Ausgabe 
15.7.1898 Zweites Blatt
 
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:ember 1895 betrug die Einwohnerzahl bei Sroßhenogthum! Heffen 884218 Seelen, Städte mit «ehr all 1OOOO In» iaffen gab el fünf mit 144019 Einwohnern, also ungefähr I67i P6t. der Gesamwtheit. Die fünf Städte hatten auf je 100 Einwohner in dem halben Jahrhundert in folgender Reihe zogenommev: 1. Darmstadt 197, 2. Mainz 201, 3. Gießen 252, 4. Worml 266, 5. Offenbach 395. Die Vevölkerunglzunahme war bei den ersten vier Städten eine ziemlich gleichmäßige, Offenbach überholte alle bedeutend all Mittelpunkt lebhafter Fabrik« und GewerbethLtigkeit. Für den Zeitraum von 75 Jahren (1820 bi! 1895) ergibt fich folgende Tabelle:

BevölkeruugSziffer

am Anfang der 20er Jahre unsere! Jahrhundert!

am

2. 12. 95

Je 100 Stu« wobuer stiegen in 75 Jahren auf

1. Gießen

5 500

22 932

417

2. WormS

6 236

28 624

459

3. Offenbach

6 584

40183

610

4. Darmstadt

18 800

63 769

339

5. Mainz

25 174

77 711

308

62 294

233 219

374

«m 2. December 1895 zählte dal Großherzogthum Reffen 1039388 Einwohner, auf die fünf Städte entfielen 233219 Seelen, also 227, pLt. der Gesammtbevölkerung. Vie Reihensolge der Städte blieb fast dieselbe in Bezug auf tfce Zunahme auf je 100 Insassen, doch überholte dal offen gelegene Darmstadt die Festung Mainz: 1. Mainz 308, 1. Darmstadt 339, 3. Gießen 417, 4. Worms 459, 5. Offenbach 610. - Mainz und Darmstadt verdreifachten, Gießen und Worms vervierfachten und Offenbach versechs­fachte die Bevölkerung in 75 Jahren. Ja den letzten zwanzig Jahren war noch folgender Zuwachs aus je 100 Seelen: 1. Mainz 107, 2. Darmstadt 142, 3. Gießen 166,4. Worml 193, 5. Offenbach 215. Darmst. Tägl. Anz.

vermischtes.

* Marburg, 13. Juli. All gestern Nachmittag die Ehefrau des oberhalb des Marktei wohnenden Tagelöhner! S. ihre Wohnung betrat, fand sie die Wiege ihres jüngsten, ein halb Jahr alten Söhnchens leer. Nichts Gute! ahnend, ging sie an das Bett ihre! Mannes und hier bot fich ihr ein herzzerreißender Anblick. Ihr Mann taumelte in der Stube herum und im Bett lag die Leiche des Kinde!. Der Vetrunkene hatte also jedensalls da! schreiende Kind zu sich genommen und eS erdrückt. Der Mann wurde sofort ver­haftet, aber wieder auf freien Fuß gesetzt. DaS Weitere wird die gerichtliche Untersuchung ergeben.

Brotterode, 12. Juli. Der Gemeinde Brotterode, die Irt Folge des großen Brande! eine hohe Schuldenlast zu tragen hat, ist vorn Kaiser als Beitrag zu den Zinsen ein Jahreszuschuß von 15000 Mark di! zum Jahre 1900 be« w illtgt worden.

«Ine Berusßstatistik unter den Irrsinnigen wird von Zeit zu Zeit in England veröffentlicht. Danach wurden wahrend der letzten 5 Jahre 2200 Männer in die englischen Anstalten ausgenommen, die sich in solgender Weise auf die verschiedenen Berufe vertheilen. Am meisten waren merk- würdiger Weise gerade Landleute vertreten, nämlich mit der beträchtlichen Zahl von 579, bann kamen 484 Ingenieure und Handwerker, 299 Bank-, Versicherung!- und andere Beamte, ferner 214 Krämer, 213 Soldaten, 176 Lehrer und Gelehrte, 64 Handlunglreiiende, 44 Musiker, 30 Aerzte und Chirurgen, 2:8 Geistliche, 28 Schriftsteller und Journalisten, 22 Schau« sffteler.

