Ausgabe 
20.8.1898 Zweites Blatt
 
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Da» Geschäft ging flott und warf ihm einen bedeutenden Gewinn ab, einen viel größeren al- sein einstiges Unter­nehmen in Holland. In diese Zeit füllt auch die Heraus­gabe seines ersten großen Verlagsunternehmens, de- Taschen­buchesUrania", welche- während der ganzen langen Zett seine- Bestehen- bis zum Jahre 1848 sich außerordentlich großer Beliebtheit erfreute und für welche- Brockhau- die tüchtigsten Mitarbeiter zu gewinnen wußte. So ist z. B. Ernst Schulze'-Bezauberte Rose" im Jahre 1818 darin zuerst erschienen.

Zu seinen besten Unternehmungen au- jener Zett zählt da-Handbach der deutschen Litteratur" von Ersch, welches Brockhau- schon lange zuvor, 1809 in Amsterdam, vorbereitet hatte, jetzt aber 1812 bi- 1814 zur Ausführung brachte. Auf Befehl" de- Fürsten Schwarzenberg hatte er im Jahre 1813 die sogen.Deutschen Blätter" in- Leben gerufen, welche bi- zum Jahre 1816 erschienen und bi- auf den heutigen Tag dem Geschicht-forscher eine Fundgrube histor­ischer Tharsachen und dem Leser intereflante Mittheeluugeu au- jener politisch großartig bewegten Zeit bieten. Ferner fällt in die Jahre 1812 bi- 1819 die Umarbeitung des Conversattons Lexikons", meist von Brockhaus selbst aus­geführt oder doch redactiouell geleitet, welche» später so ungemein bedeutsame Berlagsuuternehmen Brockhaus in der Anfangs sechs Bände umfaffenden ersten Auflage 1808 in Leipzig erworben hatte.

Der riesige, vorerst gar nicht so sehr erwartete Erfolg diese- Werke- hat nicht nur feinen Herau-geber zum reichen Mann, sondern auch den Namen Brockhau- in der gesummten civillfirten Welt für alle Zellen berühmt gemacht.

Behuf- Erwelleruug seine- rapid wachsenden Geschäfts entschloß sich Brockhaus 1817 nach Leipzig überzufiedeln, wo er im folgenden Jahre auch eine eigene Druckerei errichtete und nun zu deu großartigsten Unternehmungen überging. Neben mehreren, schnell aufeinander folgenden Auflagen seine- ConversationsLexikonS waren e- hauptsächlich Zellschriften, denen sich Brockhaus zuwandte, wie z. B. da»Litterarische Tonversationsblatt", dannHermes oder kritische- Jahrbuch

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Nr. 194 Zweites Blatt. Samstag den 20. August

1898

Gießener Anzeiger

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

In der Kürze wird eine Zusammenstellung der da» Schornsteinfegergewerbe und die Feuervisitation im Groß- berzogthum betreffenden gesetzlichen und reglementären Be­stimmungen, herau-gegeben von dem Secretär bei der Großh. Centralstelle für die Gewerbe, Reuter in Darmstadt, erscheinen. Da diese Publikation sowohl den Schornstein- fegermeistern und den Gesellen, welche sich der Meister­prüfung unterziehen wollen, Vie Kenntnißnahme ihrer Auf­gaben wesentlich erleichtern, al» auch den mit der Ausführung und Ueberwachung der einschlägigen Gesetzesbestimmungen betrauten Organe eine gute Handhabe bieten wird, so machen Jntereffenten auf da» Schriftchen aufmerksam und empfehlen dcffen Anschaffung.

Die Sammlung wird 4>/, bi- 5 Druckbogen umfassen und ist von Secretär Reutec drrect zu beziehen. Der Preis stellt sich auf 1,50 Mk. das Exemplar, bei Abnahme von mindesten» 10 Exemplaren bi» spätesten» Mitte September d. I». auf 1,20 Mk.

Gießen, den 17. August 1898.

Großherzogltche- Kreisamt Gießen.

v. Bechrold.

Gießen, 17. August 1898.

Das Grokherzogliche Kreisamt Gießen au da» Grofth. Polizeiamt Giefteu und die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden deS Kreise».

Wir empfehlen Ihnen, sich das vorerwähnte Schriftchen -um Dienstgebrauch zu beschaffen.

v. Bechtold.

Preußische und französische Eisenbahnpolitik.

