Ausgabe 
16.10.1898 Viertes Blatt
 
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Nr. 243

Sonntag den 16. October

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Gießener Anzeiger

General-Mrzeiger

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2ln»ts- unb Jlnjcincblatt für ben Kreis Giefzen

Viertes Blatt.

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Programm für die ^othüllungsfeier ves LudwigsdenkmalS zu Darmstadt

Donncritog, bin 10. November 1898.

I. vormittags 8 Uhr: Geläute aller Glocken. 81/« U^r lhuralmusik vom Stadttdurm.

II. vormittags 10 Uhr: Versammlung ber Thetlnehmer u Fkstzug und Aufstellung beS Zuges auf ben noch näher p ttNimmenben unb bekannt zu gebrnben Plätzen ber Trabt.

III. vormittags 10% Uhr versammeln sich bte zur Eat- Mlngsfeier eiogelabeoea Personen auf bem Denkmalsplatz tie nehmen unter Führung von Mitglieberu ber Feficommis- hm daselbst bte für sie bestimmten Plätze ein.

IV. Um dieselbe Zeit setzt sich der Festzug in Bewegung mir nimmt auf dem Thetl der Rhetnstraße zwischen Schloß üde Jagdhaus (Schulen), sowie auf dem Trnstludwigsplatz 'brfhflc Thetlnehmer) Aufstellung. Die Aufstellung muß bis ll", Uhr beendet sein.

Die zur Feier befohlenen Truppevtheile stellen sich von ]h Ecke des Jagdhauses aa der an lttzrerem hiosühreoden tl»aße entlang auf.

V. vormittag» 12 Uhr treffen Ihre Königlichen Hoheiten !dr Großhrrzog und die Großherzogin, sowie die Prinzen ifcfc Prinzessinnen deS Großherzogltcheu HauseS auf dem Ümkmalsplatz ein und werden durch den Vorstand deS LavdeS- irt chuffes auf die für die Großherzogliche Familie bestimmte >ki«de geführt. Bei Eintreffen der Allerhöchsten Herrschaften Ifetltn die Mtltlärwufikkaprlleo.

»« Feier der Enthüllung de» zu Ehren Seiner König, icheu Hoheit de» höchstseltgen Großherzogs Ludwig IV. ml dem Paradeplatz zu Darmstadt errichteten Denk- n«ls für

Donnerstag den 10. November 1898 a Aussicht genommen.

Die Feier soll einen LaudeScharacter tragen und ist ««gemäß eine Betheiliguog aus dem ganzen Heffeolande «Loscht.

Zu diesem Zwecke ist al» besonderer Lheil des Pro» ss-mmS ein Festzug vorgesehen, an welchem sich Depn- uswneo der Kretsverbävde, der Stadt- und Landgemeinden, sonstigen Kvrprrschasten. insbesondere der Vereine aller Ert, Anstalten rc. betheiligen können. Die Thetlnahme von bchuleu ist ans diejenigen der Stadt Darmstadt beschränkt.

Der Festzug wird auf dem Denkmalsplatze Ausstellung !:h«eo, so daß die Thetlnehmer dem feierlichen Acte der iwihülluvg beiwohnen.

Damit nun ein Ueberblick über die Betheiliguog al»« htb gewonnen werden kann, fordern wir die Stadt- und -e«etadevorstände, Körperschaften, Vereine u. s. w., welche fch Im Zuge durch Deputationen vertreten laffen wollen, nf, diese ihre Absicht bi» spätestens Montag den 24. October 18^8 bet de« Vorsitzenden der Festzogs-Eommission, Herrn Oderstlieutenant a. D. Er am ol tot, Präsident de»Hasfia"- Seibande», tn Darmstadt, unter Angabe der Art ihrer Be- Üvltgung unb der Zahl der Thetlnehmer schriftltch kund« pgtbtü, woraus ihnen von dieser Stelle aa» btt weiter affirberltche Mittheilung gewacht werden wirb.

