lber-
lstatte
H««
röte
?tacrte. | “iy*H von) schäft des Henn ] Eag» 10 Uhr an $ 7935 (
xxxxxxS Iler. | chaltuug?
I
lernehmm gütigst vier»
zeichne Achtu^vvü
Äamiuka, tytmafitr. /8095
'Qjiogrtmm
„nubW*
e druckt*
»i«t. »"*x len^—"
Nr. 189 Zweites Blatt.Sonntag den 14. August
1898
frfddnt
en Lu»nadnic t><#
Montags.
Die Girßrner
H«*tCttu6fdtt<r
Werden dem Anzeiger
Wöchentlich viermal
Gießener Anzeiger
Vezug-iirei» vierieljädrlich
2 Mark 20 Plg monatlich 75
mit Bringerloh«.
Bei Postbezug 2 Mark 60 Pjg. vierteljährlich.
Ivvahme Anzeigen zu der Nachmittag- für de» siotgevde» 1a% erlchernenden Nummer bis Lorm. 10 Uhr.
Keneral-Anzeiger
Alle Anzeigen-BermiNlung-stellen de« In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger -ntgege»
2lnrts- und Airzeigeblatt fiw den Äveis Gieren.
■Aedtoe, ErpediNon mb Druckerei: »r 1.
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. *““*•
Zlmtlidbcr Tb-il
Bekanntmachung.
betreffenb die Anzeigepflicht für die G.flügelcholera.
Durch Bekanntmachung de« Reichskanzler» vom 3. August 1898 (Reichsgesetzblatt Nr. 36) wird für da» Großherzog« thum H'ffeu vow 15. August bl. Js. au bis auf Wetere» auf G-uud be» § 10 Abf. 2 des Gesetze«, bett, die Abwehr
m r 23. Juut 1880
nnb Unterdrückung der vtehfeucheu vom —-—w ---
1. ÖAOl lOö*t (Reichlgeietzblatt 1894 S. 409) für die Geflügelcholera die Anzeigepfllcdt eiugeführt.
Nach 8 9 diese» Gesetze» ist der Besitzer vou Hau», thieren verpflichtet, vou dem Aulbruch einer der iw § 10 angeführten Seuchen unter seinem Biehstaude und vou allen veidächtlgen Erscheinungen bei demselben, welche den Ausbruch einer solchen Krankheit befürchten lasten, sofort der Polizeibehörde Anzeige zu macheo, auch da» Thier vou Orten, an welchen die Gefahr der Ansteckung fremder Thtere besteht, fern zu halteo.
Die gleichen Pflichten liegen Demjenigen ob, welcher in Vertretung de» Besitzer» der Wirthschaft vorsteht, ferner be- zügltch der auf dem Transport befindlichen Thtere dem Be- qlkiter derselben und bezüglich der tu fremdem Gewahrsam defiabltcheu Thtere bem Besitzer brr betreffenden Gehöfte, Stallungen, Koppeln oder Weiden.
Gießen, den 12. August 1898.
Großherzogltche» KreiSamt Gießen.
v. Bechtold.
Gießen, den 12. August 1898. Betr.: Die Anzeigepflicht für die Gtflügelcholera.
Das Großherzogltche Kreisamt Gießen
au das Grosth. Polizeiamt Giesteu nnb die Grotzh.
Bürgermeistereien des Kreises.
Sie wollen Vorstehendes auf ortsübliche Weise in Ihren Gemeinben zur allgemeinen öffentlichen Kenntniß bringen.
v. Bechtold.
Politische Wochenschau.
Noch immer steht Deutschland unter dem Eindruck be» Verluste», den e» mit dem Tode seine» ersten Kanzler» erlitten hat, nnb jetzt, wo die Meldungen über die Wirkung der Trauerbotschaft au» allen Theilen der civilifirteu Welt vorltegen, ist man erst im Staude, zu coustatireo, wie hoch her verstorbene Fürst in den Augen aller Welt stand und wie mau sein Ableben al» ein geschichtliche» Ereigniß erster Größe gewürdigt hat. Der Tod beß Meister» ber Diplomatie hat beffeu gewaltige Persönlichkeit nicht zu verkleiueru vermocht, und Freund und Feind erkennen an, daß er in unserer Zeit unerreicht über die Menschen an Größe be» Geiste» hinauSragte. Die au» Anlaß be» Ableben» nach
Demschlaub gelangten Kundgebungen haben aber auch deu Beweis dafür geliefert, welche» Anseheu der Verstorbene bem Deutschen Reiche im ganzen Au»lanbe verschafft hatte.
