bei Ratlexpaarel In der türkischen Harpistabt wirb gemeldet: Der brutsche Botschafter Mai schall von Bieberstein mit bem Militärbevollmächtigten Haup'wauu Morgen und bem Bot- schaftlbragoman von Eckaibt gehen am SarnStag Nachmittag auf ber ^Loreley" bis zum Eingang ber Dardanellen, um bal brutsche Kaiserpaar zu begrüben. Der Dampfer bei Stovgeu'schen Retsebureaus ^Bohewia" schließt fich mir feinen Touristen den Dampfern ber brutschen Colonte zur Begrüßung bei deutschen Katserpaaie! an. Bon Lonftantiuoprl bis Haifa wirb bte Kaiseryacht ^Hohenzolleru" von bem Torpebobivifionl- boot ^Pelevr.i.Deria" uvb einem Torpedoboot begleitet werden. Der Sultan trifft übrigens umfaffeode Maßnahmen nicht nur für die Festlichkeiten zu Ehren seiner kaiserlichen Gaste, sondern auch zu deren Sicherheit. So find nach einer Meldung ber „Franks. Ztg.^ aus Konstantinopel gegen 100 Armenier aus vorficht tu Haft genommen.
Lprottau. 16. October. Hier würbe ein Jnbtvibuuw festgenommen, welches versuchte, gefälschte 20 Pfund- Noten abzusetzev.
Prag, 16. Oktober. Die Polizei verhaftete hier zwei Anarchisten, darunter den aus der Schweiz ge« flüchteten Pietro Breve, welche ein Attentat geplant haben sollen.
Prag, 16. October. Derhtlfige Auarchtstenvereiu Aurora wurde polizeilich aufgelöst und alle vor- gefuudeneu Schriftstücke dem Landgerichte eingeliefert.
Rom, 16. October. Kaiser Wllhe'm wird dem Beruehmen nach der im April stattfindeudeu feierlichen Eröffnung des großen Saales del neuen Botschafters PalaiS persönlich beiwohnen.
Rom, 16 October. Bon unterrichteter Seite wird ver- sichert, daß, falls auf bem Congreß zur Bekämpfung der Anarchisten ber Antrag gestellt werben sollte, ber Preffe in Zukunft zu verbieten, alle Melbungen über Ber- Haftungen und Maßnahmen gegen bte Anarchisten zu bringen, bte italienische Regierung bleien Antrag kategorisch bekämpfen wirb.
BrLsfel, 16.October. Prinz Philipp von Orleans ist gestern hier etagetioffen. Derselbe bewohnt im Bellevue- Hotel bteselden Räume wie im vorigen Jahre Dou Garlol.
Paris, 16. October. Auf ber Nordbaholioie würben in der letzten Nacht wiederum versuche gewacht, Eisenbahn- züge zum Entgleisen zu bringen. Zwischen Eourneuve und Bourget waren die Stgnalzetchev abgertffeu. Dal Zugpersonal bemerkte noch rechtzeitig dal Fehlen derselben und verhütete dadurch eine Katastrophe.
Paris, 16. October. Die Generalstablblätter melden, baß acht Generale, welche um ihre Metvuug betreffs eventueller verfoiguug berjeutgen Blätter, bte Artikel über ein Militär. Komplott veröffentlicht haben, befragt würben, erklärten, nicht bte geringste Initiative hierzu ergreifen zu wollen.
Paris, 16.October. Gegen bte Hetzer zum General- strtke find strenge Maßregeln beschloffen. Dte Bewegung verläuft fich. Dte Präfecten melden allgemein Beschwichtig, nagen, auch bezüglich bei Dreyful'Hanbels, ba feine gerechte Lösung als ficher erwartet wirb.
Petersburg, 16. Oktober. Das Gerücht, ber Zar werbe feine Rückkehr nach Livadta über Berlin nab Warschau machen, wird von tuformirter Seite als unrichtig bezeichnet.
