Ausgabe 
15.5.1898 Viertes Blatt
 
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Rr. 113 Viertes Blatt.

Sonntag den 15. Mai

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Politische Wochenschau.

Unsere innere Politik steht noch immer im Zeichen der Windstille. Wohl haben jetzt alle Parteien ihre Wahlaufrufe veröffentlicht, aber von einer Erregung, die sonst den Wahlen vorauzugehen pflegt, ist noch Nichts zu bemerken.

Der ReichSanzetger hat tu letzter Woche mehrmals da» Wort genommen, einmal um die Regierung gegen den Ber dacht zu vertheidigen, daß ste einen Angriff gegen da« dtrecte, geheime ReichStagewahlrecht plane, andererseits gegen die in ausländischen Blättern aufgetauchte Nachricht, daß der Kaiser es für nöthig gefunden habe, dem amerikanischen Botschafter gegenüber die freundlichen Gesinnungen Deutschlands gegen­über den Bereinigten Staaten besonders zu betonen. Be­sonders im ersteren Falle war es an der Zeit, daß von berufener Stelle au» den müßigen Gerüchten ein Ende ge­macht wurde.

Bei uns in Deutschland macht sich der spanisch-ameri­kanische Krieg in recht unliebsamer Weise durch das uuver- hältnißmäßtge Steigen der Getreidrpreise und durch die Schädigungen geltend, die der Deutsche Exporthandel erfährt. Der Schaden beziffert sich nach Millionen, ganz abgesehen davon, daß vielfach dauernde Verluste etntreten.

Die ganze Welt steht augenblicklich unter dem Eindrücke dieses Krieges, und es wäre ein Meisterstück der Diplomatie, wenn sie im ganzen Verlaufe deffelben Complicationen ver­hindern könnte. Noch haben die Amerikaner die Philippinen nicht genommen, und schon spinnt sich ein ganzer Sagenkreis um die Zukunft dieser Inselgruppe. Bald heißt es, Amerika wolle dieselbe an England eintauschen gegen Jamaika, bald soll Spanten die Inseln an Rußland abtreten wollen, und jrtzt wird sogar auch Deutschland genannt, welches die Besitz­ergreifung der Philippinen anftrebe.

Daß da» Letztere nicht der Fall ist, brauchen wir wohl kaum zu betonen, und betreffs der übrigen Meldungen wartet mau am Besten ab, bi» die Amerikaner die Inseln erst wirk­lich occupirt haben. Wohl ist die spanische Flotte vor Manila vernichtet worden, wohl ist der den Spaniern dadurch ver­ursachte Schaden enorm, aber noch immer weht ihre Flagge auf den Wällen Manilas, und Tausende ihrer Truppen sind bereit, der Landung der Amerikaner verzweifelten Widerstand entgegenzusetzen.

Auf Cuba haben die Spanier einige Erfolge zu ver- zeichnen, indem sie mehrere feindliche Landungsversuche er- folglich zurückweisen konnten. Die Meldung, daß das spanische Cap Brrdi'sche Geschwader nach Cadix zurückgekehrt sei, hat sich nicht bestätigt, vielmehr soll dasselbe sich jetzt bet Martinique befinden, also in unmittelbarer Nähe de» Platze-, wo ein Entscheidungskampf um Portorieo stattfiuden muß. Die Amerikaner haben bereit- die Stadt San Juan beschoffen, man will wiffen, daß dieselbe fich ergeben habe.

Hebet die Zustände in Italien waren in letzter Woche sehr beunruhigende Meldungen eingelaufen. An vielen Orten herrschte offener Aufruhr, und viel Blut ist geflossen sowohl auf Seiten der Revoltirenden, wie des Militär». Noch jetzt lauten die Nachrichten sehr widersprechend, und man thut gut, die Meldungen, welche von völliger Wiederherstellung der Ruhe berichten, scepttsch aufzunehmen.

In Frankreich stehen die soeben vollzogenen Wahlen der Deputtrtenkammer im Vordergründe de» Interesse-, wenn-

gleich sie keine großen Heberraschungen gebracht haben und den Besitzstand der Parteien nur wenig verändern dürften.

