Ausgabe 
18.11.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

fügung gestellt, damit im öffentlichen Wettbewerb geeignete Entwürfe für den Neubau gewouueu würden. In das hierzu gebildete Preisgericht waren außer je einem Bertteter der Stadt und der Schule Herr Oberbürgermeister Gnauth an» Gießen, Herr Geh. Oberbaurath Hofmann aaS Darmstadt und Herr Wickop, Profeffor au der technischen Hochschule zu Darmstadt, iu liebenswürdiger Bereitwilligkeit eingctreteu. 61 Entwürfe find eingelauseu, die eben öffentlich ausgestellt find. Der Form des Platzes entsprechend ist für den Grund, riß vorzugsweise Winkel« oder T Form gewählt und die Archttectur hält fich fast durchweg in den durch Friedberger Bauwerke bedingten Formen der Renaissance- vereinzelt ist auch Gothik verwendet. Neben manchem weniger geeigneten Entwürfe find eine ganze Reihe recht hübscher Projecte ein- gelaufen, und viel Mühe und Sorgfalt ist, wie der Augen« schein lehrt, auf die Herstellung derselben verwendet worden. Sine Besprechung der Entwürfe im Einzelnen würde viel zu weit führen. Drum sei hier nur daß Resultat der Be- rathungen de- Preisgerichts mitgetheitt. Durch einstimmigen Beschluß wurde ein erster Preis von 1200 Mark dem Ent. würfeWappen Wetterau", Verfasser Architekt Thyriot in Köln, und je ein zweiter Preis von 900 Mark dem Entwurf Schlicht", Berfaffer die Architecreu Blattnrr und Klotzbach in Barmen, und dem EntwurfMalerisch Eck", Berfaffer Architekt Müller in Hannover, zuerkannt. Don einem Au- kauf weiterer Entwürfe wurde abgesehen. Welcher von den preisgekrönten Entwürfen zur Ausführung kommt, ist noch nicht eutschtedeu und hängt noch von Abänderungen ab, die das Preisgericht vorgeschlageu hat.

Mainz, 16. Novemder. Auf ein seiner Zeit an die RrichSregterung, den BundeSrath und die Mitglieder de- Reichstag» ergangenes Ersuchen drr städtischen Verwaltung, zu den Kosten für die Restauration der ehemaligen Kurfürst, licheu Schlosses einen Bettrag au» RctchSmitteln zu gewähren, wurde vor einiger Z:it von Herrn Oderdürger. meister Dr. Gaßner in der Stadtverordnetenversammlung mitgetheitt, daß nach den ihm iu Berlin zur Kenutuiß ge« brachten Mitthetlungen die Retchsregierung bereit sei, eine Summe von 300000 Mark zu den RrnovattonSkosteu des Schloff?» beizusteuern, und daß diese Summe tu den Reiche- hau-hnlr-etat zur Einstellung kommen solle. Eine der htefigeu Verwaltungsbehörde zugegangene Nachricht bestätigt, daß dem Gesuch der Stadt Mainz um Bewilligung eines Beitrags zu den Kosten der Restauration de» Schlöffe» Folge gegeben und daß der Beitrag des Reiche» auf die Summe von 300000 Mark normirt worden sei, sowie daß diese Summe alljährlich in Raten von 25 000 Mark in den ReichShauS- haltSetat eiugeftrllt werde, die erste Rate tu der Höhe dr» eben genannten Betrags sei bereits tu da» Budget für das kommende Jahr eingestellt. Wie wir vernehmen, hat da» KreiSamt der Bürgermeisterei von dieser Entscheidung Keuntniß gegeben.

Laubenheim, 16. November. Bei dem kürzlich iu unserer Gemeinde stattgrhabteu Herbste ereignete fich der gewiß seltene Fall, daß eine betagte Winzerin, die weit über 80 Jahre alte Katharina Kerz, zum 50. Male als Winzerin bet der Familie Umber mit zur Traubenlese in den Herbst gezogen ist. Da» alte Mütterchen hat fich noch ganz fleißig bet der Lese brtheiltgt, aber der Anficht war e» doch, daß eS seit den 50 Jahren noch keinen so ungüustigeu Herbst für Laubenheim gegeben habe, als der 1898«. Die Familie Umber hat ihre treue Winzerin zu ihrem Jubiläum reichlich beschenkt.

Vermischte».