Besonders wüoscheoswerth erscheint, baß auch bte im :aebe vorhandenen Volkstrachten iw Zage ihre Vertretung :aBcn.

Bübingen unb Offenbach, den 11. October 1898.

Der Vorstand de» Laodesdenkmals.SusschoffeS: Der 1. Vorsitzende:

Bruno Fürst zu yseobürg-Büding en, 1. Präsident der Ersten Kawmer der Landstände.

Der 2 Vorsitzende: Jostizrath Dr. Weber, lionslängliche» Mitglied der Ersten Kammer der Landstände.

Der Schriftführer: Haa», Geh. Regiernngsrath,

1. Präsident der Zweiten Sammer der Landstände.

Bekanntmachung,

betr.: Eathülluugsfeier de» Lndwtg-DeokmalS.

Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit

Groh Herzog» ist, wie ta vor. Nr. bereits mitgetheilt,

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falbverdecke, mit utf s« und Jagdwagcr Breaks stet« do*. Janj (tüte «oubduer, ,nd fofl. iauttrba^ zu billigen Pteism.

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-jbeU1 VI. Der 1. Vorsitzende bittet Seine Königliche Hoheit

66 ;T Troßherzog um die Genehmigung zum Beginn der Ent- rt111fKtri48Ehtna4fdn.

If/P*. VH. Die Feier beginnt mit einem Vortrag der Gesang-

0 . 7.

VIII. Festansprache.

IX. Der 1. Vorsitzende de» LandeSauSschoffe» ersucht Seine Königliche Hoheit den Sroßherzog um Genehmigung zur Enthüllung de» Denkmal».

X. Auf das mit Genehmigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs gegebene Zeichen fällt die Hülle de» Stand- bildeS unter Leitung des Künstlers Profeffor Schaper.

In diesem Augenblick setzen alle Glocken mit ihre« Ge­läute ein, die auf dem kleinen Exerzierplatz aufgestellte Batterie beginnt ein Salutschießen von 101 Schüssen.

XI. Der 1. Vorsitzende des LandesauSschuffe» übergtebt daS Denkmal der Großherzoglichen Regierung mit einer kurzen Ansprache und schließt mit einem Hoch auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog. Die Festversammlung singt mit MusikbegleitungHeil unser« Fürsten Heil!"

XII. Ihre Königlichen Hoheiten ber Großherzog und die Großherzogin, sowie die Prinzen und Prinzessinnen deS Großherzoglichen HauseS halten einen Umgang um daS Denkmal.

XIII. Inzwischen haben sich die an der EnthÜllungSfeier theilnehmenden Truppen,heile, sowie der Festzug zu« Zwecke deS Marsches an der Großherzoglichen Estrade, sowie am Denkmal vorüber von der Parsorcebrücke auS durch daS Großderrogllche Schloß in Bewegung gesetzt.

XIV. Der Zag warschtrt durch die Rhetnstraße bis zu dem dafür näher zu bestimmenden Punkte ab, wo er sich auflöst.

XV. Die Allerhöchsten Herrschaften werden von den Mitgliedern deS Vorstandes von der Estrade zurückgrleitet.

Hiermit endigt die EnthÜllungSfeier.

XVI. Nachmittags 2 Uhr findet ein Festrffen im Saal­bau statt.

XVII. Bei ein tretender Dunkelheit wird das Denkmal festlich befruchtet.

XVIII. Im Großherzogltchen Hoftheater findet eine Festvorstellung statt.

Büdingen unb Offenbach, ben 11. October 1898.

Der Vorstand dr» LandeSdenkmalS-AuSschuffeS:

Der 1. Vorsitzende:

Bruno Fürst zu Nfenburg-Bübingen,

1. Präsident ber Ersten Kammer der Landstände.

Der 2. Vorsitzende:

Justizrath Dr. Weder, Lebenslängliche» Mitglied der Ersten Kammer ber Lanbstände.

Der Schriftführer:

Haa», Geh. RegierungSrath,

1. Präsident ber Zweiten Kammer ber Lanbstänbe.

Deutsche» Reich.

