Ausgabe 
16.12.1898 Zweites Blatt
 
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Hauben find. Die sehr eingehende Vorstellung gipfelt im Ganzen darin, da» KriegSmiuistertum möge bei Bestimmung de» Garuisou»orte» für da» neue Bataillon Nauheim in Be­rücksichtigung ziehen, umsomehr, al» die Stadt in hygienischer Beziehung allen Anforderungen der Nruzeit gerecht geworden ist und sich such in sonstiger Bkziehung al» Garnisonstadt mehr al» irgend ein anderer Ort eignet.

Srüuberg, 13. Deeewber. Mit größerem Versandt von Chriftbäumcheu au» unserem Stadtwalde ist begonnen worden. Dir Bäumchen werden, wie auch im Vorjahre, je nach der Größe zu 10, 15 und 20 Pfg. abgegeben. Die- selben werden von den Händlern größtemheil» in den rheinischen Städten Köln, Düffeldorf n. a. zum Verkauf ge- bracht. Auch nach Frankfurt gehen viele Wagenladungen au» den Waldungen de» Bogel»berg». Mit den Arbeiten an dem hier zu errichtenden Amtsgericht» - Neubau wird vorauSstchtlich mit Beginn de» Frühjahr» begonnen werden. Al» Termin zur Wahl eines Beigeordneten für unsere Stadt ist der 21. December festgesetzt worden.

Darmst. Ztg.

-k- Bon der Bergstraße, 14. December. Sine theure Katze ist eS gewesen, über die dieser Tage ein richterliche» Urthetl gefällt werden mußte und zwar au» folgendem Grunde: Ein Herr, dem sein Hündchen uachgelaufen war, besuchte eine Familie, in der eine Katze gehalten wurde. Huud und Katze gerieten aueiuauder, der besuchende Herr suchte die kämpfenden Thiere mit Hilfe seines Stock» auseinander zu bringen, wa» auch gelang. Nach einigen Tagen verendete die Katze, deren Eigeuthümerin behauptete: da» Thier, eine werthvolle Ratten« und MLufevertilgertn, sei an den empfangenen Stockschlägen zu Grunde gegangen und wüffe mit 25 Mark vergütet werden. Diese Vergütung wurde adgelehnt und e» kam zum Proerffe. Der Verklagte gab fich große Mühe, die Sache gütlich zu erledigen, aber feine B-mühungrn fcheiterten an dem Etgen- fian der Klägerin. Beide Parteien nahmen stch Recht»- anwälte und da» kostet bekanntlich Geld. Nun ist der Streit in erster Instanz zu Uugunsteu der Klägerin entschieden worden. Für die Kosten, die die Katze verursachte, hätte fich die Klägerin wohl ein hübsche» Rind auschaffeu können. Man ist darauf gespannt, ob nicht vielleicht Berufung gegen da» erstinstanzliche Urtheil eingelegt werden wird, in welchem Falle die Kosten wohl so wachsen dürften, daß dafür eine Kuh avgeschafft werden könnte.

AuS Rhetuheffen, 13. December. Da» älteste am Rhein ausgezeichnete Weingut ist dieNiersteiner Glöck-, ein bekannter Rebhügel bei Nierstein. Gelegentlich eine» Familien- feste» de» jetzigen Eigeuthümer», Hcrru Carl Diehl in Mainz, erschien eine Broschüre, worin die Geschicke diese» werthvollen Stückchen» deutscher Erde ausgezeichnet fiad. Die betreffenden U,künden reichen bi» zum Jahre 742 zurück.

PwBifdptes»

* Da» herannahende Jahr 1899, da» vorletzte de» zur Rüste geheudeu Jahrhundert», hat eine ganze Reihe Kalender- rigeuthümlichkeitev aufzuwetsen. S» ist vor Allem einSonn- tagSjahr" im vollsten Sinne de» Wortes, denn t» beginnt nicht nur, sondern endet auch mit einem Sonntage und hat in Folge deffeu die größtmögliche Zahl von Sonntagen, die in einem Jahre Vorkommen können, nämlich 53. Eine andere Merkwürdigkeit de» nächsten Jahre» besteht darin, daß nicht nur sämmtliche vier Adventsonutage in den Monat December fallen, sondern daß auch der letzte, dergoldene Sonntags, auf den 24. December, also auf den letzten Tag vor Weih­nachten fällt. Die beiden anderen großen christlichen Feste liegen im Jahre 1899 sehr zeitig. So fällt da» Osterfest bereits auf den 2. und 3. April, daS Pfingstfest auf den 21. und 22. Mai. Der HiwmrlfahrtStag aber kann un» beiouder» ungünstige» Wetter bescheeren, da er gerade auf den Mamertus, den ersten der sogenanntendrei gestrengen Herren" im Wonnemonate, auf den 11. Mat trifft. Der Charfrettag wird dadurch bemerkeuSwerth, daß er auf den letzten Tag de» Monat» März fällt. In Folge de» früh- zeitigen Osterfeste» wird denn auch die Faschingszeit im Jahre 1899 recht kurz werden. Denn während fie im laufenden Jahre 6 Wochen und 5 Tage, zusammen also 47 Tage dauerte, wird sich im Jahre 1899 die Vergnügung»- frohe Welt eine Verkürzung de» Fasching» um volle acht