Mettlach, 14. November. Drr im 90. Lebensjahre verschiedene Geh. Commercieurath Eugen v. Bock hat durch seine rastlose Thätigkeit die von ihm bis zum Jahre 1878 geleitete Firma Billeroy & Noch zu einer Welifitma ersten Range» emporgehoden. Auch in ihren Wohlfahrtsetortcht' uugen find diese industriellen Anlogen sie umfassen zur Zett acht Fabriken mit über 5000 Arbeitern und 200 Be- amten iu Bezug auf die Unterstützung uothleidender und invalider Arbeiter, Unterricht Krankenpflege und Arbeiler- wohnungeu wirkliche Musterauftalten. Daneben sorgt ein

enormen Mengen faulender Stoffe riecht, ist darin begründet, daß dieselben sehr fein verthetlt und mit Asche und Erde innig gemischt find. Die geruchz'.rstörrude Eigenschaft der Erde ist ja schon in den ältesten Zetten praktisch verwerthrt worden, und daS Moule'iche Erdcloset zeigt, daß ein halbe» Kilo Erde genügt, um eine menschliche DurchschuitiSentleerung geruchlos zu machen.

Wenn man auch schon auf Grund epidemiologischer Be­obachtungen häufig bet ThPhuShauSrptdkmien als Infektion». Herd die Zwischendrckcufüllungen annehmrn durfte, so können wir auch Fall: anführen, welche in neuerer Zeit beobachtet wurden und den Zusammenhang zwischen Krankheitserreger und Erkrankung mit nahezu absoluter Gewißheit zeigen. Einen solchen Fall erwähnt Butter, der ihn selbst untersuchte. Ja einem Gehöfte de» Dorfe» Hohburg, welche- durchaus nicht die Lage und den Boden eine» Typhushauses hatte, da t» am Endr der Dorfe» auf Lehm und höher al» die anderen lag, brach 1874 eine schwere TyphuSeptdemie au», während 1872 und 1873, zu welcher Zeit der Typhu» in Hohburg und namentlich in den dem Gehöfte benachbarten Häusern epidemisch herrschte, da» letztere ganz verschont geblieben war. Run aber erkrankten 187476 sünszehn Personen an Unter- leib-typhu». Bi» 1875 waren alle Personen de» Hau-staube» erkrankt und durchseucht, einzelne davon gestorben. Anfang 1876 kamen zwei neue Dienstboten, welche kurz hintereinander erkrankten, dann erkrankte ein au» einem lyphu»freien Orte zu Besuch gekommener verwandter und endlich erkrankten und starben zwei im Innern de» Hause» einen Monat lang beschäftigte Zimmerleute. Da» Hau» war jetzt so gefürchtet, - N'tmand an Stelle der Tobten treten wollte.

(Schluß folgt.)

reichhaltige» Museum für Keramik für eine fortschreitende geschmackvolle Herstellung und Berbeffrruug der zahlreichen Fabrikerzeugniffe. Eugen v. Boch wurde 1809 zu Sept- fontaine» bet Luxemburg geboren. Nach eingehenden Studien in Hoiwhl in der Schweiz und in Pari» übernahm er 1832 die Fabrik seine» Vater», die fich durch spätere Gründungeu von neuen Fabrikanlagen in Dresden und in Mettlach immer mehr vergrößerte. 1878 legte er die Leitung dsr Firma in die Hände seine» Sohne» und widmete fich ganz der Land- wirthschaft. Auch hier wirkte er durch seine Musterwirth. schäft, tote auch al» Krei»deputirter, Direktor der landwirth. schaftlicheu Localabtheilung und ProvlvziallandtagSabgeordueter zum Besten seine- heimathlicheu Kreise».

Mannheim, 14. November. Einen guten Fang machte hier am SamStag die Eriminalpolizei. Bon Köln au» wurde seit einiger Zeit nach einem Diebe gefahndet, der dort 29000 Mk. gestohlen hatte. Der Kölner Polizei fiel nun ein Brief in die Hände, in dem ein Freund de» Diebe», der von diesem 500 Mk. geliehen hatte, mit ihm ein Zu« sammeutreffen in einer htefigeu Wirthschaft vereinbarte. Zweien Kölner Criminalbeamteu gelang e», den Gesuchten hier festzunehmen. Auf dem Wege nach dem Amt»gericht». gefäugniß begegnete ihnen der Freund de» Verhafteten, der ahnungslos den letztern anredete und nun ebenfalls iu Haft kam.

eine Postanweisung über - einen Pfennig. Bon musterhafter Genauigkeit zeugt folgende» postalische Luriosum, da» au» Marienburger Werder gemeldet wird. Ein Lehrer, deffen Sohn bislang eine Untervffizler.Vvrschule besucht hatte, erhielt al» Rest drr Weg- und Zehrung-kosten für diesen von der Anstalt durch Postanweisung die Summe von 0,01 Mk. zugesandt. Da da» Bestellgeld aber bekanntlich 5 Pfennig beträgt, so verweigerte der Adreffat die Annahme der Au« Weisung.