Türkei. Bekanntlich hegt dte Pforte den Wunsch, durch eine kleine türkische Abtheiluog dte Souveränität bei Sulranl auf Kreta zu warkiren. Dte Mächte halten bte tn bem Ultimatum gestellten vebingungen auf Abzug sämmtltcher türkischer Truppen burchaul aufrecht, gaben jeboch ihre Be- reitwilligketr zu erkennen, später ber Pforte einige Zu- gefiäabmffe hinsichtlich ber Beibehaltung eines Symbols der türkischen Oberherrschaft auf Kreta zu machen. Auch bte Frage, ob bte Admirale die Landung der zum Zweck der lleberwachuug des Rückzuges der türkischen Truppen von Kreta zu entfenbenben Generale Osman Pascha nnb Sabit Pascha gestatten würben, erhielt bte Pforte eine ungünstige Antwort. — Diplomatische Kreise glauben übrigens, baß bte Pforte btt bei Durchführung der Lösung der kretischen Frage noch manche Schwierigkeiten bereiten werde, ba fie hofft, baß bte vier Mächte bezüglich der anzuwendenden Zwavglmaß- regeln nicht einig seien
Kauea, 16. October. Zum Schutze bei Eigen- thuml bei Muselmanen nnb ber Lhrtsten ließen die Admirale ein verzeichniß der im Gruudbuchawt verzeich- ! netto Hypotheken aufnehweu.
Telegirtentag des Verbandes südwestdeutscher Tetaillisten-Vereine.
In Steins Garten sand gestern bte 6. Eonserenz del Verbandes sübwestdentschei Detarllisten Vereine statt. Hen Ernst Balser eröffnete um 11 Uhr dte Versammlung und begrüßte die Erschienenen, u. A. die Herren Rcgterungsrath Noack Darmstadt, Vorsitzender ber Seutralstelle für bte ®e* werbe, bte Mitglleber der Handelskammer, den Boesitzenben bei HanbelSkammei, Herrn Eommerztenrath Koch, bte Bei- tietei bei Stabt, Henn Dr. Gutfletsch usw.
Herr Balsei betonte als Hauptaufgabe bei Vereine bte Prüfung ber bem Hanbel eotgegenstehevden Schwierigkeiten unb bte Sorge für Abstellung ber Mißstänbe.
Namens bei Stabt begrüßte Herr Beigeorbneter Georgi bte Versammlung, habet hervorhebenb bte Bedeutung, welche der Detailhandel tn unserem wirthschaftlichen Leben als Vermittler zwischen Producenten uvd Konsumenten hat, er wünschte bei Veisammluug besten Ersolg.
Zum zweiten Borsitzenben würbe Herr Schmibt-Darmstabt, zum zweiten Schriftführer Herr Orbig Gießen gewählt.
Es würbe zunächst zu Punkt 3 ber Tagesorbnung: ,«r. sa.hrungen betr. bas Gesetz zur Bekämpfung bei unlauteren Wettbewerbs* übergegaugeu, zu welchem Herr Dr. Gutfletsch bas Referat übernommen hatte.
Herr Dr. Gutsleisch constatirte zunächst, baß bal Gesetz seine wesentlichsten Ausgaben erfüllt. Es habe zunächst mH bem Gesetz bie inneren Feinbe bes Hanbelsstanbel bekämpft. Dal heutige Leben verlange nicht nur dal formelle Recht, sondern auch den Schutz der Sitte, und das habe man mit bem Gesetz erreicht. Dal Gesetz werde allerdiugl noch au«- gebaut werden müffen, doch solle man in dieser Hinsicht eine abwartende Stellung eionehmev. Redner gab hieraus ein anschauliche! Bild über die «nwenbuog des Gesetze! und über die Entwicklung de! Handel! unter der Einwirkung belfelben; er glaubt bemerkt zu haben, baß da! Gesetz nützliche An» regungen zum Zusammenschluß bei Hanbelsstanbel gegeben uvb günstig beeinflußt habe bte Maßnahmen zur Wahrung brr Jutereffen belfelben, beten Gemeinsamkeit In Denken nnb Handeln mehr wie je hervortrete. Tine stille Wirkung bei Gesetzes sei bal Aufhören einer Anzahl