Ausgabe 
13.7.1898 Erstes Blatt
 
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dlchährigev Dienst« Kammerdiener, Hai

1/ nach England zur I und nach Palästina^ i Feldzügen begleitet, itn, well er damit

bei kranken Kaiser; iilotttnbnrgei Schlotz am Krankenlager In Kaiser am 15. Ium

* Kreuznach, 9. Juli. Der große Juwelendtebstahl i in vergangener Nacht ist augenscheinlich von gewiegten Ein­brechern verübt worden, denen die örtlichen Verhältnisse genau bekannt gewesen sein mußten. Gestohlen find im Ganzen 152 Ringe, darunter 30 Trauringe, im Werthe von 9500 Mk., eine Tasche von eingesetzten Steinen, Brillanten v. s. w., 12000 Mk. werth, 9 Broschen im Werthe von 4365 Mk., Ohrringe, Nadeln, Herren- und Damenketten, Armbänder u. s. w., zusammen für 45000 Mk. Juwelen. Bon den Thätern hat man nur ganz schwache Spuren. ES sollen mit dem um 3 Uhr hier abgehenden Blitzzuge Basel- Köln drei seit einiger Zett in hiesigen Hotels wohnende, als elegante Kurgäste austretende Herren abgereift sein, die man Im Verdacht hat. Schon vor einigen Wochen war bei einem hiesigen Juwelier ein ebenfalls schlau eiugesädelter Einbruch verübt worden- die Diebe wurden jedoch damals verscheucht und mußten sich mit dem in der Labenkaffe liegenden Baar- betrage von 600 Mk. begnügen.

Altona, 9. Juli. Heute Nachmittag sand die feierliche Enthüllung einer Denkmals für den Fürsten Bismarck statt. Oberbürgermeister Giese hielt die Festrede und Bürger- meister Rosenhagen übernahm das Denkmal Namen- der Stadt Altona.

* «ei dem Untergang derBourgogne" ist auch eine Berliner Familie umgekommen. Es handelt sich um Theodor Strauß, der 1882 nach New York verzog, nachdem sein Colonialwaarengeschäft in ConcurS gerathen war. In New- York trat er die Erbschast eine- Onkels, eine Ptanoforte- iabrik, an. Strauß hatte Glück- nach einigen Jahren ver- kaufte er sein Geschäft, speculirte in Eisenbahnpapteren und wurde schließlich Millionär. Jetzt wollte Strauß mit Frau und zwei Töchtern die Heimath wieder besuchen und ursprüng- lich mit dem deutschen DampferKaiser Friedrich" reisen. Da dieser einen kleinen Unfall erlitt, entschloß er sich, daS französische Schiff zu benutzen, daS nun untergegangen ist. Die Hinterlaffenschaft Strauß', 4 biß 5 Millionen Dollars, tiirften seine Verwandten in Berlin und Ostpreußen erben.

Fürst Hohenlohe kein Radfahrer. Reichskanzler Fürst Hohenlohe läßt in derNordd. Allg. Ztg." erklären, die Mitthellung sei unrichtig, daß er dar Radfahren betreibe. Der Herr Reichskanzler, so heißt es in der Notiz des ge­nannten Blattes, gehört nicht zu den den Radfahrsport Aus- übenden. m

