Bieberthalbahn fei anfgegeben. Diese Angabe bedarf der Berichtigung. ES find zwar neuerdings verschie' deue Projekte aufgetaucht, um daß Hinterland mit neuen Bahnlinien zu beglücken, z. B. von Ehringshausen nach Bischoffen oder daS Projrct Wetzlar—Haina—Königsberg— Gladenbach und dergleichen, aber ein Blick auf die Karte zeigt, daß die Strecke Bieber—Bistoffen daS Land wirklich aufschließt und dessen Bewohner dahin führt, wo deren wirth- fchaftliche Bedürfnisse am meisten Befriedigung staden. Die Strecke Gießen-Bieber ist in der kurzen Zeit ihres Be stehens sehr populär geworden- es handelt sich jetzt nur um die Fortsetzung einer bereits im Betriebe stehenden Bahnlinie. In den betheiligteu Kreisen wird an dem Projeet Bieber- Bischoffen festgehalten und gearbeitet. Eifriges Zusammen wirken aller Jateresseuteu auS Stadt und Land wird das Project, welches bei den zuständigen Behörden wohlwollende Aufnahme gefunden und den ungethctlteu Beifall der Br» vö keruna für sich hat, ficher zur Ausführung bringen.
* Ueber Analphabeten im preußischen Heer berichtet die „93erl. Corr.": Im Ersatzjahr 1897/98 wurden für daS Landbk er und die Marine im Bereich der preußischen Monarchie insgesammt 151832 Mannschaften aurgehoben. Von diesen hatten Schulbildung in der deutschen Sprache 151398, nur in der nichtdeutschen Muttersprache 264, während 170=0, llv.H. ohne Schulbildung waren gegen 2,30 v. H. im Ersatzjahr 1879/80.
• In einem Briefkasten hatten in dem belgischen Dorfe Maxenzeele zwei Meisen ihr Nest aufgeschlagen. Die Vögel habm den ganzen Boden des Briefkastens eingenommen. Das Weibchen, das brütete, verschwand manchmal unter den Briefen und entfloh nicht, wenn der Briefträger den Kasten leerte. Diesen Sommer war der Briefkasten mit einem halben Dutzend junger Vögel bevölkert, die den Schnabel aufsperrten und schrieen, wenn sie die Mütze des Briefboten bemerkten. — Das mag ein sonderbarer Briefkasten sein!
♦ DaS Genfer Zuchthaus, die Evechö, wo der Mörder Luccheni feine Tage beschließen wird, liegt in der Altstadt, im Mittelpunkt der Justiz und Polizeigebäude. Luccheni wird in einem stockfinsteren Kellerraum zunächst sechs Monate Einzelhaft verbringen und alle vierzehn Tage für eine Stunde an Luft und Licht gebracht werden. Die Zuchthausordnung schreibt vor, daß die Zellenhaft sechs Monate nicht überschreiten darf. Indessen ist es wahrscheinlich, daß im be. sonderen Falle Lucchenis eine Ausnahme von dieser Regel gemacht werden wird, besonders da dem Mörder der Kaiserin keine mildernden Umstände zugebilligt worden sind. Man wird jedenfalls die Dauer der Zellenhaft noch verlängern. Die zu lebenslänglicher Zuchthaushaft Verurtheilten können viermal im Jahr Besuch erhalten. Sie sind uniformirt, tragen ein braunes Wollkleid und eine mit gelben Streifen versehene Polizeimütze aus Halbwolle. Ihre Kost besteht aus Suppe und Gemüse und zweimal in der Woche, Donnerstag und Sonntag, empfangen sie 300 Gramm Fleisch. Die Strafe fetzt sich aus den schon angeführten sechs Monaten Zellenhaft und der ihr folgenden lebenslänglichen Zwangs, arbeit zusammen. Die Arbeit, deren Wahl den Sträflingen nicht freigestellt wird, besteht gewöhnlich in Schuhmacher Arbeiten.