Tage gefallen laffen müffen, indem der Aschermittwoch bereit» auf den 15. Februar trifft, so daß die Faschingszeit vom 6. Januar bi» zum 14. Februar, also nur 5 Wochen und 4 Tage, zusammen 39 Tage währen wird. Die Gesammt« zahl der Sonn« und Feiertage wird 60 betragen, zu denen für die Katholiken dann noch 14 Feiertage hinzukommen.

Die Oberammergauer rüste« bereit» für da» 1900 wieder fällige Passtonsspiel, daS alle zehn Jahre aus- geführt werden muh. Auf der dortigen Uebung»bühne wird an Soun« und Feiertagen fleißig gespielt. Bi» 1900 wird die Bahn bi» Oberammergau laufe«.

«u» kretischer Vorzeit. Ein merkwürdige» Spiel de» Zufalls, der so oft in der Weltgeschichte sich geltend macht, ist e«, daß gerade in dem Augenblicke, wo endlich einmal ein Fürst gewählt ist, der es unter Halbwegs günstigen Auspicien versuchen soll, auf der vielumworbenen und kampf­durchwühlten Insel Kreta Ruhe und Ordnung zu stiften und gesetzmäßige Zustände herbeizuführen, wiederum in größerer Anzahl wichtige Urkunden ans Tageslicht gekommen sind, die klar beweisen, daß auf dieser selben Insel schon etwa fünf­hundert Jahre vor Christi Geburt ungewöhnlich hoch ent­wickelte und wohl geordnete Rechtsverhältniffe bestanden haben. Noch ist wohl in Vieler Erinnerung die große Ueberraschung, als vor nunmehr etwa 14 Jahre die Kunde durch die Welt ging, daß dort auf Kreta in der Stadt Gortyn ein voll­ständiges Gesetzbuch in Stein gehauen gefunden worden war. Ein vollständiges Gesetzwerk war es freilich nicht, doch ent­hielt es eine Fülle von Bestimmungen über Familienrecht, Erbrecht, Proceßrecht, Vermögensrecht und führte uns die braven Insulaner der Vorzeit, von denen wir so wenig wußten, recht deutlich vor Augen. Dem nicht rastenden Eifer des Entdeckers dieser ersten Tafeln, des Professors Federico Halbherr in Rom, ist es nun gelungen, mit Hilfe und im Auftrage des amerikanischen archäologischen Instituts zu Athen neue umfangreiche Grabungen auf dem Boden derselben Stadt Gortyn zustande zu bringen, deren Ergebnisse nunmehr in demAmerican Journal of Archeology 1898" vorliegen. Wieder fördern sie zum größten Theile die Erkenntniß des Rechts- und Culturlebens der Insel. Einen Begriff von dem neuen Funde werden folgende Mittheilungen geben: Reue Bruchstücke des großen Gesetzes oder wenigstens von Tafeln aus derselben Zeit betreffen vor Allem das Pfandrecht. Wie e» in Rom die Hauptklage der geknechteten Plebejer war, daß fie von ihren Gläubigern in willkürlicher Weise an Haus und Hof, ja, an ihren Kindern und am eigenen Körper ge­pfändet würden, so empfand man auch in Gortyn sehr früh das Bedürfniß, die Selbsthülfe des Gläubigers, der fich an Allem, was der zahlungsunfähige Schuldner besaß, zu ent­schädigen suchte, gesetzlich zu beschränken. Da lesen wir denn in diesen neuen Bruchstücken, daß es verboten war, in Pfand zu nehmen: die Kleidung und die Gegenstände für den täg­lichen Gebrauch des Schuldners, seinen Webstuhl nebst Wolle und Zubehör, seine Werkzeuge, seinen Pflug und das Geschirr der Ochsen dafür, seine Handmühle und die Mahlsteine, das Bett für Mann und Frau. Sollte eine Pfändung als un- rechtmäßig angefochten werden durch die Behauptung, daß die gepfändeten Gegenstände gar nicht Eigenthum de» Schuldners feien, so mußte dies feierlich auf dem Markte vor Zeugen beschworen werden War der zu Pfändende in einem falschen Hause gesucht worden, so mußten von den neun Nachbarn dieses Hauses drei ausgewählt werden, um unter ihrem Eid auszusagen, daß der Betreffende in dem Hause überhaupt gar nicht wohne. In beiden Fällen mußten zu dem Eide Eideshelfer hinzugezogen werden, welche die Glaubwürdigkeit der Schwörenden selbst wieder durch Eid unterstützen, ganz wie im altgermanischen Rechte. Gefunden find ferner allerlei Volksbeschlüsse, so einer, durch welchen die Gemeinde, vertreten durch 300 Mitglieder, die Einführung einer neuen Kupfer­münze an Stelle der bisher geltenden silbernen Obolen be- schließt. Wer die alte Münzsorte noch ferner annimmt oder fich weigert, Zahlungen in der neuen Kupfermünze anzu« nehmen, und dafür Zahlung in natura, in Feldfrüchten u. s. w. fordert, verfällt einer hohen Geldstrafe. Berufungen hier- gegen find auf dem Markte vor einem Gerichtshof von fieben Männern anzubringen, vor denen der Beweis wieder mit Eideshelfern geführt werden muß. Wer die meisten Eides­helfer stellen kann, dessen Behauptung gilt als erwiesen, und der Sieger im Rechtsstreit erhält die Hälfte der vom

