Unterstützt durch Beschwerden, die Bäckermeister Kneipp von Langsdorf vorbrachte, in Bezug auf die Pramiirungs Verhältnisse auf dem Butzbacher Markt, allwo Bieh aus dem -reise Gießen nicht prämiirt wird, ersuchte Herr Landwirth- schaftSlehrer Leithiger trotzdem, ,im -reise Gießen" anzu- nehmen, da hierdurch ja doch nicht die Btehbefitzer auS anderen -reisen von der Theiluahme am Verein au-geschloffen werden sollten. Diesen Ausführungen ensprechend zog Bürgermeister Köhler seinen Widerspruch zurück und es gelangt die Pro- vtozial'vereinS. NamenS-Bezeichnnug zur vorläufigen Annahme.
Auch auf die Mitglieder-Beiträge dehnte sich sodann die Debatte auS. SS wurde folgender Paragraph angenommen.
§ 5.
Zur Deckung der Unkosten erhebt der Zuchtverein einen Mitglieder-Beitrag, der 25 Pfennig pro Stück der in die Herdbücher eingetragenen Thiere pro Jahr betragen soll. Der Gesawmtbetrag eines EtnzrlzUchterS soll pro Jahr nicht höher wie 20 Mk. sein. Gemeinden haben als Mitgliederbeitrag 10 Mk., Freunde der Zuchtbestrebungeu 50 Pfg. pro Jahr zu zahlen.
Nach Erledigung dieser Vorverhandlungen schritt man zur Mitglieder-Anmeldung. ES zeichneten sofort 75 Manu ihre Namen in die Mitgliederliste.
Bei der darnach stattfindendeu Vorstands- und AuSschuß- mahl wurden folgende Herren gewählt:
Als Vorstand:
1. Director Bürgermeister -öhler, Langsdorf.
2. Stellvertreter des DirectorS Landwirth Georg Hahn, Beller-Heim.
3. Secretär und Rechner Heinrich Hardt, Langsdorf.
Als Ausschußmitglieder:
1. Landwirth Konrad Stegk, Hof Ringelshausen.
2. Landwirth Konrad Köhler, Laug-dorf.
3. Bürgermeister Roth, Bettenhausen.
4. Landwirth Wilhelm Stoll, Riedmühle bei Inheiden.
5. Landwirth Wilhelm Bopp IV., Bellersheim.
6. Beigeordneter Wilhelm Roth, Bettenhausen.
Der Vorstand beabsichtigt, sofern noch Mitglieder au- anderen Gemeinden dem Verein beitreten, für je eine Gemeinde je ein Mitglied dem Ausschuß zu cooptiren und diesen Beschluß von der nächsten Generalversammlung genehmigen zu laffen. In Verfolg diese- wird der Direktor demnächst als Vertreter für Lich den Herrn Gemeinderath Konrad Zimmer zu Lich in Vorschlag bringen.
Nach Coustituirung de- Verein- dankte der Vorsitzende und nunmehrige Director, Bürgermeister Köhler, Langsdorf, für daS ihm geschenkte vertrauen, dabei betonend, daß ihm durch da- neuübernommene Amt eine neue große Last mehr aufgeladen würde, daß er dieselbe aber gerne tragen wolle, um dem allgemeinen Wohle zu dienen.
Zum Schluß wurde noch da- Thema: Die Zuchtschau in Langsdorf behandelt. Dazu wurde vom Vorsitzenden au-geführt, daß es sich empfehlen dürfte, die Zuchtschau wiederholt noch einmal hinnu-zuschieben, und zwar auf den nächsten Lang-dorfer Markt, den sog. Ludwig-- markt, der am Montag den 29. August stattfindet. Er machte dazu geltend, daß bis dahin der Zuchtverein dermaßen au-gebildet sein dürfte, daß feine Mitgliederzahl auf mehrere Hundert gestiegen und der Vorstand in die Geschäft-« führung genügend eingeardeitet sein würde. Auch dürfte e- hi- dahin möglich sein, einen bedeutend erhöhten Prämien- betrag vom Provinzialverein zu erlangen.
