich auf Kosten der Qualität der­selben, herbeizuführen unb so ben Apothekerstreit hervorzu- Tufen, unb ganz ähnliche Ursachen gaben den Anlaß zum Aerztestreit." Daß Übrigen» eine Ortskrankenkasse einen Serik- herausbeschwö t, ist entschieden zu verurtheilen.

* Ueber das Färben der Wurst, sowie de» Hack- und Schabefleisches, hat das Reichsgesundheitsamt eine Denk­schrift ausgearbeitet, die für Schlächter und Hausfrauen gleich empfehlenswerth ist. Die Denkschrift faßt ihre Ansichten über das Färben zum Schluß in folgende Ausführungen zusammen: 1) Bei Verwendung geeigneten farbstoffreichen Fleisches und | unter Beobachtung der handwerksgerechten Sorgfalt und ! Reinlichkeit läßt sich eine gleichmäßig roth gefärbte Dauer- ? wurst ohne Benutzung künstlicher Färbemittel Herstellen;

2) der Zusatz von Farbstoff ermöglicht es, einer aus minder geeignetem Material oder mit nicht genügender Sorgfalt her­gestellten Wurst den Anschein einer befferen Beschaffenheit zu verleihen, mithin die Käufer über die wahre Beschaffenheit der Wurst zu täuschen; 3) im Einklang mit den von dem Reichsgericht aufgestellten Rechtsgrundsätzen nimmt die Mehr­zahl der bisher mit der Frage befaßten Gerichte an, daß die in manchen Gegenden eingeführte Färbung von Wurst vom Standpunkte des Nahrungsmittelgesetzes als ein berechtigter Geschäftsgebrauch nicht anzuerkennen ist; 4) bei Verwendung t giftiger Farbstoffe vermag der Genuß damtt gefärbter Wurst

die menschliche Gesundheit zu schädigen; 5) aus frisch ge­schlachtetem Fleisch läßt sich ohne Anwendung von chemischen Conservirungsmitleln unter Beobachtung handwerksgerechter . Sauberkeit Hackfleisch Herstellen, das bei Aufbewahrung in i niedriger Temperatur feine natürliche Farbe länger als zwölf : Stunden behält; 6) der Zusatz von schwefligsauren Salzen ' und solche Salze enthaltenden Conservirungsmitteln ist geeignet, : die natürliche Färbung des Fleischer aber nicht das Fleisch ! selbst zu verbessern und haltbar zu machen; dem Hack- : fleisch kann mithin hierdurch der Anschein besserer Beschaffen- ! heit verliehen werden; 7) der regelmäßige Genuß von Hack- fletsch, welches mit schwefligsauren Salzen versetzt ist, vermag [ die menschliche Gesundheit. namentlich von kranken und : schwächlichen Personen, zu schädigen." Man vermeide also ' möglichst den Genuß rohen Fleisches.

Carnrval am Rhrio. Man schreibt denM. N. N." i aus Mainz: Gibts 1899 einen großen Carneoal? Man ! kann nicht sagen, daß die am vorletzten Freitag abgehaltene ' Generalversammlung de» Carnevalvereins darauf eine be- ? friedigende Antwort gegeben hätte. Ein erheblicher Theil i der Stützen des alten Volksfestes ist carnevalsmüde unb i jüngere Kräfte, die einen genügenden Ersatz bedeuten würden, sind nicht so bald zur Stelle. Jedenfalls wird man an eine gründliche Organisation gehen, um den hiesigen Carneval, der nächst dem Kölner der bedeutendste am Rhein ist, auf seine alte Höhe zu bringen. Was für Summen dieses Fest unter die Leute bringt, geht aus der Rechenschaftsablegung über 1898 in der erwähnten Generalversammlung hervor: Die Einnahmen betrugen: Baarvorrath 780,81 Mk., Gon- certe 5026,40 Mk., Bälle 25991 Mk., Jahrmarkt 2907 Mk. 50 Pfg., Beiträge zum Zug 4045,50 Mk., Festprogramm 200 Mk., Verschiedenes 996,16 Mk., Zinsen 46,50 Mk., zusammen 39993,96 Mk. Die Ausgaben betrugen: All­gemeine Unkosten 21354,07 Mk., Concerte 1853,50 Mk., Bälle 4571,60 Mk., Jahrmarkt 1558,62 Mk., Zug 7603 Mk. 47 Pfg., Generalversammlung 263,85 Mk., Neujahrsumzug 192 Mk., Kappenfahrt 1031,10 Mk., zusammen 38 428 Mk. 21 Pfg. Hierbei ist in Betracht zu ziehrn, daß es neben dem sogenannten großen Carnevalverein noch unzähliche kleinere Vereine gibt, die ausschließlich Gott Jokus huldigen und so zur Hebung des Fremdenverkehrs bettragen. Ja, der Carneval ist auch in rein volkswirthschaftlicher Beziehung nicht zu unterschätzen.

