Ausgabe 
13.4.1898 Zweites Blatt
 
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1898

Mittwoch dm 13. April

Zweites Blatt

Nr. «5

Aintr« tmb Anzsrgeblatt für den Tirsis Giefzen

Gratisbeilage:"Weßmer Familienblätter

In den erstm 28 Tagen 1 Mark, dann 70 Pfg.

in.

Annahme von Anzeigen zu der 9tctdin,;<tag3 für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Lorin. 10 Uhr.

Redaction, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar. 7.

eigentlich Niemanden sonderlich aufgeregt. Jetzt erwirbt Tug- land Weihaiwei, und wohl kein Staat wird Einspruch er- heben, wenn Thiva zusttmmt und Japan seine Kriegreut­schädigung erhält. Ob nun die Wünsche Englands mit der Besitzergreifung Weihaiweis vollständig befriedigt sind, steht dahin, aber mau darf wohl annehmeu, daß eS noch wettere

Alle Anzeigen-Bermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51.

und Madrider Meldungen derartig, daß die dortigen Kriegs- Parteien Alle« in Bewegung setzen, um die Autorität der Königin-Regentin und Mac Kinleys weiter zu schwächen uud weiter zu diScreditiren. Ma« sieht daher der Einbringung der Botschaft Mac KiuttyS im Congreß mit Besorguiß ent- gegen und befürchtet einen stürmischen Verlauf dieser Lougreß- fitzung, sowie neue unangenehme Ueberraschuugen.

Pari», 11. April. Die Zola seivdliche Presse kündigt für den neuen Zola Proceß große Ueberraschuugen an. Tiner der wichtigsten Gewährsmänner ZolaS wird als Theil- Haber de» HochverrathS DreyfuS' entlarvt werden. Die Sicherheitsbehörden sollen dieses Material bisher zurück- gehalten haben, weil genannter Gewährsmann sich hoher Protection erfreue.

Bezugspreis vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg.

monatlich 75 Pfz. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Cocalet am* protHtuieöe»

Darmstadt, 9. April. Der Soldat Weigand, der seiner Zett in derSanne" an einem 12 jährigen Mädchen aus Eberstadt einen Lustmord verübt hatte und seither zur Be­obachtung seines Geisteszustände» im Militärlazareth unter­gebracht war, ist heute früh in die Lande»-Jrrenanstalt Hof­heim überführt worden. , ,

Darmstadt, 9. April. Im Walde bei Gehaborn brach gestern Nachmittag ein größerer Brand au», der von der Griesheimer Feuerwehr und dem Militär vom nahen Schieß­platz bewältigt wurde. Brandstiftung ist nicht ausgeschlossen.

Darmstadt, 9. April. Seiner Zeit berichtete ich Ihnen davon, wie da» Scheiden des ersten Pfarrer» der JohanneSgemeinde, Herrn Guyot, aus feinem Amte (ge- fundhettShalber zur Uebernahme einer Landpfarrei) in der Gemeinde allgemein und aufrichtig bedauert wird. Eine An­zahl avgeseheudster Gemeiudewitglieder erläßt uun einen Aus­ruf zur Beisteuer von Beiträgen für eine Guyot- Stiftung zur Erinnerung an die unvergeßliche Wirksam­keit de» ersten Geistlichen in der Gemeinde. Diese Stiftung soll zu milden Zwecken Verwendung finden, worüber Nähere» am 15. dS. MtS. beschlossen werden soll.

Darmstadt, 9. April. Die Nachricht de»Lauterb. Auz. , die hiesige nationalliberale Partei habe Herrn KreiSrath Braun in Lauterbach die ReichStagScaudidatur für den Wahl­kreis Darmstadt-Großgerau angetragen, ist dem «. zu- folge falsch.

Bieruheim, 7. April. Letzter Tage wurden die hiesigen Einwohner durch eine Zig eun er bau de auf unverschämteste Weise belästigt. Die Polizei nahm deßhalb fünf erwachsene männliche Glieder der Bande in Haft. Um ein Exempel zu ftatuireu, ordnete der Bürgermeister an, daß dieselben geschoren wurden. Dabei wurde dem Einen die rechte Sette de» Haupthaare» und die linke de» VollbarteS abgeuommen, eiu Anderer wurde kreuzweise über den Kopf geschoren, einem Dritten nahm man einen breiten Streifen de» Kopfhaare» ab, so daß nunmehr jeder der also Verschönerten einen anderen Anblick bot. (!!!'.) Diese Proeedur machte auf die braunen Gesellen solchen Eindruck, daß sie Viernheim schleunigst mit dem Bemerken verließen, nie mehr nach Hessen zurückzukehren. Für die verübten Diebstähle uud entstandenen Haarschnetde- kosten wurde ein Pferd der Bande zurückbrhalten. (Sollte ein hessischer Bürgermeister wirklich berechtigt sein, auf solche Weise Justiz zu üben?)

Siebener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Hrsöieint täglich mit Ausnahme des Montags.

Die Gießener Kamikienvtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Ansprüche erhoben hat.

