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18.2.1898 Zweites Blatt
 
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Mitag den 18. Februar

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Zweites Blatt.

Nr. 41

Coicßcner Anzeiger

Heimat-Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Die Denkschrift über die Flottenausgabe«.

Bekanntlich find die Aussichten der Flottenvorlage er« beblicb gestiegen und es ist als ziemlich sicher anzusehrn, daß der Reichstag nicht nut die von der Regierung geforderten Summin bewilligt, sondern auch einer Festlegung des Be- darf- auf mehrere Jarre hinaus zustimmt. Die Berhand- langen der Budgetcommiffion de- Reichstages über die Martnrvorlage sollen in dieser Woche beginnen, und da muß sich ja nun bald Herausstellen, welche Haltung die einzelnen Parteien definitiv einznnehmen gedenken, wenn es gilt, im Plenum das Schicksal de» Gesetzentwurfs zur Entscheidung za bringen.

E!ncs der Hauptbrdenken, welches gegen die Erhöhung der Ausgaben für die Mariae erhoben worden ist, wurzelt in der Annahme, daß Deutschland die Lasten nicht zu tragen vermöge, daß schon der bisherige Aufwand des Reichs für Heer und Flotte unverhältvißmaßig groß sei und die Aus­gaben für culturelle Zwecke in unzulässiger Weise beschränke. Diese Auffaffung zu widerlegen ist die Aufgabe einer dem Reichstage zugegangenen Denkschrift, betreffend die Ausgaben für Flotte und Landheer und ihre Stellung zum Haushalt der wichtigsten Großstaaten. Die Denkschrift ist vom Reichs« «arineamt zusammengestellt und unterzieht zunächst die Aus­gaben der einzelnen Mächte einem Vergleiche. Dabet ergiebt sich, daß alle für nnS in Betracht kommenden Staaten mehr für Martnezwecke anSgeben al- Deutschland; nur Oesterreich bleibt noch hinter uns zurück, aber selbst Italien, welche- etwa 20 Millionen Einwohner weniger hat als da- deutsche Reich, zahlt P/g Million jährlich mehr für seine Flotte. Und bet einzelnen Ländern steigt diese- Mehr bis in viele Millionen, so u. A. auch bet den Brreinigten Staaten von Nordamerika.

Doch wir wollen aus die einzelnen Zahlen, welche in der Denkschrift enthalten find, nicht näher eingehen, sondern auf die Schlüffe un- beschränken, welche das RetchSmarine« amt au- dem Ergebntß der Statistik gezogen hat. Bei einer Vergleichung der Marine-AuSgaben zum Schutze unserer See­schifffahrt und unsere- SerhandelS ergiebt sich zunächst, daß bet allen übrigen Staaten ein ganz unvrrhältnißmäßig größerer Aufwand an Schutzkoften stattfindet al- in Deutschland. Und zwar tst nicht nur der Tonnagesckutz bei Weitem der Ge­ringste, dasselbe ist auch mit dem relativen Schutzaufwand der Fall. Setzt man Deutschlands relativen Schutzaufwand gleich 100, so erhält man folgende Scala:

Deutschland 100 Procent

Vereinigte Staaten 135

Oesterreich-Ungarn 147

Großbritannien

200

Procevt

Frankreich

347

n

Italien

370

n

Rußland

418

n

Japan

876

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In dem procentualen Aufwande zum Schutze de- See- Handel» steht also Deutschland unter allen Großstaaten an letzter Stelle, selbst Oesterreich-Ungarn mit seinem außer­gewöhnlich kleinen Marinebudget wendet größere Beträge für den Seehandelsschutz auf. Wirft man nun einen Rückblick auf die Entwickelung deS procentualen Schutzaufwandes der einzelnen Staaten von 1890 bi- 1896, so ergibt sich, daß nur bei Italien und Deutschland eine Verminderung ringe- treten tst, während bet allen Übrigen Staaten eine starke absolute und relative Vermehrung der Aufwendungen für den

Schutz des Handels verzeichnet werden kann.

In den Kreisen der Gegner der Marinesorderungen wird immer wieder daraus hingrwiesen, daß Deutschland ja sür die Unterhaltung seiner Armee so große Beträge auS- werse, daß eben dteserhalb eine Mehrbelastung deS Volkes durch neue Martnesorderungen nicht möglich sei. Deshalb ist ein Vergleich Über die militärischen Ausgaben der in Be­tracht kommenden Länder wohl am Platze. Rußland wendet jährlich etwa 218 Millionen, Amerika 227, England 298 und Frankreich 656 Millionen Mark mehr aus als Deutschland. Und noch beffer wird das richtige Verhältniß illustrirt durch folgende Zusammenstellung: Der Procentsatz der unproductiven Ausgaben im Vergleich zu den GesammtauSgaben beträgt in Deutschland 47,5 Procent

Oesterrreich 50,8

Rußland 51,2

Frankreich 63,1

Italien 72,6

England 72,8

Dazu kommt noch, daß kein Staat nur annähernd so viel von seinen Ausgaben deckt, ohne daß eine Belastung durch öffentliche Abgaben eintritt, wie Deutschland. Deshalb kann man mit Fug und Recht sagen, die Erhöhung der MarineavSgaben ist keine Gefahr für den Wohlstand Deutsch­lands, fie überschreitet durchaus nicht die Steuerkrast seine» Volkes. (xx)

Aus de« Verhandlungen der Zweite« Kammer der hesfische« Stände.

