Ausgabe 
13.5.1898 Zweites Blatt
 
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diese Ablösung thatsächltch vollzogen wird, tritt die ostafiatische | und Läufer aufgetrieben gewesen und ging hier der Handel Frage durch den Steg der Amerikaner über das spanische I bei guten Preisen lebhaft. Der Krämermarkt zeigte nicht

den früher gewohnten starken Besuch aus der näheren Um-

+ Nidda, 12. Ma>. Der gestrige Markt war infolge der ungünstigen Witterung nicht so gut besucht, als dies sonst der Fall zu sein pflegt- namentlich war kein Rindvieh zum Verkauf angetrieben. In Schweinen find meistens Ferkel

Geschwader bet den Philippinen au ganz unerwarteter Stelle wieder inS Licht. Die Bereinigten Staaten find noch keineswegs im Befitze der Philippinen, beginnen aber gan;, ernstlich fich über das Schicksal dieser wenhvolleu Inselgruppe

den Kopf zu zerbrechen. Dieselben Leute, die ihre sogenannte Mouroelehre auf die Annahme aufgedaut, kein europäischer Staat habe auf amerikanischem Boden etwas zu suchen, reden heute fchou ganz ernstlich von den Bortheilen, die eine Flotten- bafiS wie die Philippinen für die Bereinigten Staaten für den Fall der Aufthetluug Chinas haben könnte. Man kann fich einen so jähen Urbergang aus der unverwundbaren Stellung des großen oordamertkantschen Staatswesen- auf eigenem Boden zu activer Politik in Ostafien kaum vorstellen, allein unmöglich ist tu politischen Dingen fast nichts, wenn auch auf den ersten Blick die Sache wenig glaublich erscheint. Jedenfalls würden durch ein solches Vorgehen der Union die ostafiatischen Fragen in mancher Hinficht eine neue Wendung erhalten. In den hteflgeu politischen Kreisen schenkt man daher der Erwägung dieser Fragen erneute und lebhafte Thetlnabme, und eS vergeht kaum ein Tag, der nicht einen neuen Beitrag zur Erörterung bringt. Nachdem Lord Salis­bury Mitte voriger Woche einen wenig glücklichen Versuch gemacht hatte, tu seiner großen Rebe vor dem Primelnbunde seine eigene Politik in Sachen OftafienS als durchaus richtig und erfolgreich zu verfechten, trat am SamStag der Führer der Opposition vor einer Versammlung seiner Parteigenoffen in Cambridge auf, um die Erfolge der Regierung oder vielmehr des Ministerpräsidenten etwas näher zu beleuchten. Fast die gefamwte hauptstädtische Preffe war ihm dabei schon znvorgekommen, allein Str William Harcourt konnte eS sich nicht versagen, über dir etwas hochfahrenden Darlegungen Lord Salisburys die Lauge seines Spottes zu gießen. Er hielt ihm vor, daß seine ganze politische Weisheit auf Schweigen und höflichen Rückzug htnavslaufe, erinnerte au Amerika, au Kreta, au das europäische Coucerr und vor Allem au China und Talienwao, den jämmerltchsteu Mißerfolg, den man je erlebt bade. Der Ministerpräsident, so führte er aus, sei aus Südfrankretch in guter Gesundheit und Laune heim- gekehrt und habe seinen Parteigenoffen von chinefischen Sprüh- teufelu und Knallschwärwern erzählt. Das Geknalle sei aber hauptsächlich unter den Ministeriellen vernehmlich geworden. Lord Salisbury scheine es in ganz ungewöhnlichem Grade an politischer Voraussicht zu fehlen. Er wage fich zu weit vor, gerade tu Stellungen, die er nicht behaupten könne, und mache Vorschläge, die er nicht durchzuführeu in der Lage sei. Er, Str William Harcourt, sei der letzte Mann, der sich be- schweren würde, weil der Premier die Dinge nicht aufs Aeußerste treibe- wenn er aber ein kluger Mann wäre, würbe er nicht leicht eine Stellung etuuehmen, die den Rückzug unvermetbltch mache. England trage kein Verlangen nach Krieg, es wünsche aber noch viel weniger, fich tn der ganzen Welt unkriegerische Niederlagen zu holen. Lord Salisburys Politik habe utcht dazu beigetrageu, das Ansehen Englands tm AuSlande zu wehren. Er behandle feine eigene Politik nicht ernst, und wenn er das selbst utcht thue, könne er es noch weniger von Anderen erwarten.

