Ausgabe 
12.8.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 187 Zweites Blatt.Freitag den 12. August

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

eee Nszetgen zu der Nachmittag» für den falßrndrN Ta% erscheinen den Nummer bi» Lor«. 10 Uhr.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. pierleljLhrNch.

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2 Mark 90 Pf,, monatlich 76 Pfg. mit vringerlohn.

Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de» In. und Äullaubt» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger mtgey«.

Erscheint täglich «it Ausnahme bei Montag».

Dl« Gießener Wa«t5te«§t»tter Werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Arris Gietzen.

, eptbttion aeb Druckerei: »r. 1.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. ä

Anrtlncher Tyall.

Nr. 37 de» Reichs-Gesetzblatt», ausgegeben den 6. d. M., enthalt:

(Nr. 2606.) Bekanntmachung, betreffend die Anzeige­pflicht für die Gtflügelcholera. Bom 6. August 1898.

Gießen, den 10. August 1898.

Großherzogliche» Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Der Großh. Kreisarzt Herr Dr. Haberkoru ist vom 8. bi» 27. August beurlaubt und wird während dieser Zett durch den Großh. SreiSasststeuzarzt Dr. Tjaden tu Gießen vertreten.

Gießen, den 8. August 1898.

Großherzogltche« KreiSamt Gießen.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Emil Bender beabsichtigt, aus de« Grundstücke Flur XI Nr. 147, Nr. 1473/<o Gartseld der Gemarkung Gießen, eine Setfenstedere, zu errichten. Pläne und Veschretbovg hierüber liegen 14 Tage lang, vom Erscheinen diese» in derDarmstädter Zeitung" au gerechnet, auf dem Bureau der Großherzoglichea vürgermetsteret Gteßeu zur Gioficht der Interessenten offen. Etwaige Einwendungen find btouen dieser Frist bei Meldung de» AnSschluffe» bei Großh. Bürgermeisterei Gießen vorzubrtngeo. 8011

Gießen, den 9. August 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Gießen, den 9. August 1898.

Brtr.: Die Feier de» 2. September.

Die

Großh. Kreis-Schulcommission Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sie, rubr. Fest wie seither tu deu Ihnen unterstehenden Schulen feiern zu laffeo.

v. Bechtold.

Gteßeu, deu 9. August 1898.

Betr.: Feier de» Namenstags Seiner Köotgl. Hoheit de» Großherzog».

Die

Großh. Kreis-Schulcommission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises.

Wir beauftragen Sle, rubr. Fest am 25. 66. Mts. in der seither üblichen Weise tu deu Jhueu unterstehenden Schulen feiern zu laffeu.

v. Bechtold.

Bekanntmachung.

In Hof-Schwalheim, Kret» Büdtngeo, ist dte aul- gebrochen gewesene Manl- und Klauenseuche wieder erloschen und dte verfügte Gehäftsperre aufgehoben worden.

Gießen, deu 9. August 1898.

Großherzogltche» Kreisamt Gteßeu. v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Da» Großh. Ministerium de» Innern hat dem Btehmarkt- Eomits zu Marburg a. d. L. dte Erlaubotß ertheilt, dte Loose einer am 15. k Monats zu Marburg stattfindendeu Berloosuug von Pferden, Fohlen, Wagen, Retserffeelen, Fahr- und Reitreqaifiten innerhalb der Provinz Oberheffrn zu ver­treiben.

Nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Ber- loosungsplan dürfen 15000 Loose ä 1 Mk. ausgegeben werden und sind 9800 Mk. zum Ankauf von Gewinnsteu zu verwenden.

Gießen, den 9. August 1898.

Großherzogliches KretSamt Gießen.

v. Bechtold.

Gießen, den 8. August 1898. vetr.: Rrmuueriruug de» PoltzetauffichtSpersonal».

Das Großherzogltche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Zur Rcmunerirung des PolizeiauffichtSpersooalS ist un» auch für das Etatsjahr 1898/99 von Großh. Ministerium dr» Innern eiue Summe zur Berfüguug gestellt worden.

Wir sehen daher binnen 14 Tagen Ihrem Berichte

entgegen, welche Polizeibedieosteten Ihrer resp. Gemeinden sich durch besonder» gewiffenhafte Pflichterfüllung einer Be­lohnung würdig gezeigt haben und wollen Sie hierbei da» nachstehende Schema zur Anwendung bringen.

Jo den Berichten ist ferner aozugebeo, ob auch da» anßerdienstliche Verhalten der Poltzeibedieusteten zu Klagen Anlaß gegeben hat oder nicht.

Diejenigen Bediensteten, welche Sie einer Belohnung nicht würdig erachten, wollen Sie un» ebenfalls unter An­gabe der Gründe namhaft wachen.

v. Bechtold.

Name

Alter

Dimst- jahre

Anzahl der pro 1897/98 von den Polizet- bebtenfteten erhobenen Anzeigen

Aeutzerung über die

Dienstführung

Bekanntmachung.

betreffend: Dte Besetzung der Stelle eines Bereioiguog»- commiffärs für die Provinz Oberheffeu.

Durch allerhöchster Drcret vom 27. Jult d. I». zum Bereintgungßcommtffär für die Provinz Oberhrffen ernannt, habe ich heute die Dieostgeschafte übernommen.

Mein Bureau befindet fich tu deu seitherigen Räumen, Friedberg, Färbergasse Nr. 3.

Ich bringe diese» zur Kennloiß der Betheiligten mit dem Ersuchen, alle für mich oder für den mit Wahrnehmung eine» Thetle» der Dienstgeschäste de» BereintguugScowmtffär» be­auftragten Großh. KretSamtmanu Merck zu Friedberg be­stimmten Postsendungen stetsan den Groß. Vereine- gnngscommiffär in Friedberg (Hessen)" nicht an dte Person eines der Beamten adresfiren und münd- ltche Anliegen Freitags Vorbringen zu wollen, an welche« Tage auf die Anwesenheit des Großh. KreisamtmannS Merck und de» Unterzeichneten in Friedberg gerechnet werden taon.

