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20.7.1898 Erstes Blatt
 
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i der gestern im hlefizeit ^Versammlung brr getteran e. G. m- M- blt SiMW beschM abtffta erst bann, mm 14 Tagen abzuhalrenb- beften« »«' «^1 B-l bit ml" bei®« ».gen h»® W*' ften «btitWttt * Ä-g

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felntt Scheuer, um es abzukehren. Hierbei glitt der 70jah- Tine Maua aus, stürzte tu die Tiefe der Scheuerteuue uud blieb tobt auf der Stelle liegen.

NeuZseubarg, 16. Juli. Ein bedauerlicher Unglück»- fall ereignete sich heute Früh bei einer Feuerwehrüduug. In gewohnter Weise wurde auch der RettuogSsack benutzt. Drbei fiel plötzlich der Feuerwehrmann Klein au» einer Oeff- rung de» Sack«, der fich gewendet hatte, auf die Straße. D:r Verunglückte wurde vom Platze getragen und sofort m ärztliche Behandlung gegeben. Welche Verletzungen sich der Mann zugezogen hat, ist noch nicht zu bestimmen.

Badenheim. 14. Juli. Der seit einem Jahre bei der hiesigen Poststelle verwendete, 22 Jahre alte Briefträger Schubert au» Beerfelden wurde heute verhaftet, weil er amtliche Gelder in Höhe von etwa 230 Mk. nach und nach unterschlagen hat. Er wurde noch Abend» io» Untersuchung»- gesäagniß nach Mainz eingeliefert. Man bedauert hier all- gemein den Manu, der fich sonst ganz wacker gehalten, aber mit seinem Tagelohn von - 1 Mk. 70 Pfg. nicht aut- kommen konnte.

Aur ver Zeit für die Seit»

Vor 32 Jahren, am 20. Juli 1866, errangen in der Seeschlacht von Lissa die Oesterreicher unter Tegetthoff einen glänzenden Sieg über die Italiener. Nach einem met-- rtünbiaen Seekampfe, wie man in den europäischen Gewässern nicht» Aehnliches erblickt, sah sich der italienische Admiral Persano zum Rückzug in dm Hafen von Ancona gezwungen. Wie Benedek in Oesterreich wurde Persano in Italien von dem Unwillen des Volkes betroffen und einer gerichtlichen Untersuchung unterworfen.

vermischte».