Wissenschaft, Literatur und Aunst.

In die Werkstatt des Erzgießers führt unS ein reich iflu» strikter Artikel von Geo a Buh in dem soeben abgegebenen Heft 27 der um die Verbreitung des Verständnisses für moderne Technik und

* Die Diebe, die vor einiger Zeit mit großem Geschick für mehr als eine Million Werthpapiere aus einem Wagen der Paris Lyoner Bahngesellschaft währen; deffen Fahrt durch Paris gestohlen haben, sind, so wird der ,Voff. Ztg." aus Paris geschrieben, noch nicht entdeckt. Nicht einmal eine Spur von ihnen ist gefunden. Aber die Werth« papiere sind wieder in den Besitz ihrer rechtmäßigen Eigen- thümer zurückgekehrt. EinGeschäftshaus" in London hatte deren Herausgabe gegen Zahlung von 250000 Francs an­geboten. Die Gesellschaft (Compagnie Fonciöre Transports) bei welcher der Versandt der Wertpapiere versichert gewesen war, hat die Summe gezahlt, nachdem sie die Absender der Werthpapiere schon entschädigt hatte. Das LondonerGeschäfts­haus" hatte diese Papiere in Paris in sicheren Gewahrsam gegeben, wo die Versicherungsgesellschaft sie nach Zahlung der 250 000 Francs ausgehändigt erhielt. Alle Betheiligten haben ftrengstens das Geheimniß dieser Verhandlungen und Auslieferung bewahrt und zwar aus einem sehr einfachen Grund. Vor einigen Jahren wurde bei einer hiesigen großen Bankanstalt ein ähnlicher Diebstahl verübt. Einige Zeit nachher wurde der Bank die Rückgabe der gestohlenen Papiere gegen Erlegung von 400000 Francs angeboten. Die Polizei erhielt Wind von dem Angebot und den dadurch angeknüpften Unterhandlungen, beobachtete den von London gekommenen Beauftragten und verhaftete ihn. Er wurde zu fünf Jahren Gefängniß verurtheilt, aber die Bankanstalt hat seither nie wieder etwas von den ihr gestohlenen Werthpapieren gehört. So begreift es sich, daß diesmal die Bestohlenen die Sache geheim hielten und dafür sorgten, daß die Diebe oder deren Beauftragten nicht entdeckt wurden. Ihnen lag wenig an deren Bestrafung, aber gar viel an dec Wiedererlangung des gestohlenen Gutes. Der Bestohlene Beschützer des Stehlers, das ist auch ein Bild, eine Errungenschaft unserer fortge­schrittenen Zeit.

Mit der Besteuerung der Waareuhäuser hat die Stadt Beuthen in Oderfchlefien al! erste der schlesischen Corn munen den Anfang gemacht. In der jüngsten Stadtverord« neten-Bersammlung ist über diese Frage endgiltig Beschluß gefaßt worden. Eine zur Vorprüfung eingesetzte Commisston hatte zwar in Vorschlag gebracht, eine in da! Erwerbsleben so tief einschneidende Angelegenheit nicht zu Überstürzen, sie vielmehr zu vertagen, um erst die Entschließungen der größeren Städte abzuwarten. Da! Stadtverordnetencollegium stellte fich jedoch auf den Standpunkt, alsbald Abhilfe zu schaffen, selbst für dea Fall, daß fich der Anlweg nicht al! praktisch erweisen sollte. Nach der Beschlußfassung des Collegiums werden die Großbetriebe (Waareuhäuser), die mehr al! 25 Personen beschäftigen, mit 7« pEt. des Er­trage! und einer progressiv steigenden Kopfsteuer zur Gewerbe« steuer herangezogen. Die Kopfleuer wird bti 2040 Per­sonen auf 30 M5, bei 40-60 Personen auf 40 M., bei 6080 Personen auf 50 Mk. und bei 80100 Personen auf 60 Mk. pro Kopf berechnet werke*. Außerdem soll 1 pCt. bet Gebandtsteuer, resp. de! Miethsertrage! in Au« rechaung kommen. Diesem Vorschläge wurde mit allen gegen drei Stimmen zugestimmt. Bon den Gegnern dieser neueste« Stenerblüthe wurde geltend gemacht, daß durch diese Steuer wohl dem Stadtsäckel, nicht aber dem gefährdeten Mittel­stände geholfen werde. Von welcher Wirkung dieser Steuer­plan sein wird, geht daraus hervor, daß das in Beuihen errichtete Zweiggeschäft de! Breslauer Waarenhause! der Gebrüder Barasch eine jährliche Steuer von ca. 10,000 Mk zu entrichten haben wird.