Anscheinend will die britische Regierung jetzt in Ost- afien eine etwa» kräftigere Politik treiben. Selbst die größten Freunde Englands müssen ja zugesteheu, daß e» in letzter Zett vielfach von anderen Mächten überflügelt worden ist. England ist isolirt im Rathe der Völker, diesen Gedanken haben wir ja mehrfach zum Ausdruck gebracht, und thatsach- lich war die Politik Sali-bury» in den jüngsten Jahren keine allzu glückliche, wenigstens hat er wirkliche Erfolge nicht zu verzeichnen gehabt.

Hoffentlich bleibt auch der weitere Verlauf der eurpa- ischen Actionen in Ostafien friedlich - da» Gebiet ist ja groß genug, damit Reibungen vermieden werden können. Und schließlich ist der von englischer Seite ventilirte Gedanke auf Abgrenzung der Interessensphäre noch eia Mittel, um Colli- fiouen zu verhindern. (xx)

Der Dritte im Bunde.

Daß die deutschen und ruffischenPacht"-Ersolge in China dir Engländer nicht schlafen laffen können, haben wir bereit« «eh.sach -u-gesthet. E« wax aber auch jujart für ble Beherrscher der Meere, zuseheu zu müssen, wie zwei andere Nationen einen tiefen Schnitt machten 'n da« Fleisch de« großen griechischen Reiche«, und ef konnte al« selbstver. stündlich angesehen werden, daß EnglandCompeusation verlangen würde. *.***-«.

DaS ist nun auch geschehen und zwar ist die pachtweise Ueberlaffung des Hafen» von Weihaiwei gefordert, welcher zur Zeit noch von den Japanern besetzt gehalten wird. China soll der pachtweisrn Abtretung bereit« zugestimmt Haben, so daß eS als Thatsache angesehen werden kann, daß England al» Dritter im Bunde derpachtenden Staaten in Öftesten bl$ßa»fnunUbtn Haupwutzen de» Hafen» von Weihaiwei betrifft, so liegt derselbe darin, daß er England in den Stand ketzt einen Druck auf die Pekinger Regierung au-zuüben. Freilich müssen die Engländer e» sich erst ein schöne- Stück Geld kosten lassen, um den Platz in Stand zu setzen, denn wre Alles in China, so ist auch Weihaiwei ziemlich verlottert. Aber Geld spielt ja bei unseren Freunden jenseits des Canals keine große Rolle und sie werden schon den Ausbau des KriegshafeuS besorgen und auch sonst Alles "ufbieten, um Weihaiwei zu einem festen Stützpunkt für die englische Flotte *U "Äpa'n hält den genannten Hafen wie schon oben gesagt noch besetzt, bis die Kriegsentschädigung von China gezahlt worden ist, aber e» wird, wenn e» jetzt sein Geld bekommt, keine großen Einwendungen machen. Im Gegen- theil, er macht ein gute» Geschäft und kann froh fein, 6a6 England es ist, welches sich in Weihaiwei fest etzeu will. Die Japaner kennen ja die strategische Unterwerthtgkeit des Hafens zur Genüge, könnten aber doch nicht ruhig zusehen, wenn z. B. Rußland denselben occupirt hätte.

Was nun bL Bebeutung ber neuen Erwerbung für Eng­land aubetrifft, so haben wir schon vorhin gesagt, daß sie oestattet, einen Druck auf die chinesische Regierung au-zuüben, diese etwaigen englischen Wünschen geneigt -u machen- außer­dem aber hat England in Weihaiwei einen sicheren Beobach- tungSposten gegen Rußland gewonnen und einen Stützpunkt am Eingänge de- Golfs von Petschili. Der Hafen kann, w^nn e? °uch strategisch nicht so wichtig ist wie Port Arthur, doch als Gegengewicht dienen gegenüber denneuenrussischen Erwerbungen in China. Uud auch die handelspolitische Be- deutung Weihaiwei- ist nicht zu unterschätzen, sie wird durch

Unter Winterhalbjahr <ft hierbei die Zeit vom 1. October bi» incl. 31. März zu verstehen.

v. (Saget«.

< \ den Erwerb de» Hafens Seiten- der Engländer noch weseut-

Tlmtlid?«» Tyrit. lich gehoben werden.

I Dte neuesten europäischen Eroberungen in China ver­lausen sämmtlich in friedlichster Weise. Deutschland hat Kiaotschau nehmen können, ohne daß irgend eine- andere Macht Einwendungen erhoben hätte. Rußland hat die Wett -----------~ i durch Besetzung von Port Arthur und Talienwau überrascht Das Großherzogltche Krnsamt Gießen - und/abgesehen^ von dem Murren der^ Engländer^ ha^ie» an die Grotzh. Bürgermeistereien und die Bor- ' stände der Kraukeukasteu des Kreises.

Mit Bezug auf unser Ausschreiben vom 21. März 1894 (Gießener Anzeiger Nr. 70) bringen wir zu 3^er Kenutn b, daß die täglichen Pflegegelder ber Kliniken ber Universität Gießen vom 1. April 1898 wie folgt festgesetzt worben sind.