von Borkomw- U'ffen unanstänbiger Art iw Hanbel, bte Veredelung bei öffentlichen Verkehr! in Bezug auf Reclarne unb Konkurrenz. Redner gab hierauf eine lieber fW über die tn den letzten zwei Jahren auf Grund dr! Gesetze! zur Bekämpfung bei unlauteren Wettbewerbs gefällten Entscheidungen de! Reichl- gerichtS, die zum Theil seine Billigung finden, zum Theil seinen Anschauungen nicht entsprechen. Au Hand einiger gerichtlicher Entscheidungen zeigt Redner weiter, welche Lücken tn der Gesetzgebung noch vorhanden. In Gießen ist fett Inkrafttreten bei Gesetzes tn etwa sechs Fällen wegen unlauteren Wettbewerbs vor Gericht verhavbelt worben. Im Allgemeinen sei bte Zahl ber verurlheilungen nicht groß, tabeß gehe die Wirkung beö Gesetzes über bleie Urthelle hinaus, es wirke erzieherisch. Hieraus ging Rebner eine Reihe von Anträgen ans Abänderung deS Gesetzes, welcher er übrigens mit Rücksicht auf die Gefährdung deS ganzen Gesetzes vorerst nicht zustimmen könne, durch und gab werthvolle Fingerzeige über bte Behandlung derartiger Anträge auf künftigen Delegirteu- tagen und ferner über die von den Vereinen noch zu lösenden Ausgaben. Unter Anderem hält er die Aufstellung einer Statistik über gerichtliche uvd vichtgerichtliche Fälle für wichtig, um daraus zu ersehen, welche Mängel daS Gesetz noch hat. Im Uebrlgev empfiehlt er den Vereinen, weniger Anzeigen bet den Gerichten zn erstatten, vielmehr ihre Thätigkeit dahin zu entfalten, daß fie warnen, dies habe mehr Erfolg als gerichtliche Entscheidungen. Für unbedingt erforderlich hält Redner bte Uebertragung bet Rechtsprechung auf gemischte Gerichte, nicht nur gelehrte Richter sollten ur- thellen, sonbern auch bte Betheiligten, wie es hinfichtllch ber Gewerbe- nnb Handelsgerichte schon geschehe. Den Aufgaben beS öffentlichen Leben« könne ein gelehrter Richter nicht überall gerecht werben- ferner wüffe für gewerbliche Dinge unb für Handelsgerichte ber Anwaltszwang fallen. Schließlich empfahl Rebner rege» vorgehen ber Vereine tn der von ihm angebeuteten Richtung, knüpfte aber baran bte Warnung vor allzustarker Inanspruchnahme ber Polizei.
Der Vorsitzende bankte Herrn Dr. Gutfleisch sür ben von bet Versammlung mit Beifall aufgenommenen Vortrag. — An bet DlScusfion beteiligte fich zunächst Herr Director Tripp-Löffel, ber ben Stanbpunkt vertrat, daß bal Gesetz boch tn einigen Punkten geanbert werden müsse, z. B. hinsichtlich bet Ausverkäufe, die als unerlaubte Reclarne zu
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Nr. 244 Erstes Blatt. Dienstag den 18. October
1898
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Kaiser Wilhelm tn Konstantinopel.
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Am Montag ist bal beutschr Kaiserpaar tn ber türkischen Hauptstadt eivgetroffev unb jubelnd empfangen worden. Die muselmanische Vevö.kernvg beteiligte fich an der Begrüßung ungemein lebhaft, und alle Anzeichen ließen el bestimmt er- krvaen, daß Kaiser Wilhelm fich unter den Türken aufrichtiger Sympathien erfreut. Daß der Sultan Abdul Hamid unserm Kaiser außerordentlich zngethan ist, weiß alle Welt, dtßhalb hatte auch der Padischah dem Eintreffen seiner Gäste tn
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freudigster Erregung entgegengesehen.
