Ausgabe 
14.12.1898 Drittes Blatt
 
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13 und 15.

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Nr. 293 Drittes Blatt. Mittwoch den 14. December

1898

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3>« ditfrtnrr »«»inteirittcr et kn kw Anzeiger »SchcnUtth viermal fctidegt

Gießener A nzeiger

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Die Lnternatiouale Lage.

Bekanntlich liebt es Kaiser Wilhelm, ab und zu bei geeigneter Gelegenheit in kurzen, treffenden Worten Auf­klärung zu geben über die jeweilige politische Situation. Diesem Brauche ist er auch gefolgt beim Empfang de» Reichstagspräfidiums, welcher am Sonntag stattgefunden hat. Die Begrüßung, welche der Monarch dem diesmal vollzählig erschienenen Präsidium zu Thetl werden ließ, war eine un­gemein herzliche, und der Empfang dauerte eine ganz geraume Zeit. Es war nur zu natürlich, daß auch die Rede auf die internationale Lage kam, und da erfuhren denn die Herren au» dem competentesten Munde, daß Deutschland zwar zu allen Mächten in freundschaftlichsten Beziehungen steht, daß der Entwickelung der politischen Lage jedoch große Aufmerk- samkeit gewidmet werden muß. Kaiser Wilhelm gab diese Erklärung unter Bezugnahme auf die von der Regierung verlangte Heeresverstärkung und fügte hinzu, daß diese Forderung das denkbar Mindeste sei, was der Reichstag bewilligen müsse.

Wir haben uns in letzter Zeit mehrfach mit der inten nationalen Lage beschäftigt und stet» hervorgehoben, daß es Wolken gebe am politischen Himmel. Deutschland ist ja Dank der ausgezeichneten Leitung seiner auswärtigen Politik nach keiner Seite hin engagirt, und selbst unser Vorgehen in Ostasien konnte geschehen, ohne daß auch nur von einer einzigen Macht Widerspruch erhoben worden wäre. Und von der Kreta-Angelegenheit hat sich unsere Regierung ganz zurückgezogen; wir lassen dort die zunächst tnteressirten Mächte walten, al« ob für uns Kreta gar nicht exlsttre. Wenn der Kaiser also andeutete, daß der politische Horizont trübe sei, so wollte er damit keineswegs sagen, daß Deutschland selbst in einen Conflict gezogen werden könne, der Monarch meinte vielmehr, daß wir auf der Wacht stehen müssen, falls andere Mächte auf einander losschlagen. Das gebietet die Vorsicht, die auch auf diesem Gebiete niemals außer Acht gelassen werden darf.

Wir wissen ja, daß trotz der Friedensbotschaft des Zaren nicht Alles so ist, wie es sein sollte, wenn thatsächlich der Gedanke einer Abrüstung verwirklicht werden könnte. Die Gefahr liegt nahe, daß cS doch noch zu ernsten Conflicten zwischen zwei großen Rationen kommt, deren Interessen zur Zeit in Afrika heftig collidiren. Natürlich meinen wir England und Frankreich. Immer mehr Reibung-punkte ergeben sich in der Afrikapolitik beider Länder; kaum ist die Faschoda« Angelegenhcit geregelt, da kommt die Rede des englischen Botschafters in Paris wegen der Sudanschulen und erregt heftige Erbitterung. Wir glauben freilich nicht, daß e» wirklich zum Kriege kommen wird zwischen England und Frankreich, aber wir plaidiren dafür, daß unsere Regierung einer solchen Eventualität gewachsen ist. Alles Liebeswerben Lord Chamberlains um die Gunst Deutschlands dürfte aber vergeblich fein, denn unsere Regierung wird sich kaum von dem bisher verfolgten Wege striktester Neutralität und Un« befangenheit in der internationalen Politik abbringen lassen.

(xx)

Deutsches Reich.