In Oesterretch-Hngarn find die Delegationen vom Kaiser Franz Josef mit einer Thronrede eröffnet worden, welche insofern von allgemeinerem Jntereffe ist, al» darin zum Ausdruck gebracht wird, daß Oesterreich im westindischen Kriege volle Neutralität beobachten wird, also keine Neigung hat, zu Gunsten der Königin Christine zu tnterveniren. Be­treff» der Lösung der orientalischen Frage äußert sich der Monarch sehr hoffnungsvoll. Auch Graf Golochowsky hat sein gewohntes Expofö gehalten, welche» eigentlich eine Er­gänzung der Thronrede bedeutet. (xx)

Deutsche* Reich

Berlin, 13. Mai. DerPost" zufolge trägt man fich in Berliner orthodox-rusfischeu Kreisen mit dem Gedanken der Errichtung eines orthodoxen Bischofssitze» in Berlin. Man nimmt an, der Synod werde die diesbezüg­lichen Wünsche der zahlreichen russischen Colonte in Berlin berücksichtigen und hier einen Bischof al- vtcar der Peters- kurzer Exarchte ernennen, der die Aufsicht über alle russisch- orthodoxen Kirchen de- Auslandes führen werde.

Beilin, 13. Mat. DerReichsanzetger" schreibt: Zu­verlässiger Nachricht auS New-Uork zufolge haben die Vor­schriften für den Verkehr im oortigen Hafen während der Dauer de» Kriege» mit Spanien auf Antrag der betheiligten Kreise eine Aeuderuug insofern erfahren, al» die Zeit, in welcher Schiffen die Einfahrt bei Sandy Hook und die Durch­fahrt durch die Narrow» gestattet ist, auf die Zeit von vier Hhr Morgen» bi» acht Hhr Abend» verlängert wurde.

Frankfurt a. M., 13. Mai. DerFranks. Ztg." wirb au» Bern telegraphirt: 400 Italiener au» der West- Schweiz sind heute früh um 4 Hhr nach Luzern gereist. Ihr Reisegeld reichte nicht weiter. Die Italiener haben in Bern ein Plakat angeschlagen, welche» mit den Worten schließt: An die Grenze, an die Grenze!"

Hamburg, 13. Mai. Nach einer neuen Verfügung müffen sämmtltche Schiff»offiztere, denen auf Postdampfern die Post auvertraut ist, auf dem hiesigen Hauptpostamt den Eid ablegen, daß sie da» Briefgeheimutß auf alle Fälle zu wahren haben.

Rom, 13. Mat. Da an einigen Hniverfitäteu Gedenk­feiern für den bet den Hnruhen tu Pavia uwgekommeneu Studenten Musst geplant waren, wurden die Huiversi- täteu in Neapel, Bologna und Rom auf einige Tage geschlossen.

Zfelle (Prov. Novara), 13. Mai. Da es den Anschein hat, daß etwa 200 au» der Schweiz kommende italienische So ctaltsten heute versuchen wollen, den Simplou zu über­schreiten, wird die Grenze von den Truppen bewacht.

Como, 13. Mat. Stadt und Provinz sind vollständig ruhig. Die Meldung, daß der Deputtrte Rondant erklärt hätte, er wolle dieItalia bei Popolo" nun in Chiaffo neu heran-geben, wird demeotirt.

Lugano, 13. Mai. Mit den heutigen Morgenzügen trafen eine Anzahl italienischer Arbeiter auf dem Wege nach der Grenze anS verschiedenen Punkten der Schweiz

hier ein. Die meisten ließen fich bewegen, zu ihrer Arbeit zurückzukehren und erhielten zu diesem Zwecke Geldunter­stützungen. Andere beharrten auf dem Entschlüsse, die Grenze zu Überschreiten, wurden aber von italienischen Truppen ab­gefaßt und nach Como gebracht. Die ganze Bewegung scheint nunmehr gehemmt zu sein.

London, 13. Mai. Wie derStar" in einem Tele­gramm meldet, befand fich da» amerikanische Torpedoboot Turor" mit einem Torpedobootzerstörer auf einer Re- cogno»cirung-fahrt um die Insel Martinique, wobei es die Anwesenheit von fünf spanischen Kriegsschiffen bei Saint Pierre constatirte.