Berlin, 14. Oktober. Die preußische Gesandt- j schäft beim Battcan. ES liegt heute folgenbe Nachricht vor:Unter den Diplomaten, welche für bte Nachfolge beS ! Herrn v. Bülow als preußischen Gesandten beim Papst ge- , uannt werden, befindet sich Herr v. Roteuhao, der jetzige Ge­sandte deS Reiche» in Bern. Für die Annahme, daß er für den Posten bestimmt sei, spricht der Umstand, daß Herr v. Rotenhan in früherer Zeit als Geschäftsträger beim Datteall fungirt unb bann als UnterstaatSsecretär im Auswärtigen Amt Gelegenheit gehabt hat, sich mit den verhältniffen ba» kanut zu machen." Wir geben diese Meldung einstweilen ' wieder. Der neue preußische Gesandte am päpstlichen Hof > wird übrigens jedenfalls erst nach der Rückkehr deS Kaisers ' ernannt werden.

Berlin, 15. October. Bezüglich der medizinischen Doctorpromotion hat da» preußische Ministerium nach Fühlungnahme mit den übrigen betheiligten Bundesregierungen eine Uebereinftimmung dahin getroffen, daß ein gleichmäßiges Verfahren nicht nur bezüglich des Punkte», daß die Verleihung de» Doctorgrades regelmäßig erst nach der ärztlichen Appro- bationöprüfung erfolgen soll, sondern auch bezüglich anderer wesentlicher Punkte anzustreben sei, und daß sich demgemäß die Aufstellung gewiffer mindesten Erfordernisse für die medi» zinische Doctorpromotion empfehle, die von allen medizinischen Facultäten im Reiche zu beobachten wären. Al» solche mindeste Erforderniffe werden hierbei die folgenden in Aussicht ge* nommen: 1. hinsichtlich der wissenschaftlichen Vorbildung soll gefordert werden: a. bei Inländern dasjenige Reifezeugniß, ; welches für die Zulassung zur ärztlichen Approbationsprüfung 1 erforderlich ist; b. bei Ausländern ein Zeugniß über gleich- werthige Schulbildung; 2. hinsichtlich der Dissertation soll verlangt werden: a. daß sie eine wissenschaftlich beachten». ! werthe, zur Aufnahme in eine wissenschaftliche Zeitschrift

geeignete Abhandlung sein muß; b, daß sie unter Bekannt­gabe de» Beurtheiler» durch den Druck zu veröffentlichen fei; 3. bezüglich der mündlichen Prüfung (Colloquium) wird ge­fordert: a. die Anwesenheit von mindesten» drei Mitgliedern der medizinischen Facultät; b. der Candidat hat darzuthun, daß er in mindestens einem Hauptsache der Medizin eingehende wissenschaftliche Studien gemacht und in mindestens zwei anderen Hauptfächern der Medizin sich eine allgemeine medizinische Bildung, wie sie bei der ärztlichen Approbationsprüfung ge­fordert wird, erworben hat. Der letztere Nachweis soll weg- fallen, wenn die Approbationsprüfung bereit» bestanden ist; o. AuLländer sollen, wenn sie nicht eine der ärztlichen Appro­bationsprüfung gletchwerthige Prüfung tn ihrer Heimath ab­gelegt haben, al» Doclorprüfung eine der Approbationsprüfung thunlichst angenäherte Prüfung ablegen; d. die mündliche Prüfung ist öffertlich. Der Dispens in besonderen Au»- nahmefällen ist an Einstimmigkeit de» Facultätsbeschlusse» zu knüpfen. Die Einführung der neuen Vorschriften erfolgt am 1. April 1899.

