Ausgabe 
13.3.1898 Drittes Blatt
 
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h Mitteilung der Herren leiteerecheinungen, welche e s. B. Bleichen oht, Blut-

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Nr. 61 Drittes Blatt. Samstag den LZ. März

Krscheivt tägNch mit Ausnahme des Montags.

Die Gietzener Aamikienbtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

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Loeil

Berlin, den 21. Februar 1898.

Bekanntmachunq,

freu Ankauf von Remouten für 1898 betreffend.

Grotzherzogthum Heffeu.

Zum Ankäufe von Remonten im Alter von drei und ausnahmsweise vier Jahren find im Bereiche deS Großher- zogthum- Hessen für dirsrS Jahr nachstehende, Morgen- 8 Uhr beginnende Märkte avberouwt worden und zwar:

am 13. August Nidda.

15. Groß-Gera«,

16. Gernsheim.

Dir von der Remonte Ankauf» Commission erkauften Pstrde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung haar bezahlt.

Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landes» gcsetzeu den Kaus rückgängig machen, stad vom Verkäufer gegen Erstattung deS Kaufpreises und der Unkosten zurück» zunthrnen, ebenso Krippensetzer und Klophrugste, sowie Wallache mit ausgeprägter Hengstmanier, welche sich in den ersten zehn bezw. achtundzwanzig Tagen nach Einlieferung in den Depots als solche erweisen. Pferde, welche den Verkäufern nicht eigenthümlich gehören, oder durch einen nicht legtth mitten Bevollmächtigten der Commission vorgestellt werden, sind vom Kauf ausgeschlossen.

Die Verkäufer find verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starkem Gebiß und eine neue Kopfhalfler von Leder oder H-nf mit 2 mindestens zwei Meter laugen Stricken ohne besondere Vergütung mit- zugeben.

Um die Abstammung der vorgeführten Pferde feststelleu zu können, find die Deckscheine resp. Füllrnschetne mitzu- bringen.

Die Verkäufer werden ersucht, die Schweife der Pferde nicht zu coupireu oder übermäßig zu verkürzen.

Kriegsministertum. RemontirungS-Abtheilung.

____________________gez. Hosfmarm-Scholtz.____________________

Gefunden: 3 Portemonnaies mit Inhalt, 2 Paar und 1 einzelner Handschuh, 1 Schürze, 1 Taschentuch, 1 Kupfer­rohr und 1 Zirkel.

Zugelaufen: 1 Huhn.

Gießen, den 12. März 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v. Bechtold.____________________

Politische Wochenschau.

Ueberblickru wir die politischen Vorgänge der verflossenen Berichtsperiode, fo erkennen wir sofort, daß sie ganz be­sonderer Beachtung werth find und tief eiufchueideude Folgen 6 haben können. Da- ist besonders auf dem Grbiete der aus« wärtigen Politik der Fall. Während früher die einzelnen Staaten wetteiferten, ihre Landmacht zu verstärken, und der eine dem andern nicht nacksteheu wollte, haben fie jetzt ihren Wettbewerb auf die Kriegsflotte gelegt.

Amerika rüstet, baut Kriegsschiffe, verstärkt süne Fest­ungen und verpanzert seine Häfen, England ist nicht müßig, allen Eventualitäten vorzubeugen, und macht ebenfalls große Anstrengungen zur Verstärkung seiner Flotte. Japan läßt eifrig Kriegsschiffe herstellen, und nun kommt auch au- Ruß. land die Meldung, daß außerordentliche Aufwendungen für Marinezwkcke gemacht werden sollen. Rußland- Stellung in Oftafien hat in den letzten Tagen eine wesentliche Verschärfung erfahren. Bislang mit China ein Herz und eine Seele, ist Rußland arg verstimmt, daß es bei der großen chiuefifchen Anleihe so ganz übergangen worden ist, und bemüht sich jetzt, die bezopften Chinesen etwa- in die Enge zu treiben. Be- kauntltch befindet fich die rusfische Flotte bereits seit einiger Zeit in Port Arthur, wo eS ihr anscheinend so gut gefällt, daß fie dort für immer bleiben möchte. Deshalb hat Ruß­land an China die Forderung gestellt, daß dieses ihm Port Arthur und Talienwan auf 99 Jahre verpachte und den Bau einer Eisenbahn nach dem ersterrn Hafen gestatte. Da fich nun aber die Pachtangebote jetzt häufen und bei denselben für China nicht viel herauskommt, so sträubt fich deffrn Re­gierung, we-halb Rußland ein Ultimatum gestellt hat. Man darf wohl als sicher annehmen, baß China schließlich nach­geben wird, und Rußland seine Forderungen bewilligt erhält.