Gegner an die Stabt zu zahlenden Strafsumme. Andere Beschlüsse ordnen die Rechtsverhältnisse zwischen benachbarten Staaten. So schließt Gortyn mit der früher nur dem Namen nach bekannten Stadt Rizene einen Vertrag, nach welchem es den Bewohnern der einen Stadt erlaubt sein soll, in der anderen Grundbesitz zu erwerben und Häuser zu bauen, und in welchem genau festgesetzt wird, wo bei vorkommenden Streitigkeiten zwischen den Bürgern beider Städte der zu­ständige Gerichtshof sein soll. Solcher Verträge besitzen wir schon eine ganze Anzahl. Sie beweisen, wie groß die Zahl der selbständigen Stadtstaaten im Alterthum auf Kreta war, und zugleich, wie stark fich dort schon da» Gefühl für Recht und Gesetz entwickelt hatte. Der Alterthum»forscher wird daher auf die beginnende Regierung des griechischen Prinzen gern die Hoffnung setzen, daß sie bei ihrem schweren Werke der Friedensstiftung auch der planmäßigen Erforschung de» an Alterthümern noch unermeßlich reichen kretischen Boden« ihre Unterstützung leihen möge- (K Ztg.)

Citerotur unfc Kunft»

Soeben erlebten: Märtens, vr. P.,Südamerika unter besonderer Berücksichtigung Argentiniens^. Nach den neursiea amtlichen Quellen und auf Grund eigener Anschauung. Mit Illu­strationen und einer Karte in Farbendruck. Berlin 1899 Verlag von Johannes Räde (Stuhr'sche Buchhandlung). Ein Werk von kerniger Eigenart. Der Verfasser, welcher Jahrzehnte lang als Re- dacteur zweier in Buenos-Ayres erscheinender deutscher Zeitungen tbätig war, ist die erste Autorität auf diesem Gebiet. An der Hand völlig neuen Materials beurtheilt er die Verhältnisse Süd-Amerika» unter Heranziehung ethnographischer, cultureller und wirthschastlicher Erwägungen. Die Sprache ist frisch und schwungvoll, die Dar­stellung leicht und anziehend. Das Buch ist hoch bedeutsam für die deutschen Industriellen, welche sich mit Herstellung von Artikeln für den Export beschäftigen, sowie durch geistvolle Ausblicke für günstige überseeische Capitalsanlagm. Bisher sind es nur ganz wenige Unternehmungen deutscher Nationalität, die in Argentinien Fuß ge- saht haben, allen voran die Allgemeine Electrizttäls Gesellschaft zu Berlin, welche für die Anlage electrischer Straßenbahnen andern Mitbewerbern den Rang abgelaufen hat. Aber auf dem am meisten versprechenden Boden der Landwirthschast, auf bergbaulichem und industriellem Gebiet, im Etsmbahnbau rc. lasten wir Amerikaner und Engländer gewähren und autz den wissenschaftlichen Ermittel­ungen und Forschungen Nutzen ziehen, die zumeist deutschen, an den Universitäten des Landes wirkenden Gelehrten zu danken sind. Ja, der Verfasser führt den Beweis, daß systematisch, absichtlich und wahrheitswtdrig von tnteresstrter Sette falsche Daten über Getreide- produclion und Bodenqualität Argentinien» unter dem Deckmantel einer angeblich sorgfältigen Statistik verbreitet und die politische« und finanziellen Verhältnisse des Landes grau in grau gemalt würben. Herkömmlich ist auch die Aufbauschung der geieguitlichen Putsche, meist unbedeutende Reibereien der politischen Parteien unter sich, worauf im Lande selbst gar kein