Ausgabe 
15.7.1898 Zweites Blatt
 
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Der Vorstand. in Vießen. > an wieder eröffnet ig und Samstag jedn

Der Vorstand. cktt iabetarten und die Wäscht ilt van 700 Mark jährlich tlicb an Hem Banse.

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Der Vorstand.

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macht von en Eheleuten teilt dieselben jrage, ivlunit n sollen. Da- e Antwort: [, das mit em prächtig

1808

Freitag den 15. Juli

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gissten

Gratisbeilage: Gießener Familienbliittcr

Amtlicher Theil

betheiligen

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ihre Flagge

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Obstbäumen finden

Die practischen Unterweisnngen

von Vormittags 8 Uhr

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

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AllendorfaLda. Tret- a.d. Lda. Lollar. Grünberg. Saasen.

Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schnlstratze Ar. 7.

gehändigt. Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag SamStag Sonntag

Nachträgliches zur Seeschlacht vouSautiago.

Der Commandant des amerikanischen Linienschiffes Iowa hat in Santiago de Cnba folgende Einzelheiten über die Vernichtung des spanischen Geschwader» unter Admiral Lervera geliefert, die um fo werthvoller find, als fie die erste Dar- tzellung durch einen hervorragenden Fachmann bieten, die da­durch noch besonderes Jatereffe gewinn', daß der Eommandant

Gießen, den 13. Juli 1898.

Der Borfitzende des BereinSbeztrk» Gießen: Dr. Wal lau, RrgierungSrath.

Annahme von Anzrigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. 10 Uhr.

Adrefle für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51.

deS größten amerikanischen Schlachtschiffes seinem Gegner die höchste Anerkennung zollt:

AezugrprelL vierteljährlich

2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Pf*, mit vringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Nr. 163 Zweites Blatt.

Gietzener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

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ihm kam ein Matroie, dem daS linke Bein überm Rate av- geschossen war. Man hißte ihn hoch, ke'n SchmerzenSlaut kam von seinen Lippen. Allmählich füllte sich unser Dick mit verstümmelten und unverwundeten, aber nackenden Spaniern- mit Mühe nur war die Iowa als ein amerikanische* Kriegs­schiff wiederzuerkennen. DaS sonst so weiße Achterdeck war ganz mit Blut bedeckt, und 272 nackte Männrr wurden von unfern Leuten gepflegt und mit Waffer und B-od e quickt.

Zuletzt kam ein Boot längSseit mit Capitän z. S. Eulate, dem Commandanten der Bizcaya. Ein Stuhl wurde ihm über Bord Hinuntergelaffen, da er augenscheinlich verwundet war. Die Fallreepsgasten stellten sür ihn die einem Cap tän zukommrnde Ehrenwache. Ich stand bereit zu seimm Empfang. Sobald der Stuhl auf Deck ntedergelaffrn wurde, präsentste die Wache das Gewehr. Langsam erhob sich der Capitän Eulate von seinem Seffrl und begrüßte mich mit würdevollem Ernst. Er schnallte seinen Säbel ab, küßte mir ehrsürchliger Inbrunst den Gr>ff, während ihm die Th' äorn über d-e Wangen liefen. Dann wollte er mir seinen Säbel übergeben, ich nahm ihn selbstverständlich nicht an. Die Mannschaft der Iowa schrie bet seinem Auftritt Hurrah wie die Wilden. Gerade als ich Eapitän Eulate in meine Eabine geleiten wollte, damit die Aerzte seine Wunden untersuchen könnten, explodirtrn auf der Bizcaya die großen Munitionskammern mit einem furchtbaren Krach und einem Meer von Flammen. Capitän Eulate strtche seine Arme auS und rief:Adio» Bizcaya! Da geht mein schöne» Sch ff dahin, Herr Capitän!' Dam t gingen wir in meine Eabine, wo die Aerzte ihm seine drei Wunden verbanden. Unterdeffen waren 39 Offiziere und 272 Manu von der Btzcoya geborgen. Messe und Cabinen wurden bereitwilligst von unseren Offizieren der- gegeben, dann Kleidung und Tabak den nackenden spanifchen Offizieren gereicht, und unser Zahlmeister ließ den nackenden Matrosen Uniformen auStheilen. So hatte der Krieg einen anderen Anblick gewonnen. Da ich wußte, daß nach der Besatzung der ersten beiden gestrandeten Schiffe noch keiner von den nusrigen gesehen hatte, lief ich auf fie zu. Ich fand die Gloccefter (Privatdampsyacht Corsair deS H crn M. P. Morgan, die, mit Schnellfenergeschützen axmitt, unterm Befehl von Capitän-Lieuteuant Wainright als Hilfskreuzer in Dienst gestellt war) mit Admiral Cervera und einigen seiner Offiziere und einer großen Zahl Berwundrter an Bord, von denen einige entfetzlich verstümmelt waren. B'ele Spanier waren am Lande von den Cubanern erschaffen worden. H lfs- kreuzer Harvard kam auf und ich ersuchte Capitän Cotton,