Am Ende einer Intendanten Studie über die Eisenbahn- Politik Frankreich- in der Zeitung de- Verein- deutscher lisenbahnvermaltungeo kommt A. v. d. L. zu einer Ver­

gleichung der staat-finanziellen Erfolge der franzöfischen und der preußischen Eisenbahvpolitik. Er stellt fest, daß heute in Frankreich noch eine Eiseubahncapitalschuld von etwa fünf Milliarden Franc- vorbanden ist, deren Zinsen, zu 3pEt. gerechnet, jährlich 160 Millionen Franc-, von den Steuer­zahlern aufgebracht werden müssen. Wie stellen fich diese verhältniffe in Pceuhtn? Nach de« Berichte de- Finanz- Minister- über seine Verwaltung betrug, so führt der Ber« faffer wörtlich au-, Ende März 1898 die gesummte preußische Staatsschuld rund 6 466 000000 Mk., d. i. etwa- wehr al­ber viene Theil der franzöfischen Staatsschuld. In den Jahren 1890/96 hat fich die Staat-schuld durch Aufnahme neuer Anleihen um 842000000 Mk. vermehrt und durch Tilgungen um 137 600 000 Mk. vermindert. Die Anleihen find, außer 113 400000 Mk., die zur Deckung von Fehl­beträgen im Staat-Hau-Halt flüsfig zu machen waren, zu productiven Zwecken, allein 608000000 Mk. für den Bau neu-.r Eisenbahnen, ausgenommen. Eine wirkliche Schulden­tilgung hat bis Ende März 1896 in Höhe von 159600000 Mk. stattgefunden, im Etat-jahr 1896/97 werden voraussichtlich weitere 100000 000 Mk. getilgt sein, für 1897/98 ist eine Tilgung von über 34000000 Mk. vorgesehen. Der ge­summten preußischen Staatsschuld von 6 466 000000 Mk. steht nun gegenüber ein Staat-eisenbahnnetz, dessen Anlage­kapital Ende März 1896 mit 7 003 000000 Mk. über 600000000 Mk. größer ist als die Staatsschuld. Die preußische Staatseisenbahncap talschuld belief fich nach Abzug ber auf Grund des Gesetze- vom 27. März 1882 vor- genommenen Abschreibungen Ende März 1896 auf nur 5 230000 000 Mk. Die Verzinsung der gelammten preußi­schen Staatsschuld erfordert einen Betrag von 225000000 Mk. jährlich. Der Reinertrag au- dem werbenden Staat-Vermögen (Domänen, Forsten, Bergwerke, haupisächlich aber Eisen­bahnen) belief fich 1897/98 auf 547100000 Mk. Die Reineinnahmen au- dem gesummten Staaisftnanzverwögen überstiegen die Zinsen der Staatsschuld um 322100000 Mk. Allein bte Reineinnahmen der Eisenbahnen mit 435000000 Mk. im Jahre 1897/98 haben die Zinsen der Staatsschuld um 210000000 Mk. Überstiegen. In Preußen tragen mit anderen Worten die Steuerzahler zur Verzinsung der Staats­schuld einschließlich der ganzen Eisenbahnschuld nicht nur nichts bei, sondern eS kommt aus den UeberschÜffen der Betrieb--

Ferrilleton.

ßin Buchhändler.

Zn» 75. Todestage Friedrich Arnold BrockhanS, gestorben am 20. August 1823.

Don Dr. P. Vogel.

(Nachdruck verboten.)

Leipzig im schönen Sachsenlande ist in mehr ul- einer dlvficht eine der berühmtesten Städte Deutschland-. Die gewaltigste aller Feldschlachten zum mindesten de- 19 Jahr- Junbert» wurde vor seinen Thoren geschlagen. Der Sitz der »bersten Gerichtsbarkeit de» Deutschen Reiche- ist Leipzig. ^Leipzig bildet seine Leute," sagt Altmeister Goethe, nod bat wahr sein, denn von keiner Stadt de- Deutschen Reiches geht alljährlich so viel Wiffenlchaft in Buchform au-, als serade von der Pleißestadt. Leipzig ist da« Centrum des vuchhandels man dürfte, ohne zu prahlen, behaupten ie- ganzen europä scheu Contioent-, und wenn London fich /die Stadt der Welt" nennt, so verdient Leipzig den gewiß bedeutsameren Namen derStadt de- Geiste-", denn was Selehrsamkeit, Forschung, Kunst und Literatur irgendwo Bleibende- geschaffen, e- ist zum allergrößten Theile erst von Leipzig aus durch die civilifirte Welt gegangen.

Eioe der größten, noch heute bestehenden, weltberühmten Buchhändlerfirmeu Leipzig- ist die nach ihrem Begründer beannte Firma F. A, Brockhau-, dem wir zu seinem heutigea 76. Tode-tage in Anerkennung und Hochachtung feiner Verdienste um die Verbreitung de- deutschen Wissen- nrd deutschen Können- diese schlichten, aber gewiß warm empfundenen Zeilen widmen wollen.