Industrie so bocboeibienten Familienzcitfchrift »Für Alle ®elt* (Deutsche! DerlagSbauS Bong 4 Co., Berlfn "W., *rcte des Vtcr- zehntayShesleS 40 Psg.). Aber wir dürfen auch Einblicke thun in dieFabrikation künstlicher Augrn", in die Herstellung vonmelalli- sirtem und elektrischem Papier",Schlangenkunststücke- erstaunlicher Art werben unS gezeig', neue Elfindunarn, wie einHausbriesein­wurf mit Klingelfignai",Krastsammler für Fahrräder",Electrischrr Spazierstock",Acetylendoje",SicherheitS-Hängegrrüst",Gefrier, apparot für microscopllche Beobachtungen" ufw. werden in diesem Hefte durch Wort und Bild erklärt und Miltheilungen über Schwimmende Hospitäler in Vonbon",Sturmstcherheit hoher Ge­bäude",Frauen in der Technik",Die Fernsprecher In den deutschen Colonien",Kaffee- und Theeverbrauch" und über eine Anzahl haus-> wirtbschafllicher Gegenstände werden gemacht und außerdem enthä t der überaus reichhaltige Text neben vielem Anderen die Fortsetzungen der beiden immer spannender werdenden RomaneSchloß Hohen­thurm" von B. Corony undAuf der Landstraße" von Jenny Hirsch. _______________

Präsident Fanre als Romanfigur. Im Pariser MaraiS- Viertel leöte zu Anfang der achtziger Jahre eine reiche Dame, die sich durch großen WohlthätigkettSsinn auSzeichnete. Sie bewies die! unter Andern, durch ihre Nachsicht gegen einen ihrer Miet her, einen Broncehändler, der ein Ehrenmann, aber In seinen geschäftlichen Unternehmungen fo unglücklich war, daß er meist seine Miethe nicht bezahlen konnte. Die Dame ftar» im Jahre 1884, und ihr HauS kam in den Besitz ihres Neffen Felix Saure, damals Unterstaats- secretür im Ministerium des Innern. Dieser hatte mit dem iäumig.n Miether keine Nachsicht und setzte ibn, als er wieder seinen MiethzinS nicht bezahlen konnte, ohne Weiteres an die Luft. Dadurch zur Ver­zweiflung gebracht, ertränkte sich der unglückliche Mann im benach­barten Canal St. Martin, nachdem er emen ihm befreundeten, gleich­falls im Mariatz-Vtertel wohnenden Romanschriftsteller von seinem Entschlüsse benachrichtigt und ihm die>sorge für seine beiden Söhne anS Herz gelegt hatte. Der Romandichter, der kein anderer als Alphonse Daudet war, brachte die beiden Waisen zu Felix Faure, der über die Folgen seiner Handlungsweise sehr bestürzt war und seine Här e wenigstens insoweit wieder gut machte, alS er die beiden Surber auf seine Kosten erziehen ließ. Für Daudet aber wurde der Vorfall zum Ausgangspunkt seines letzten Roman! »Soatien de Familie,Die Stütze der Familie", der vor einigen Monaten, kurz nach dem Tode des berühmten Dichters, erschienen ist und in deutscher Übersetzung gegenwSrtia in der HalbmonatsschriftAuS fremden Zungen" (Stuttga t, Deutsche VcrlagS-Anstalt, monatlich erscheinen 2 Hefte L 50 Psg.) veröffentlicht wird. Wir finden da gleich im ersten Capitel den oben erzählten Vorgang nur wenig verändert erzählt; der jetzige Präsident der fcanzöstscken Republik erscheint dabei unter dem NamenMarc Javel" und tritt, nicht gerade schmeichel­haft geschildert, auch im weiteren Verlaufe des Romans auf, zuletzt als Marincminlster, während Daudet die Rolle, die er selbst in der Geschichte gesp-elt, dem Sous-Chef der Kammerstenographen, Pierre Jzoard, einem alten, ehrenhaften Republikaner, zuertheilt hat.