Der erste Distanzfahrer. Natürlich ist es ein Bewohner des sportliebenden Großbritannien, der sich rühmen kann, als erster Radfahrer eine längere Fahrt unternommen zu haben. Es ist dies ein schottischer Schmied, Namens Kirkpatrick Macmillan, der im Juni 1842 auf seinem Fahrrad damals noch Velociped genannt den 198 Kilometer langen Äeg von dem Orte Tornhill in der schottischen Grafschaft Dumfries nach Glasgow machte, um seine dort wohnenden Brüder zu besuchen, leider ist es nicht bekannt, wieviel Zeit diese Fahrt in Anspruch genommen hat; es ist schade darum, da Macmillan doch gewissermaßen damit den ersten Record für Dauerfahrten aufgestellt hat. Amüsant aber ist die That' fache, daß der wackere Distanzfahrer auch gleichzeitig der erste Radler sein dürfte, der eine Polizeiftrafe erhalten hat, und zwar für eine Uebertretung, deren sich noch heute sehr viele Radfahrer schuldig machen. In der schottischen Haupt­stadt angekommen, fuhr der brave Schmied nämlich ganz gemüthlich auf dem Fußweg; das war nun nicht so schlimm und in Rücksicht auf die Beschaffenheit der damaligen Fahr­räder gewiß zu verzeihen. Er hatte aber das Unglück, dabei ein Kind umzustoßen, und wurde deshalb arretirt und auf tie Polizeiwache gebracht. Genau verbürgt wird dies durch benDumfriesshire Courier, in dessen Nummer vom 13. Juni 1842 sich folgende Notiz findet:Am 11. Juni wurde in Glasgow ein Gentleman, der angab, aus Tornhill in Dumfriesshire zu kommen, auf die Gorbals-Polizeiwache gebracht; er war mit einem Velociped auf dem für Fuß-

Neueste Nachrichten.

Depeschen des BureauHerold".

Braunschweig, 12. Juli. DaS Hochwasser steigt beträchll ch. Die Bewohner der gefährdeten Orte find be­hördlich zur Nachxwache aufgefordert worden. Der Bahn- verkehr ist theilweise eingestellt. In Grumm ist ein Bauer mit seinem Gespann ertrunken.

Budapest, 12. Juli. Wegen Eulaffung von Arbeitern beschlossen die soeialdemokratischen Arbeiter, vier der ersten ungarischen Actien Bierbrauereien in ganz Ungarn zu boycottiren.

Pari-, 12. Juli. Der Minister der Aeußeren und der Ministerpräsident find seitens der deutschen Regierung halb« amtlich dahin verständigt worden, daß volles Licht in der DreyfuS-Angelegenheit geschaffen werden könne, ohne daß nur einen Augenblick die guten Beziehungen zwischen Frankreich und Deutschland beeinflußt würden. Angesicht- der entgegenkommenden Haltung der deutschen Regierung gilt eS hier als sicher, daß die Revision de- DreyfuS- Prozesses im November erfolgen wird.

Brüssel, 12. Juli. Wie vom Congo gemeldet wird, ist die Eongo-Eisenbahn in Anwesenheit der Würdenträger des Eongostaate- und der Vertreter der europäischen Groß­mächte mit großem Pomp eröffnet worden..'

Loudon, 12. Juli. Nach einer Meldung derTime-" au- Madrid hat das Ministerium Sagasta seine Entlassung eingereicht.

Loudon, 12. Juli. Wie au- guter Quells gemeldet wird, hat sich die Königin-Regentin von Spanien in einem Briefe an den Kaiser von Oesterreich gewendet und ihn in ihrer Bedrängniß gebeten, die Initiative zu ergreifen, indem sie dabet Alles in seine Hände legt. England wird unter keinen Umständen den Frieden vermitteln, fall- es hierzu nicht das Elnverstäudutß Amerikas hat.

Madrid, 12. Juli. Wie er heißt, find die Amerikaner bereit, Frieden zu schließen, wenn ihnen ein Hafen auf den canartschen Inseln überlassen und Spanien 1200 Millionen Peseta Kriegsentschädigung zahlt. BiS diese Summe bezahlt ist, würden die Amerikaner die Philippinen besetzt halten.

Da Sonntag gesungen werden soll, wird an die heutige Probe nochmals erinnert.______________________________________________ 7035

Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 12. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr Mittags: Wasser 13°, Lust 15°.

