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20.1.1898 Erstes Blatt
 
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Donnerstag den 20. Zarwar

Nr. 16

Erstes Blatt

Meßener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- mtb Anzeigeblatt für den Ursis Gietzen

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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Alle Anzeigen-VcrmittlungSstcllen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Reich-amtS de» Innern StaatSfecretärS" fort.

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dchörde anberaumten Termin zur Uifalluntersuchung unver­züglich in Kenutntß zu setzen hat.

I der lelhmg 1896.

'Ämburg* »Tmtltfuiatau

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schukstraße Nr. 7.

he Slia aller Art

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Auf- a W^triunvV

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag« für den fMgenten Tag erscheinenden Skimmer bis Norm. 10 Uhr.

Die Situation in Frankreich.

Niemand kann leugnen, datz Frankreich sich gegenwärtig vor emer ernsten Krise befindet. Als der Panama-Proceß im Gauge war und eine ganz ungeahnte Corruption auf- deckte, an der so viele bisher in hohem Ansehen gestandene Männer betheiligt waren, da ging ein Gefühl der Beschämung durch alle wahren französischen Patrioten. War eS denn möglich, das in Frankreich solche Dinge geschehen konnten, in der biederen Republik, deren Leiter Überflossen von Ver- ficherungen ihrer Ehrlichkeit und ihres treuen Charakter»? Wem durste man nun noch vertrauen, nachdem diese ehrlichen, uneigennützigen Republikaner daS tu sie gesetzte Bertraueu so schwer getäuscht hatten?

Doch eS blieb nicht bei diesem einen Panama. Hunderte von Fällen ähnlicher Art pafiirten, nur hatten fich die Be° theiitgtea bester vorgesehen, und el gelangte nicht» an die große Oeffentlichkeit. Aber die Zuverficht der Franzosen war erschüttert, uud e» ist nicht weiter verwunderlich, daß fie mißtrauisch wurden und in Jedem, besten Character nicht ganz offen vor ihnen lag, einen Panomisten erblickten.

Hieran» erklärt fich wohl zum Theil auch ihre Spionen- riechrret, die freilich schon älter ist, als der Panamaprocrß, aber seitdem jedenfalls zu größerer Blüthe gelangte. In jedem nur annähernd Verdächtigen fisht mau jetzt einen Spion im Solde einer anderen Regierung, insbesondere drs deutschen Reiche», und so hat man denn als über jedem Zweifel erhaben angenommen, daß auch Lapitän Dreyfu» tm deutschen Solde gestanden habe. Diese Ansicht ist lange unwidersprochen geblieben, und die französische Regierung hat auch heute noch nicht dm Muth, eiü Dementi in optima forma zu grbeu.

Die Drihsuk-Angelegenheit hat zu der Zeit, al» der Prozeß schwebe, nicht so viel Staub aufgewirbelt wie jetzt, wo doch schon Gra» über die Affaire gewachsen sein müßte, und wenn nicht Älle» tauscht, so gibt dieselbe Anlaß, Frank- reich in zwei große Heerlager zu theilen. E» gehörte eine nicht geringe Selbstverleugnung dazu, daß Zola die Partei des unglücklichen Excapitäns ergriff. Zola kennt die Franzosen ganz genau, er mußte wiffeu, welchen Sturm er erregen werbe, und eS ist ihm vorausgesetzt, daß seine Absichten reell find und er nicht anderen, eigennützigen Regungen ge- folgt ist hoch auzurechuen, daß er e» übernommen hat, für die Gerechtigkeit eine Lanze zu brechen. Wie stark die Erregung ist, welche er hervorgerufen hat, ist aus den Kund­gebungen zu ersehen, welche nicht nur in Pari», sondern in ganz Frankreich für oder gegen Zola stattfinden. Und dabei scheint die Erregung auch nicht einmal den Höhepunkt erreicht zu habm; da» wird erst geschehen, wenn seststeht, welche Schritte gegen Zola unternommen werden und wenn dieser, fall» angeklagt, seine Aussagen wachen wird. Vorläufig scheint er den größeren Theil Frankreich» gegen fich zu haben, aber eS ist durchaus nicht unmöglich, Laß daS Blatt sich wendet- die Franzosen haben fich von jeher als unberechen­bar erwiesen.