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Iamikieu0kättcr »rrden dem Anzeiger wschentlich viermal beigelegt.

stet» an den darauf folgenden Tagen

eb statt, in Grünberg am SamStag Nachmittag 3 Uhr.

Den Herren Bürgermeistern gehen noch besondere Mit- »Heilungen zu. Zahlreiche Betheiligung erwünscht.

Die Iowa hatte bei Beginn de» Angriff- die Maria hofften eine» der den AuSsall

Teresa steuerbord». Wir hofften eine» der den Ausfall sührenden Schiffe rammen zu können, wegen der überlegenen Geschwindigkeit der spanischen KriegSsch ffe stellte fich daS in- drffen bald al» unmöglich heraus. Fünfzig Minuten nach dem ersten Schuß legte die Bize.ya ihr Ruder backbord», während gewaltige Flammenmaffea au» ihrem achtern Theil hervorbrachen. Langsam hielt fie auf die Klippen von Acer- raderoS zu [25 Kilometer westlich von der Hafeneinfahrt) und ließ fich auf Strand laufen. Da die Iowa, wie bald klar wurde, fich nicht an der Jagd auf die Cristobal Colon, die Brooklyn, Oregon und die schnelle New-Yuk mir befferer Aussicht auf Erfolg aufgenommen hatten, konnte, beschloß ich, Humanität vor K i:g <,-

taffen und meine Aufmerksamkeit den 1200 oder 1500 spani­schen Osfizieren und Mannschaften zu schenken, die c>r- gestrichen hatten. Ich steuerte daher auf die die in vorn und achtern lichterloh brannte.

Iowa die äußerste Fahrwaffergrenze für ihren Tiefgang er- reicht hatte, fandte ich alle meine Boote den unglücklichen Spaniern zu Hilfe, die zu Dutzenden am Ertrinken waren und auf Deck tm Feuer schmorten. Bald bemerkte ich, daß die Cubaner vom Ufer aus auf die schwimmenden Spanier schossen, die sich uns schon ergeben hatten. Dem machte ich sofort ein Ende. Meine Bootsleute arbeiteten tapfer und vollzogen manche brave Rettung. Ein Mann enterte die Bordwand der brennenden Bizccya empor und rettete allein drei Spanier vor dem Lebendigverbranntwerden. Die Muni- tionSkarnmern der Di^caya fragen an zu explodiren, während unsere Boote läogsseit kamen, und hilfreiche Hände brachten bald die verstürnmeiten spanischen O fiziere und Matrosen aus» Achterdeck der Jowo. Die Spanier waren sämwtlich völlig nackt. Den einen waren die Beine von Granaten ab- gerissen, andere auf jede nur denkbare Weise verstümmelt. Fünf arme Kerle starben auf dem Wege zur Iowa. Wir bestatteten sie von Bord au» mit militärischen Ehren. Ich habe einige Fälle von Heldenmuth, oder, besser gesagt, von MannSzucht und Pflichterfüllung gesehen, die niemals über- troffen werden können. Einem Manne der B'caya war der linke Arm dicht unter der Schulter abgeschoffen, Theile davon hingen noch an einem kleinen Hautfetzen fest, aber ohne fremde Hülfe enterte der Mann auf Deck und machte seine Ehrenbezeugungen, al» ob er zu Besuch käme. Gleich hinter

Bekaemtmachmtg,

bett.: Borttäge Über Obstbau und GratiSverloosung von

Obstbäumen in Londorf.