* BiSmarck und der Maire von Versailles. Den bei Weitem größten Theil des zweiten Bandes des von Heinrich v.-Poschinger herausgegangenenBisrnarck-Porte- feuilles" (Stuttgart und Leipzig. 1898, Deutsche Verlags­anstalt) nehmen Unterredungen mit Bismarck während des Krieges mit Frankreich ein. Einige davon sind in ihren Einzelheiten weniger bekannt, so die beiden zwischen dem Kanzler und dem Bürgermeister von Versailles am 7. und 21. October 1870. Nach den Versailler Communalacten verfehlte schon die gebietende Erscheinung Bismarcks ihre Wirkung auf den Bürgermeister nicht, denn in seinem Berichte heißt es:Graf v. Bismarck ist ein Mann von großer Gewalt, von augenscheinlich außerordentlicher Kraft; er scheint kaum fünfzig Jahre alt u^d nicht in die Uniform eines Kürassirobersten zu gehören, er besitzt aber die Allüren eines folgen. Unter einem großen Schlafrock erschien eine Art Militärcostüm, und diese Verbindung des Soldaten und Diplomaten zeigte sich überall mit einer gewissen Zuvor­kommenheit. Auf dem Kamin stand sein Helm mit einer Art Kappe überzogen, welche er manchmal hochhob; auf der Kommode lag ein Revolver. Der Schreibtisch, an welchem er saß, war mit über einander liegenden Zeitungen und Papieren bedeckt." Am Schluß der Unterredung, die sich hauptsächlich um die in Frankreich vorzunehmenden Wahlen und die allgemeine politische Lage drehte, streckte Bismarck dem Maire zum Abschied seine Hand entgegen. Dieser weigerte sich anfangs, sie anzunehmen.Aber persönlich werden Sie sich doch nicht weigern, monsieur le maire," sagte dann der Kanzler, worauf der Bürgermeister entgegnete: Sie haben mich zu höflich empfangen, Herr Graf, als daß ich in meinem Character als Privatmann Ihnen den Hände­druck verweigern könnte - doch hätte ich nimmer geglaubt, daß ick ihn jemals einem Feinde meines Landes erwidern würde." Bei der zweiten Unterredung am 21. October kam auch eine Geldstrafe von 100 Franken zur Sprache, welche der Gemeinde- Verwaltung von Versailles wegen verzögerter Lieferung eines Fuhrwerke» auferlegt war. Der Bürgermeister erklärte, er könne keine Strafe für einen Hergang zahlen, bei welchem die Gemeindevertretung sich weder bösen Willen, noch eine Nachlässigkeit vorzuwerfen hätte, da ihr die rechtzeitige Be­schaffung des Wagens tatsächlich unmöglich gewesen sei. Am Schluffe dieser Unterredung sagte nun Bismarck:Ich freue mich, Ihnen ein doppeltes Beispiel dafür geben zu können, daß trotz der Heftigkeit des Kampfes die Menschlichkeit auf beiden Seiten noch nicht ihr Recht verloren hat. Eben heute hat der Gemeinderath eine Belohnung von 50 Franken für einen preußischen Serganten (Namens König) ausgesetzt, der dieser Tage beim Löschen eines Brandes in Versailles den rühmlichsten Eifer an den Tag gelegt hatte. Kurz zuvor war ein preußischer Soldat, der aus Versehen von einem Wagen gefallen war und ein Bein gebrochen hatte, von einem Einwohner von Versailles (Namens Poidevin) auf­gehoben und verbunden worden. Nun, wenn dieser Poidevin in Noth ist, so geben Sie ihm 100 Franken, welche Sie uns als Buße schuldig sind, und die Sache wird damit erledigt sein." So geschah es auch. Bei diesen Worten erhob sich der Kanzler und bot dem Bürgermeister wieder dir Hand, der sie auch annahm, indem er sagte:Aber immer nur Ihrer Person, Herr Graf." Bismarck entgegnete lachend: An den Vorposten reichen sich die feindlichen Soldaten oft

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Neueste Nachrichten.

Depeschen de» Bureau »Herold*.

Berlin, 19. Juli. Wie au» Petersburg gemeldet wird, macht die ruffische Regierung im Finanz-Anzeiger bekannt, daß die Deutschland im vorigen Jahre gemachten Eon- cessio neu wegen Verzollung von Lederwaarm und Wasche, auch Zelluloid, mit Wirkung vom 3./15. Juli d. I. rück­gängig gemacht worden find. Diese Waaren werden tu Zukunft nach Artikel 57 Punkt 3 bezw. Artikel 215 Punkt 2 de» Zolltarif» verzollt.

floht, 19. Juli. Bon dem von Kalk nach Frankfurt abfahrenden Personenzuge stürzten zwei auf der Plattform eine» Wagen» 4. Klaffe stehende Männer. Der eine war sofort tobt, ber zweite liegt im Sterben.

die Hand." -Ich wollte wohl Soldat fein'', erwiderte )tt Maire,dann wäre meine Stellung eine einfachere."

