Ausgabe 
18.12.1898 Drittes Blatt
 
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Der Würfel fiel in der dreitägigen Völkerschlacht bei Leipzig (16. bi* 18. October 1813). Napoleon, auf* Haupt ge­schlagen, sah sich zum Rückzug nach Frankreich gezwungen, wohin die Armee der Alliirten ihm folgte. Am 31. Marz 1814 zogen die Verbündeten in Pari* ein. Napoleon ent­sagte der Krone und zog sich auf die Insel Elba zurück. Doch noch einmal brach der Löwe lo*. Er verließ Ende Februar 1815 die Insel, um mit seinen wenigen Soldaten heim ich in Frankreich zu landen. Volk und Soldaten, von der alten Vlorie berauscht, stürzten ihm in Hausen zu- sein Marsch nach Pari* glich einem Triumphzuge. Der wieder eingesetzte Bourbon Ludwig XVIII. flüchtete bei der Nach» richt von seiner Ankunst. Bon Neuem traten die Preußen und Engländer dem alten Erbfeinde entgegen, der bei Waterloo (18. Juni 1815) zum zweiten Male feine Krone verlor. Al* Gefangener auf der einsamen Felseotusel St. Helena endete Bonaparte am 5. Mai 1821 sein abenteuerliche* Leben.

> n Der Feind Europa* war nun gefallen, aber unendlich kostbare* Blut war geflossen. Wer erinnert fich z. B. nicht mit ahnungsvoller Trauer de* edlen Andreas Hofer, de* Helden von Tirol, der am 20. Februar 1810 in Mantua von den Franzosen erschossen wurde? Auf dem Wiener Congreß sollte die alte staatliche Ordnung wiederhergestellt werden. Ludwig XVIII. wurde in Frankreich wieder ein­gesetzt, Norwegen an Schweden gegeben, die Schweiz für neutral erklärt. Preußen und Oesterreich regelten ihre Grenzen, Sachsen mußte seine größere Hälfte an Preußen adtreten. Die äußere Ruhe war somit in Europa wieder- hergestellt aber unter den Völkern gährte und flammte es weiter.

Wind, der im Au*land wehte, sachte ihn immer von Neuem und stärker an. Die Lust der Freiheit wehte allenthalben. In Amerika empörten fich die spanischen und portugiefischeu Colonien gegen die Bedrückung der Mutterländer, indem fie die durch Napoleon* Vorgehen geschaffene Verwirrung klug benutzten. Nach jahrzehntelangen, blutigen Bürgerkriegen behaupteten fie ihre Unabhängigkeit, so entstanden die mittel- und südamerikanischen Republiken und (1822) da* Kaiserreich Brasilien. Bon 1821 bi* 1829 kämpfte Griechenland gegen die überlegene Türkei den verzweifelten Kampf um seine Freiheit- die allgemeine Begeisterung Europa* verschaffte ihm den endlichen Sieg; seine Unabhängigkeit ward 1830 au*, gesprochen und Prinz Otto von Bayern auf den ueugebildetm Thron erhoben. In England fielen die kleinlichen Schranken, welche bis dahin die Katholiken vom Parlament und den Staatsämtern fernhielten- Belgien riß fich (1830) von Holland lo*, um fortan unter Leopold von Loburg ein selb­ständige* Königreich zu bilden- die Polen (1830/31) brache« in offener Revolution gegen ihre ruffischen Gewalthaber au*, ohne indessen den beabfichtigten Zweck, die Wiederherstellung ihrer Selbständigkeit, zu erreichen. In Frankreich brachte« e* Ludwig XVIII. und sein Nachfolger und Bruder Karl X. fertig, da* bourbonische Regiment durch allerhand Racheaete und reaetionäre Maßregeln innerhalb 15 Jahren derart un­beliebt zu wachen, daß bereit* am 27. Juli 1830 wiederum die Revolution ausbrach, nachdem der versuch, die öffentliche Meinung durch dir Eroberung Algier* anderweit zu be­schäftigen, mißlungen war. Der König floh nach England, worauf der sogenannte Bürgerkönig, Ludwig Philipp von Orleans, auf den Thron erhoben wurde. (Schluß folgt.)

In Deutschland hatte da* Volk au* den Freiheittkämpfeu | das Bewußtfein seiner Reife und seine* Werthe* mit in die neue Ordnung hiuübergenommen, es forderte muthvoll die ihm in den Tagen der Roth versprochene Theiluahme an der Regierung. Aber seine Fürsten hatten ihre unter dem Druck der Verhältnisse gegebenen Zusicherungen rasch vergeffen. Die vom Kaiser Alexander von Rußland ins Leben gerufene heilige Allianz", welcher sämmtliche europäischen Mächte, mit Ausnahme Englands und der Türkei avgehörten, unter- drückte alle politischen und geistigen Fortschritte, ganz Europa stand unter dem Eivfloffe des erzreactiouaren Metternich, welcher die einseitige Stärkung der Fürstenmacht und die Unterdrückung der volksselbständigkeit zu seiner Lebensau^abe machte. Wohl bewilligten in Ausführung des Artikel* XIII der Bundesacten das kleine Weimar und die süddeutschen Fürsten ihren Ländern Berfaffungen, in Preußen aber blieb die 1815 gegebene königliche Verheißung unerfüllt. Der Unmuth de* Volkes fand kräftigen Ausdruck auf dem Wart­burgfest der deutschen Burschenschaften am 18. Oktober 1817, wo man die Schriften verhaßter Personen in* Feuer warf. Dieser Act und die Ermordung Kotzebnes durch Sand (1819) boten der Reaetiou willkommenen Anlaß zu Represfivmah- regeln. Jede freiheitliche Regung in Wort und Schrift wurde unterdrückt, die einstigen Freiheitssänser, die Retter des Vaterlandes, Arndt, Jahn usw., galten jetzt als HochverrSther, es füllten fich die Gefängnisse und Zuchthäuser. Die Burschen­schaften wurden aufgelöst und ihre Bestrebungen in Acht und Baun gethan.

So herrschte in Deutschland die Ruhe eine- Kirchhof* | unter der Asche aber glimmte der Funke fort, und der

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