Berlin. 12 December. AuS dem Bereich der Postverwaltung. Dem Bundrlrath ist eine Borlage bei Re ch kanzlerS zugegangen, welche für Postanweisungen eine Mindrstgedühr von 10 Ps. bei Behagen biß 6 Mark vor- schlägt - ferner sollen, da nach dem Beschluß bei Wash ngtoner Kongresses vom 1. Januar 1899 ab Postanweisungen bis 1000 Frank-n im internationalen verkehr zugelossen werden, so fl'nbe T^xstafrn bem jetzigen Taris angesügt werden: für 400 dis 600 Mark 50 Pf.,- unb für 600 bll 800 Mark 60 Ps. Ferner soll ebenfalls tu Folge bei Be­schluss'! del Washingtoner Congrcffes eine Erhöhung bei MeistgewtchlS für Waarenprobea von 250 auf 350 Gramm erfolgen und dar Porto für bal Gewicht von 250 bi! 850 Gramm 20 Pf. betragen.

Berlin. 12. December. Schulbeutilgung im Reich. Der bem Reichstage zngegangene Entwurf über Verwendung von ReichSitnr.ahmen beS Jahres 1899 zur Schuldentilgung unterscheidet sich von seinem Vorgänger, abgesehen von einer redactiouellen Aeuderung i« § 3, burch eine sachliche Ver- schlebenheit bi6 § 1. Früher würbe bariu bestimmt, baß drei Btertheile de« Ueberschnffes der Zölle und der Tabak' steuer in dem Falle zur Schuldentilgung verwendet werden sollten, wenn die Ueberwe'sungen die Matrikularbeiträge überstiegen, nunmehr ist die TilgungSwöglichkeit für den Fall vorgesehen, daß die Ueberaeifungen über die Matrikular- beiträge und den gemäß § 3 del Schuldentilgtutglgesetzel

vom 24. März 1897 im RctchshauShalt für 1899 eingestellten Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats hinansgehen. Diese Aenderung des neuen Entwurfs erglebt sich au» den früher getroffenen gesetzlichen Vorschriften.

verband ostdeutscher Industrieller. In einer von 70 Industriellen der Provinzen Westpreußen, Ost­preußen, Posen und Pommern besuchten Versammlung wurde am Samstag Abend die Begründung eines Verbandel ostdeutscher Industrieller behusl Förderung der vaterländischen Jadustrle in den preußischen Ostprovtnzen beschlossen. Eine weitere telegraphische Meldung vom heutigen Tage au! Danzig besagt: Der Vorstand bei Berbanbrl ostdeutscher Industrieller hat sich heute Mittag constituirt. Zum Vor­sitzenden wurde Cowmerzienrath Delbrück Stettin gewählt, zu Stellvertretern Regterungsrath Schrrh. Danzig unb (Som* merzienrath Goecke-Jnowrazlaw unb zu Schriftführern Director Marx-Danzig unb Fabrikant Bictoriul-Graudenz.

Ausland

Oesterreich-Ungarn. Dal parlamentarische Chaos in Ungarn will sich noch nicht entwirren. Während un­garische Regierungskreise noch eine bemerkrnswerthe Zuversicht btkunben unb sogar noch ein Einlenken der Opposition an- gesicht! bet bem Parlarnentarilmu! drohenden Gefahren er­hoffen, mehren sich anderwärts die Zweifel hinsichtlich der Haltbarkeit der Stellung de! Eabinet! Barsfy und el gilt inlbesondere die Nichtunterzeichnung der lex Ttlza durch die Kroaten als ausfallende! Anzeichen. Der Kaiser hat aller­ding! am Montag Banffh in Wien in reichlich etnstündiger Audienz sehr huldvoll empfangen. Dabei soll der Kaiser zu Banffy gesagt haben:Halten Sie nur auS, ich werde auch bei Ihnen anshalten!" Der Kaiser empfahl ihm Geduld unb Aulbauer und fügte bei, er habe Baden! geopfert, um die Ruhe in den Straßen Wien! und im ReichSrath wieder herzustellen- da! Opfer fei aber vergeblich gewesen, unb er wolle nicht mehr unnütze Opfer bringen. Später besprach sich Banffy mit dem Ministerpräsidenten Grafen Thun vnb dem Minister de! Aeußeren Grafen Goluchowlki, ver- mu'hiich anläßlich der Im ungarischen Abgeordnetenhause zu gebenden Antwort, betreffs der Ausweisungen österreichischer Staatsangehöriger au! Preußen und der Behandlung dieser Sache durch Thun.