Welche» war die blutigste Schlacht des neunzehnten Zahrhondettt? Die absolut blutigste Schlacht, d. h. jene, wo die größte Anzahl Todter und Verwundeter auf der Wahlftatt blieben, war die Völkerschlacht bei Leipzig mit einem Verluste von zusammen etwa 90000 Mann. Dieser zunächst Aspern mit 66000, dann folgt Borodino mit 62000 Mann. Zum Vergleiche seien die größten Schlachten der neuesten Zeit, Königgrätz mit 32000 Mann, Gravelotte mit 27 000 Mann dagegengehalten. Die relativ blutigste große Schlacht, d. h. jene, in welcher es die höchste Procentzahl an Todten und Verwundeten gab, war Aspern mit einem Durchschnittsverlufte von 38 pCt. der Gesummt- streiterzahl. Dann kämen Borodino mit 25 pCt., Eylau und Waterloo mit 24, Leipzig und Jnkjerman mit 21 pCt. Hin­gegen betrug der durchschnittliche blutige Verlust bei Königgrätz 71/ pgt., Wörth 13VspCt. MarS-la-Tour 16pCt., Grave­lotte 8pCt., Sedan 12 pCt., Plewna (III) 14pCt. Die großen Schlachten der letzten Kriege waren demnach weniger blutig als jene. Die hier angegebenen Procentzahlen sind Durchschnittszahlen, und zwar für beide Gegner zusammen. Nur in äußerst seltenen Fällen sind aber die procentueUen Verluste auf beiden Seiten die gleichen, sondern in der Regel verliert der Eine mehr, der Andere weniger. Es ist nun von Interesse, zu wissen, daß die höchsten Verluste einer Armee in den großen Schlachten der jüngeren Zeit em Viertel ihrer Stärke nirgends überschritten haben. (Deutsche bei MarS-la-Tour 22 pCt., Franzosen bei Wörth 16pCt., bei Sedan 19pCt.. Oesterreicher bei Königgrätz 11 pCt., Russen bei Plewna (III) 17 pCt.)

ueber das zähe Leben bet Schildkröten wird derZonst. Ztg." von einem Leser aus Ellwangen berichtet: Im Mai 1873 besuchte ich Venedig und auch das We^enbad in bei Adria am Lido. Hier bot mir ein Junge alsMitbring für meine zwei Knaben eine Schildkröte an; ich erwarb das Thierchen um den geforderten halben Franken. Es mochte 9 Zentimeter lang fein. Auf dem Heimwege fütterte ich es mit Salatblättern. Der Fremdling wurde von meinen Buben mit großem Jubel empfangen; er erhielt tm Hofe einen Zwinger aus Stäben. Bald aber machte die Gefangene Ausbruchsversuche mit großer Kraft-Entwickelung, indem sie zwischen zwei Stäben sich drängte und diese auseinanderbog. Nach einigen Monaten gab ich dem Thiere die Freiheit, in­dem ich es in den nahen Fifchweiher setzte, wo es sofort fortruderte. Nach zwei Jahren wurde die Schildkröte aus den angrenzenden Wiesen beim Heumachen entdeckt und nur überbracht. Ich schenkte ihr abermals die Freiheit. Nach weiteren 4 Jahren wurde sie abermals auf dem Damm des Weihers bemerkt; sie maß jetzt 15 Zentimeter und ich schnitt mit einem Messerchen die Jahreszahl in ihren Schild. Im Frühjahre 1896 - also 23 Jahre nach ihrer unfreiwilligen Einwanderung in unsere nordischen Gefilde wurde nur die Schildkröte, nun 22 Zentimeter lang, abermals von Arbeitern überbracht, welche das Thier beim Froschfang am Auslauf eines anderen Fifchweihers gefunden. Daraus erhellt, daß diesen Schildkröten selbst Kältegrade, wie sie der grimmig kalte Winter von 1879/80 hatte, auch bei uns wenig an­haben können, wenn die Thiere im Sumpfe sich verbergen. Nahrung finden sie hinlänglich im Pflanzenleben; während des Winters und der Erstarrung bedürfen sie ja keiner, wie die Frösche und Kröten.

Verkehr, ««d V-lk-rvirthschafi»

ittm, 19. 3ult. Marktbericht. Auf dem heutige» ®o4tttm«rh kosteten: Butter pr-Psb. ^ 1,00-1,10, Hühnereier vr. Et. 67 X 2 St. 1113 4, Enteneier 2 ©L 14lb H, Gwse> dnpr.et. 12-00* «feiet. 6-8 4. pr. ®t.3 *

Erbsen pr. Liter 20 A, Linsen pr. Liter 32 A, I«ubcn pr.

X 0,70 bi» 0,90, Hühner pr. Stück 0,90 bi» 1,20, Hahnen pr. ®tüd X 0,701,20, Enten pr. Stück X 1/02,20, Gänse pr-Murü £ bi» 72^, Schweim-

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nach- mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden.

Treibt», 19. Juli. Die Hälfte der hiefigen vau- arbeit er hat gestern die Arbeit niebergelegt, »eil eine Lohnerhöhung von Setten ber Arbeitgeber abgelehnt würbe.