Die Dinge in Ostasien nehmen das Interesse zur Zeit derart in Anspruch, daß für andere auswärtige Angelegen-

heilen nicht viel Aufmerksamkeit übrig bleibt. Wir haben schon vorhin gesagt, daß auch die Bereinigten Staaten rüsten- vorläufig scheint aber der Conflict mit Spanten nicht zum Ausbruch zu kommen, da letzteres unter allen Umständen nachzugeben gezwungen ist.

Schwere Sorgen bereiten England neuerdings die Zustände in Indien. Die Pest ist bekanntlich wieder in stärkerem Maße ausgebrochen, wozu nun noch Unruhen in Bombay getreten sind. Solche Vorgänge erscheinen gerade unter den jetzigen Verhältnissen ernst, da ja die Ruhe an der afghanischen Grenze noch nicht definitiv wiederhergestellt ist und derartige Zwischenfälle, wie fie in letzter Zeit wieder» > holt in Bombay vorkamen, geeignet find, den Fanatismus ! der Inder zu schüren.

Don der Balkanhalbinsel liegen Meldungen von I besonderer Bedeutung nicht vor, doch wollen wir davon Vermerk nehmen, daß die Flnanzcoutrolle von den berufenen Stellen Griechenland- jetzt definitiv genehmigt worden ist. Hoffentlich erfüllen fich alle an diese Maßregeln geknüpften Erwartungen.

Große« Heil ist dem Fürsten Ferdinand von Bulgarien widerfahren: der Kaiser von Oesterreich hat ihn in Gnaden wieder ausgenommen und ihm eine Audienz gewährt. Wir wiffen ja, daß seit der orthodoxen Taufe des Erbprinzen Bort« sich dessen Vater den Zorn de- strenggläubigen Kaiser- Franz Josef zugezogen hatte und von diesem nicht mehr empfangen wurde. Selbst auf seiner Europafahrt, al- er die Anerkennung der Mächte in der Tasche hatte, mußte Ferdinand die schöne Donaustadt meiden, wo ihm die Hofburg verschlossen war.

Neber die Absichren de- neuen CabinetS in Oesterreich ist noch wenig bekannt. Vielfach stellt man ihm kein günstiges Prognosttkon und ist der Ansicht, daß er in seiner jetzigen Zusammensetzung unhaltbar sei. Soweit bis jetzt zu über­sehen ist, werden die Deutschen in der Opposition verharren, wenn ihre Forderungen nicht voll erfüllt werden. Graf Thun hätte übrigen- Gelegenheit, seine Energie in Prag zu zeigen, wo e- wieder zu argen Ausschreitungen der Czechen gekommen ist.

Daß auch auf innerpolitischem Gebiete die Ereignisse der letzten Woche daS allgemeine Interesse tu Anspruch nehmen, kann nicht bestritten werden. Die Flottenvorlage hat die erste Lesung in der Budgetcommission pasfirt, ohne daß die Forderungen selbst irgendwie gefährdet worden find. Im Gegenthetl, der Reich-tag ist der Regierung noch weiter ent» gegengekowmen und hat beschlossen, daß die SchiffSneubauten bereit- in sechs anstatt in sieben Jahren durckgeführt werden sollen. Nur die Deckungsfrage macht noch Schwierigkeiten, aber es steht zu erwarten, daß hieran die Flotteuvorlage nicht scheitert, umsomehr als die Regierungen jedenfalls bindende Erklärungen betreffs der DeckungSmlttel abgeben werden.