Mtt* prot>iti$i#a«e.

Sieben, 13 December 1898.

* Beim Herannahen bei Weihnachts-Packetverkehrs erscheint es uns angezeigt, auf verschiedene Punkt: hinzuwersen, deren Beachtung für die Absender von Packeteu besonder! wichtig unb geeignet ist, das Publikum vor Nachthetlen und Unannehmlichkeiten zu schützen. Die Packete sind dauerhaft zu verpacken. Dünne Pappkasten, schwache Schachteln, Eigarren- kosten rc. find nicht zu benutzen. Die Aufschrift der Packete muß deutlich, vollständig unb haltbar hergestellt fein. Kann die Aufschrift nicht in deutlicher Weise auf da» Packet gefitzt werden, so empfiehlt sich die Verwendung eines Blattes weißen Papiers, welches der ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden wnß. Bet Fleischsendungen und solchen Gegenständen in Leinwandverpackung, welche Feuchtigkeit, Fett, Blut rc. ab* setzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Am zweckmäßigsten find gebrrckre Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Post-Packet- adreffen für P^cketausschristen nicht verwendet werden. Es ist rathsam, dem Inhalt der Packetsendungen einen Zettel beb zufügen, der die vollständige Adresse enthält. Der Name bei Bestimmungsorts muß stets recht groß unb kräftig gebrückt ober geschrieben sein. Die Pack taufschrift muß sämmtliche Angaben ber Begleitadrefle enthalten, zutreffenden Fall! also den Frankovermerk, den Nachnahmebetrag nebst Name und Wohnung de! Absenders, den vermerk der Eilbestellung uiw., damit im Fall des Verlustes der Begleitadresse das Packet auch ohne dieselbe dem Empfänger ausgehändigt werden kann. Auf Packeteu nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, ans Packeteu nach Berlin auch der Buchstabe br» Postbezirks (C., W., So. usw.) anzugeben. Zur Beschleunigung bes Betriebes trägt es wesentlich bet, wenn bie Packete fr an litt ausgeliefert werben- bie Vereinigung mehrerer Packete zu einer Begleitadresse Ist thunlichst zu vermeiden. Aeltere Aufschriften rc., die sich auf ben Berpackungsstoff etwa noch befinden, müssen vor der Ablieferung vollständig beseitigt oder unkenntlich gemacht sein. Bei dem außerordent­lichen Anschwellen des Verkehrs ist e! nicht thunllch, bie ge­wöhnlichen Besörbervngsfristen einzuhalten und namentlich auf weitere Entfernungen eine Gewähr für rechtzeitige Zustellung

vor dem Weihnachtsfest zu übernehmen, wenn die Packete erst am 22. December ober noch später eingeliefert werden.

** Ausgabe eines neuen Wörterverzeichnisses für Telegramme in verabredeter Sprache. Auf Grund eines Beschlusses der letzten internationalen Telegraphen-Eonfereuz ist das Inter­nationale Bureau der Telegraphen-Verwaltungen In Bern zur Zelt damit beschäftigt, ein gegen da! bisherige wesentlich vermehrtes und verbessertes amtliches Wörterverzetchniß zum Gebrauch bei Abfassung von Telegrammen in verabredeter Sprache ausznstellen. Das Wörterverzelchniß hat den Zweck, sowohl die Abfassung von Telegrammen In verabredeter Sprache zu vereinfachen und zu erleichtern, al» auch größere Sicher­heit bet der telegraphischen liebermittelurg herbeizuführen. Ans den darin enthaltenen Wörtern können die Aufgeber von Telegrammen in verabredeter Sprache ihre Wahl zur Her­stellung eine! für ihre Bedürfnisse geeigneten Wörterbuches treffen. Bon einem Zeitpunkt ab, der wahrscheinlich durch die nächste, 1901 in London stattfindende Telegraphen- Eonfereuz festgesetzt werden wird, dürfen zur Abfassung von Telegrammen tu verabredeter Sprache nur noch Wörter aus dem amtlichen Wörterverzelchniß verwendet werden. Alle anderen ® örter, mögen fie den bis dahin benutzten Prlvat- wörterbüchern oder dem bisherigen amtlichen Wörterverzeich­nisse entnommen werden, find dann unzulässig. Bvrausficht- lich wird das neue Wörterverzetchniß wenigstens 280 Druck­bogen in drei Banden umfassen. Jeder der beiden ersten Bände wird etwa den Umfang des gegenwärtigen amtlichen Wörterverzeichnisses haben. Der Prell bei ganzen Werke! läßt sich noch nicht feststellen- das bisherige hat ohne bis Versendungsgebühren 8 Mk g«kostet. Der erste Banb soll Im November 1899, ber zweite im Juli 1900 unb ber brüte Ende December 1900 oder spätesten! im Januar 1901 er­scheinen. Bestellungen auf Exemplare bei neuen amtlichen Wörterverzeichnisse! werben bt! zum 81. December dl Jl. von allen Telegraphenanstalten entgegengenommen. Auf Aul- führung späterer Bestellungen kann m-t Sicherheit nicht ge­rechnet werden- außerdem würden sich die Besteller dann un­mittelbar an da! Internationale Bureau der Telegraphen­verwaltungen in Bern zu wenden haben.