Vermischtes.

* bastel, 10. Mai. Auf eine etgeuthümliche Weise ist ein Metzgermeister von hier in Berlin, wie derBerliner Local-Auz." berichtet, wieder tn den Besitz seiner ihm vor 14 Tagen gestohlenen Uhr und Kette gekommen. Bet einem Einbruch in seine Privatwohnung tn Caffel wurden ihm 6eibe Werthsachen gestohlen. Der Schlächtermeister reiste nun Ende voriger Woche nach Berlin. Als er Dienstag Nacht vom dortigen Anhalter Bahnhof zurückfahreu wollte und fich tm Wartesaal aushtelt, trat ein anständig gekleideter Maun an ihn heran, und erzählte, daß er gezwungen sei, seine Uhr zu verkaufen, um das Reisegeld bit Caffel aufzu- treiben. Auf den ersten Blick erkannte der Meister, als ihm der Fremde die Uhr nebst Kette vorzeigte, beide Gegenstände als fein Eigenthum wieder. Er sagte dem Menschen den Diebstahl auf den Kopf zu. Mit einem Satz war der Spitz­bube zum Wartesaal hinaus verschwunden, während der Meister sein Eigenthum in der Hand behielt. Der Metzger, natürlich zufrieden, auf so merkwürdige Weise sein Eigenthum wieder erhalten zu haben, unterließ die Verfolgung und fuhr hocherfreut nach Cassel zurück.

* Straßburg, 9. Mat. Nach derStraßb. Post" starb hier tm Alter von 85 Jahren ein letztes, bedauernSwerthrS Opfer der Beschießung Straßburgs, Frl. Amelie Magnus. Am 24. August 1870 stand fie früh halb sechs Uhr vor ihrem Bett tm Erdgeschoß ihrer Wohnung, Weiß- thurmstraße 56, als eine Granate in das Gemach flog, ex- plodirte und ihr beide Arme zerschmetterte. Sie wurde auch sonst au mehreren Stellen schwer verletzt und lag sechs Wochen infolge des Blutverlustes bewußtlos tm Spital. Beider Arme beraubt, lebte fie noch über 27 Jahre.

* Offenburg, 9. Mat. Vor der Strafkammer hatte fich dieser Tage ein 16 jähriger Schuhmacherlehrltng zu ver­antworten, der die Hostie nach der Cowmuuton aus dem Mund nahm, zerrupfte und wegwarf und die Kirche mit den Worten verließ:Da- ist der größte Schwindel"! Erwürbe zu zehn Monaten Gefängnih verurtheilt.

e In Münster ließ fich kürzlich, wie derWestf. Merk." berichtet, tn einem Röntgen-Labora'orium eine Dame wegen einer Erkrankung der Hand eine Röntgenstrahlen- Aufnahme machen. Diese führte nebenbei zu einer für die Dame überraschenden Entdeckung. Die Dame trug nämlich einen mit Smaragden durchbrochen gefaßten Ring. Nach Fertigstellung des Photogramms fiel auf, daß von den Smaragden ein Stein einen dunklen Schatten gab, während die übrigen Steine einen besseren Schatten gaben. Hierdurch mißtrauisch auf die Echtheit der Steine geworden, stellte I man vergleichende Versuche mit echten und unechten Edel- I

segend, sodaß die Verkäufer und die Niddaer Geschäftsleute über schlechten Zuspruch klagten.

§ AuS dem Ohmlhal, 11. Mai. Die gewaltigen Wassermassen, die in der vorigen Woche alle Bäche und Bächlein über ihre Ufer treten ließen, hatten fich noch nicht gänzlich verlaufen, da fetzt heute das Regeuwetter wieder ganz in derselben Weise ein wie am Freitag und SamStag. Wieder regnet den heutigen Tag in ununterbrochener Weise. Die ohnehin noch hoch gefüllten Bäche streifen wieder die Ufer und eine abermalige Überschwemmung steht sicher zu erwarten. Der Himmel weiß, wo daß hinaus soll mit dem unendlichen Regenwetter.

