Ausgabe 
16.7.1898 Zweites Blatt
 
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Samstag den 16. Juli

1898

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Gießen

Gratisbeilage: Eichener Familirnblatter

SW

Der Vorstand.

M-AtHÜW Die GrotzmSchte im Stillen Ocean

Jlllt

Iiaahme von Anzeige» zu der Nachmittag- für den Dhevde» Lag erscheinenden Nummer bi- Norm. 10 Uhr.

Alle Anzeigen-BermiNlungSstellen M In- und Ausland«! nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger entgeye.

Mr.

M'.

Redaetion, Expedition und Druckerei:

Schnkstraße Ar. 7.

Nmsreland der Vorschlag au-, Samoa selbst in seine Gewalt zu bekommen. Ende April 1894 bestätigte der Unterstaat», ffenktär Sir Edw. Grrh auf eine Anfrage im Unterhause die

Cocalo Mttd pro^tnrreLBS.

4- Ridda, 14. Juli. Die am 20. Juni erfolgte Wahl bei Herrn Stadtrnühlebefitzer» und Landtaglabgeordneten Erk dahier all Bürgermeister von Nidda wurde bestätigt und ist derselbe heute in fein Amt eingewiesen worden.

4- Daneruheim, 14. Juli. Der bejahrte Knecht eine» hiesigen Oekonomen erhängte sich gestern in der Scheuer

Vit nach Ostasten bilde.

Unter diesem Gesichtspunkte erscheint der englische Plan, m Auckland auf Neuseeland eine Flottenstation zu errichten, - - ' -1 weil

seinel Dienstherrn, während der Letztere den Niddaer Markt besuchte. Dal Motiv del Selbstmordei wird auf ein Leiden zurückgeführt, mit welche« der unverheirathet gewesene Lebens« müde behaftet war.

Darmstadt, 14. Jnli. Ein sehr stattlicher Fackel, zng von 6800 Smdirenden bewegte sich gestern Abend, von fünf Mnsikabtheilungen begleitet, dnrch viele Straßen der Neustadt, um dem zurückgekehrten Decernenten für dal höhere Schulwesen im Ministerium, Excellenz v. Knorr, dem scheidenden Rector der Hochschule, Geh. Baurath Berendt, und dem neuen Rector, Baurath Koch, Ovationen nach üb­licher Studentenfitte darznbringen. Am Erweiterung!. Rangirbahnhof Kranich st ein (knapp 1 Stunde von Dar«, stadt), der ca. 1,3 Millionen Mark kostet, wird rüstet ge. arbeitet- man hofft, denselben bi» Herbst, wenn der große Verkehr beginnt, fertig zu stellen.

Aul de« Kreife War«», 13. Jnli. In Osthofen und Mettenheim wurde dieser Tage mit dem Schnitt del Korn! begonnen. Der Aulfall scheint ein ganz annehm­barer zu werden, voraulgesetzt, daß die Frucht trocken nach Hause gebracht werden kann. Darmst. Ztg.

Nachricht, daß die neuseeländische Regierung den Vorschlag gewacht habe, die Verwaltung der Samoa.Jnfeln zu über­nehmen. Grey fügte hinzu, daß dieser oder ein ähnlicher Vorschlag nicht mit den Bestimmungen der Berliner Samoa« Acte vereinbar erscheine. Bald stellte sich heran!, daß mit dieser fachlichen Erklärung nicht» erreicht war. Hinter dem Vorgehen Neuseeland! standen australische und englische Chan« vinisten. Die australischen Colonien B ctoria, Neusüdwale» und Tasmanien schloffen sich dem neuseeländischen Vorschläge an, und selbst die englischen Gouverneure, wie Lord Hopetouu, unterstützten ihn. Die Agitation ging weil er- da man aber in London fühlte, daß die Sache nicht ausführbar sei, so suchte man die Bewegung zu dämpfen und wie» namentlich auf die Aufregung hin, die in Deutschland darüber ent- standen war.