Die Versammlung, an ihrer Spitze der Secretär de- laudwirthschaftlichen Provinzialverein-, Herr Leithiger, zollte diesen Anschauungen ihren Beifall, indem sie gleichzeitig dem leider viel zu wünschen übrig lassenden Vorgehen oder eigentlich Nichtvorgehen mancher Bürgermeister der Umgegend, die trotz Aufforderung de- Bezirk-verein-'DirectorS nicht einmal die Versammlung hatten bekannt machen lassen, die gebührende Würdigung angedeihen ließ.
Nach diesen Ausführungen, die zeigten, welch bedeutenden Autheil die bäuerliche Bevölkerung an den Zuchtvereinsbestrebungen nimmt, schloß die Versammlung nach 12 Uhr Nacht-.
Der Vorstand beabsichtigt, in der Umgebung von Lang-, dorf demnächst eine Anzahl Bersaunnlnngeu -weck- Anwerbnng von Mitgliedern für den Zuchtverein zu halten. Wir hosten und wünschen, daß eine große Anzahl von viehbefitzeru fich bewogen findet, durch ihren Beitritt zu» Verein die sehr anerkennenSwerthen Bestrebungen de- neugegründeten Zucht- Verein- zu unterstützen, damit unsere- grsammte« volke- Wohl fördernd.
CocaUs rrm- proohtjUXUs
B. Bellerihei«. 18. April. Unsere Gemeinde hat den Rest de- EapitalS, da- fie von der Lande-culturrentenkafle entliebeu hatte, mit rund 47,000 Mk. zurückgezahlt.
S. Hungen, 18. April. Die hiesige Höhere Bürger- schule «st in erfreulichem Aufblühen begriffen. — Die Horloff soll regulirt werden- e- wird ein PräcisiouS- nivellemrnt an den Ufern ausgenommen und au deu Pegeln der größeren oder wichtigeren Orte, z. B. Hof Graß, Hungen, Trais Horloff, Echzell und Gettenau finden sorg- fältige WafferstandSbeobachtungeu start.
4- Nidda, 19. April. Ein großer RohheitSact wurde vorgestern Nacht in unserer Gemarkung verübt, indem fast alle Obst- und Ziersträucher in de« eiugezäunten Garten des hiesigen Bürger- Friede. Lampa- abgeschnitten worben find. Offenbar liegt ein Racheact vor.
W. Au» der Wetters«, 18. April. Auf unserer neuen Bahnlinie hat sich im Laufe de» vergangenen Winter- ein Mißbrauch eingeschlichen, deffen Beseittgung sehr erwünscht wäre. An Sonn- und Werktagen, mitunter auch an Abenden, kommen die Burschen und Mädchen au» den naheliegenden Dörfern in die Wartesäle gezogen und besetzen die Plätze, wobei so geraucht wird, daß einem fast der Athem vergeht. Die jungen Leute verreisen aber nicht, sondern benutzen die Warteräume alS vergnügung-locale. Wir haben schon recht eifrige Karteuspieler angetroffen. Daneben wird eine Unterhaltung gepstogen und e- werden Kraftau-drücke gebraucht, die fich nicht gut wiederholen laffen. Kommen nun wirklich Reisende von den Nachbarorten, die durch den Marsch ermüdet find, so finden fie nicht blo- keinen Platz, sondern werden auch durch unzeitgemäße Späffe — um die Sache gelinde au-zudrücken — und durch Tabaksqualm in einer Weise belästigt, die gar nicht schön ist. Die Eisenbahn- Verwaltung kann diesen Mißbrauch leicht abstellen und fie wird fich den Dank vieler Personen verdienen, wenn fie e- thnt.
n. Leidhecken, 17. April, vor acht Tagen verschwand ein hiefiger bejahrter Einwohner. Man durchsuchte sowohl die Waldungen, al- auch das Flußbett der Nidda. Die Nachforschungen haben aber noch zn keinem Resultat geführt.