Der Bund der Land wirt he hat im Laufe dieser Woche seinen Vorstand wieder ergänzt und an Stelle be» verstorbenen Plötz bev Frhrn. v. Wangenheim zum ersten Borfltzenben gewählt. Ueber die Wahl jetzt schon Erörterungen anzustellen, wie bie» von einem großen Theil ber Presse geschieht, erscheint un» überflüssig, da unserer Anficht nach erst die Wirksamkeit de» neuen Vorfitzenden abgewartet werden muß. Der Letztere findet ein reiches Feld ber Tätigkeit vor unb wirb insbesondere auf einen Ausgleich der in letzter Zeit vielfach hervorgetretenen Meinunglverfchiedenhetren innerhalb de» Bunde- hinzuwirken haben.
Der Förderung de» Deutfchthum» in den Ost marken galt bie Reife, welche Herr v. Miquel im Verein mit feinem Mtnistercollegeu Boffe unb v. d. Recke biefer Tage nach Posen unternommen hatte. E» handelte sich um bie Förde« rung verschiedener cuIturreQer Aufgaben, zu denen voran»- sichtlich schon im nächsten Landtage die erforderlichen Etatsmittel ausgesetzt werden sollen. Die preußische Regierung beginnt praktische Politik zu treiben.
Noch immer herrscht völlige Unklarheit darüber, welchen Au»gang bie in Frankreich schwebenbeu Proceffe einmal nehmen werben. Die Dreyfu»«Angelegenheit unb bie mit ihr verknüpften Esterhazy-, Zola- unb Picqaart-Affairen gestalten sich immer mehr zu einer nationalen Calamität ersten Range» au». Unserer Meinung nach herrscht in den französischen ReZierungskreifeu bie größte Verwirrung, da man Enthüllungen fürchtet, die dem ganzen jetzigen Regime in Frankreich tiefe Wunden zu schlagen geeignet find. Durch den Ausschluß Zola» au» der Ehrenlegion wollte man diesen Schriftsteller in den Augen der Welt herabsetzen, man hat aber nur bemerkt, daß fich viele angesehene Legionäre aus den Listen de» Orden» streichen laffen, und nicht nur in Frankreich macht fich eine dahin zielende Bewegung bemerkbar, fie greift auch nach dem AuSlande über, nach Belgien unb nach Hollanb.
Im Bordergrunb be» Jntereffe» steht gegenwärtig der rnffifch-englische Eonflict wegen der chinesischen Eifenbahnfrage. Wir haben übrigen» bereit» unserer Anficht dahin Ausdruck gegeben, daß e» bei unblutigen Wortgefechten bleiben und Rußland seine Ziele erreichen wird. Auch die Stellung Deutschland» tn Eflna gegenüber England wurde im Unterhause wieder breitgetreten, irgend welchen Zweck ober gar Erfolg hatten aber bie Erörterungen nicht.
Der Zusammenkunft fürstlicher Personen in Kopenhagen hat man ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet- die Prinzessin von Wale» sollte bie Trägerin einer hohen politischen Mission sein. Dem wirb aber jetzt energisch wiber- sprochen unb barauf hingewiesen, daß lediglich bie Erkrankung ber „Schwiegermutter Europas", ber greifen Königin von Dänemark, bie Anwesenheit ber Prinzessin von Wale» unb ber übrigen bem Kopenhagener Hofe nahestehenden Fürstlichkeiten veranlaßt habe.