Znr Beruhigung der Südsee-Colonien wurde e» al! ein bestimmter Standpunkt htngestellt, daß die Rücksicht auf die australischen Colonien die Aufhebung des englischen Coprotec« torate» über Samoa zu Gunsten Deutschland» unter allen Umständen verbiete. Auch sei, so hieß e», dal Jntereffe Australien» au Samoa dadurch erhöht worden, daß Samoa bei Legung bei australisch-cauadischen Kabel! al! Zwischen« station tu Aulficht genommen sei. Noch im Herbste 1894 dauerte die Bewegung tu der Südsee fort, delhalb wurde den australischen Colonialregieruugen von London au! zu ver­stehen gegeben, daß eine Erweiterung der britischen Macht- befugniffe in Samoa zur Zeit nicht zu erreichen sei. Bekannt ist, daß England sich schon 1887 damit einverstanden erklärt hat, Deutschland solle die Vormacht auf Samoa werden. Die übermächtigen Colonien zwangen aber 1894 da» Mutterland, sich auf den entgegengesetzten Standpunkt zu stellen. Schließ­lich mag noch daran erinnert werden, daß die Bereinigten Staaten auf der samoanischen Insel Tntuila die Kohlen­station Pago-Pago besitzen. So steigen um Samoa und in einem größeren Umkreise der Südsee internationale Berwick- lungen vor unseren Augen empor.

Äbrcffe für Depeschen: Anzeiger -lege».

Fernsprecher Nr. 61.

Gießen, den 4. Juli 1898.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.

Platz ulhmrn zu dürfen. Sie nickte huldreich Gewähr, er bestellte Wein beim Kellner und leitete dann die Unterhaltung geschickt ein. Welch ein unvergleichlich geistreiche», wahrhaft berauschende» Weib sie war! Wa» wollten dagegen die Frauen seiner Heimathstadt bedeuten, von der Frau Gericht», dtrrctor angefangen bi! zu der Gattin de! Materialwaaren- Händler», von dem er seinen Kaffee, Zucker u. s. w. bezog! Freilich kannte er Beide zumal die Letztere kaum, hatte er sich doch nie die Mühe genommen, sie recht anzu- schauen! Ursprünglich war e» die Absicht unsere» Freunde» gewesen, am nächsten Morgen Weiterreisen zu wollen, aber jetzt, nachdem er diese Bekanntschaft gemacht, nimmermehr! So blieb er denn von einem Tage zum anderen beständig an ihrer Seite, ihr getreuer Ritter und Sclave bi» endlich am fünften der Kellner ihm einen Brief von ihr brachte. Mit hämmernden Pulsen öffnete er ihn o weh e» war ein Lebewohl für immer! Umstände halber habe sie plötzlich abretsen müssen schrieb sie doch werde sie sich stet» mit Vergnügen der schönen, mit ihm verlebten Zeit erinnern u. f. w. Ein Blitz au» heiterem Himmel hätte ihn nicht unerwarteter treffen können. Am liebsten wäre er ihr nachgereist doch wußte er ja nicht einmal ihren Namen. Da sie Stillschweigen über diesen beobachtet, so hatte er voll zarter Rücksicht nicht danach zn fragen gewagt. Im Fremdenbuche stand sie einfach al» Frau Müller auf­geführt, auch unter den AbschiedlzeUen an ihn figurirte sie unter diesem nom de guerre denn etwa! andere! konnte die» Müller" ja nicht sein. Eine Fran wie sie hieß ntrnmet- mehrMüller". Ihr ganze» Auftreten, die nudefinirbare Distinction ihrer Erschelnung, dieser eigenartige Charme, welcher sie umfloß, ließen mit Sicherheit daranf schließen, daß sie eine incognito reisende vornehme Ausländerin war. So jeder Möglichkeit beraubt, ihren Spuren zu folge», be­schloß der biedere Berlaffene, de« nunmehr die ganze Reise verleidet war, heimwärts zu ziehen. Gleich am ersten Abend nach seiner Rückkehr, al» er mit seiner lieben Frau

Aezugopret» vlkNkljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 76 Pfg. mit Bringerloh».

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Citrrotnr ««d

HändelsIsrael". Dr. F. Ehrysander hat seiner Be­arbeitung desMessias", der zu Ostern bfl. IS. in Augsburg und Köln zur ersten Ausführung kam, eine Neubearbeitung vonIsrael tn Egypten" folgen lassen. ES handelte sich bet dieser Arbeit hauptsächlich um die Wiederherstellung des in der gewohntm Fassung des Werke» sehr vernachlässigten Gleichgewichts zwischen Chor, und Solopartien. Mit der ersten Aufführung, die im December dS. Jk. stattsinden soll, wurde wieder der Oratorienveretn tn AugSburg (Mustkdtrector Weber) betraut.