* Eines alten tznte» halber wird ein Bauer aus Bubenreuth bei Erlangen wohl fein Leben lassen müssen. Er sah am 13. d. Mts., Nachmittags bei der Heimfahrt zum Fenster hinaus und sprang, als der Wind ihm den Hut mit fortriß, die Wagenthür öffnend, dem Hut nach. Dabei gerieth er unter die Räder des Zuges und wurde schwer verletzt. — Schlauer fanden wir einen Rittergutsbesitzer von Sandlack, Namens P. Ihm fiel auf der Fahrt von Königsberg i. P. nach Prllau der neue Cylinderhut beim Heraursehen aus dem Abtheil vom Kopfe. Sofort drehte er sich herum, ergriff die Hutschachtel und warf sie nach. Es stand auf ihr fein
das sich nach einer Verbindung mit Italien sehnt, obwohl feine jetzigen Herren ihm mancherlei Bortheile bringen. Selbst in besseren Kreisen wird maltefisch gesprochen und, wenn Fremde dabei sind, italienisch, fast niemals aber englisch, daS überhaupt erst in allerneuester Zeit erlernt wird, seit es all Unterrichtssprache in dm höheren Schulen eingeführt worden ist. Bon den neun Zeitungen Lavalettas erscheinen die vier pelesensten in italienischer Sprache, und alle stehen der briti« scheu Regierung mehr oder weniger opposttionell gegenüber, noch immer del schnöden Berrathel eingedenk, durch den die Engländer sich im Herbst 1800 in den Besitz der Insel setzten.
Die britischen Beamtin kommen auch nie dazu, sich auf Malta recht einzuledm. Wegen bei ungesunden Klimas betrachten sie es nur als Durchgangsposten, sodaß alle drei bis vier Jahre ein vollkommener Wechsel eintritt. Ebenso verhält es sich mir den Soldaten, die mit ihren weißen Tropenhelmen, knallrothen Röcken und carrirten Beinkleidern die Buntheit de- Straßenledens überall noch erhöhen. Sie gehören meist irischen ober schottischen Regimentern an und zeichnen sich durch besondere Borliebe für geistige Getränke ans. Am Abende wimmeln die Straßen von Lavaletta von betrunkenen Soldaten, und um fie einzusawmelu, werden regelmäßige Patrouillen ausgesandt.
Noch charaeteristischer als die vielen buntuniformirten Soldaten find für das Straßenleben Lavalettas die Er- icheinungen der oft recht hübschen Frauen mit ihrer theils durch orientalische Erinnerungen, theils durch die späteren Ordenlvorschrlftm bestimmten, merkwürdigen Tracht. Diese besteht miß einem enganliegenden schwarzen Gewand, auf dem höchstens etwas Silber filigran- oder Spttzenschmuck getragen wird, und aus der Faldetta, einem schwarzseidenen Kopfüber- wurf, der auf der einen Sette mit Fischbein zu einem sörm- lichen Schutzdach gegen Sonnenbrand und neugierige Blicke abgesteift ist. Man rühmt den maltefischen Frauen Sitt. samkeit, Frömmigkeit und Kinderreichthum nach. Sie heirathen sehr früh, sodaß vierzehnjährige Mütter nicht zu den Selten-
Name, und am nächsten Mittag fand er den Cylinderhut in der Schachtel abgegeben im FundbÜreau des Bahnhofs Königs« berg. Probatum est!
* Falsche Havannacigarren. Aus Madrid wird berichtet: „In der neuen, von den Nordamerikanern für Cuba aus- gearbeiteten Zollordnung, die demnächst in Kraft treten soll, wird die Einfuhr von Tabakblättern und fertigen Cigarren gestattet, was während der spanischen Herrschaft nie der Fall gewesen ist. Der geringe Zollsatz von 3,60 Pesos pro 1000 Cigarren wird zur Folge haben, daß wohlfelle, minder, werthige Sorten auf Cuba eingeführt, dort naturalisirt und sodann als echte Havannacigarren wieder exportirt werden. Dieser Modus dürfte dem Ruse, den bisher die Havanna- Sorten auf allen Weltmärkten genossen, nicht sehr zuträglich sein."