werke einer besonderen Ausnahme von dem generellen Ver­bote bedarf. Nun haben unbedenklich Stücke gespielt werden können, die ebenfalls religiöse Stoffe behandelten Lud­wig»Mc^kabäec", Heys:»Weisheit Salomos", Haustein» König Saul" u. s. w. Warum man der Aufführung des Johannes" Schwierigkeiten bereitet hat, ist ein noch nm gelöste» Räthsel, da» auch die gestrige Vorstellung nicht er­hellt hat. Denn gestern mußte Jeder erkennen, daß Johannes" ein künstlerisch ernsthafte» Werk ist, die tief em­pfundene Arbeit eine» Dichter», der vom hohen, ethischen Standpunkte au» die Tragödie Johannes de» Täufer», de» Vorgänger» eines Größeren, mit Innigkeit und vollem Versenken in den Geist der Zeit und der Geschehntffe er­saßt hat.

In da» Jahr 29 nach Ehr. führt uns daS Drama. Die Römer herrschten in Strenge und Uebermuth über da» geknechtete jüdische Volk und die Priester herrschten in Strenge und Starrheit. Au» tausend Wunden blutet Israel wen der Römer nicht schlägt, den schlägt da» Gesetz," so klagen die Bürger Jerusalem» und harren voll Sehnsucht des MesfiaS. Johanne», ein eifervoller Prophet, hat in der Wüste vielen Zulauf von Mühseligen und Beladenen, die fich von ihm taufen lasten. Er ist nach Jerusalem gekommen, um auch dort zu predigen von Dem, der da kommen soll und kommen muß. Die Pharisäer spotten deS Johanne» des Täufers, uud das wie immer leicht bewegliche Volk wird schwankend, doch r» hält zu ihm, denn e» hofft, von Johanne»

R. MM Mack.

13. 8. s-lkch-s, West.

eße Rod. Echlabach

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Fernsprecher Nr. 51.

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Wie bereit» oben angedeutet wurde, ist die Stellung der Regierung arg gefährdet- fie ist sitzt zwei Feuern ausgesetzt, da ihr auch die Ehauvintsten Vorwürfe machen, die Armee nicht kräftig genug zu vertheidigen gegenüber den Angriffen feiten» der DrryfuS-Anhänger. DaS Cabinet verhält fich in der ganzen Sache äußerst reservirt.

So hatte Cavaignac angeregt, da» angebliche Zeuguiß de» HaupimanuS Lebrun-Renaud über ein außergerichtliches Geftäudntß de» Eapirän» Dreyfu» der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Darauf hat aber die Regierung verlautbaren lasten, sie glaube nicht, da» Recht zu haben, eine abgeurtheilte Sache zur Erörterung zu stellen. Diese Weigerung kann natürlich nur den Verdacht, daß jene» Gestäudniß eine Fälschung ist, bestärken. Bereit» tu der Kawmerfitzung vom Montag war die Position deS Cabinet» keinesfalls mehr so ganz sicher, wenngleich die Drohung Melines, daS Ministerium werde demisfioniren, wenn der Antrag Cavaignac», die Re­gierung sofort über ihre Erklärung bezügl ch de» Zeugniffe» Renaud» zu tuterpelliren, den Erfolg hatte, daß jener An­trag abgelehnt wurde. Aber die Regierungsmehrheit war verhältuißmäßtg gering, und e» ist überhaupt bezeichnend für den Ernst der Lage, daß Mäline seine Demission in Aussicht gestellt hat.