Gerade der längere Aufenthalt, welchen der deutsche Kaiser tn Konstantinopel nimmt, hat der Welt Anlaß gegeben ga gewagten Schlüffen über ben Zweck ber Reise. Dahinzu trat noch, baß der Einfluß, weichen Wilhelm II. auf ben Sultan auszuüben vermag, sehr groß genannt wirb, nnb so war eS benn ganz natürlich, baß man ber Zusammenkunft der beiden Herrscher eine große politische Bedeutung zuschob. Die Kretafrage, bte ägyptische Angelegenheit sollte ber beutsche Kaiser burch persönliche Einwirkung auf ben Sultan sptelenb lösen können, uab baß er bie Gelegenheit benützen werbe, um bem beutschen Einfluß im Orient noch mehr Thür unb
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Thor zu öffnen, all el bisher schon ber Fall war, galt unseren Neidern als sonnenklar. Die beutsche Regierung hat fich freilich im letzten Jahrzehnt nicht türkenfreunblich er* wiesen, jedoch nicht mehr, als die verhältuiffe bedingten und die Rücksicht auf das Jntereffe Deutschlands erforderte. Unsere Haltung in der Kretafrage unb im griechisch türkischen Honst cte war bnrchaus cotrect; baß Deuischlanb in der rrfteren Angelegenheit nicht mehr witthun wollte, geschah 9ltneSwkg! etwa au8 zarter Rücksicht auf ben Sultan. Wir hatten eben kein Jntereffe baran, wie fich bte Kreta-Angelegen- -Helt gestalten würde, nnb rüsteten ab, nachdem bem Völkerrechte Genüge gethan war.
ES ist ganz selbstverständlich, baß wir den Besuch Kaiser Wilhelms in Konstantinopel durchaus nicht unterschätzen und ihm eine große Bedeutung belmefftn, jedoch liegt diese auf anbeiem Gebiete als man bei unseren Freunden im Auslande meint, weder die kretische noch die ägyptische Frage dürften bei den Unterredungen der beiden Herrscher angeschnitten werden, überhaupt dürfte kaum eine bestimmte Internationale Krage zur Erörterung gelangen, sondern nur die politische Sage im Allgemeinen gestreift werden. Irgend welche Gegen- sätze bestehen ja kaum zwischen uns und der Türkei, und deshalb ist auch keinerlei ,8erftänbigung* uothweodig. Aber auf wirthschaftlichern Gebiete dürften doch die Kosten für die Laiserrelse bald wieder herausgeschlagen werben, da berartige mit so großem Gepränge ausgeführte Reisen uns mehr unb wehr ben Markt bes betreffenben LanbeS erschließen.
Bisher ist bie Fahrt deS Saiserpaares programmgemäß »erlaufen- hoffen wir, baß auch fernerhin lebet störevbe Zwischenfall fern bleibt. Mit großer Befrtebigung muß es »ns erfüllen, baß bas von ben Anarchisten geplante Buden- stück rechtzeitig entdeckt worden ist. Gottes Allmacht hat den brutschen Kaiser beschützt und seiner Fürsorge dürfen wir auch den noch vor uns liegenden Theil der beschwerlichen Reife onoertrauen. (xx)
Deutsches Ueich.
— Zur Kaiserreife nach Jerusalem. Als Livzelheltev des Programms sür den Aufenthalt der Kaisers Wilhelm unb ber Kaiserin Auguste Victoria in Konstauti- aopel gelten folgenbe: Am 17. b. M. erfolgt vormittags 11 Uhr bte Ankunft. Am Abenb finbet im Vildiz-Palai! Salatafel statt, an welcher die Mitglieder der deutschen Bot- chaft, des deutschen General-Konsulats, bte tn türkischen Diensten befindlichen Deutschen sowie die Notabein der deut- chen Kolonie theilvehmen. Am 18. Ist Frühstück auf der brutschen Botschaft, Empfang der Deputation bei beutschen Kolonie sowie Besuch Jhtei Majestät bei Kaiseiin im kaisei- ^chen Haiem. Am 19. folgt ein Ritt um bie ©tabtmanei, Impfang der biplomattschen Koips, BoSporusfahit ans bei »Hohenzollein* ober ber ,6ultanie* unb Abends Theater- Erstellung im Vilbiz-PolaiS. Am 20. folgt eine Fahrt auf ler anatolischen Eisenbahn nach ber kaiserlichen Teppichsabrik Hereke. Am 21. findet Parade ber Truppen vor bem Taltm Hane Kiosk unb nachdem Selamlik, welchem Se. Maj. Kaiser Wilhelm nicht beiwohnt, Abends Galatafel für bal diplo- matische Korp! im Uilbiz-PalalS statt. Am 22. erfolgt nach einem Frühstück tat kaiserlichen Polat! von Dolma-Bagbsche die Abreise ber Majestäten. — Biele Hvnberte beutscher Reisenden find bereits in Konstantinopel etagetroffen; man erwartet noch eine weitere große Anzahl. Ueber ben Empfang