♦ Neue ägyptische Funde kündigt der letzte archäologische Bericht des Egypt Exploration Found an, über die im nächsten Bande oer Veröffentlichungen dieser Gesellschaft im Einzelnen Aufschlüffe folgen werden. Es handelt fich habet hauptsächlich um griechische Handschriften, die in Oxhrhynchns entdeckt wurden. Unter den klasfischeu Fragmenten ist ein beträchtliches Stück von Menander zu erwähnen. Dazu kommen frühe Bruchstücke von Euripides, Plato, Thuchdibe», Demosthenes und Xenophon und eine Pergamentrolle, ent- haltend fast 300 Berse aus dem fünften Buche der Ilias. Doch nicht bloß die Philologen, sondern auch die Theologen finden in dem neuen Bande manches Jatereffante. Er wird nämlich Bruchstücke des Evangeliums Johannis aus dem dritten Jahrhundert, aul dem ersten Eorintherbriefe des heil. Paulus und ans einem apokryphen Evangelium enthalten.
* 15 Kilometer Photographien. Crlluloidstreifen von 15 Kilometer Länge find nach dem „British Journal of Photographh* neulich bei der Eastman Kodak Company in Rochester (New-Mark) bestellt worden. Sie sollen einem amerikanischen Erfinder Namens Dronn zu einem kinetoskopi' scheu Apparat dienen, den er Cellograph genannt hat. L- wurden drei Celluloid-Streifen, auf die wie bei dem Sink' matographen Momentphotographien aufgeklebt werden sollen, hergestellt, Jeder genau 15 250 Meter lang; jeder davon kostete 40000 Mk. Ein echt amerckanischrS Erzengniß!
♦ Eine veamtenwohlfahrtSkaffe für die Beamten der landwirthschaftlichen Genossenschaften und GevoffenschaftSver> bände hat der Allgemeine Verband der deutschen landwirth- schaftltchen Genoffenschafen auf seinem diesjährigen Genoffen schastStage zu Karlsruhe inS Leben gerufen. Ihr sind als speeielle Aufgaben für die Grnoffenschaftsbeawten zugetheilt worden Unterstützungen bei Erkrankung, bei Stellenlosigkeit und Krankheiten in der Familie, Arbeitsvermittlung, Witwen- unb Waisenversorgung. Besonders will die Kaffe auch die Pension!- und Wittwenverfichernng der Beamten unterstützen und erleichtern durch Zuschüsse zu den Leistungen der Versicherung wie zu den Prämien, falls deren Zahlung den Versicherten in Folge von Krankheit, Stellentofigkett oder hohen Alters besonders schwer wird. Bereits im ersten Vier- teljahr del Bestehens der „Bearntenwohlsahrtskafft" kann die „Genoflenschaftsprrffe" 20 Einzelpersonen nennen, die der Kaffe mit einem Jahresbeitrag von 10 Mk. beigetreten find. Eine noch weit größere Anzahl von Landwirthen und Freunden der Landwirthschai< hat durch einmalige Spenden, über die gleichfalls in der „GenossenfchaftSpreffe" quittiert wird, die Zwecke der Wohlfahrtskaffe gefördert und ihr schon für die nächste Zeit ein BrtriebScapital von circa 5000 Mark gesichert. Man hoffe, daß sich diese Summe schon in nächster Zeit durch weitere Spenden (einzuzahlen an die Landwirth- schaftliche GenoffenschaftSbank in Darmstadt, die Zahlstelle der BeamtenwohlfahrtSkassc) vervielfachen wird, und daß auch durch Zuschüsse der verschiedenen deutschen Land- wirthschaftSministerien, Centralvereine rc., ferner durch Zu- Wendungen aus dem diesjährigen JahreSgewinn der Ge
heilen gehören. Die Männer, die als Seeleute und Agenten überall in der Levante zu finden sind, haben eine eigene Volkstracht nicht. Höchstens wird die calabrestsche Zipfelmütze allgemeiner von ihnen getragen. Im Innern des Lande! treiben fie mit großer Sorgfalt Landwirthschaft. Auf den durch hohe Mauern vor dem Winde geschützten Feldern wachsen besonders Baumwolle, Orangen, Wein, Weizen und jene Kartoffeln, die uns Nordländern alljährlich im Frühling einmal den Namen Maltas in Erinnerung bringen. Das Merkwürdige an diesen Malta Kartoffeln ist, daß fie, rasch degenerirend, nicht zur Aussaat benutzt werden können, sodaß die Ssatkartoffelu alljährlich neu eingeführt werden müffen.