Dermi|d?itSo

Sutschadiguug für unschuldig erlittene Untersuchungshaft. DieKattowitzer Ztg." erzählt folgenden Fall: Bor etwa zehn Wochen «ar beim Kaufmann Palla in Bo gut schütz ein Brand auSgebrochen. Man glaubte damals Ursache zu der Annahme zu haben, Palla oder dessen Dienstmädchen hätten den Brand vorsätzlich veranlaßt. Er sowohl al- auch da- Mädchen wurden deßhalb in Untersuchungshaft genommen. Die- nahm sich die Ehefrau des Verhafteten so zu Herzen, daß sie sich durch Ausschneiden der Pulsader da- Leben nahm. Nun hat sich nach mehrwöchentlicher Untersuchung heran»- gestellt, daß jener Verdacht durch Nicht- bewiesen werden kann- beide Angeklagte wurden au» der Haft entlassen und das gerichtliche Verfahren gegen sie eingestellt. Dieser Tage kam der der Freiheit zurückgegebene Kaufmann wieder zu seinen Angehörigen, an Körper und Geist gebrochen. Er sieht sich vor einer vernichteten Existenz. Wer entschädigt ihn für die erlittene Untersuchungshaft?________________________

___ ». Notu. daß m. Kuren g. Zwangs-

U gedanken, Angst, Schlaflosigk., Asthma,

Herzerreg,Schwäche,Magenverstimm­ung, Darmträgh., des Gicht rc. wieder v. AprilOct. in Auerbach, Hess. Bergstr:, stattfinden. Prospecte üb. Eigenart n. Wirkung gratis. 2133 l>r. Borcnerat.

Deutscher Reich,

Berlin, 9. April. Der Kaiser hat durch Cabiuet-* ordre aus Homburg vom 7. April bestimmt, daß vom ersten Seebataillon sich eine Abordnung, bestehend aus dem Ba- taillonS-Commandeur, einem Hauptmann und einem Lieute­nant unter Führung des JnspecteurS der Marine-Infanterie von Hoepfner, behuf Beglückwünschung des Großherzog- von Baden anläßlich der erfolgten Stellung desselben L la ernte de» ersten Seebataillon- nach Karlsruhe begeben solle. Die Abordnung wird am 12. dS. MtS. Abend- in Karlsruhe eintreffen und am 13. vom Großherzog empfangen werden.

Berlin, 9. April. Wie au- Wiesbaden gemeldet wird, beabsichtigt der Kaiser dort am 14. April aus Homburg für mehrere Tage einzutreffen und einigen Dorstellungen> im Hoftheater beizuwohnen. Nach den weiteren Reisedispofitionen wird das Kaiserpaar am 24. April, von Dresden kommend, im Neuen Pala.S bei Pot-dam eintreffen und am 5. Mat nach Urville abreisen, um dort einige Tage zu refidiren.

Berlin, 9. April. Wie dasMilitärwochenblatt meldet, ist der Commandeur der 8. Division, Geuerallieutenant von Mi kusch-Buckberg, zum commandirenden General de- 7. Armeecorp» ernannt worden.

Berlin, 9. April. DieNordd. Allg. Ztg. schreibt. In ausländischen Blättern und vereinzelt sogar in der deutschen Presse ist die Behauptung ausgetreten, die deutsche Regierung habe sich in dem spanisch-amerikanischen Suche8 von der Linie strikter Neutralität entfernt. ES ist gänzlich unerfindlich, worauf fich eine solche Ansicht gründen konnte. Die kaiserliche Regierung hat sich von Anfang jener Verwickelungen au btS auf diese Stunde von jedem Versuch irgend welcher Parteinahme ferngehalteu und insbesondere Alles vermieden, was eine Trübung unserer Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika zur Folge haben tonnte, mit denen Deutschland durch eine hundertjährige und nie getrübte Freundschaft verbunden ist. Hieran kann auch die Thetlnahme Deutschlands an dem Collectivschritte der Mächte in Washington nicht» ändern, welchem zuvor alle übrigen Mächte zugesttmmt hatten und der lediglich in freund' schastlicher Form ein in den Vereinigten Staaten selbst wohb- gewürdigtes humanitäres Ziel verfolgt. Wir glauben auch darin nicht zu irren, daß die deutsche Regierung inder von ihr festgehaltenen absoluten Neutralität die ganze öffentliche Meinung in Deutschland hinter fich hat."__

Anstand.

Wien, 11. April. In hiesigen diplomatischen Kreisen äußert man sich über die Gewährung des Waffenstill­standes seitens Spanten» zwar befriedigend, betrachtet aber die politische Situation al» äußerst gefahrvoll, da einerseits die Befürchtung besteht, daß die Insurgenten den Waffenstill- stand nicht acceptiren, andererseits lauten auch Washingtoner

Klasse

Medictnische Klinik

Chirurgische Klinik

Frauen- Klinik

Ophthal- mologtsche Klinik

I.

im Sommer­halbjahr

7 Mar!

6 Mark

7 Mark

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im Winter­halbjahr

7.50 Mark

6 Mark

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II.

im Sommer­halbjahr

3 Mark

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3 Mark

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im Winter­halbjahr

3.50 Mark

3.50 Mark

3.50 Mark

3.50 Mark