G. Darmstadt, 16. Februar 1898. Die Beratlungen über da» Staatsbudget werden heute fortgesetzt.

Capitel 40, Technische Hochschule, im Betrag von 247 950 Mk. wird gegen 5 Stimmen genehmigt.

Bei Capitel 41, Gymnasien, Realgymnasien und Realschulen, entspinnt sich eine längere Debatte. Gefordert werden 563092 Mk. Im Finanzausschuß wurde Klage darüber geführt, daß zuviel Lehrerstellen provisorisch besetzt seien. Der Absicht, in Darmstadt eine Ober Realschule zu errichten, trat der Ausschuß nicht entgegen trotz der Aus­sicht, daß als Consequenz dieser Bewilligung auch die übrigen größeren Realschulen deS Landes kommen, um zu Ober- Realichulen gemocht zu werden. Abg. Friedrich bespricht die Organisation der Gymnafien und stellt dabei fest, daß die definitiv zu besetzenden Lehrerstellen sehr oft durch pro­visorische Lehrer verwaltet würden. Da» rufe Mißstimmung in den Kreisen der jungen Lehrer hervor. Die für die definitiven Stellen gemachten Ersparniffe dürften nicht zur Deckung der BicartatSkosten verwrudet werden. Er regt noch die Befferuvg trr Methode des fremdsprachlichen Unterricht», insbesondere deö griechischen und lateinischen, an. Er fragt ferner an, wie fich die hesfische Regierung zu den Reform- bestrebungen, besonders zu den Reform-Gymnafiev, stellt. Geh. Oberschulrath Dr. Soldan stellt zunächst fest, daß augenblicklich nur drei Stellen, welche definitiv zu besetze« seien, provisorisch verwaltet werden. Bezüglich der Reformen habe die Regierung bereits in anderen Ländern Erhebungen angestellt und fie werde die Frage eingehend prüfen. Die Regierung werde stet» ein wachsames Auge für die vom Abgeordneten Friedrich vorgebrachten Defiserien haben. Sie wiffe aber auch, daß fie redlich bemüht sei, überall ihre Pflicht zu thun. Abg v. Brentano erklärt, er und seine Partei sei jederzeit bereit, für Zwicke der Wffrnschaft alle die Mittel zu bewilligen. Diese Hohr Sympathie bringe er auch den Gymnaficn u s. w entgegen. Er halte e| aber für seine Pflcht, Dasjenige, was nicht richtig zu sein scheine, hier zur Sprache zu bringen. Er bespricht sodava die Verwendung von jungen Kräften bei der Besetzung von Directorenstellen und hält diese Maßregel nur für gut. Eine falsche Sparsamkeit sei, wenn Stellen, welche definitiv zu besetzen seien, provisorisch verwaltet würden. Er wendet fich sodann mit Entschiedenheit gegen den Standpunkt der Regierung wegen der Unterscheidung der Fachlehrer und der semi­naristisch gebildeten Lehrer. Er ist der Ansicht, daß in de« Schulen die allgemeine Bildung zu wenig, die Specialbtldung dagegen zu viel berücksichtigt werde. Er kommt sodann noch auf die Ueberhürdnng der Schüler au den Gymnafien za sprechen und wünscht, daß der modernen Wiffenschaft ein größerer Raum gewährt werde. Abg. Kramer will die

Feuilleton.

Mein erster Maskenball.

Eine Fastnachtsgeschichte von Frida Storck.

(Nachdruck verboten.)

Ah I Nur eine flüchtige Weile wollte ich ruhen auf dem bequemen, niederen Polster, in dem mit echten Panther- und Tigerfellen geschmückten südafrikanischen Zelt. Ringsum wogten und lagerten treu der Natur nachgeschmtvkte Egypter und Neger, verschleierte Frauengestalten, von den Ufern beS Nil und den Steppen Arabiens. Ein farbensattes, bewegte» Bild. Fast zu blcndend, darum schloß ich, wie sehenSmüde, die Augen.

Und nun führte mich die Erinnerung weit zurück, zu meinem ersten Maskenball. Nachdem der Clubdieuer, durch fnßtiefen Schree watend, die Einladungsliste in unser Forst- Haus trug und Vater seinwird theilnehmen" unterschrieben, lebte man acht Tage wie im Fieber. So sensationell wirkte noch nicht- vordem in unserer ländlichen Abgeschloffenhett. Selbst der stille Vater ergab fich dem Narrenthum. Zu unser Aller maßlosem Staunen rückte er mir der ver­blüffenden Meldurg heran»:Ich gehe als Hrrlrkm!"