steinen in Bezug auf die Durchlässigkeit für X Strahlen an. ES stellte sich heraus, daß die Röntgen-Strahlen Edelsteine durchdringen, die somit im Röntgen-Gebilde einen Hellen Schatten geben- nicht aber die aus Glas bestehenden Nach­ahmungen, die einen dunklen Schatten geben. Durchleuchtung von Perlen ergab das umgekehrte Berhältniß, echte Perlen geben im Röntgen Gebilde einen dunklen, unechte einen Hellen Schatten. Der den dunklen Schatten gebende Smaragdstein im Ringe der Dame war also falsch. Die Dame hatte vor Kurzem nach dem Verluste eines Steines aus dem Ringe einen neuen einfügei lassen. Der neu eingefügte Stein gab im Röntgen-Gebilde den dunklen Schatten. ES war statt eines bestellten echten Steines ein unechter eingefügr worden.

* Die Tegernfee'r beim Kaiser. Im Weißen Saal des Königlichen Schlosses erblickte man, wie gemeldet, am Frei­tag beim Schluß des Reichstags auf einer Znschauerloge dre Tegernfee'r, die am Abend vorher beim Staat-secretae b. Bülow Proben ihrer Kunst im Gesang, Zitherspielen und Tanzen gegeben hatten und von dem dort anwesenden Kaiser selbst zur Feier am Freitag eingeladen worden waren. Die Leute erzählten, der Kaiser habe fich eine Zeit lang mit ihnen unterhalten- u. A. habe er fich erkundigt, ob sie seineJungen" in Tegernsee gesehen hätten, war sie zu ihrer Genugthuung bejahen konnten- zum Schluß habe dann der Kaiser Jedem von ihnen die Hand gegeben. Als fich der Kaiser zurück- ziehen wollte, trat Frau Mayerhofer dreist und gotteSsürchtiz au ihn mit den Worten heran:Grüaß Gott, Herr Kaiser, gib mir noch a mal die Hand!" welchem kategorischen Befehl der Monarch lächelnd Folge leistete.

* lieber ein kühnes Wagestück wird aus Wien gemeldet: Seit gestern hat Wien sein Localereigniß. Anläßlich der Eröffnung der JudiläumS-AuSstellung kletterte der Thurm- klempner Hubert Frankl in der Nacht zum Sonntag auf der Blitzablettung auf den rechtsseitigen Thurm der Votiv- ktrche und brachte an der Kreuzblume eine mächtige schwarz- gelbe Fahne an. Der tollkühne Wagehals war gestern noch unbekannt. Frankl meldete sich heme bei der Polizei und erklärte, daß er mit dem Bravourstück dem Monarchen hul­digen wollte. Am 18. August 1886 führte Josef Pircher ein ähnliches Wagestück auf dem StefanSthurm aus.

* Die Kabelverbindungen Deutschlands erfahren jetzt, we mehr als sonst von Kabeln die Rede ,st, tn demElektro­technischen Anzeiger" eine zeitgemäße Besprechung. Deutschland hat birecte unterseeische Telegraphenverbindungra mit sieben Ländern: Spanien, Irland, England, Norwegen, Dänemark, Schweden und der Schweiz (mit letzterer über den Bodensee). Die Verbindung mit Spanien wird herge­stellt durch das der Deutschen See-Telegraphen-Gesellschaft in Köln gehörige Kabel von der Insel Borkum nach der spanischen Stadt Vigo in der Provinz Pontevedra. Auf diesem Kabel kann zwischen Emdea und Bigo auf eine Ent­fernung von 2100 Kilometer direkt telegraphier »erben. Daß Kabel bient nicht nur zur Beförderung der Depeschen nach und von Spanien und Portugal, sondern auch zur Uebermittelung von Telegrammen zwischen Nord-Enropa einerseits und Südamerika, Afrika, Ostafien und Australien andererseits. Ein zweites wichtiges einadriges Kabel ver­bindet den Ort Greetsiel nordwestlich von Emden mit Ba- lentia in Irland, wo ein unmittelbarer Anschluß an da» transatlantische Kabel der Anglo-amerikanifchen Telegraphen- Gesellschaft stattfindet, der die Verbindung mit Nordamerika herstellt. Das Kabel Greetfiel-Valentia gehörte bis zum Ablauf des Jahres 1888 der ehemaligen Bereinigten deutschen Telegraphen-Gesellschaft und ging dann in den Besitz des

Erschauerndes Schweigen in diesem «zur beß Erhabenen Schweigen, baß tausenbjähriger Schlaf baraufgehaucht . . . Tine große Silberplatte, Juwelen und Edelgestein und von der Decke herniederhängende Lampen solch strahlende Pracht glänzt auch hier ermüdet auf.