Theilnahme bei dem eis- Sohnes, Bruders

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. ... . 7110

terbliebeueu.

Hr. 164 Zweites Blatt

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Mj»1 btt-

trlcheiul täglich Bit Su-nahmr deS

MontagS.

Die Gießener ItrnilieuölLlter Baden dem Anzeiger Btchentlich viermal beigelegt.

Fenilleton.

Mei seöekannt schäften.

Von M. Kossak.

(Schluß.)

4 niilS

'S«*

vor der Thür saß und ihr erzählte, wie die Sehnsncht nach Weib und Kind ihn so schnell schon nach Hanse zurück« getrieben, ging ein Paar vorüber, ein dicker Herr nnb eine Dame. Großer Gott, äffte ihn ein böser Spuk? Da! »ar sie sie, feine angebetete Entflohene, tote sie leibte unb lebte.

Kennst Dn bte Damefragte er seine Gattin.

Natürlich," entgegnete bie, ffe» ist ja bte Material« toaarenhävblerin Müller au» der Breiten Straße."

Ob bie treue Gefährtin seine» Leben» au» bet Ver­blüfftheit ihre» Gemahl» wohl einen verdacht schöpfte, welcher der Wahrheit nahe kam? Ich weiß e» nickt, so viel aber kann ich versichern, daß der Herr Han»befitzer fortan ein ungleich zärtlicherer Gatte war al! früher und nie wieder Neigung verspürte, Reiseabenteuer zu erleben.

Natürlich hat eine Geschichte, wie die eben mitgetheilte, nur für Leute, die ihr Studium über Welt und Menschen nie über die heirnathliche Ortlgrenze hinan» ausgedehnt haben, ihre Nutzanwendung. Die Leser brauchen daher auch gar nicht zu versichern: Mir könnte dergleichen nimmermehr paffhen* ich bin ohnedies davon überzeugt, dennfle haben vieler Länder Menschen gesehen* und besitzen selbst, verständlich sammt und sonder» bie Wrltgewandtheit eines Lovelace, ben StolciSmu» eine» Spartaner» unb bie Wei»heit unb Menschenkenntniß eine» Sakrale». Wer aber btefe Eigen- schäften al» unsichtbare» Reisegepäck mit sich führt, bei ist so ziemlich gefeit vor tragikomischen Reiseerlebnissen. -Passtren kann ihm freilich auch allerhanb Unangenehme», aber zum Minbesten wirb er sich nicht lächerlich wachen, unb da» ist doch am Ende Da»jenige, wovor wir eitlen spottsüchtigen Mensche, ktnder nn» am meisten fürchten.

Darnm noch einmal Vorsicht bet den Reifebekannt, schäften.

AH* be» Bogel»berger Vieh! am

IO (yltftllL Sonntag, Den 17. Juli l. Js.

, IC Kit Verkaufszeit für das HanbelSgewerbe auf bie Stunden d an wieder eräffnettcoi 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr Nachmittag» ausgedehnt.

ag unb Samstag jebti " " - -

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hiermit die u*. er. treuer S' ®on,

Än"i »ich, n S'Wiiiw

* Erling

141 M 1898.

Um5^b,mSletb, 7105

chlab. an der Labn: Die ,M. N. Nachr.^ schreiben:

b -j.1 In allen Seestaaten verstärkt sich da! Bestreben, sich

toitnalle. ans allen großen Meeren Kohlenstationen usw. zu verschaffen, tu von dem jetzigen englischen Monopole auf den meisten

1, Herren unb Kinder f-gnjen Seewegen unabhängig zu werden. Da! wichtigste ^Srrigaiß aus diesem Gebiete ist die Annexion von Hawai ßfg., für Kinder 5 Pfg. lwwh die Bereinigten Staaten. In allen dem Senate zu Die Directiou. Aishington darüber zugegangenen Schriftstücken wird Hawai all nothwendige Kohlen- und Flottenstation im Stillen Ocean bezeichnet. Auch wird in diesen Denkschriften bestimmt be- mol, daß Hawai nur die erste Station auf dem weiten Wege

Bekanntmachung.

dttr.: die Sonntagsruhe im HanbelSgewerbe.