Herr Obstbautechniker Metz auS Friedberg beabsichtigt, d e untenstehenden Orte des Kreise» Gießen an den bezeichneten Tagen zu besuchen zur Abhaltung von Vorträgen über Obst­bau und practischen Unterweisungen an Obstbäumen.

Gvurttag den 17. Juli, Nachmittags 3 Uhr, Bortrag in Londorf.

Nach dem Bortrag findet eine GratiSverloosung von Obstbäumen, welche tm Herbst geliefert werden, statt, an welcher sich die Mitglieder folgender Orte sowie neu hiuzu- tretenbe betheiligen können: Londorf, Allendorf o. d. Lda., Allertshausen, Climbach, Tret- a. d. Lda., Odenhausen, Kessel- bach, WeiterShaiu, RüddingShausen, Geilshausen. Gegen Bor- zeigung der Mitgliedkarten wird eine LooSnummer au».

den 18 Juli, Abd». 8 Uhr, Bortrag in Allertshausen.

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Feuilleton.

Hleiseöek an nt schäften.

Don M. Kossak.

(Nachdruck verboten.)

Es ist ein eigen Ding um Reisebekanntschaften, man könnte Bücher vcll schreiben über die Leichtigkeit, mit der ste oft geknüpft werden, über die Motive, welche die Menschen dabei leiten, über ihre muthwahltche Dauer und noch über vieles, viele» Andere, wa» damit zusammcnhängt. Geradezu verblüffend erscheint el, wie schnell Leute, die da­heim wie die Schnecke in ihrem Hause sitzen, fich unterwegs an ihnen bis dahin gänzlich Fremde anschlteßen. Sie find noch nicht eine Meile von ihrem Wohnorte entfernt und schon fitzen fie mit dem ersten Besten, mit dem der Zufell fie im Siienbahncoupe zusammengeführt, in intimstem Gedanken­austausch beisammen, verabreden Rendezvous und Partien and geben fich dabei so ungezwungen, wie kaum ihren ältesten Freundeu gegenüber. lbb der Grund dafür? Je nun, der ist am Ende nicht allzu schwer zu finden. Daheim nehmen Berufs- oder HauShaltungSarbeiten Zeit und Gedanken in Anspruch, man ist nicht so empfänglich für geselligen Ver­kehr, derselbe kann fich leicht zu sehr auSdehnen und lästig werden, zudemmb die» ist besovberS zu beachten muß mau in der Wahl seines Umganges vorsichtig sein, um sich nicht Üblem Gerede auSzusetzen oder wohl gar seine sociale Stellung zu gefährden. Wie ost würde man nicht gern Diesem oder Jenem, der einem sympathisch erscheint, aähertreten, wenn die conoentionellen Rücksichten eS nur erlaubten! Aber ach, sie engen unS von allen Seiten ein, und diejenigen Personen, auf welche fie nn» Hinweisen, be­hagen unS nicht, daher verzichten wir lieber ganz.

Wie anders unterwegs! Solch eine Reisebekanntschaft verpflichtet zn nicht», fie zieht keine Covstquenzen nach fich, wollen wir sie abbrechen, so steigen wir auf der nächsten

Station auS, die Locomotive pfeift, und fort ist der neue Bekannte, auf Nimmerwiedersehen, so völlig auS- gelöscht au» unserem Leben, al» wäre er nie in unseren Gesichtskreis getreten.

So calcnliren w r wenigstens. Manchmal freilich kommtS auch anders. Irgend ein tückische» Geschick kann e» fügen, daß wir ihm später begegnen oder auch nicht einmal ihm selbst, sondern nur Jemanden, den er kennt und dem er von uni erzählt oder wer vermag oll die krausen, wunder­lichen Möglichkeiten zu berechnen, mit denen e» dem boshaften Kobold Zufall zuweilen gefällt, tu unser Dasein etnzugreifen! Zweifellos ist eS, daß solch ein paar flüchtige Stunden, ver­bracht im harmlosen Geplauder mir einem Herrn oder einer Frau Irgendwer von irgendwoher, ihren Schatten auf unser ganzes ferneres Leben zu werfen verwögen.