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gänger bestimmten Trottoir gefahren, hatte dadurch die z Passanten belästigt und schließlich sogar ein Kind um efahren. Da dieses aber unverletzt geblieben war, wurde die Ueber­tretung nur mit einer Geldstrafe von 5 Schilling bestraft." Das Fahrrad, dessen sich Macmillan zu seiner Fahrt bediente, mag ungefähr in den Jahren 1838 bis 1840 gebaut worden sein; es gehört zu den ersten, aus einer Umwandlung der Draisine entstandenen Niederrädern, die bereits Tretmechanis­mus und Uebertragung aufwiesen, später aber wieder durch die Hochräder verdrängt wurden. Eine ganz gleiche Maschine, wie die des schottischen Tourenfahrers, ist im Museum der Stadt Dumfries ausgestellt.

*Herr Oberst, bet wird Sie bener zu stehen kommea". Aus den Schlußkämpfen von Orleans am 3. December 1870 erzählt der Generalmajor Wille von einem interessanten Vorgang. Als der Feind nach Vernichtung seiner Artillerie den Rückzug antrat, mußten die letzten Marschsäulen der französischen Infanterie, um Chilleurs zu erreichen, eine un­gefähr 100 Meter weite offene Stelle der großen Straße durchschreiten. Als Oberst von Drerky den Gegner diesen Raum betreten sah, ritt er zur Batterie des Hauptmanns Müller,die sich immer durch gutes Schießen ausgezeichnet halte" und sagte zu den Leuten:Für jeden Schuß, den Ihr in die feindliche Colonne hineinkriegt, zahle ich dreiThaler". Herr Oberst", erwiderte ein nicht auf den Kopf gefallener Kanonier,bet wird Sie deuer zu stehen bekommen; wir schießen sehr gut!" Der erste Schuß ging zu weit, der zweite zu kurz; dann trafen sieben Schüsse hinter einander in die Infanterie, die sich vollständig auflöste und in wilder Flucht den Wald von Orleans zu erreichen suchte.

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Bekanntmachung.

Damit die zum weiteren Ausbau der Stadtfernsprech-Einrichtung in Gießen erforderlichen Vorbereitungsarbeiten rechtzeitig in Angriff genommen Derben können, werden diejenigen Personen, Firmen rc., welche ihre 'Wohnungen oder Geschäftsräume im Laufe dieses Jahres mit der vorbe zeichneten Stadt-Fernsprech«Einrichtung verbinden lassen wollen, ersucht, t^re Anmeldungen spätestens bis 15. August d. Js. an das Leserliche Postamt in Gießen einzusenden. Nur bezüglich der bis zu diesem Zeitpunkt eingegangenen Anmeldungen kann die Herstellung der Anschlüsse für den zweiten Bauabschnitt des laufenden Rechnungsjahres teilimmt in Aussicht gestellt werden. Verspätet angemeldete Anschlüsse «gelangen erst im ersten Bauabschnitt des am 1. April 1899 beginnenden nächsten Rechnungsjahres zur Ausführung.

Darmstadt, den 6. Juli 1898.

Kaiserliche Ober * Poftdirection.

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ittm, 12. Juli. Marktbericht. Auf dem heutig« Bochemnartt kosteten: Butter yr. Psd. X 1,00140, Hühnere«! pr St. 6-7* 2 St. 11-13 A, Enteneier 1 St. 70 4, ®We- eiet pr. St. 12-00 A. Käse 1 St. 6-8 Käsematte pr. St. 3 * Erbsen pr. Liter 20 Linsen pr. Liter 32 A, Taubm pr. P««' X 0,70 bi« 0.90, Hühner pr. Stück 0,90 bis 1,00, Huhn« pr.Stüü X 0,601,20, Enten pr. Stück X 1,902,00. Gänse pr. PfMit X 0,000,00, Ochsmfleisch pr. Psd. 66-74 A, Kuh- und Rtndfleiss pr. st^fd. 62-66 A, Schweinefleisch pr. Psd. 64 bi« 72 A, Schweim- fleisch, gesalzen, pr. Pfd. 76 A, Kalbfleisch pr. Psd. 60-00 J, Hammelfleisch pr. Psd. 60-70 A, Kartoffeln pr. 100 Kilo 10,00 bk 11,00 X, Weißkraut pr. Stück 0-00 A. Zwiebeln pr. Centn« 9,0010,00 X, Milch vr. Liter 16 A, Kirschen pr. Psd. 1624 A-

Dauer der Marktzeit von 7 Uhr Morgens bis 1 Uhr Nach­mittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nickt feilgeboten werden.