Betreffs der Mtlitärstrafproceßordnung ist man jetzt besserer Hoffnung und glaubt, daß doch noch etwas Brauch­bares zu Stande kommen wird, was sehr wünscheuSwerth wäre.

Daß die Erklärung der nationalliberalen Partei zum wirthschaftlichen Aufruf großes Aufsehen erregt hat, ist selbst» verständlich- die einzelnen Parteien sind jetzt dabei, Stellung zu diesem Vorgehen zu nehmen. (xx)

Aus den Verhandlungen der Zweite« Kammer der hefstfche« Stünde.

G. Darmstadt, 11. März 1898.

Die Sitzung wird um 9 Uhr eröffnet und die Budget- berathuug mit Capttel 103, Ceutralbauweseu im Ressort de- Ministerium- der Justiz, fortgesetzt. Der Ausschuß beantragt zu den Neuherstellungen und Repa­raturen einige Abstriche, insbesondere 500 Mk. für eine steinerne Treppe im Haftlocal zu Lich und 12445 Mk. für die Herstellungen und Erneuerungen bet dem LandeSzucht» hause zu Marienschloß. Ministerialrath Dittmar be­gründet in eingehender Weise die Forderung der Regierung und hebt hervor, daß sämmtliche Anforderungen einem dringenden Bedürfniß entspringen. Abg. v. Köth spricht fich für die Regierungsforderung auS, desgleichen der Abg. Köhler-Darmstadt. Der Letztere hält die Begründungen der Großh. Regierung über die Nothwendtgkeit der Forde­rungen für durchschlagender, als die gegentheilige Anficht des Ausschusses. Er wird für die Pofitton stimmen. Ebenso der Abg. Frenay. Bei der Abstimmung wird die ganze RegterungSforderung im Betrage von 70000 Mk. mit großer Majorität genehmigt. Damit ist der Justizetat erledigt.

Die Berathungen werden nunmehr mit Capitel 63, Handelskammern, fortgesetzt. Die Errichtung einer Handelskammer zu Friedberg ist hier vorgesehen und beantragt der Au-schuß, tn-gesammt 8965 Mk. zu bewilligen. Abg. Reinhardt bespricht den Zusammenschluß der verschiedenen ErwerbSgruppcn in Gewerbe und Handel- es sei da- ein erfreuliche- Zeichen. Seitens der Regierung möge man diese Bestrebungen unterstützen und womöglich noch weiter auSbaurn. Er regt noch bei der Gcoßh. Regie­rung die Frage an, ob es nicht angezeigt erscheine, junge Regierungs-Assessoren, welche Interesse und Berständntß für eine gesunde Handels- und WirthschaftSpolitik zeigen, bei irgend einer Handelskammer als Hilfsarbeiter zu verwenden. ; Hierdurch werde der Gesichtskreis jener Beamten wesentlich erweitert zum Nutzen ihrer Person und deS HandelsstandeS. Abg. Metz-Gießen ist ebenfalls für eine kräftige Förde­rung des Handerstandcs, insbesondere empfehle es fich, den so segensreich wirkenden kaufmännischen Fachschulen eine staatliche Unterstützung zu gewähren. Ministerialrath Emmerling sichert diese Unterstützung zu- für das jetzige Budget sei eS zu spät. Abg. Schröder spricht fich eben­falls für staatliche Unterstützung des HandelsstandeS, insbe­sondere des Unterricht-wesenS aus. Er stellt der Regierung anheim, die Anträge Römer, Schröder und Genossen in wohl» wählende Erwägung zu ziehen. Abg. Joutz dankt der Regierung Namens der Bevölkerung der Wetterau. D^p Er­richtung einer Handelskammer in Friedberg trage nunmehr einem längst berechtigten Wunsche Rechnung. StaatS- minister Finger empfiehlt, die Regierungsvorlage auzu- nehmen. DaS Capitel 63 wird hierauf einstimmig nach dem Ausschußantrag angenommen.