Madrid, 13. Mai. In der nächsten Woche sollen, wie verlautet, die beiden SchiffeCarlos y Pelayo" und ^Al­fonso XIII." von der Ersatzflotte mit 6000 Mann Ver­stärkung nach Manila abgehen.

Fort Monroe, 13. Mat. Das fliegende Geschwader unter dem Commando de» Commodore Schleh erhielt den Befehl, in See zu gehen. Die Bestimmung der Fahrt de» Geschwader» ist unbekannt.

New-Bork, 13. Mat. Infolge de» Erscheinen» verdächtiger Schiffe auf der Höhe der Küste von Neu-England sind die unterseeischen Bertheidigung»vorrichtungen im New-Uorker Hafen vervollständigt worden. Die Ingenieure legten gestern Abend in dem Hauptcanal, der von der offenen See nach dem inneren Hafen führt, eine Reihe von Contact- Minen, die täglich bet Tagesanbruch fortgenommen und Abend« wieder gelegt werden sollen.

Wahlbewegrrng.

* Die Zahl der bisher von der Freistnnigen BolkSpartei aufgestellten Candidaten beziffert dieFreis. Ztg." auf 113, wobei eine Anzahl von Zählcandtdaturen noch nicht mitgerechnet find. Von den 28 bisherigen Abgeordneten der Freisinnigen Volkspartei nehmen nur vier ein Mandat nicht wieder an. Für die sämmtltchen bisherigen Wahlkreise der Partei find Candidaten der Freisinnigen Volkspartei wieder aufgestellt mit Ausnahme von Karlsruhe, wo die Freisinnige Volk-Partei für den Candidaten der Deutschen Volkspartei Prof. Heimburger eintritt.

* Friedberg, 12. Mai. Im hiesigen Reichstags- Wahlkreise stehen fünf Candidaten auf dem Plan: der bisherige Vertreter, Graf Oriola von Büde-heim, Candidat der Nationalltberalen und de- Bundes der Landwirthe, Pfarrer Martin Wenk, früher in Darmstadt, jetzt in Leipzig, Candidat der Nationalsozialen, Rentner Leopard in Frankfurt, Candidat der deutschen Resormpartei, Gastwirth Prinz von Frankfurt, Candidat der Sozialdemokraten, Rechtsanwalt Dr. Schmitt au- Mainz, Candidat des Centrum- (Zähl* candidat). Am eifrigsten agitiren bi- jetzt die National- sozialen, deren Candidat in Friedberg Wohnung genommen hat, um den Wahlkreis nach Bequemlichkeit zu bereisen. Ein eigene» Blatt, dieNationalsoziale Wahlzeitung", wird in einer Auflage von 12,000 Exemplaren kostenlos im Bezirk verbreitet. Die CentrumSpartei hält Sonntag, 22. ds. Mts. im hiesigen Saalbau eine oberhessische Katholikenversammlung unter dem Vorsitze deS Institut-Vorstehers Kübel von Gießen ab. Der Candidat wird fein Programm entwickeln.

Darmst. Ztg.

Die Kunst, Fahrräder zu verkaufen. Fahrrad- Handel in Verbindung mit moderner Fabrik. Der Fahrrad-Handel auf der Dasiö neuer Bertriebs- Fdccn, ein großes Geschäft. Geniale, unnachahmliche Reklame zu Gunsten intelligenter Fahrrad-Händler. Nicht nur die Fachleute, sondern eine große Anzahl von Kaufleuten überhaupt wissen, daß im Fahrrad­handel viel verdient worden ist; aber die Folge davon war auch ein Zusammenströmen von Ele­menten in den Fahrradhandel, die für das so er­giebige Geschäft nicht das richtige Verständniß mitbrachten und eine Konkurrenzerzeugten, die den Fahrradhandel unnöthigerWeise schwer geschädigt hat.

Unter diesen Umständen ist es für jeden Fahrrad- Händler und Interessenten, der, im Besitze eines kleinen Käp'tals, sich dem Fahrradhandel widmen will, von hohem Interesse, sich darüber klar zu werden, wie das Geschäft in Zukunft gehandhabt werden muß.