Gar oft schäumte in der Bteinwüste deß Sinai leiden, schastliche Habsucht empor nach all diesen Reichthümern. Sarazenisches Gesindel umtobte im Laufe bet Jahrhunderte bte Klostermaurrn, Beduinenhordeu versuchten Belagerungen, verwegene Räuberbanden mühten fich ab- doch stetß zerschellte die hochbrandende Habsucht am Geklipp deß trotzigen Festungß- gemäuerS.

Im Verlaufe des Tages bin ich mit verschiedenen Mönchen zusammen, deren etwa dreißig in dieser Einsamkeit bausen. In jener interessanten, manch' schwärmerischem Frauenherzen gefährlichen Blaffe, welche von harter Ent- fagung zeugt, fast all die schmalen Gesichter umrahmt von langen, struppigen Bärten, graumelirt ober schneeweiß so wanbeln fie in ihren schwarzen Kutten burch enge Gänge, über ausgetretene Stufen, ohne viel aufzusehen. So der- schwinben fie in bem imposanten Portale bet Verklarung-- ktrche ober in ben kleinen, überall herumliegenben Zellen, berea Thüren ofr sperrangelweit aufftehen. So sind sie gefeit gegen den Dämon der Versuchung, geräth ihr Geist auf keinerlei Abwege, und Pilger und Reisende, die ab u»d zu wie ein Gruß aus weiter Welt da draußen in dieser Sins-mkeit erscheinen, blicken zu ihnen mit stillet Ver­ehrung auf. . . .

Und wie dürftig fie leben 1 In ihrer Küche bruzelt kein saftiger Braten mit kräftiger Sauce, aus dem Tische perlt im Glase kein duftiger Wein- jede Lüsternheit beß Magens verbannt unb verpönt. Goldene Orangen, ein genialer Reisbrei, allerhand sonstige Fruckrtspetsen daß waren die Hauptnummern beß Menuß, falls ein solche- fich auf bet Klostertafel breit machen würde. Dafür find fie um so tapferer in Tugendübungen, Entsagungen, Kasteiungen.

Auch grobe Arbeiten sehe ich fie verrichten, wenn auch tn feierlicher Langsamkeit: fie pfuschen für ben Hausbedarf in alle möglichen Handwerke. Der Eine ist etwas Maurer, der Andere etwas Schneider, der Dritte etwas Schuster. Sogar der brave Waschmann fehlt nicht- drüben vor ben friedlichen Häuserchen baumeln auf Seinen und Stangen im

frischen Winde des Sinai die Hemden unb Strümpfe, welche vom Bruder Eusebius gewaschen wurden.

Einer der Mönche, Bruder Cyrill, ißt sogar baß Brob ber Verbannung, so baß für ihn baS Sinai-Kloster als Strafklostet fungirt. Was er verbrochen hat? Da war in Jerusalem die Wahl des griechischen Patriarchen, wobei zwei Candidaten nach dieser glänzenden Würden langten. Bruder Kyrill, der damals in ber Atmosphäre Jerusalems lebte, focht unb kämpfte, als stünbe er auf pulvergeschwärzter Schanze, für ben einen Caobidaten. Die Parteien erhitzte» sich. Alle Kanonen ber Beredtsamkeit werben abgeprotzt, alle Erfolg verheißenben Schachzüge ber Taktik ausgeklügelt. Besonders leidenschaftlich agitfrt man für den Einen, der schließlich mit Glorie durchfirl. Der Erkorene aber hatte bet Antritt seineß Antteß nichts Eiligereß zu thun, alß ben Feuerkopf Cyrill, Hefen Agitator mit bem blitzenden Hohn und ber trvtzenben Lippe, zu begannen heraus aus bet kämpfenden Welt in den Gotteßfrieben biefer FelSöden.

Dabei glaubt man kaum, wie außerordentlich gefunb das Leben dieser Mönche ist. Bruder GerafimoS, welcher nächstens seinen fiebenunbachtzigstrn Geburtstag feiern kann, hebt vor mir ein großes Faß mit Waffer frei auf bte Schulter unb geht mit dieser Last frisch, aufrecht unb sanft lächelnd, auf leichten Füßen von bannen.