Biele Klippen hat daS jetzt am Ruder befindliche Eabinet bereit» glücklich Pasfirt, so daß e» eine längere Lebensdauer erreicht hat als alle ferne Vorgänger. Stark gestützt wurde da» Cabinet Mv'.inr durch daS Berhälrniß Frankreich» zu Rußland, durch den Besuch de» Zaren in Pari» und durch die verkündete Allianz zwischen beiden Ländern. Aber auch die Sympathien, welche fich die jetzige Regierung hierdurch erworben hat, schwächen fich ab, und es scheint wirklich, al» nb die Tage der letzteren jetzt gezählt feien. Hoffmtlich geht der CabinetSwechsel vor fiw, ohne bufc ernstere Stör­ungen der Ordnung in Frankreich zu verzeichnen find.

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werde e» Schutz und Hilfe erhalten gegen Herode», der so­eben in Jerusalem eingetroffen ist. Zu ihm gekommen ist Herodia», die Gattin seine» Bruder» Philippu», den fie ver- lassen hat, um Herode» Weib zu werden. Mit fich führt sie ihre Tochter Salome, und schon hat fie mit den Priestern Ränke angesponnen und ihnen Versprechungen gemacht, wenn diese ihren Bund mit Herodes im Tempel einsegnen wollen. Die Priester haben» zugesagt da» Volk ist empört uud schaart fich auf» Neue um Johanne».

In ihm aber, dem eifervollen Propheten, bereitet fich allmählich eine Wandlung vor. Der Mesfia», den er er- wartet, soll fein ein König der Heerschaaren, der eiuherzieht mit goldenem Panzer, da» Schwert gereckt über seinem Haupte, und Cherubtn mit flammenden Sicheln, zu mähen und zu zerstampfen, sollen ihn umgeben. Da hört Johanne» von einem Galiläer, der diese» lästernde Wort mit dem .Tode büßen muß,höher denn Gesetz und Opfer ist die Liebe". Da» ergreift den Propheten, der in der Wüste nur da» Hoffen erlernt hat, e» bewegt ihn im Innersten, wie sehr er sich auch sträubt gegen da» Evangelium der Liebe und de» Erbarmen», da» von allen Setten auf ihn eiuströmt, aus dem Palast, wo selbst die Buhlerin Herodia» ihn mahnt an die, die leben und sterben um der Liebe willen, aus der zerfallenen Hütte, in der eine» Schuster» Frau Uber die verlorene Liebe de» Manne» klagt, au» den ver­haltenen Worten der Mirjam, die für Johanne» Strafe und Tod auf fich nimmt. Selbst die greife Bettlerin vor 6t»

Deutscher Reichstag.

18. Sitzung vom Montag, de« 18. Januar 1898.

Hermann SudermannsJohannes".

Von Franz Ehrtch.

(Nachdruck oerbotm.)

Berliu, 16 Januar 1898.

UnserDeutsches Theater" schreitet von Sieg zu Steg. Äoch erzielt nach fast 150 Aufführungen »Die versunkene Blocke" oft ausverkaufte Häuser, die neuen Gaben dieser Saison Halbe»Mut'er Erde", Hirschseld»Agnes Jordan", Fulda»Jugendfreunde", BernsteinsMädchen- vraum" haben starke literarische Erfolge gefunden und üben noch immer große Anziehung auf das Publikum au»: und gestern hat diese erste literarische Bühne Sudermann» ntelerörterte» DramaJohannes" herauSbriugen können, anb e» ward ihr ein starker Erfolg beschteden. Wenn dieser Erfolg gestern nicht gleich von Anfang stark einsetzte, wenn etft vom 2. Acte ab da» Publikum der Dichtung gewonnen wurde, so lag die» nich. an dem Drama selbst, dessen gering- ßügige Schwächen verschwinden gegenüber seinen bedeutsamen Vorzügen. EL lag an den hochgespannten Erwartungen und »er damit verbundenen Unruhe de» Publikum», da», nachdem La» Drama so lange verboten gewesen, nun auf besonder» Sensationelle» gespannt war.