Dtt entr

SlüM. Sdiladitbauö.

ö-wtilltfleislh 50 Psg.

Eingesaudt.

Gieße«, 12. Juli 1898.

Unter Bezugnahme auf Nr. 159 Ihre« geschätzten BlatteS, die Beförderung von Fahrrädern betreffend, sei es gestattet, einige Bemerkungen auf die darin enthaltenen Auslassungen zu machen. Es wird darin hervorgehoben, daß die gesteigerte Zunahme der Be­förderung der Räder manche Unzuträgltchketten im Verkehr gezeitigt habe und dadurch eine andere Art der Abfertigung am Platze sei; dies wird auch von dieser Seite zugegeben, ganz spectell, daß die Radfahrer ihre Räder selbst verladen helfen, was auch schon seither jeder um sein Rad besorgte Fahrer gethan hat. Wie man aber mit der Absicht umgeht, trotz der die Bahnoerwaltung entlastenden Arbeitsleistung beim Der-, Ent- und Umlaben der Räder auch noch Fracht dafür bezahlen zu lassen, daS ist gänzlich unverständlich. Wie allgemein bekannt, haben die preußischen Staatsbahnen bei Auf­stellung des Personengeldtarifs 25 Kilogramm Freigepäck auf ledeS Billet im Preise mit hinein cakulirt, so daß jeder Reisende, es find ca. 90 pCt. derselben, sein Freigepäck bezahlt, ohne ein solches der Bahn zum Transport zu Übergeben, während die süddeutschen Bahnen, speciell die frühere Hessische LudwigSbahn, ihren Taris ent­sprechend niedriger fixirten, Dabet aber nur von Reisenden mit Ge­päck sich solches bezahlen ließen.

Daß Fahrräder wie Gepäck behandelt werden, davon hat sich schon Jeder durch den Augenschein überzeugt, und jetzt auch noch Fahrradkarten einzusühren, das kann nur eine fiScalische Maßregel sein. Die Bahnverwaltung scheint sich über den Zudrang der Räder zu beschweren, während doch leicht eingesehen werden kann, daß da­durch derselben groge Einnahmen zu Gute kommen; denn ein großer Theil der Fahrer radelt Morgens in der Frühe seine 60 bis 200 Kilo­meter, um Nachmittags während der Hitze oder bet Nacht mit der Bahn dieselbe Strecke nach Hause zu fahren; diese Einnahmen würden nicht eintreten, wenn eS feine Räder gäbe. Fußgänger mit nur an nähernd solchen Distanzen gibt es nicht.

Man sollte doch endlich einmal sich mehr daran gewöhnen, die Bahn nicht nur als Einnahmequelle zu betrachten, sondern auf Mittel zu sinnen, den Verkehr zu erleichtern; dies geschieht aber nicht, indem man die Radfahrer durch Erhebung einer Extraabgabe trotz der bestehenden Freigepäckbegünstigungen fern zu halten sucht, sondern durch Einrichtung von Gepäckwagen für Räder u. A. während der Saison. , ,

Daß der Verkehr zur Badezeit jedes Jahr steigt, womit ein ganz bedeutender Gepäckoerkehr Hand in Hand geht, hat die Bahn­verwaltung ja auch nicht veranlaßt, das Freigepäck aufzuheben; warum soll dies nun bei den Fahrrädern, welche von den Eigen thümern selbst verladen werden sollen, der Fall sein?

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