Wir ist da» nur möglich?" wird Mancher vitll'.tcht erstaunt fragen. Ja, direct läßt fich dies nicht beantworten und selbst wenn ich'» indtrect thue, muß ich die Nachsicht meiner Leser in Anspruch nehmen. E» steckt eben uns Allen ausnahmslos die Abenteuerlust im Blute und sie spielt bei unserer Reisrleidenschaft keine so kleine Rolle, tote man glaubt. ES gesteht da» nur Keiner ein, aber wenn mau fich ernstlich prüft, wird mau mir im Stillen Recht geben. Am Ende ist'» doch nur natürlich, daß wir modernen Culturmenschen, die wir in unserem eogbegrenzten, mit der Regelmäßigkeit eine» Chronometer» fich abspielenden Leben nicht» von der goldenen Romantik vergangener Zetten kennen lernen, auch einmal unseren Rowan haben wöchteu. Keinen erschütternden mit herzaufwühlenden Eretguiffen, bei denen wir, wenn auch nur ganz von fern, ba» tobt- unb verberbenbringende Schicksal ftrtiien l)ären in --h°b-n.r

willen nein, bei dem bloßen Gedanken an so etwa« würde uns j, hmm-lovgst »erben. - Aber, »ie geiagt, io einen fleinen «mflfanten Roman oder »um mindesten ein Stückchen von einem solchen---Wir verlangen wir«'» nicht

viel, dem Kleinstädter genügt schon da» Zasammeutttffen «tt

einem Vertreter fremder Nationen, dem PenfionSbackfisch eine unbedeutende Fltrtat'ou mit einem hübschen schnurrbärtigen Herrn, dem unter dem häuslichen Pantoffel stehenden Philister eine Unterhaltung mit einer pikanten Schönen u. s. w. Die Hauptsache muß in solchen Fällen natürlich die Phantasie thun, aber fie ist eine gefährliche Feindin und darum hüten wir unS vor ihr! Sie sieht in dem Touristen mit den Brillantkoöpfen unb bem schwermnthSvoll verschleierten Blick einen verbannten Fürsten, der durch Jntrignen seiner Gegenpartei um seine legitimen Ansprüche betrogen, flüchtend, verfolgt durch die Lande irrt und während sie noch so combintrt, schlummert die Vernunft ein, da« Auge hört auf, scharf zu beobachten unb da« Resultat ist vielleicht eine gestohlene Uhr ober Börse! Bet unS zu Hanse hätten wir ben Menschen sofort für einen Bauernfänger erkannt, auf ber Reise aber wo mau etwa» zu erleben beabsichtigt freilich hat man ba» ja auch finb wir sür all bte kleinen Züge, die un» vor ihm warnen sollten, blinb.

Aber selbst wenn der geheimnißvolle Fremde un# weder an Baargeld noch Pretiosen schädigt, so kann er un» durch ein Zusammentreffen mißlicher Umstände noch Kostbarere» rauben unseren guten Ruf. C» braucht un» nut ein Bekannter mit ihm zu sehen, unb da» Unglück ist fettig. G bt» doch Leute genug, deren Gesellschaft allein einen soliden Staatsbürger cowpromittirt! Wie viele von un» find nicht schoa durch ein unverwuthete Begegnung mit lieben Freunden von daheim in die denkbar fatalste Lage gtrathen.

Ein ältlicher Buchhalter, ein Mann, der mit Ehren grau geworden, verlor sogar um solch' einer Gesch chte willen seine Stellung. Einige junge Leute zweifelhaftester Sorte, mit denen sein Unstern ihn auf einem Rheindawpser zusammen- gesührt, luden ihn zu einer Bowle ein, und da er in seiner seltenen Weltunerfahrenheit sie trotz ihre» verdächtigen Aeußeren für lauter Grasen unb Barone hielt, acceptirte er geschmeicheU. In Kurzem btfanb er fich in auimirtester Stimmung.

(Schluß folgt.)