Die 98er ©tfinberger. Au» Schlesien kommt eint Trauerkunde für bie Freunbe eine» guten Tropfens. Die Grünberger Wrinlese hat, da in bet Nacht vom Donnerstag zum Freitag der vorige« Woche ein scharfer Frost eingetreten war, sofort anberaumt werben müssen. ES gilt jetzt noch za retten, waS zu reiten ist, benn viele Gescheine finb in Folge bet kalten September-Nächte nur nothreif geworben. Durch zweistünbiges Glockengeläute würbe bie Lese eingeweiht. Unter dem Einbrucke btefe» erschütternden Ereignisses hat Julius Stettenheim bem 98er Gtünberger ein Klage­lieb gewidmet, da» wir unseren Lesern nicht vorenthalte» wollen:

In Grünberg ertönt zweistündig' Geläut', ES sagen erschrocken die durstigen Beut: O Jemen, in Grünberg ist Weinlese heut'!

Und weiter jammern sie sehr gehässig: Den Weinstock, der trinkbaren Wein trägt, den fress' ich, Im Munde läuft ihnen zusammen der Essig.

Es war eine menschenfeindliche Nacht, Die hat einen schrecklichen Frost gebracht, Der hat die Traube zuschanden gemacht.

Nur nothreif war diese Traube, bie böse, Wir hoffen umsonst, daß die kranke genese, Unb Heuer beginnt nun bie traurige Lese.

So sauer ist biefe Traube, daß man Die Säure nicht saurer fich denken kann, Die Reblaus selbst hat nicht gewagt fich heran.

Die Reblaus, in ihren verdammtesten Tücke», Sie war wohl genaht ihr mit gierigen Blicken. Unb schmeckte unb kehrte ihr grollenb den Rücke«.

Ein Weinchen wirb e-, zersnffend bas Faß, Dann zieht es zusammen der Flasche Glas, Den Trinker ersüllt es mit Nächstenhoß.

Es kann kein Zucker ben Wein versüßen, Unb ließ' man durch Saccharin ihn fließen, Nw wirb er die surchtdare Säure einbüßen.

Die ältesten Leute, bie ihn geschmeckt, Die haben, gemeldet fei» mit Respekt, Noch niemals seinesgleichen entdeckt.

Es ist ein Wein sür fromme Türken, Die, trinken sie Wein, ihr Sein verwirken In Mohammed» seligen Himmelsbezirken.

O, wer uns da» düstere Geheimniß klärt, Daß, da man so gern einen Jahrgang entbehrt, Der Nachtfrost den Wein nur bat halb zerstört.__________

Verkehr, Land- und volkswirthschast.

LebenSverficherungS-Gesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit gegründet 1830 (alte Leipziger). Es sind vom 1. Januar bis Ende Octodec 1898 5292 Versicherungen über 41535 400 Mk. beantragt worden; als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 736 Mitglieder, die mit 5 106 050 Mk. versichert waren. Der Verstcherungsbestand stellte sich Ende Oclober 1898 aus 71 200 Per­sonen mit 536 Millionen Mark Versicherungssumme, das Vermögen auf 167 Millionen Mark. Für fällig gewordene VerficherungS- fumnun sind bis jetzt auSgezahlt 114 Millionen Mark, als Divi­denden an die Versicherten gewährt 57 Millionen Mark; Dividendm- reserven in Höhe von 26 Millionen Mark liegen zur weiteren Vertheilung an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesell­schaft, die eine reine Gegenfeitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüffe den Versicherten wieder zu. Die Dividende der letzteren bettägt für di« länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen im laufenden Jahr« 42pCt. der ordentlichen Jahresprämie und bei abgekürzten Ver­sicherungen außerdem l»/,pCt der Summe der gezahltm Zusatz- Prämien.