Gewicht gelegt wird, die aber von englischen und amerikanischen Zeitungen so gern al« Revolutionen dargestellt werden, um von Unternehmungen auf einem sovulkanischen Boden" abzuschrecken. Mit diesen, von ürteresstrter Sette geflissentlich genährten Vorurtheilen, die stch allmählich festge­nistet haoen, räumt der Verfaster auf und weist mit Recht auf die ebenso besonnene als staatsmännische Führung der Geschäfte de« Landes hin, die Argentinien noch jüngst in dem glücklich und end­gültig beigelegten Confltct mit EHUe der Welt gezeigt hat. Argen­tinien ist nach dem Verfasser ein Land von großer Zukunft. Mit seinen nördlichsten Provinzen sich noch in die Tropen hinein er­streckend, umfaßt es durch den Besitz Patagoniens auch große, ganz der gemäßigten Zone angehörige Landstriche. Hier im südlichen Theil der Provinz Buenos-Ayres und am Rio Negro ist anscheinend der geeignetste Platz für die Tbätigkett deutscher Eolontsattons- Unternehmungen, die mit dem Mutterlande in steter Verbindung bleiben müßten. Verglichen mit der Einwanderung anderer euro­päischer Nationalitäten ist die aus Deutschland minima. Sie be­trug in dm letzten 20 Jahren nur 22 997 (Sette 173/174), während von Italienern im vorigen Jahr allein 102,107, von Spaniern 17,078, von Franzosen 5,039 einroanberten. WaS über bte günstigen Er­gebnisse Betriebener richtig geleiteter Colonisationen gesagt »st, und wie roertbvoll für ben Aufschwung be» Landes gerade thatkl ästige deutsche Einwanderung im Gegensatz zu der Indolenz Volker latein­ischer Zunge fich erwiesen hat, bas muß nachgelesen werben, um dem Verfasser in allen Stücken Recht zu geben. Man wirb ihm auch zustimmen müffen, baß ber Augenblick günstig ist, um manche» tum Schaben ber brutschen Interessen beinahe Versäumte noch nach­zuholen. Seit bem für bte Norbarnerikaner siegreichen letzten Kriege mit Spanien ist bas Interesse Europa« mehr als sonst Südamerika zugewanbt, bas man nicht ganz dem Thatendurst der V-nkeeS an­heimfallen lassen möchte, welcher ohne Gegenwehr seine berühmte Monroe-Doktrine zum wirthschaftltchen Grundgesetz für ben ganzen Erdtheil machen würbe. Geboten werben neben bem Text etne neue Karte in Farbendruck, sowie vorzüglicher bildnerischer Schmuck, a. B. ein -vauernhaus in ber Nähe von Tucuman, bas Abladen der Ruderrofcrernte, der Wolltrantzport in ben Pampa Central, eine Weinkellerei in bet Provinz San Jaan, Weinlese in ben Weingärten ber Provinz Mendoza rc. rc.

mögen ihre' Ansichten sonst auch noch so weit auseinander- gehen. ES ist in England und Amerika Ehrensache einer jeden Stadt, eine gute Bolttbidliothek zu haben- dort gelten die Bibliotheken für ebenso nothwendig wie Wasserleitung, Beleuchtung, gute» Pflaster und Parkanlagen. Fast stet» communale Anstalten, unterhalten durch eine eigene Bibliothek»steuer, über deren Einführung die Bürgerschaft entscheidet, können fie mit nach unseren Begriffen fabelhaften Summen rechnen, umsomehr al» auch der Gemeivfinn wohl­habender Bürger, die zum Theil in den Public Libraries ihre Bildung und dadurch ihren Besitz erworben haben, ihnen Millionen zur Versügung stellt.