Zu Capitel 64, Centralkelle für die Gewerbe, beantragt der Ausschuß, unter Strich von Erhöhungen für den Diener und den Bibliothekar, 104 830 Mk. zu bewilligen. Darunter befindet fich ein Posten für einen neu anzustellendea Gewerbeschulinspector im Betrage von 4000 Mk. und 1200 Mk. Reisekosten. Staat-Minister Finger begründet die Roth- Wendigkeit der geforderten Beträge und hebt die Wichtigkeit deS Gewerbeschulinspector- hervor. Abg. Schröder ist erfreut, daß die Regierung und die Kammer ebenso wie der Landwtrthschaft auch auf dem Gebiete de- Gewerbewesens größere Summen als seither zur Verfügung gestellt hat. Er gibt einen geschichtlichen Ueberbltck über die Entwickelung deS Gewerbewesens, insbesondere des gewerblichen UnterrichtS- wesenS in Hessen. Er verweist dabei auf Württemberg, wo für da- gewerbliche Unterrichtswesen bedeutend: Summen verwrlltgt wurden. Die Gewerbevereiue seien die Träger der Organisation deS Kleingewerbes und neben diesen könnten Innungen und Fachvereinigungen im Verfolge ihrer In­teressen recht gut nebeneinander hergehen, jedoch seien die be­willigten Mittel noch nicht genügend, um alle die Aufgaben zu lösen, welche für daS Handwerk nöthig seien. Er bean­trage daher, zur Förderung der Zwecke der OrtSgewerbe» vereine, des Unterrichtswesens u. s w. weitere 10,000 Mk. in da- Staatsbudget etnzustellen. Mit einer platonischen Liebe für daS Handwerk sei eS nicht gethan und vom -rüneu Tisch auS lassen fich diese Fragen nicht regeln. Man müsse hinauSgehen, um zu sehen, wie die Dinge draußen im Lande stehen. Eine Nothlage sei auch im Grwerbestand vorhanden und da sei eS Pflicht eines jeden Mitgliedes des Hause-, zu helfen, ehe e- zu spät sei. (Bravo.) Abg. Köhler ist mit der Thätigkeit der Centralstelle für die Gewerbe und insbesondere mit den im Dienste dieser Behörde stehenden Wanderrednern Kahl und Brockmann u. f. w. höchst un­zufrieden, weil von denselben die Innungen und Fachvereiuig» ungeu in Wort und Schrift bekämpft würden. Er sei von verschiedenen Handwerkern beauftragt, diese Frage hier zur Sprache zu bringen. AuS den Gewerbevereinen seien die Ntchthaudwerker, insbesondere die Advocaten, zu entfernen. Der Handwerker könne seine Sache selbst führen. Regie- rung-rath Noack widerlegt die Ansicht bei Vorredners, als wolle die Centralsttllr für die Gewerbe den Innungen und Fachvereinigungen rntgegeutreten. Das sei nicht richtig- die Centralstille vertrete das gesammte hessische Gewerbewesen hx gleichem Maße. Die Ansicht, daß man versucht habe, neue Gewerbevereine zu gründen, geschehe nur, um die Durch» führung de- Gesetzes über die Organisation des Handwerk- und die Bildung von Handwerkskammern zu ermöglichen. Ueber einen Versuch hierzu sei man nicht hinauSgekomme«. Zu Mitgliedern der Gewerbevereiue habe man außer de« Gewerbestand auch die Industrie herauzuziehen. Die Ab­geordneten Osann und Ulrich besprechen noch die Ent­wickelung de- Handwerks, Bildung von Innungen und Hand-