Vom spanisch-amerikanischen Kriegsschauplatz find
au» dieser Woche keine besonderen Waffenthaten zu melden. Die Bemühungen de» franzöfischen Botschafters in Washington, den Frieden herbeizuführen, scheinen von Erfolg gekrönt zu sein, nnb wenn auch in bem Augenblick, in welchem wir bie» schreiben, bie Friedenspräliminarien noch nicht unterzeichnet worden find, so darf e» doch al» sicher gelten, daß der Krieg zu Ende ist. Welche Aufnahme die Nachricht von der definitiven Friedensschließuug in Spanien machen wird, läßt fich natürlich heute noch nicht ermeffen, doch die Madrider Regierung ist auf ihrer Hut, und — wa» noch beruhigender ist — die Bevölkerung wünscht in ihrem größten Theile da» Ende ber Aufreoungen fednlirbü herbei. (xx)
Inhumane Kriegsgeschoffe. *)
Vor einiger Zeit lief die Mittheilung de» englischen Militärarztes Davis durch die Preffe, daß die englischen Soldaten im Kriege gegen die indischen Grenzstämme ein neues Geschoß verwendeten. Weil ihre bisherigen kleinkalibrigen Bleigeschosse mit Nickelmantel nicht ausreichten, um die fanatischen Horden der Mohamedaner abzuhalten, kamen sie auf das praktische und ingeniöse" Verfahren, die Spitze des Nickelmantels an der Spitze des Geschosses an harten Steinen abzuschleifen, so daß nun ,,wahrhaft grausame" Verwundungen durch das Geschoß entstanden. Später fertigte die englische Militärverwaltung selbst solche Kugeln an, die sogenannten Dum-Dum Geschosse.
Professor v. Bruns in Tübingen suchte nun durch Schüsse auf Leichen mit einem ähnlichen Geschoß die Verletzungen aus eigener Anschauung kennen zu lernen und erzielte Resultate, welche die schlimmsten Befürchtungen noch weit übertrafen.
Bei einem Schuß mit dem gewöhnlichen kleinkalibrigen Mantelgeschoß durch Weichtheile finden wir eine Einschußöffnung von 7 bis 8 Millimeter, eine Ausschuböffnung von 9 bis 10 Millimeter, verbunden durch einen glatt- wandigen Kanal.
Ganz anders bei den Mantelgeschossen mit Bleispitze. Ein Schuß durch die Muskulatur des Oberarmes ließ weder Ein- noch Ausschußöffnung erkennen, die Haut über der Wunde war in Fetzen zerrissen, die Muskulatur mehrere Finger breit zertrümmert, die Gefäß- und Nervenstämme zerrissen. Das Geschoß übt also eine gewaltige Sprengwirkung schon in den Weichtheilen aus.
Dieselbe ist jedoch noch bedeutend größer bei Knochen- schüssen. Bei einem Schuß durch den Unterschenkel ist vorn eine runde Einschußöffnung, an der Hinterseite ein mehr als mannsfaustgroßes Loch in der Haut und den Muskeln, mit Weichtheilfetzen, Knochensplittern und feinen Geschoß- Fragmenten austapeziert. Die Haut ist in einer Ausdehnung von 20 Zentimeter in Streifen zerrissen und defekt, in derselben Ausdehnung die -Muskulatur zerfetzt. Beide Knochen sind zerschmettert, das Schienbein nur durch einen Streifschuß.
Bei einem Schuß auf den Oberarm hängt der untere Theil des Gliedes nur noch an einigen Hautstreifen, die
*) Nach dem „Centralblatt für bie gefammle Medicin".
Feuilleton.
Moderne Städteöikder.
(Nachdruck verboten.) n.
Irr der Stadt des Bäreu. Bern.
(Ottgirullbericht für den „Gießener Anzeiger".)
Keinem Wappevthier begegnet man in ber Schweiz so häufig wie bem »Bären". Zwei Cantoue führen ihn al» Abzeichen: Bern unb Appenzell. Der Unterschieb besteht barin, baß erstere» ben „trabtnben", letztere» ben „stehenden" Bär hat.