Glauchau, 19. Juli. In Hohenstetn-Grnstthal brannten vier große Wohnhäuser unb ein Hotel ab. Die Abgebrannten finb theil» gar nicht, theil» wenig versichert. E» liegt Braud- stiftnna vor. Der Thäter ist unbekannt.

München. 19. Juli- Hier ctrcnlirt neuerding» bn» Ge­rücht, ba» Befinden de» König» Otto habe fich bebenlcnb verschlimmert.

Wien, 19. 3alt. Die in West-Galizien mühsam unter- brückten antisemitischen Unruhen scheinen nunmehr in Ostgalizien eine Wiederholung zu finden. In Burßtyn und Bescteczow kam e» zu furchtbaren «xcessen gegen die Juden. 300 Arbeiter drangen in die Geschäfte unb Wohnungen der Juden ein unb bemoltrten Alle». Dem Rabbiner von Burßtyn wurde ein Arm gebrochen. Die Genbarmen stellten nur mit Mühe bte Ruhe wieder her. Die Beranlaffnng zu ben Er- reffen war ein Streit zwischen einem Bauern unb eine« Mischen Metzger. Der Schaben ist bedeuteub. Die Um- gebung ber betben Oite ist burch bte Exceffe schwer beun­ruhigt. Den Lemberger zionistischen Blättern ist ba» Post- debit für West-Galizien entzogen worben.

Paris, 19. Juli. Der Gesammteiudruck ber gestrigen Zola-Berh anb lun g ist ber, baß eine gründliche Bn- theibigrmg vor dem Asfisenhofe unmöglich sei. 8ola hofft, baß die Esterhazy-Unt'riuchung neue» Material für die Ber- haublung vor dem Cassttion»hofe bringen wird.

Parts, 19. Juli. Gestern war hier ba» Gerücht ver­breitet, Zola und Perreux seien verhaftet worben. Da» Echo de Part»" melbet, ber Haftbefehl gegen die beiden Genannten sei bereit» unterzeichnet, bte Verhaftung aber noch nicht au-geführt. Diese werde erst bann erfolgen, wenn den Berurtheilten ba» Uctheil zugestellt sei.

Paris, 19. Juli. Au» Anlaß bet gestrigen Vorgänge ia Versailles stehen zwei Duelle bevor, unb zwar zwischen Hubarb unb Deroulöde und zwischen dem Redacteur der Libre Parole", Guerin, und dem Dreysu»-freundlich« Journalisten Henry de Bruchard. In dem Gedränge, da» fich nach Schluß de» Zola-Processe» vor dem Gericht» geb äude abipielte, erlitten mehrere Personen Verletzungen. Zola, dessen Wagen von Gendarmen escortirt wurde, ist unbehelligt in Pari» angekommen. Er wird heute die Nichtigkeitsbeschwerde gegen da» Urthetl etvrtichen.

Madrid, 19. Juli. In militärischen Kreisen ist mau Ü6ir dic Uebcrgaie S°r>U°g°« äuffnst teilt. Man hofft inbtfc, daß blt ttfultotlo*

bleiben unb daß Mailchall Blanc- S-legenh-tt findm werbe, die Ehre der spanischen Armee vor der Welt glanzend zu verthetdigen. _

Madrid, 19. Juli. Ein amerikanischer vor San Ina» de Portorica liegender Kreuzer bombardtrte ba» in der Nähe festliegende SchiffAntonio Lopez bi» dasselbe w Flammen stand.

Madrid, 19. Juli. Die Situation hat fich etwa» gr« bessert. Die bitecten Frteben»verhanblungen sollen, wie eine hochstehenbe Persönlichkeit verficherte, binnen «entgeu Tagen beginnen. Man will wissen, Amerika werde fich m der Abtretung von Cuba und der Insel Ponape begnügen.

Madrid, 19. Juli. Der Minister be» Innern empfing gestern zahlreiche Petitionen au» Cadix unb Barcelona, in welchen bte Regierung ersucht wirb, bte g tu Den»- verhanblungen zu beschleunigen unb e» nicht auf bte Beschießung bet spanischen Küste ankommen zu laffen.

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