Nicht» vermochte ihn, diesen Plan aufzugeben, selbst nicht die von Mutte in weiser Fürsorge in Aussicht ge­stellten schrecklichen Folgen einer unausbleiblichen Erkältung. Er fuhr höchstselbst nach d»r Kreisstadt und kehrte triumphirend mit einer sehr keck dreinschauenden Ma»ke und etlichen Ellen rothen und blauen Cattuve» zurück. Mein schüchtern ge­äußertes Begehren nach einem Unterkleid aus blauem Glanz- b-.ttist ward als tadeinSwerther Hang zum Luxus beim Familieorathe abgelehnt. Hingegen ließ Vater durch den Dorsschreiner ein Ruder für m'ch avfertigen und überklebte

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e» geschickt mit Silberpopirr. Mein Protest gegen dieses, mir höchst überflüssig und unbequem erscheinende Attribut der darzustellenden Wassernixe ward durch die Erklärung meiner älteren Schwester Henny niedergeschlagen:Wie sollen die Leute wiff n, was Du vorstellst, totnn Du kein Ruder hast?!"

In meiner Überschwänglichen, sechzehnjährigen Ein­bildungskraft sah ich mich als finnberücklndes Meermädchen. Das Ergebntß unserer vereinten SchaffenSthätigkeit blieb himmelweit hinter dem erträumten Resultat zurück. Da» von Henny als erbliche» Lehen überkommene blaue Tarlatan- kleid mit den steifen Falbeln, der frstgefchnürteu Taille und den abstehenden Puffärmeln gewinnt mir noch jetzt ein mit­leidiges Lächeln ab.

Aber e» muß ja doch ein lose gehaltene», griechisches Gewand sein/ wie eS die alten Göttinnen in der illustrieren Mythologie tragen, die Vater hat," schluchzte ich zornig.

Nein, wa» Du immer für verschrobene Ideen hast! DaS blaue Kleid tst noch ganz modern, nun soll man doch nicht zertrennen," entrüstete fich Henny.

Eben darum! Denkt Ihr, Waffernixen kümmern fich um die Modenzeitung?"

In solchem losen Gewand, da» litte ich schon gar nicht," entschied Mutter.Da» paßt für hiesige Berhältniffe nicht. Wenn Du Schilf im Haar hast, fieht maus doch gleich, daß Du eine Waffernixe bist."

So ergab ich mich denn und betrat den Saal in einem filberbordirten steifen Kleide und einem Riefenkranz auf den steifen Haarzöpfen, der einer Dornenkrone nicht unähnlich war. Die noch in der Garderobe von mir angestrebte Lösung meine» wirklich fchöurn, langen Haarr» erklärte man für eine überspannte Farce". Mutter liebte Acurateffe über alle». Mädchen mit fliegendem Haar machten ihr immer einen peinlichen Eindruck. So würgte ich die Thränen

hinunter, fest überzeugt, eine Waffernixe werde nimmer ihr schönes Haar in steife Flechten zwängen. GS ist mir den« auch nicht gelungen, Ritter oder Schiffer durch meine Nixen- haftitzkeit zu bezaubern. Die stete Frage:Was stelle« Sie denn eigentlich vor?" brachte mich fast zur Verzweiflung. Die dicke Reutmeisterin, die nie das Weichbild der Kleinstadt verlaffen, glaubte mir aufs Wort, sonst aber begegnete ich Zweifel und Unglauben.

Mutter trug Über ihrem schwarz-atlaffenen Gesellschaft»- kleide einen seidenen Mantelkragen,- dazu mein Sammetbarett mit kühn aufstrebendem Federbusch und einer steifen HalS- kraufe. Kenner hielten fie für ein altdeutsche» Edelfräulet« und fie widersprach nicht. Henny trug über kurzem, weißem Rock ein etwas dürftig ausgefallenes Ueberkleid, au» grünem Möbeldamast- Vater» Seffel sollte damit überzogen werden, darum durfte man das Stück nicht zerschneiden. Da­schwarze Sammetmieder hatte Mutter einstmal» al- Bäuerin getragen. Auf dem Hute prangten die Goldschnüre und Eicheln von Vater- StaatSuuiform-hut. Ob Jemand von selbst darauf verfallen wäre, daß dieses Ensemble da- CostÜm einer Jägerin repräsenüre, weiß ich nicht. Genug, fie sah so frisch und strahlend au», daß fich die ma-kirten Jünglinge eifrig um sie bemühten.

Grenzenlos war mein Staunen, da Vater in feinem roth blau-weiß gewürfelten Blousenanzug, die spitze, hohe Mütze auf dem frischgeschnitteuen Haar, mit keckem Satze in eine Dameugruppe hoppste. Wie ein Weltwunder erschien mir-, daß dies mein sonst so gemeffeu schreitender Vater sein sollte. Ich selbst hatte in fiebernder Ungeduld alle die bunten Läppchen auf den von einem Bierbrauer entlehnten weißen Anzug heften müffen. Also dieser britschenschwingende Hanswurst war unzweiselhaft mein Vater.

(Fortsetzung folgt.)