—a— An» dem Großherzogthnm Heffen, 18. April. Gelegentlich der Jahresversammlung de-LaudeS-Lehrer- v er eins *, welche in Oppenheim stattgefunden, hielt der „Feuerversicherungsverband hessischer Lehrer" seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Der Präfident des Auf- fichtSraths, Herr Lehrer Knauß-Girßeu, leitete die Verhandlungen mit einer warmen Begrüßung der versammelten ein, worauf der Director de» Verbände-, Herr Lehrer Dern- Nieder-Ohmen, den Rechenschaftsbericht des Vorstandes erstattete. Wir entnehmen demselben folgende Einzelheiten: Der verband erhielt am 14. September 1897 die ministerielle Genehmigung zum Geschäftsbetrieb im Großherzogthnm. Bis zu diesem Tage waren bereits 395 Mitglieder angemeldet, deren Zahl bis zum Ende de« Bericht-jahreS auf 429 stieg, während zur Zeit 537 hessische Lehrer und Lehrerinnen angeschloffen find. Man erkennt auS dieser Mitgliederbewegnng, daß die Gründung diese- auf dem Prinzip der Selbsthilfe beruhenden Vereins ein Bedürfntß geworden war. Mit Recht gibt deßhalb der Jahresbericht der Hoffnung Ausdruck, daß in kurzer Zeit alle heffischen Lehrer dem Verbände angehörev werden. Nack einer dem Vorstande nnterm 15. November gewordenen Entscheidung Großherzoglichen Ministeriums des Innern kommt dem Verbände die Handlung-- und Prozeßfähigkeit zu, wodurch die Recht-verhältuiffe hinreichend geordnet erscheinen. Mit einem Appell an die verband-- Mitglieder, mitznwirken, daß der Verein lebe, blühe und ge
deihe, daß er werde ein neue-, feste- Band der Einheit und Zusammengehörigkeit de- heffischen Lehrerstande-, schloß der mir großem Beifall aufgenowmene umfangreiche Bericht. Die hierauf von dem Rechner, Herrn Lehrer Hambnrger-Gräoberg, vorgetragene Rechnung gab zu veanstandungeu keinerlei Anlaß. Nach Erledigung kleiner geschäftlicher Angelegenheiten war die Tage-ordnung erschöpft und der Lorfltzende schloß die Sitzung.
Darmstadt, 18. April. Da- LandeSdeakmal für den Großherzog Ludwig IV. bett., scheint die Platzfrage zu Gunsten de- Paradeplatzes entschieden zu fein, da die Baugrube bereit- eingezäunt wird. Ein anderer Entscheid war kaum zu erwarten, obwohl sich die öffentliche Meinung mit seltener, sonst kaum dagewesener Eiomüthigkeir gegen die Wahl diese- Platze- au-geiprochen hatte.
* Welche Gefahr die »eite Berbreittlng der Tuberkulose für da- Erwerbsleben bedeutet, wird in erschreckender Klarheit durch eine Statistik der JnvaliditätSursachen bewiesen, welche daS Reichsversicherungsamt in größerem Umfange hat bearbeiten laffen. Nach einer vorläufigen Mit- theilnng, welche Präfident Gaebel in der Delegirten-Ver- sammluvg deS vaterländischen FrauenvereinS vom 30. v. M. machte, ist diese Krankheit weitaus die häufigste Ursache der Erwerbsunfähigkeit und zwar gerade in den hauptsächlich für Arbeit und Erwerb in Betracht kommenden Lebensjahren. Im Alter von 20 bis 30 Jahren ist jeder zweite Jnvalidi- tätSfall durch Tuberkulose bedingt.