Da» erschütternde Ereigniß der Ermordung der Kaiserin von Oesterreich durch den Buben Luccheni in Genf, deffen Proceß dortselbst brkanntlich am Donnerstag stattgefuvden hat, gab der Redaktion eine» Dresdener Blatte«, derNeuesten Nachrichten", Anlaß, eine Sammlung aller hervorragenden deutschen Tage-blätter und illustrirteu Familteu-Jouruale anzulegeu, welche fich in Wort und Bild mit dem so unendlich tragischen LedenSabschluffe einer edlen Frau beschäftigten. Sämmtliche Blätter auch da» unsrige befand fich darunter wurden in einer von der bekannten Dresdener Firma Ed. Pachtmann, König!. Sächs. Hoflieferant (Pragerstraße 11) hergestellten, vornehm und prächtig auSgestattetev, mit ent- sprechender W dmnng versehenen Mappe dem Kaiser Franz Josef übermittelt, nachdem derselbe zuvor durch die Dresdener österreichische Gesandtschaft feine freudige Bereitwilligkeit zur Entgegennahme der finnigen Gabe hat auSsprecheu lassen.

Die fogeuauuteArzneipest", oder Droguenprst erfährt im LondonerPharmaceutical Journal", dem Organ der britischen pharmaceutischeu Gesellschaft, eine bemerkenswerthe Beleuchtung und Berurthellung. Mit diesem Namen be­zeichnet man In England den gewohnheitsmäßigen ober, man könnte auch sagen modemäßigen Gebrauch von Arzneien, die bei häufigem Eluuehmen gefährlich werden wüffen. Dr. Carr hat zunächst die englischen Frauen al» Träger dieser Unsitte verklagt, da» heisit vorzugsweise die feinen Damen der Ge­sellschaft, deren Zr.r selten durch andere Sorgen als durch die um die Bekämpfung der Langeweile ausgefüllt wtrd. Der genannte Arzt erwähnt e» als Thatsache, daß die Frauen vielfach in einem wirklichen oder vermeintlichen Zustande der Abspannung ihre Zuflucht zu gewiffen Arzneien nehmen. Biele, die vielleicht nicht dazu zu überreden waren, Brandy oder Whiskey zu genießen, gewöhnen fich an den Genuß an. regender Mittel, deren Wirkung weit gefährlicher ist, al» da find Morphium, Auriphrin, Cocain und ähnliche. In gewiffen Gesellschaftskreisen, heißt es weiter in der Anklage, tragen die Damen in ihren Bonbon äcen stets derartigeErfrischungS- mlttel" mit fich und Carr hörte bei einem Empfang in einem eleganten Hanse, wie eine Dame ihrer Freundin au» einer kleinen silbernen Dose eine Tablette anbot, gerade wie man fich Cigaretten oder Bonbon» anbietet, mit den Worten: N<mm doch, bitte, e» ist nur Cocain, ich nehme das immer und könnte nicht einen Tag ohne meine Pastillen auSkommen." Wenn solche Fälle auch hoffentlich zu den Ausnahmen ge« hören und vielleicht außerhalb England» noch gar nicht vor kommen, so ist e» boch angebracht, vor einem unbedachten Gebrauch derartiger Arzneimittel zu warnen.

Was soll ich nur noch mit dem Mädchen anfangen" so fragen oft Eltern und Vormünder, wenn fie Alle» versucht haben, schwer erziehbare oder leichtfinnige Mädchen zum Ge. horsam und zur Arbeitsamkeit zu bringen. Wie in manchen andern schwierigen Lagen und Fragen kommt auch hier die Innere Misfion zu Hülfe. E» ist gewiß Manchem angenehm zu erfahren, daß der Verein für Innere Misfion in Leipzig, für Mädchen von 14 bi» 18 Jahren, welche durch ihr Ber. halten ihren Angehörigen Kummer und Sorge bereiten, schon seit einer Reihe von Jahren eine Er ziehun gSstation im Martinstift zu BorSdorf eingerichtet hat. Die Mädchen erhalten unter der Anleitung und Ausficht vou Dia- kouiffen in einer familienartigen Zusammengehörigkeit Au», bilbung in allen häuslichen Beschäftigungen und werden unter Zucht de» göttlichen Worte» und der Arbeit zu brauchbaren Menschen heravgebildet. ES find schon viele sehr günstige Erfolge erzielt worden. Anmeldungen werden augrnommeu von der BereiuSvirection, Roßstraße 14.