Nun bin ich ganz heimisch im weiten Kloster- treppauf gehtS unb treppab, hin unb her, hinüber unb herüber, ohne daß ich beß führenben Mönches bebaxf. Jetzt erfreue lch mich an dem wundersam eigenartigen Klostergarten, ber außerhalb ber hohen Manern sich an bte robusten Wälle schmiegt. Einige Mönche, friedlichen Antlitze- und voll ge- buldiger Entsagung, Harken auf dem Steinboden herum ober schreiten tn kurzen Schritten dahin, unter fruchtschweren Oliven- unb Cittonenbäumen unb vorüber an steifen Chpreffen oder gvckrn gebankenvoll von biefer kleinen blühenden Garten- oase au- hinein in die Schaueröden der rotbraunen Granitfelsen.

Dicht benachbart erdüstert ber stark ummauerte Kirchhof beß Klosterß. Ring- eisige- Schweigen- baß Wortewige Ruhe" es hat in dieser feierlichen Einsamkeit einen be- sonders tiefen Sinn. Ich werde an vergessene Kirchhöfe auf entlegenen Inseln erinnert, wo zuweilen in gemeinsamem Grabe in der Nähe grausen GeklippS ganze SchiffSbesstzungen

schlummern, welche dort von den Wellen ans Laub geschwemmt würben, nachdem bieselden Wellen vorher ben Schiffbruch besorgt hatten.

Durch dunkle Gewölbe kehre ich ins Klostergemäuer zurück, um bte vielgerühmte Bibliothek aufzusuchen. Kleine Gemächer find eS zumeist, in denen sich die alten Perga­mente, bte griechischen unb arabischen Manusetipte, sowie bte werthvollen Schätze auß ber frühesten Zeit ber christlichen Kirche, einlogirten. Zwei alte Mönche bilden burch biete

arg verstaubte Welt der Bücher und Schriften meine Be glettung nein, nach ber liebenswürdigen Hast zu urtheilen, mit welcher fie mich eigenthüwltcherwetse durch diese Zimmerchen bugfiren unb nach ber bedächtigen Fürsorge, mit ber fie mich von ben Bücherregalen und Glaßschränken fernznhalteu suchen meine Bewachung. O gemach, ihr guten Brüder! Ich gehöre nicht zu jenen Leuten, denen der Moderdunft aus alten Pergamenten lieber ist alß eine blüthenvolle Maien lanbschaft ober leuchtenbe Frauenaugen. Unb ehrlich heran-- gesagt, von tiefgeneigten, grübelnden, auf bte hohle Hau gestützten, knöchernen Gelehrtenprofileu, deren ganze Poesie auß verstaubten, oft geistig minberwerthigen Manuskripten aufsteigt, mochte ich niemalß viel wiffen.

Wie ich heraußtrete auß den bumpfen Bibliothekräumen wieder faßt mich der Zauber beß alten, starren Kloster gemäuerß mit aller Macht. Herrliche, wie für ble Ewigkeit »richtete Schlösser, bte sonst tn stolzer Glorie von wett- fchauenben Bergen zu Thal blinfttn kaum daß sie einige Jahrhunderte standen, bann sanken sie in Trümmer- das Sinai-Kloster ragt seit anderthalb Jahrtausenden tn gleiw starrem Trotz empor in graudiöser Bergst lle unb steuerr in alter Rüstigkeit auf ein neues Jahrtausenb lo-.

Nun schlafe ich zum letzten Male in biesem feierlichen Schweigen, tn biefer tiefnachbenklichen Nacht, inmitten dieser- ewigen Felßgezacks. Mit einem letzten, alles umfassenden Blick über die kleinen Bauten mit ihrem Klosterfrteden nehme ich tn guter Morgenstunde Abschied, ach, wohl Abschied< immer. Ein letzter warmer Händedruck ben mich begleitenden Mönchen bann schlüpfe ich hinan- burch bte niebrige Pforte, hinan- zu ben gesattelten Kameelen. . . . Der Himmel ist verhängt über ber GebirgSwtldniß, und leises Bangen vor bem heißwehenden, sandkairschendeu Wüstenwind geht burch meine Seele.