* Eine Niese« Polizeimacht. In keiner anderen Stadt der Welt dürfte die heilige Hermaudad von so außergewöhnlich großen Menschenexrmplaren vertreten sein als in New- York. Etwa 400 der dort angeftellteu Polizisten verdunkeln im wahrsten Sinne des Wortes durch ihre körperliche Größe jedes andere menschliche Wesen, da» fich in ihre Nähe wagt. Die Leute meffeu nämlich, so schreibt man der „Post", ohne Ausnahme über 6 Fuß, und unter diesen Riesen ragen die Mitglieder deS berühmten „Broadway Detachement»" noch um ein Bedeutende- hervor. Bon den 90 Mann, die diese Truppen bilden und die den immensen Straßenverkehr auf dem Broadway zu reguliren haben, ist kein einziger kleiner alS 6 Fuß 2 Zoll, während da- Durchschnit'Smaß 6 Fuß 4 Zoll beträgt. Wie in einer Hügelkette eine Bergspitze immer die andere überragt, so gibt e- selbst unter diesen au-gewählten Riesen noch Männer, die im Stande find, auf ihre Eollegen von 6 Fuß 4 Zoll herabzublicken. Die- ist vornehmlich bei zwei in ganz Newyork bekannten Polizisten Namen- Taggart und Graham der Fall, deren Thurmgestalten man von einem Ende de- Broadway bi- zum anderen sehen kann. Graham ist der Goliath de- ganzen Detachement-- er mißt 6 Fuß 61/, Zoll und hat da- ansehnliche Gewicht von 21/, Eentner. Taggart ist nur um einen halben Zoll kleiner alS sein Rivale, doch gleicht er diesen Mangel reichlich durch seine Leibesfülle an-- er wiegt nämlich nicht weniger al- 139 Kilogramm und kann fich eines Brustumfänge- von 47 Zoll rühmen.
• Ehrlich. A.. DaS Lotterieloo-, welches Du gefunden, hast Du doch zurückgegeben? — B.. Selbstverständlich . . . gleich nach der Ziehung!
6 Meter soliden Wasch-Stoff
für Mk. 1.68.
Heater auf Verlangen franco ins Haus.
Modernste Kleider- und Blousen-Stoffe in grösster Auswahl 1139
versenden in einzelnen Metern franco ins Haus Oett Inger 4tCo.,Frankfurt a.M.,Versandhe.
Separat-Abtheilung für Herrenstoffe:
I Stoff zum ganzen Anzug . . Mk. 8.75.
Modcbilder gratis. | Cheviot » „ „ . . „ 5.85.
___ , _ 6 Mtr. solid. Sommer-Stoff z. Kleid für M. 1.80
znm Kleid 6 „ Sommer-Nouveautu „ „ „ „ 2.10
6 „ Loden, vorz. Qual.,dopbr. „ „ , 3.90
6 „ Alpacca Panama „ „ „ 4 50
Müttern, welche nicht gerne ihre Kinder husten hören, überhaupt Allen, welche an hartnäckigem und qualvollem Hust«n leiden, können nicht dringend genug -tzay- echte Sodener Minerat-Paftillerr >xn- pfählen werden. Bezüglich der SLletmlösung find sie unübertroffen. Preis 85 Pfg. Depots in allen Apotheken. 410
kaum unterbrochen von einer träge plätschernden, an- Ufer rollenden Welle; jetzt inmitten der trauervollsten EharfreitagS- scenerie, über die wohl nimmer die frohlockenden Osterglocken der Auferstehung läuten.
Wenn ein Menschenherz in gleicher Weise verödet — Barmherzigkeit!
O, wie ander-, al- fich hier menschenvolle, palastreiche Städte erhoben und die Freude jubelte, die Hoffnung glühte, die Liebe küßte! Aber ach, auch Völker und Städte und Liebe und Hoffnung erweisen fich oft al- sehr zerbrechliche Waare!
Rusfische Pilger schreiten daher. Ihre sonst unerschütterliche harmlose Fröhlichkeit ist au- den bärtigen Gesichtern verschwunden; Thronen rollen die verrunzelten Wangen herab Angesicht- dieser schrecklichen Oede.
Man hat auf dem Sand eine dürftige Hütte errichtet. In dieser weltverlorenen Brhausung suche ich ein wenig Schutz vor bin glühenden, in erschlaffende Luft herabsengendeu Sonnenstrahlen. Ach, Kühlung! Kühlung! Ein Königreich für etwas Kühlung! Doch nirgend- ein Lufthauch. Nur über Sand und Waffer erbarmung-lose Schwingungen der Hitze. Ich denke, wie golden süß e- sein müßte, wenn ich jetzt von einer Horde übermüthiger Hände mit Schneeballen bombardirt würbe.