Au besonderen „Sehenswürdigkeiten" ist Lavaletta nicht sehr reich, das Sehen-würdigste ist eben die Stadt selbst, ihre unvergleichliche Lage und da! eigenartige Leben und Treiben in ihren Straßen. Man besucht gewöhnlich nur den Großmeisterpalast und die alte Ordenskirche San Giovanni, in der unter einem prächtigen Sarkophage der berühmteste aller Großmeister des Malteserorden!, Jean de Lavalette, begraben liegt. Der im Jahre 1572 nach Entwürfen von Girolamo Ctsaro erbaute Großmeisterpalast ist ein imposanter vierstöckiger Bau, der fich um zwei von Arkaden umgebene und mit gärtnerischen Anlagen gezierte große Höfe gruppirt. Bemerkcnswerth find die herrlichen Gobelin!, mit denen die Wände eine! kleineren Sitzungssaale! bedeckt find, und die Sammlungen des großen Waffensaales. Hier wird unter Anderem auch die goldene Ordenstrompete gezeigt mit der BillierS de l'JSle Adam 1522 das Signal -um Abzug aus Rhodos blasen ließ. Die übrigen Zimmer find mehr oder weniger modern eingerichtet und werden von dem Gouverneur als Refidenz benutzt, der in Gemeinschaft mit neun von der Krone ernannten und acht von der Bevölkerung gewählten Mitgliedern de» Rathes von hier an! die Insel regiert. Die Kathedrale San Giovanni macht von außen einen ziem« lich unscheinbaren Eindruck. Man betritt sie durch eine kleine enge Seitenpforte, ist dann aber überrascht von der Großartigkeit und Schönheit ihrer inneren Anlage und Aus«
nossenschasten die BeamtenwohlfahrtSkaffe gekräftigt werde« wird.
* Thenere Schriftzuge. Aus London wird berichtet: Ein amerikanischer Sammler hat kürzlich in den Zeitungen 100000 Dollars für einen echten Shakefpeare'schen Autographen geboten. Man kennt bisher nur sieben, von denen drei Überdies von zweifelhafter Echtheit sind. Das Britische Museum hat 3000 Pfund Sterling für den seinen bezahlt.
* Annonce in den fravzofifchen Colonialblattern. Die Lectüre der Annoncen der in den französischen Colonien erscheinenden Zeitungen fördert manchmal köstliche Funde zu Tage, die die Lieferanten der Witzblätter neidisch machen könnten. So theilt in dem in Port au Prince erscheinenden „Matin" der Doctor Deveaux, „ehemaliger Thierarzt der Regierung" mit, „daß er bei seiner Abreise nach Europa seine Thierapotheke mit den von dem Publikum von Haiti so sehr geschätzten Specialitäten den Ecuries Centrales Über« läßt." — In demselben Blatte gibt sich das Haus Robert Stark die Ehre, dem Publikum mitzutheilen, „daß es seine Sargfabrikation wieder ausgenommen hat, die sorgfältige Arbeit ist feinen zahlreichen Kunden genügend bekannt, um das Haus zur Hoffnung berechtigt erscheinen zu taffen, in Zukunft ebenso von den Kunden protegirt zu werden, wie irr der Vergangenheit." — Eine köstliche Illustration der Wahl- fittin bilden folgende der „France australe" in NocumLa entnommene Anzeige: „Im Hinblick auf die Wahlkrisis haben wir die Ehre, unseren zahlreichen Kunden mitzutheilen, daß fie bei uns, was auch immer ihre politische Meinung fein mag, stets fnsche Waare erster Güte finden. A. Barrau L Co. NB. Die Candidaten können ihren Wählern ausgezeichnete Liqueure und Burgunderweine des Hauses B., dessen Vertreter wir sind, spendiren."
* Gesellschaftsreisen. Das Programm der Gesellschaftsreisen, die vom Schenke raschen Reisebureau in München im Jahre 1899 ausgeführt werden, ist soeben erschiene». Das hübsch ausgestattete Buch enthält Fahrten nach allen vom reisenden Publikum besuchten Ländern. Nach dem Orient werden vier Gesellschaftsreisen abgehen; außerdem zwei billige Sonderfahrten, deren Theilnehmer Ostern in Jerusalem verbringen werden. Die nach Italien gerichteten Gesellschaftsreisen und Sonderfahrten verlassen München am 26. Februar, 23. März, 9. April und 11 Mai. Am 27. August 1899 wird die große Reise um die Welt angetreten, die 178 Tage dauert.________
Wissenschaft, Literatur und Annst.