Aus vier Staaten der Union, au» Texas, Alabama, Mississippi und Nord-Karolina, meldeten neulich Depeschen an einem und demselben Tage von blutigen Kämpfen zwischen Weißen und Negern. Bei weitem die schlimmste Kunde kam au» Mississippi. Dort wurden in der Nachbar­schaft von HarperSville neun Farbige und ein Weiher ge« löstet, und zwar unter bemerkenSwerthen Umständen und wegen eine» geringfügigen Anlaffe». Ein Neger Namen» Burke gerieth in Streit mit feinem Arbeitgeber, einem Weißen, In welchem dieser den Kürzeren zog. In der Nacht

begab fich ein Haufen Weiß« nach Burke» Wohnhaus, traf ihn aber nicht zu Hau>e. AIS fie dann in der nächsten Nacht wiederkamev, um Burke zu ergreifen, empfing fie eine Ge- wehrsawe von Negern, die im Gebüsche unb in BurkrS Hau- verborgen waren. Der Führer der Weißen brach tobt zu- iammea und brei Andere würben verwundet. Man holte fich in Haprriville Verstärkungen, und nun begann eine fröh­liche Jagd auf die Schwarzen, die fich in die Sümpfe ge­flüchtet hatten. Neun wurden bereit» uiedergeschofftn und die entrüsteten Weißen werden wohl die vierzig Neger, die an dem Kampfe beteiligt gewesen waren, allezur Strecke bringen", ehe fir die Jagd aufgeben. Der Gouverneur de» Staate» selbst begab sich mit seinen vier Brüdern, all; bi» an die Zähne bewaffnet", auf den Kampfplatz, da er aufge­fordert wurde, zur Wiederherstellung der Ruhe Miliz dorthin zu schicken. Er hat sich überzeugt, daß die dreihundert be­waffneten Weißen, die hinter den flüchtigen Negern her sind, auch ohne Truppenhilfe die Ruhe Herstellen, die Flüchtigen für immer stumm machen können, denn et hat e» abgelehnt, Truppen kommen zu laffen, und so blieb die Jagd auf die Neger in vollem Gange. Den gesteigerten Negerhaß im öst­lichen Nord-Karolina auf die Angst vor der drohenden politi­schen Herrschaft der Farbigen zmückzuführen, ist nicht möglich, Leon man hat e» in diesem Staate fertig gebracht, die Schwarzen politisch zu entrechten. Die blutigen Vorgänge bei HarperSvillc entsprangen nicht ber Furcht vor einer mög­lichen Negerherrschast, sondern offenbar nut dem Gedanken, baß ber Farbige, der e» wagt, seine Hand gegen einen Weißen zu ethrbev, ober fich ber thätlichen Mißhandlung eine» Weißen zu erwehren, vogelfrei ist. Wenn aber der­gleichen in einem Bundesstaate fünfundbreißig Jahre nach brr Befreiung ber Farbigen Vorkommen kann, barf man füglich an ber Lösung ber Negetftage verzweifeln. Die Lage ist eher schlimmer, statt biff et geworben, und fie scheint fich noch fortwährend zu verschlimmern unb N imano vermag einen AuSwrg zu staben. Dir StaatSweirheit bt» Volke» ber Vereinigten Staaten, da» seit brm Zwiste mit Spanien angeblich berufen ist, alle fremden minrerwerih gcn Völker zu civilifiren, geht fchmählich in bie Brüche vor der Aufgabe, die ihrer im eigenen Hause wartet.