r. Staufenberg, 12. December. Nach kurzer Zeit kaum eine Woche ist vergangen und schon wieder mußten Löschmannschaften zmammentreten, nm einem gestern Abend ausgebrocheneu Brande zu wehren. Dielmal sind zwei Häuser mit Scheuern ein Raub der Flammen geworden. Die Ursachen bei Brande! find unbekannt, doch sicher hat man es mit einem Brandstifter zu thun, denn auf dem Thnrme fand man einen Zettel mtt dem verheißungsvollen Inhalt, daß es noch zweimal hier brennen würde. Einen gleichen Zettel sand man Im benachbarten Daubringen.

Allendorf a. d. Lda., 11. December. Heute fand hier der Laudwirth Ludwig Faulstich durch einen Sturz in feiner Scheuer ein tragisches Ende. Ein weiterer Unglücksfall widerfuhr gestern einem im vorigen Jahre von hier nach Nordeck verheiratheten Manne Namens Johannes Reinhardt. Dieser wurde, als er itn Nordecker Stein- bruche eine versagende Ladung Pulver ausbohren wollte, durch Explosion des Sprengstoff:» en Händen und Beinen so schwer verletzt, daß er nach Gießen In die Klinik gebracht werden mußte.

0. Aus Lberhessen, 11. December. Hochstapelei auf bem Laube! ist bas Neueste unb mag zu Nutz unb Frommen der freundlichen Leser biefer Zeitung hier folgen, kürzlich kam ein reputirlich ansschauenbes Mädchen nach N. zu einer anständigen Familie, berief fich auf ein dieser Fanrilte be­freundetes Haus auf dem Nachbardorse und verwirthete sich an bie Familie tu N. Hierbei wurde verabredet, daß der Eintritt tn den Dienst am 3. We hnachtsseiertage zu erfolgen habe, das Mädchen empfing 2 Mk. Miethgeld und ging nach empfangener Bewirthnng freundlich dankend von dannen. Etliche Tage später begegnete der Miether seinem Freunde von dem Nachbarorte und bezog fich aus das Ihm zugesandte, empfohlene und gemietete Mädchen, das einen recht guten Eindruck gemacht habe. »Die Person hat uns tn schlauer Weise ausgeforscht und Ist vergnügt abgesegelt, zum Andenken nahm sie den werthvollen Ring meiner Tochter mit, der neben auf der Lommode lag/ antwortete der Freund.Wir find also beide Hintergangene sprach der erste und verabschiedete fich. Etliche Tage später kam er nach Gießen und begegnete hier der Person, bie fich bei seinem Anblick unb noch ehe ihm klar war, was er zu thun habe, schleunigst nnfichtbar machte. Das Manöver, welches bie Donna in unserer Segenb aus- führte, dürste auch anderwärts versucht werden, darum soll hier auf diese Hochstaplerin aufmerksam gemacht werden.