Dann vergegenwärtige ich mir die ganze Scenerie bei riefschwarzer Nacht und leidenschaftlich tosendem Gewittersturm, wenn ein grellzuckender, weißleuchteuder Blitz die schwerlastende Finsterniß im Nu zerreißt und dann, wie vor Sttigft, die Stimme eines knatternden Donner- gewaltig auf- brüllt. Huh, wer da, wie au-gestoßen von der Welt, in
mitten dieser Versammlung der Schrecken weilt! Mit welch inbrünstiger Sehnsucht er wohl da nach einer theuren Hand verlangt, um sie doppelt festzuhalten! —
Langsam reite ich eine Strecke am düftern Ufer entlang, der doppelarmigeu Mündung de- Jordan entgegen. Nirgend» im Sand einige, von den Wellen an- Ufer geschwemmte Muschelschalen oder moosige- Scegra- oder gallertartige Quallen oder sonst welche- Getht r. Nur manchmal liegen die von funkelnden Salzcrystallen überzogenen Mumien kleiner Fische herum- reißende Jordanwogen haben fie hereingespült in die todtbringenden Fluthen — hereingespült zum Sterben.
Ich laffe die düstere Welt de- Tobten Meeres hinter mir. Nachbem ich etwa eine Stunbe lang in großem Bogen weirerreite, sehe ich in dieser so ergreifenden Landschaft durch traurige- Gebüsch, durch Röhricht und lange- Schilfrohr den Jordan schimmern. Weit ist er vom gewaltigen Regen der letzten Tage au- seinen Usern getreten, hat im Wüstensand unförmige Tümpel und tiefe Pfützen uub breite Lachen gebildet. Drüben aber wälzen fich seine lehmfarbigen Fluthen, umsäumt von dichtem grünem Gesträuch, träge dem Tobten Meere zu, allerhand Wurzelwerk und große GraSklumpen mit sich führend. . . .
Jetzt stehe ich an jener geweihten Stelle, wo Johanne- der Täufer taufte und wo er auch Jesu- sah zu seiner Taufe kommen. . . .
Lange aber bin ich nicht allein; bald treten auS dem Gebüsch einige fünfzig rusfische Pilger auf den Plan. Ach, wie fürchterlich erschöpft diese Armen find! Aber fie haben eS auch erreicht, da- Ziel ihrer heißen Sehnsucht. AuS | verklärten Gesichtern gehen die Blicke hin über die gelben,
wallenden und wogenden Waffer, und rasch werden nun von jedem dieser Glücklichen einige Becher davon hinabgestürzt. O, wie köstlich da- schmeckt! . . .
Doch jttzt — herunter die Pelzmützen, herunter die nach allen Himmelsgegenden hin geflickten Kittel, von den Füßen geschüttelt die dicken Filzstiefel und abgestreift die groben Hemden. In kürzester Zeit sind all die kräftigen Gestalten zwischen dem Buschwerk entkleidet und bereit znm Baden.
O Weihemoment deS Leben», wie man jetzt in den heiligen Fluthen herumplätschert, begeistert untertaucht und dabei immer und immer wieder Waffer schluckt! In wonniger Trunkenheit der Seele übersieht man ganz, daß die- Mafien- bad ohne jede Badehose erfolgt, ja, daß sich auch verschiedene Frauen unter den Badenden herumtummeln. Nur einige der Pilger gingen mit langen, weißen Gewändern ioS Safier; sie wollen hier jene Hemden weihen, die fie zu ihren Sterbe« kleidern bestimmten.
Gegen Abend erreiche ich wieder Jericho. Die ganze Oase empfängt mich mit einem weitschallenden Giquake großer Frösche. Auch die russischen Pilger kommen jetzt vom Jordan zurück, beladen mit dickbauchigen Blechbüchsen voll Jordan- waffer, bewaffnet mit übermann-hohem Schilf und etfüCt Dem erhebenden Bewußt ein, im heiligen Fluß gebadet zu haben — ein goldstrahlrnder Gedanke, der ihnen daheim im Nebel ihrer Steppe oder in der Einiamkeit de- et-starrenden Winter- leuchten wird bi- zum Tode.
Bei Einbruch der Nacht trete ich meine achtstündige Rückfahrt nach Jerusalem an — eine majestätische Nacht über der Wüste, eine Nacht voll ewiger Einsamkeit, eine Nacht voll großer, funkelnder Sterne. . . .