Friedrich Arnold Brockhaus wurde als Sohn dtS Kaufmanns und RathSherrn Brockhau- am 4. Mai 1772 in Dortmund geboren. Sein für die größtmögliche geistige Ai-bilduog seine- talentvollen Sohne- begeisterter Vater ließ ihn das dortige Gymnafium besuchen und nach bestandenem Examen von 1788 bis 1793 in Düsseldorf die Handlung «lernen.

von hier ging der junge Friedrich Arnold, begierig, die vielfachen Lücken seiner geistigen Bildung auszufüllen, nach Leipzig, wo er währeno zweier Jahre mit emsigem Eifer akademische Studien trieb, wohl wissend, daß wiffeuschastliche Bildung auch einem Kaufmanne nur von größtem Nutzen sein kann. 1795 errichtete er in seiner Vaterstadt Dortmund in Gemeinschaft mit einem verwandten zuerst ein Manufactur- grfchäft, welche- zu dem benachbarten Holland sehr bald so enge und ergiebige Beziehungen gewann, daß die Inhaber der jungen Firma 1801 nach Arnhem und 1802 nach Amsterdam Überfiedelteu, wo al-dann Brockhau- alleiniger vefitzer wurde.

Anfang- pro-perirte da- Unternehmen ungemein, und der junge Brockhau- gelangte gar bald zu ansehnlichem Capital, doch wirkte die von Napoleon I. auch auf Holland au-gedehnte Contineutalsperre schließlich dermaßen nachtheilig auf den Fortgang seine- Geschäft-, daß er dasselbe aufgab und beschloß, fich nunmehr seiner LieblingSidee, einer Buch­handlung, zuzuwendeu. Er hatte von jeher da- lebhafteste Interesse für Literatur empfunden, war überdie- nur dem Willen de- geliebten Vater-, nicht dem eigenen Triebe ge­horchend, Kaufmann geworden und hatte in Leipzig jedenfall- ttefc e Einblicke in da- Wesen und die mögliche Zukunft deS deutschen Buchhandel- gewonnen. So errichtete er im Jahre 1805 in Amsterdam unter Beihilfe deS Buchbrucker- I. G. Rohloff eine Sortiment- und Verlagsbuchhandlung unter der FirmaRohloff u. Co.", welche er aber bald Kunst- und Jndustriecomploir" nannte. Doch auch dieses Unternehmen litt unter der Ungunst der Zeitverhältnisse und der Zerstörung von Credit und vertrauen in der Geschäfts­welt, so daß er fich entschloß, seinen Buchhandel nach Deutsch­land zu verlegen.

Unter Zurücklassung seine- Geschäftsführers Bornträger, der den Vertrieb der vorhandenen Bestände des Lagers an die beiden Amsterdamer Firmen Joh. Müller und I. C. A. Sülpke vermittelte, begab er fich 1810 nach Leipzig und im folgenden Jahre nach Altenburg, wo er seine Amsterdamer Firma wieder ausnahm, aber im Jahre 1814 in die noch heute bestehendeF. A. Brockhaus" umäoderte.

Verwaltungen auf den Kopf der Bevölkerung ein Betrag von jährlich 10.11 Mk.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. August. DieNordd. Allgern. Ztg." hört von zuständiger Stelle, daß der KreuzerKaiserin Augusta" zu Manila den General Augustin mit ausdrücklicher Ge­nehmigung der amerikanischen Behörden an Bord genommen hatte.

Berlin, 18. August. Man schreibt derNordd. Allgem. Ztg." auS Loudon, daß in den dortigen deutschen Kirchen am Sonntag den 7. dS. durch die Geistlichkeit mit warmen Worten und tiefer Empfiadung des HinfcheidenS de- Fürsten Bismarck gedacht wurde. Die Londoner Solonie beabsichtigt ferner eine Ged Schtnißfeier zu Ehren des Fürsten BiSmarck zu veranstalten. Die Mitglieder des deutschen Clubs Germania in Birmingham sandten einen Kranz nach FriedrichSruh.

Berlin, 18. August. Wie derBoss. Ztg." geschrieben wird, dürfte überhaupt kein Antrag vorliegen, die freie Beförderung und Unterhaltung des Salon­wagens, denFürstBismarck seiner Zeit geschenkt erhielt, auch auf den Fürsten Herbert BiSmarck zu übertragen.

Kiel, 18 August. Die russische Regierung beabsichtigt bei der Krupp'schen Gerwauia-Wrrft Panzerkreuzer und Torpedojäger bauen zu lassen. Der Direetor der Werst weilt augenblicklich in Petersburg, um Aufträge entgegenzu­nehmen.

Ar-Staud.

Budapest, 18. August. Bei dem Zusammentritt des ReichSrathes wird der Finanzminister ein Börfengefetz einbringen, welches am 1. Januar 1899 für Ungarn in Kraft treten soll.

Rom, 18. August. Da- Befinden deS Papstes ist andauernd ein günstiges.

Pari», 18. August. DemEclair" zufolge beschäftigte fich der gestrige Ministerrath mit der DrehfuS-An­gelegenheit. ES fand eine heftige Auseinandersetzung -wischen einigen Ministern statt, nur da» Eingreifen Brissons konnte die Minister wieder beruhigen.