Da» Verbot war bekanntlich erfolgt, weil da» Drama sine» religiösen Stoff behandelt und e» für solche Bühnen-

Bezugspreis vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 76 Pfg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Abg. o. Kardorff (Rp.) führt aus, er stimme einem Artikel derHamb. Nachr." überein, daß der Gegen­stand des Rundschreiben» de» StaatSsecretär» eine Geheim- Haltung gar nicht erforderte. Die Behauptung de» Abg. Wurm (Soz.), die Arbeiter hätten kein CoalittonSrecht, fei eine absichtliche Irreführung. Redner wird die Gleichberech­tigung der sozialdemokratischen Partei nicht zugeben, solange eine Vorbedingung der Sozialdemokratie die Vernichtung der gegenwärtigen Staat»- und Gesellschaftsordnung sei. Ein weiterer Grund de» Anwachsen» der Sozialdemokratie läge in dem Niedergang der Landwirthschaft. Redner schließt: Wie da» Lhristenthum mit dem alten Hridenthum fertig ge-

Gießen, den 17. Januar 1898.

Wetr.: Die Einsendung der für die Lande»-Waisenanftalt zu erhebenden Collrctea und Büchseaqelder.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

mr die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Unter Hinweis auf unser AuLichreiben vom 10. Fe- icruar 1877 (Amtsblatt 9lr. 3) empfehlen wir Ihnen, am 31. dS. Mt». die unter Ihrem und eines GememderathS- Mitgliedes Verschluß stehenden Waisenbüchsen zu öffnen und -teren Inhalt b':S längstes zum 31. März dS. I». durch nne Kosten nicht verursachende Gelegenheit an uns abzuliefern.

v. Gagern.

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Da» Hau» fetzte die zweite Berathung des Etat» bet dem TitelBesoldung

chrfchcint täglich mit Ausnahme des

Montags.

Die Gießener Aamkkieuvtätter erben dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

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1 ^Pulver I

Amtlicher Theil.

Gießen, den 18. Januar 1898.

Bett.: DaS Ausscheiden der Kreise aus der Tiefbau- brrufsgenoflenschaft.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen Ä» Grotzherzoglichcs Polizeiamt Metzen und die Orotzherzoglicheu Bürgermeistereien der Land- gemeinden des Kreises.

Nachdem der Kreis Gießen mit Wirkung vom 1. Ja- imt 1898 auS der TiefbauberufSger.ossenschast auSgeschieden und von diesem Zeitpunkt ab al» selbstständiger Träger b er Unfallversicherung für die in seinem Baubetrieb vor- !--mmenden Unfälle haftet, lhetleu wir Ihnen den nachstehend a ^gedruckten § 2 der AuSsührungSvorfchriften zum vauunfall- virsicherungsgesetzbezüglich der Versicherung von Unfallschäden b >i Bauarbeiten in den zur Srlbstvrrficherung zugeloffmen Lammnnalverbänden deS GroßberzogthumS vom 22. No- v.-mbcr 1897 (Regierungsblatt Nr. 42) zu Ihrem Ermessen »ad zur Nachachtung in vorkommenden Fällen mit.

v. Gagern.

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§ 2. Die den Ortkpoltzelbehörden zu erstattende schrift­liche Unfallanzeige liegt dem KreiSstraßrnmeister desjenigen Bezirk» ob, in welchem der Unfall fich ereignet har. Die OttSpolizetbehörden haben den dem KreisstraßrnmUster vor- gesetzten Kreisbauinspector, sowie dem Vorstand der Kranken- k«ffe, dem der Getödtete oder Verletzte angebört hat, von der Einleitung der Untersuchung, unter Angabe von Zeit und Ort btt Untersuchungshandlung, zu benachrichtigen. Der Kreis- dminfpeclor ist berechtigt, den Unfallunterfuchungsorrhand- langen al» Vertreter des Kreise« beizuwohnen. Ebenso steht fett Ausführungsbehörde daS Recht zu, sich durch eines ihrer Mitglieder oder einen V rrranensmann bei der Untersuchung »ertreten zu lassen, zu welchrmBehufe der Kreisbauinspector, bie AuSführungSbehöree von dem seitens der OttSpolizei-

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