Ueber den Deutschen Kaiser und daS Waidwerk siebt das soeben erschienene Heft 23 derModernen Kunst" (Verlag von Rrch. Bong, Berlin W. 57, Leipzig, Wien, Stuttgart. Preis 60 Pfg.) in einem von F. Frhr. von Dincklage-Campe für das im gleichen Verlage erschienene kostbare PrachtwerkUnter Kaiser. Zehn Jahre der Negierung Wilhelms II. 1888-1898" verfaßten Aufsätze sehr interessante Ausschlüsse. Die große Treffstcherheit des Kaisers brachte es zu Wege, daß er während der vom Fürsten Carl von Llchnowsky am 11. November 1897 in den Carl Max-Fasanerien veranstalteten Kaiserjagd in der Zeit von Mittags 12 bis 3'/, Uhr 1224 Fasanen, 10 Hasen und 2 Eulen erlegte. Ebenso glänzend ist das Resultat während der Jagd beim Grafen Thi'schky Renard feroefen; hier erlegte der Kaiser in 17 Treiben zwischen 9>, und 4 Uhr 1058 Fasanen, 2 Hasen, 74 Kaninchen und 4 Rebhühner. Ausgezeichnete Illustrationen, die dem genannten Prachtwerk in reicher Fülle entnommen sind, begleiten den trefflichen Aufsatz. Nicht minder f.sselnd geschrieben ist die vorzüglich illustrierte Retseskizze von Emil Ionas:Eine Pfingstfahrt nach Kopenhagen". Die meister­lich in Holz geschnittenen Kunstbeilagen:In Liebesbanden von R Rößler,Wildbad Gastein" undPerseus schlägt der Medusa das Haupt ab" von E. Kaempffer sind wirklich geeignet, unLr G as und Rahmen jedem Salon zur Zierde zu gereichen. Daß ein derartiges H-st nur GO Pfg. kostet, verdient die höchste An- erkennung.

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Städtischer Arbeitsnachweis Gießen

Garteuftrafie 2.

Angebot der Arbeitnehmer: 1 Installateur, 1 Krankenpfleger 1 Ma­schinen- oder Fahrradschlosser, 1 Schreiner, 2 Taglöhner, 4 Hausburschen, 3 Fuhr- l ieckte, 1 Gartner, 2 Dienstmädchen, 1 Laufmädcken, 1 Büglerin, 1 Comptonst für Buchhaltung bezw. Beischreiben von Büchern und Correspondenz.

Nachfrage der Arbeitgeber: 1 Barbiergehülfe, 23 Rranfentoärter, mehrere Krankenpflegerinnen, 23 jung. Gerber, 2 Dachdecker, 1 Tapezier, 1 Bau- schlosser, 2 tücbt. Schmiede, 2 Schuhmacher, 2 Bau- und Möbelfchretner, 5 Haus- ünrschen, 1 Fuhrkneckt, 5 Taglöhner, 1 jung, landwirthsch. Arbeiter, 10 Dienst­mädchen für Küche und Hausarbeit, 1 Mädchen zur Aushülfe.

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Verdingung

Die Maurer-, Zimmerer-, Schreiner-, Schlosser- und Weißbinderarbeiteu zwecks Ein- richtung einer Niederdruck-Dampf- Heizung im Gebäude der höheren wnb erweiterten Mädchenschule sollen Samstag den 16. d. W.,

Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.

Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns in Zimmer Nr. 6 offen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin ver- schloffen und mit entsprechender Auf­schrift versehen einzurechen.

ZuschlagSfr>ft 3 Wochen.

Gießen, den 11. Juli 1898.

Das Stadtbauamt.

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Die Maurerarbeiten für die circa 100 Meter lange Sturzrampe bei Abendstern, mit ober ohne Stein­lieferung, sind an tüchtige Maurer­meister zu vergeben. 7040

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