Auf Grnnb bes § 105, b Absatz 2 bet Gewerbe-Orb rwß unb be» § 2 der Verordnung Großh. Ministerium! eee 2. October 1895 wird anläßlich der dahier stattsinden. ben Verband»au!stellung der Heerdbnchgesellschaften für die

v-r Die liebenswürdigen Zechgenoffen aber begnügten sich ' vielfachdamit, feinen unzurechnungsfähigen Zustand zu den

w7 Sm JL fllitrnPen Dingen zu mißbrauchen, sondern machten sich auch in aller Geschwindigkeit davon, eS ihm überlaffend, die 'ttt beträchtliche Zeche zu zahlen. Dies Convivium nun gagMrt w jene einem Mitbürger be! Alten einen heimlichen Zeugen brnck^iMt. der, ohne Berständniß für da! Rührende der Sache m besitzen, Jenen bei feinem Principal verklatschte. Da! --Tl iEube vom Liede war, wie schon erwähnt, daß man den :rtien Beamten mit einer kärglichen Guadenpension aus dem

line harte Strafe für rtn paar Stunden - jortiter Selbstvergeffenheit.

Gleich trüben Abschluß braucht solch ein Reifeerlebniß .Sjj bin freilich nicht immer zu haben, im Gegentheil dringt e! MG auch sehr Ergötzliche» zur Erscheinung. So hatte z. B. bB wohlhäbiger Rentier unb Haulbefitzer au» einer ost« M rmschen Mittelstadt schon lange den Wunsch, einmal ein 10i> Müde in der Welt herumzuvagabondiren ohne Begleitung lio:c L, ih^urrn Ehehälfte. Diese ahnte sehr wohl die ge« |j einen Motive, welche ihren Herrn unb Gebieter dabei Sl netten, aber da sie eine kluge Frau war unb den im taube seine» Herzen» kreuzbraven Gatten besser kannte al» Ap-^'Ai'!s00 fich selbst, so ließ Jie ihn lächelnd ziehen. DaSGlück

Univerfitäts-Nachvichten.

Der Bibliothekar an der Univerfitäts - Bibliothek in Erlangen, Dr. MarkuS Zucker, ist zum Oberbibliothekar mit dem Rang eines ordentlichen UniversitStSprofesfors ernannt worden.

Derfctpr, £a*^ I>elfswirt^fd?aft,

13. Juli. Frachtmarkt. Rot-er Wen«

X 18,00, weißer Wetzen X 00.00, Korn X 13.00, Gerste X 10 00, Hafer X 8.76. __ ____________________

Gießen, 16. Juli. Gegen Flöhe, Schnaken, Schwaben, Russen, Wanzen und Fliegen kauft nur Lahr's Dalma. Es töbtet tn 10 Minuten alle Fliegen im Zimmer. Nicht giftig. Hunderte von Dankschreiben. Nur ächt zu haben in versiegelten Flaschen zu 15, 30 und 50 Pfg., Staubbeutel 15 Pfg. in Gießen in der Hirschapotheke. 4465

llKFdffiSt all du hervorragend politische! Unternehmen, zumal Aschen England unb bet Union schon seit Iahten ein Con- $r, Wemrich. awrenzkampf übet Herstellung eine» kabel! bnrch ben Stillen . MMN- 8 Uhr, - W gQtean entstanden ist. Die Errichtung einet englischen Flotten- taniben bei imMstgion tn Auckland berührt aber Samoa nahe und damit 71fr »nti deutsche Jntereffen. Zwischen Apia und Auckland be- ginttianb. stift eine nah- SerMnbung durch «ine Sanpferlinte, auf -- «iafetlanli beobachtet man überhaupt Samoa mit äußerster

gd)*«t ?«««6««'' rttfmertfamleit. Im Ftühfahr 1894 ging bekanntlich bau

Lm dock nicht zu spat-

ik ihm günstig. Bereit! am ersten Ort, an dem er «L Shtfon machte, sah er Abend» tm Speisezimmet seine» M ml! eine höchst interessante Dame nicht gerade sugend- d «ehr, aber elegant unb von weltbamenhastem ö|ic. -- * 11t Hausbesitzer, schnell gefaßt, trat ans sie zn unb bat ,, rfj refprctvoller Bcrbengung um die Erlanbniß, neben ihr E