Ein großer Theil ber Berner Industrie steht unter diesem Sinnbild, baS un» bi» in» Oberlaob hinein folgt. Aaf ben Chocolabentafeln, ben Zackerbackerwaaren, ben Holzschnitzereien, nicht zu vergeffen — ben AnfichtSkarten, Überall schaut man bie gemüthlich-plumpe Gestalt be» einstigen Köaig» Im deutschen Thierreich. Mag ihm in der Fadel auch seine dominirenbe Rolle der Löwe abgeerbt haben — in der Schweiz darf er fich ihrer noch in großem Umfangt erfreuen unb nicht nur im Bilbe!
In Bern wirb er bekanntlich in einigen stattlichen lebenben Exemplaren,- bie nie auSsterben dürfen, im sogen. ,Bärengraben", gehalten. Da» ist ein beliebtes Ziel
für Heimische und Fremde. Man geht zum „Bärengraben" wie man in Frankfurt -um „Polmengarten" ober zum „Zoologischen" geht, nur mit bem Unterschieb, daß in Bern bie Befichtigung nicht» kostet. Da» muß man nicht vergeffen zu erwähnen. Denn tn der Schweiz gibt e» gar wenig von bem, waS nicht» kostet!
Die lieben Vierfüßler, welche fich in einem weiten, rauben Zwinger, ber vom Zuschauer durch hohen Graben und feste Brustwehr getrennt ist, viel freier bewegen dürfen al» in irgend einem zoologischen Garten, führen ein recht vergnügtes Dasein unb scheinen zu wissen, wa» fie bem verehrten Publikum, da» fie mit Johannisbrod, Aepfeln unb Kartoffeln überreichlich bedenkt, an Mätzchen nnb Kunststücken schuldig find.
Vom „®ärengraben" begibt man sich tn gerader Richtung, immer der Linie der elektrischen Straßenbahn folgend, deren Wagen übrigen» nicht» weniger al» elegant auSschanen, zum „Zeitglockenthurm", der durch feinen künstlichen Mecha- niSmu» eine ähnliche Anziehungskraft aulübt wie die berühmte Straßburger Münsternhr. Da» Werk functiontrt allstündlich. Der Mann, der zum Schlag mit wuchtigem Hammer anlholt, der krähende Hahn, einige allegorische Figuren und vor Allem eine Bären Parade rechtfettigen da» Interesse, da» Alt unb Jung an biefem schwerfälligen Bau nimmt, der einst die Grenze der uranfänglichen Stadt gebildet hat.
Noch ein Blick auf die im trotzigen Florentiner Palazzo- stil erbauten Bundeshäuser, ein Gang zur Münster- Terrasse, in deren Mitte eine Bronzestatue da» Andenken an den Gründer der Stadt, an Bechtold B. v. Zähringen weckt, der hier fich unb ba» ihm vertrauende Volk gegen den trotz gen Adel zu schützen hatte, und wir können da» bi» zur Stunde den Charakter einer altetthümlichen Schweizer Stadt wahrende Bern, der namentlich durch seine „Lauben" und fließenden Brunnen hervorgerufen wird, verlassen, um auf dem höchsten An»ficht»punkt, dem Schänzli, jenseits der grünen Aare, einen Totaleindruck zu genießen. Hier eröffnet sich die Perspective in» Berner Oberland. Den trotzigen Riesen gewahrt man zuerst. Wenn man Glück hat, so kann man von hier au» ba» schimmernde Fimengewanb der BlümliSalp im Abendroth erglühen sehen. Aber auch wenn die Ferne verschleiert bleiben sollte, so berührt doch schon die Nähe reizvoll. Auch vou hier ans wirkt Bern mittelalterlich, beinahe feudal. Die modernen Gebäude treten zurück, unb ba» Auge erfaßt vornehmlich die weißen Brückenpfeiler über ber grünen Aare. Da» spätgotische Münster unb ben Zeitglockenthurm, auf bessert riesigem Zifferblatt bie Sonne am längsten verweilt.
In eine ferne, ferne Zeit könnte man sich entrückt glauben, etwa in die der florentinischeu Frührenaissanee.
__________ Dr. M.