— Zum bevorstehenden Weihnachtsfrst ist im Musikverlag von I. G. Seeltna, Dresden N. eine neue Gavotte von A. Hollstein, betitelt: „Es war zur Weihnachtszeit" für Piano ober Zither mit Text ober Orchester erschienen. Selbige bütffe sowohl als leichtes VortragSstück, wie als Geschenk eine willkommene Neuigkeit für mustkliebenbe Kreise bilden.
Hitioerfiiäfs»Nachrichten.
— Leipzig. Der Professor der Veterinärmedicin der biestgm Hochschule, Hofralh Dr. Zürn, tritt nach 26jährtger Thätigkeit am 1. April n. I. in den Ruhestand. — Wie weiter berichtet wird, werden es am 13. Decemder fünfzig Jahre, daß der dortige Rechtslehrer Professor Adolf Schmidt zum ordentlichen Professor an der Universität Greifswald ernannt wurde. Seit 1869 gehört er der Universität Leipzig an._______________________________________
„Elephanten-Kaffee" 8506 von der Holl. Kaffee-Brennerei H. Di*qa6 & Co. ist anerkannt die beliebtere Marke und kann besten» empfohlen werden; — wegen ihrer Billigkeit, Ergiebigkeit und besonderen Brennart nach I. von LiebigS Vorschrift (leichte Zucker Umhüllung), wodurch da« Aroma gebunden und daS schädliche, fettige Ausschwitzen der Bohnen unmöglich ist. Diese Kiffte sind nur in verschlossenen Packeten zu haben, — mit Schutzmarke und Firma versehen — und ist damit jede Garantie geboten für einen reinen, unverfälschten, gefunden Kaffee. — Verkaufsstellen sind durch Annoncen bieses.Blattrs brkannt.
—■■——■—t stattung. DaS 1573—88 erbaute Gotteshaus ist breischisfig mit rundem Chorabschluß. Die gewö bte Decke des Hauptschiffes schmücken ausgezeichnete Malereien von dem Caladreser Matteo Preti, ©eenen aus der Geschichte des Ordens und seines Schutzheiligen darstellend. Der Altar tst aul verschiedenen Marmorarten nach Entwürfen von Bernini «baut und reich mit Sculpiuren geschmückt. Die Seitenschiffe, bte ebenfalls kostbare btlbaerifche Verzierungen aufweisen, bilden kleine Kapellen, deren jede einer der „dangen* gehörte, in die der Orden getheilt war. Die Herbergen bei einzelnen Zungen in ber Stadt find zum Theil noch vorhanden und bienen jetzt meist als Kasernen für bie nahezu 6000 Mann starke Garnison. In unmittelbarer Nähe ber Kathedrale liegt die reichhaltige Bibliothek, die in Verbindung mit der vorn Großmeister Pinto 1769 gegründeten Universität, zwei Lyceen und zahlre chen Schulen für bie Bildung des maltefischen Volkes sorgt.
Das Straßenleben entfaltet fich am lebhaftesten in der von der Porta Reale nach San Elmo führenden, etwa zwei Kilometer langen Strada Reale. Hier findet man stattliche Buden, in denen unter anderen die schönen und verhältn'tz- mäßig billigen Malteserspitzen feilgeboten werden.
Von großem Reiz ist der Aufenthalt unter den Arcab n ber Porta Reale. Jeder einzelne Bogen umschließt ein eigenartiges, reizvolles LaudschaftSbild. Man blickt hinaus auf das Meer, auf den Hasen, mit seinen vielen, von zahllosen Schiffen belebten Buchten, auf bie Stadt selbst nnb ihre Vor« orte mit ben vielen, großen, weißen Gebäuden nnb bett gewaltigen Befestigungsanlagen. Wie schade, daß bie Engländer so ängstlich über die strategischen Geheimnisse Lava lettaS wachen, daß nicht einmal der harmlose Amateur Photograph seinen kleinen Apparat mit an! Land nehmen darf.
Ob man bei unserer Kaiserin, bie wir bei ber Palästina- fahrt allerorten so ernfig ihre Kamera in THStigkeit setzen sahen, wohl einmal eine Ausnahme gemacht hat?
Richard Schott.