London gibt für seine Bolk»bibliotheken jährlich 660 000 Mk., Chicago 470000, Boston 670 000, Manchester 240 000 Mk. Die Londoner städtischen Bibliotheken zählen rund 230 000, die von Chicago 170 000 Bände. Die 1848 in Boston errichtete volksbibltothek kann jetzt einen Bücher­bestand voa 600 000, die von Manchester von 200 000 Bänden auswetsen. London erzielt allein in seinen volk»bibliotheken jährlich etwa 21/* Millionen Buchbenutzuugeu - Chicago und Boston verleihen in demselben Zeiträume je 1800 000, Manchester 1 500 000 Bände. Solche Zahlen lehren erst die Thatsache würdigen, daß die Bolksbibliothekeu der Hauptstadt be» Deutschen Reiche» sich mit einem Etat von 83 600 Mk. begnügen müffen, daß in Berlin, wie au» de« letzten Ber- waltungSbericht de» Magistrat» hervorgeht, bet einem Be­staube von 95 763 Bänden 462 748 Bücher verliehen WOlbto.5

,Da» Interesse für die immer weitere Kreise ziehende Btbliotheksbewegung wurde, nachdem ber Deutsch-Amerikauer Oswald Ottendorfer in seinem Geburtsorte Zwittau in Mähren eine Public Library errichtet batte, besonder» durch baß energische Vorgehen der Deutschen Gesellschast für ethtfche Cultur geweckt. Neben der Berliner Lesehalle, die im ersten Jahre ihre» Bestehen» (1895) von 49 625 Personen ausgesucht wurde und bei einem Bestände von nur 8000 Bänden 21 482 Mal Bücher in ihre Räume entlieh, hat diese Gesellschaft noch in Freiburg i. «. und Frank- faxt a. M. Lesehallen geschaffen. In Jena, wo da» CultuSministerium auf Antrag de» Curatortum» der Carl Zeiß-Stiftung zunächst für drei Jahre einen jährlichen Bei- trag von 4000 Mk. au» den Ueberschüffeu der Stiftung bewilligte, ging die Gesellschaft für ethische Cultur Hand in Hand mit der ComeuiuS-Gesellschaft- hier haben ebenso wie ia Schweidnitz, Bre»lau, Königsberg, Mägde- bürg und Bonn Vertreter aller Parteien ihre thatkläftige Unterstützung zvgesogt. In Dresden hat der Verein ^BolkSwohl" in den oberen Räumen seiue» Volk-Heims eine öffentliche Lesehalle der Benutzung übergeben- die Lesehalle ia Mainz, die mit reicher Beihilfe eine» Privatmannes in» Leben gerufen wurde, konnte schon in dem ersten Halbjahre ihre» Bestehen» auf einen Besuch von 17 979 Personen Hinweisen.

In Düsseldorf schenkte ein wohlhabender Gönner de« Bildungöverein 15 000 Mk. zur Errichtung einer Lese­halle- fie wurde am 10. August 1896 eröffnet- nicht» desto

weniger beschloß die Düsseldorfer Stadtverwaltung, selbst eine Lesehalle zu errichten, in der richtigen Voraussetzung, daß sür eine Stadt von 180 000 Einwohnern eine allein nicht ausreichen würde. Am 1. Januar 1898 endlich eröffnete Charlottenburg eine Boiksdibliothek und Lesehalle, die die Merkmale der Public Library, obschon fie noch In den ersten Anfängen steht, auch jetzt fchon aufweist!"

DaS, WaS bei der Begründung freier öffentlicher Biblio­theken unter allen Umständen erstrebt werden muß, faßt Jeep in folgende Leitsätze zusammen:Staatliche oder städtische Verwaltung der Bücherhallen- Leitung und Betrieb derselben durch einen wissenschaftlichen Bibliothekar im Hauptamt- tendenz- lose, sür alle Kreise de» Volke» berechnete Auswahl- cmtrale Verwaltung- Lage der räumlich ausreichenden Bibliothek an »Lästiger Stelle der Stadt- Verbindung der AuSlethebibliothek mit einer Lesehalle- freier, durch uunö'hige Förmlichkeiten nicht erschwerter Zutritt für Jedermann an jedem Tage.

Ob eS die gegenwärtige Generation noch erleben wird, baS »ach in Deutschland fich ein N-tz von freien öff nilichm »ibliotbeten über die Ctäbte aufbreitet, da, platte Land mit in (ein Bereich ziehend: wer möchte da, j tzt, wo wir erst iu ben Anfängen der Bewegung stehen, bejahen oder verneinen wollen' Dah aber der Stein in, Rollen gekommen ist, lähl fich nicht mehr bestreiten. Trage daher Jeder, der von dem gesunden gern der Frage überzeugt ist, für feinen Theil dazn bei, die Sache zu fördernI «. »räfel.