In erster Linie fehlt es bei den Fabrikanten einer­seits oft am richtigen Verständniß. inwiefern der Händler wirksam und weitherzig unterstützt werden muß; andererseits neigen manche Fabrikanten guter Marken zu einer hier und da naiven Selbstüber­schätzung. Sie glauben sehr häufig, daß die Marke allein das Geschäft macht. Ist es eine falsche Be­

hauptung, zu sagen, daß der Händler allein das Geschäft macht, so hat die Erfahrung längst be­stätigt, daß das wirklich ergiebige Geschäft nur durch das Zusammenwirken aller Faktoren erzielt wird und dann allerdings großartige Resultate er­reicht werden können.

Es sind zum Erfolg erforderlich:

Eine gute Marke, intelligente Händler, ein Fabrikant mit modernem Verständniß für den Vertrieb, der nicht engherzig und kleinlich ist, eine geniale Reklame und last not least ein Reichthum von neuen, packenden Ideen, um der stets nachahmenden Konkurrenz wieder mit einem kräftigen Spurt in der gesammten Ge­schäftsführung davonzugehen.

Welcher Fahrradhändler möchte nicht mit einer solchen Firma Hand in Hand arbeiten, und welcher Kaufmann, der Kapital besitzt, möchte nicht einmal ein Geschäft kennen lernen, welches weniger mühsam als das übliche Waarengeschäft ist und in gewissem Sinne auf einem Monopol beruht?!

Diese Gelegenheit wird in der kommenden Saison geboten: Eine Firma ersten Ranges hat sich ent­schlossen, im Vertrieb ihrer Fahrräder ganz neue Bahnen zu gehen. Dieselbe wird in Zusammen­arbeit nut verschiedenen bedeutenden Kräften nicht

nur eine großartige Reklame herausbringen, wie sie im Fahrradhandel bis jetzt überhaupt nach nicht gemacht worden ist, sondern auch die Wiederver­käufer in einer ganz neuen Weise thatkräftig unter­stützen.

Jeder Fahrradhändler und jeder kapitalkräftige Kaufmann, dem es darum zu thun ist, mit einer Firma zusammen zu arbeiten, auf die er sich be­züglich Der Qualität der Räder unbedingt verlassen und auf die er in der Vertriebs-Organisation eben­falls sicher rechnen kann, wird eine Reihe von reali- sirten neuen Ideen für den Vertrieb kennen lernen, wie er sie in dieser hochintelligenten Weise weder in Deutschland, noch im Auslande beobachten konnte. Gesetzt auch den Fall, daß die Konkurrenz einzelne der Maßnahmen nachahmen sollte, so erfordert auch selbst die Nachahmung Vorbereitungen und Zeit; in der Hauptsache aber werden die Wiederverkäufer dieses in Betracht kommenden erstklassigen Rades immer wieder durch neue originelle Maßnahmen thatkräftig unterstützt, so daß die Vertretung dieses Rades in gewissem Sinne die Wirkung eines Mono­pols hat.

Die Herren, die mit dieser Firma zusammen­arbeiten wollen, müssen sich darüber klar sein, welchen Werth es hat, ein Rad zu vertreten, das

in einer epochemachenden Weise verbreitet wird und erste Qualität besitzt, müssen sich in Folge dessen auch darüber klar werden, daß nur die besten Kräfte für eine Vertretung in Frage kommen können. Heute wird vielfach versucht, das Geschäft zu machen, indem man alle möglichen Räder in einer Niederlage dem Publikum anbietet. Daß hierin ein schwerer taktischer Fehler vorliegt, dürfte schon daraus hervorgehen, daß für eine Einzel-Marke kein größeres Resultat, in Folge dessen auch bei der betreffenden Fabrikanteu-Fuma günstige Einkauss- Bedingunyen nicht zu erzielen sind, zumal der richtige Einkauf eine ausschlaggebende Rolle spielt. Die jcnigcu Interessenten, die sich über alle diese Fragen klar sind und die nicht gewöhnt sind, in ober­flächlicher Weise sich für die kommende Saison vorzubereiten, wollen ihre Wünsche brieflich sub

Neue Vertretung

an das Postamt Schlachtensee bei Berlin richten.

Diejenigen Herren, die in Folge ihrer Offerte Aussicht haben, für eine Vertretung in Betracht zu kommen, erhalten das gesammte Material zur Ein­sicht und können sofort mit betreffender Firma zusammenarbeiten. 5109