Einen merkwürdigen Fund machte kürzlich ein Ber­liner Trödler. Derselbe erstand vou einem Privatmann zum Preis von 12 Mk. einen alten Kleiderschrank, der vor einigen Jahren auS dem Nachlaß eine» Verstorbenen in den Brfitz dr» Verkäufers übergegangen war. Der Schrank wurde auf einen Handwagen geloben unb sollte nach ber Wohnung de» Trödler» gefahren werben. AIS der Wagen plötzlich einen Stoß bekam, hörte man gleich darauf ein eigenthüm- liches Klingen. Al» ber zur Seite beS Wagens schreitende Trödler fich umwandte, sah er, tote verschiedene Personen fich bückten, etwa» von ber Erde anflaseu unb bann davonliefen. Gleichzeitig bemerkte er zu seinem nicht geringen Schrecken, daß aus der Rückseite de» Schranke» unaufhörlich Thaler- stücke heraus fielen unb auf ben Fahrdamm tollten. Sine Untersuchung des Schranke» ergab, daß derselbe noch 73 au» den Jahren'1800 bi» 1820 stammende Thaletstücke enthielt. Sie befanden fich iu einem kleinen Fach, da» zwifchen der Rückwand unb der nicht ganz bl» an diele heranreichenden unteren Schublade de» Schranke» angebracht war. Da der Verkäufer selbst erklärt hatte, den Schrank aus dem Nachlaß eine» Verstorbenen erstanden zu haben, so blieb da» Geld Eigenihum de» Trödler».

* Derunheimliche" Fund in der Schelde bei Ant­werpen har fich sehr harmlos aufgeklärt, nachdem er die Einwohnerschaft Tage lang in große Aufregung versetzt hatte. Die vermeintlich zu einem Mordanfchlag auf König Leopold bestimmten drei Blechbüchsen mit Nitroglycerin waren näm­lich mit ranzigem Baumöl gefüllt.

Ein eigenartiger Hundehandel ist in Schleswig in ber WirthschaftRitt in de Stadt" zu Stande gekommen. Bri einet gemächlichen Kaffeepuafchfitzuug wurde von einem der Anwesenden ein großschnauziger Pinscher zum Kauf au» geboten. Der mitavtokseade Kornhäudler Witt erstand da» Thier für 75 Psd. Gerstenschrot, einen Eierpfaunknchen von 20 Eiern, fünf Knffeeponsche und fünf hochfeine (!) Cigarren zu 10 Psg. baß Sück. Pfannkuchen, K^fftepunsch unb Cigarren waren für die Anwesenden bestimmt, da» Gerstenfch.ot da- gegen für die Schweine.__

Wissenschaft, Literatur und rinnst.

Soeben erschien: Kleinschmidt, Dr. A., Drei Jahrhundert russischer Geschichte. Ueberhltrf der Geschichte Rußlands seit Thronbesteigung der Romanow dis fitzt (1598 bis 1898). Berlin. Verlag von Johannes Räde (Stuhr'jche Buchhandlung). Der als feinsinniger Geschichtsschreiber bekannte und allseitig ge­schätzte Verfasser behandelt den ihm so geläufigen Stoff in dem vor­liegenden neuen Werk mit der an ihm so sehr geschätzten Sicherheit, Klarheit unb Ruhe. Im Vollbesitz seiner Fähigkeiten, im Zenith seines Könnens stehend, meistert er sein Thema die Entwickelung de« ZmenreichS fett der Thronbesteigung der Romanow mit spielender Leichtigkeit. Von besonderem Belang dürfte sein, daß er nicht nur dieäußere" Geschichte des Reiches, sondern auch daS Hof- und Privatleben deS Zaren und die culturellen Seiten de» russischen Lebens während der letzten drei Jahrhunderte seiner Brurtheitung unterwirft. Er wirft interessante Streifl'chter auf den Cäsarenwahn- sinn PaulS, auf die Mannösucht der Großen Katharina, auf gewiffe dynastische Streitigkeiten, die lebhaft an die jetzt im Fürstrnthum Lippe vor sich gehenden erinnern rc. re. Kleinschmidt ist Rußland sehr gütig gesinnt und ein wa'mer Freund der deutsch-russischen Ver­bindung unter beiderseitiger Wahrung freier Politik, jülan weiß im Auslände so wenig von Kunst, Wissenschaft, Literatur, Kirche, Schule, Gesetzgebung, Heerwesen, Finanzen u. s. w. Rußlands. Kleinschmidt berichtet uns überall dies. Angesichts der großen Rolle, die Ruß­land beute in der hohen Politik, und namentlich in der Gestaltung der ostasiatischen Frage spielt, angesichts der weltbewegenden, groß- artigen Wellfriedenskundgebung Nicolaus IL und angesichts der Bedeutung, die der nordische Koloß im 20. Jahrhundert für die Weltgeschichte haben wird, sollte unb bürste bas vorzügliche Klein- schmidi'sche Buch von allen auf moberne Bilbung Anspruch machen- den Lesern willkommen geheißen werden. _________

5d?ift»nad>rid>tcn.

Der PostdampferWesternland" derRed Star Line" in Ant- werpm ist laut Telegramm am 15. November wohlbehalten in New- I ork an gekommen.