Nach Meldungen au» Samoa hat ber beutsche KreuzerBussard" am 1. October Mataafa und seine «tt verbannt gewesenen Anhänger nach Apia zurückgebracht. Mataafa wurde von dem Lonsularcorp» begrüßt und ver­sprach, ben Bestimmungen der Berliner Convention nachzu- kommen. Hiernach scheint e», daß Mataafa zum Nachfolger be» jüngst verstorbenen König» Malietoa bestimmt ist. Mataafa hatte tn ben langjährigen Kämpfen zwischen Malietoa unb Tamasese, die 1889 mit ber endgültigen Anerkennung Malte- toa» durch die drei Schutzmächte endeten, für diesen Partei | ergriffen, unb er war detzholb vor der Allerkennnng Malte- toa», als die Schutzmächte noch auf Seiten Tamasese» standen, ; von den Samoa Inseln entfernt wordeu. Al» früherer Partei­gänger Malietoa» gilt er jetzt bem Anschein nach al» sein geeigneter Nachfolger. Die Eingeborenen haben nach bem Vertrag ber brei Schutzmächte von 1889 den König zu wählen; feine Begrüßung durch da» Consulareorp» und sein Versprechen, jenen Vertrag zu beobachten, beweist, daß die .Wahl" feststeht.

Parti, 18. October. Fräuletn Lucte .Faure, bte Tochter dtö Präsidenten der Republik, bte bekanntlich ein sehr hübsche» Talent als Schriftstellerin unb Kunstkritikerin besitzt, ist gegenwärtig damit beschäftigt, bte Deukwürbtgkeiten ihres VateiS zu Papier zu bringen. Herr Felix Foure er­achtet, daß bte intime Geschichte seiner Prästdentschast einiges Jntereffe bieten könnte und entschloß sich dazu, seine Er­innerungen seiner Tochter zu dlctiren. Die Denkwürdigkeiten Faure» werben selbstverständlich erst in einiger Zeit erscheinen, allein Fräulein Lucte Faure hat schon öfter im engsten Streife ber Intimen ber Präsidentschaft einige Stellen zum Besten | gegeben. Gegenwärtig hält Herr Faure bei seiner Reise nach ! Rußland.

Amerika. Die Ermordung de» Schwagers Mac Ktnliyö, Mr. George Soxon, hat in Amerika wenig Eindruck gemacht. Mr. Soxon war wenig beliebt unb burch zahllose Abenteuer ber fragwürdigsten Art kaum zu seinem Vorthelle bekannt. Ein sehr reicher Jnnggeselle, lebte er fast aus­schließlich bem Vergnügen und war seit Jahren in eine lange Reihe von Scanbaien verw'ckelt, sodaß sein Leben eigentlich ' nur ben Abschluß gefuvbev, ben ihm viele vorhergesagt. Mrs. i George, welche bte verhängnißvollen vier Schüsse tn bem 1 Augenblick abfeuerte, als Soxon auf bem Zweirad vor dem ' Hotel der Mr». Eva Althouse ber momectan glücklichen Nebenbuhlerin ein traf, hatte vorher einen langen Proceß wegen Bruch be» Eheversprechens gegen Soxon geführt unb thm wiederholt mit Erschießen gedroht. Die öffentliche Meinung lywpathisirt ganz offen mit Mrs. George unb selbst bte Polizei ichemt beide Augen zu schließen und nicht» zu thun, um ihre Schuld festzustellen. Thatsächlich hatte ber Vorgang, wie es scheint, keine directen Zeugen; wenigsten» will Niemand Mr». George, welche rasch tm Dunkel ver­schwand, erkannt haben, und so wurde dieselbe nach einer kurzen Sist'rnng wieder in Freiheit gesetzt. Sie befreitet bie Thctlache keineswegs, lehnt aber jede E-klä-ung ob.

Pennif^te».

Wetzlar, 14. October. Dem Herrn Rentmeister David zu Neuwted, früher tu Krofdorf, ist aus Anlaß feine» 50jährigen Dienstjadiläum» der Charakter al» Rechnuug»rath verliehen wordeu.

e Rittmeister (al» ein Cavallerist in wette« Bogen vom Pferde fliegt):Wachtmeister, wie heißt der Aeronaut?"