Friedberg, den 6. August 1898.

Der Großh. Beretntguvgscommiffär sür dte Provinz Oberhrffen.

Tüffert,

Großh. KreiSamtmann.

Feuilleton.

Der hohe gchMritlichk Mrrth der koßwavdkrungkn.

Von Dr. med. A. Hochdahl.

l Nachdruck verbot«.)

Es ist für unseren Körper durchaus erforderlich, daß er seine Muskeln täglich genügend bewegt, um den zur Ge­sundheit nöthigen Stoffwechsel hervorzurufen. Der ganze Lebensprozeß besteht nämlich tu einer unaufhörlichen Stoff­aufnahme und Stoffausscheidung, und je energischer dieser Stoffwechsel vor fich geht, desto gesunder ist der Mensch. Jede» Organ de» Körpers, welches gebraucht wird, stärkt fich und bleibt gesund. Ruhende Muskeln aber erschlaffen und verkümmern schließlich. Menschen, dte fich wenig be­wegen, viel ruhen, liegen oder fitzen, werden schwach, ver­drießlich, muthlo» und, al» fernere» Zeichen de» gestörten Stoffwechsel», gedunsen, fett oder bei bereit» vorhandenem Siechthum mager. Auch ist dte Geficht»farbe bleich und dte Nerven werden gereizt, es entwickelt fich dte moderne Rervofität.

Bewegung und Muskelübung find die natürlichsten und sichersten Mittel der Gesundheit, der Rtäftigung der Nerven und Mu»keln, de» Kreisläufe» und der richtigen Bertheilung de» Blute». Au» dem Blute quillt eben alle» Leben, weil an» dieser rothen, in den Blutgefäßen durch alle Thetle de» Körper» strömenden Flüsfigkeit da» Material zur Unterhaltung dr» Stoffwechsel» stammt.

Bewegung und MuSkelÜbvng wirken um so vollständiger, wenn fie im Freien, in der frischen, reinen Luft auSgeführt werden. Der Landwann und der Förster verdanken ihre sprichwörtlich gewordene Gesundheit und ihr gesunde» Aus­sehen nur der Bewegung im Freien. Darau» ergibt fich schon für den bleichen Städter der hohe Werth der Fuß- wanderung-v.

Jede körperliche Bewegung zu Gesundheit»zwecken ist um so wohlthätlger, je mehr fie mit froher Stimmung au»- geführt wird. Deßhalb find diejenigen Bewegungen, welche mit Vergnügen zugleich verbunden find, wie beim Ball-, Lauf- und Haschspiel, bet« Reiten, Schwimmen und Jagen, dte nützlichsten für die Gesundheit. Wenn Kinder bet ihren Spieleu laut jauchzen, kceischen und schreien, so ist das keine Unarr, sondern der natürliche Ausdruck de» Wohlbehagen», de» Vollgefühl» der Gesundheit, tu welche sie eben ihr ge­sundes Spiel versetzt.

Doch jede Bewegung hat auch ihre Regeln. Keine Be­wegung soll übermäßig bis zur Ueberanstrengung geschehen oder gar Über die Ermüdung hinaus mit Gewalt fortgesetzt werden. In letzterem Falle werden Gehirn, Lunge und Herz mit Blut Überfüllt und Überhitzt,- in solchem Zustande der edlen Organe kann dann da» heftige Athewholen, nament­lich bei kalter Luft, Husten, Lungenentzündung, bet schwacher Brust sogar Blutspeien zur Folge haben. Dte gewöhnlichste, nützlichste und billigste Bewegung, welche die an eine fitzende Lebensweise oder Berufsart gebundenen Personen fich machen, ist da» Spazierengehen oder die Fußwanderung.

Beim Spazierengehen beachte «an zu seinem eigenen Wohle folgende Punkte: Man gehe nie sogleich mit vollem Magen au», sondern warte eine Stunde ab, bi» dte erste Stufe der Verdauung vorüber ist, der nothwendige Erguß de» Magensafte» und dte erste lösende chemische Einwirkung deffelben auf die Speisen stattgefuuden hat. In diesem Falle wird dte Verdauung durch den Spaziergang leicht und an­genehm Wetter befördert. Man beginne den Spaziergang nie hastig, sondern fange ihn mit langsamen Schritten an, beschleunige ihn allmählich und laffe fie gegen Ende de» Spazierganges wieder langsamer werden. Dann gehe man nie in schlaffer, nachläsfiger Haltung, am wenigsten aber in Hineigung zu der Lage, welche man während der Sitzarbeit etnzuruhmeu pflegt. M/rn richte fich vielmehr stramm, fest

und gerade auf, dehne die Schultern zurück, hebe die Brust und gehe nicht mit schleichendem, sondern möglichst mit mili­tärischem Schritt.

Man befleißige fich, beim Ausgange kräftig und tief die Brust mit frischer Luft zu füllen und benutze jede paffende Grlegenheit zu sonstigen Körper-, namentlich Arwbeweguugeu. Mode und Sitte zwingen unsere Damen viel zu sehr, den Oberkörper und die Arme beim Prowenireu ruhig, beinahe unbeweglich zu halten.

Ein Spaziergang soll ferner alles ernstliche Nachdenken, Grübeln und Anstrengen der Phantafie ausschlteßro und von einer heiteren GewülhSftimwung begleitet sein, dte man fich durch Anblick einer schönen Natur oder auch durch dte Be- gleitung eines angenehmen Gesellschafters bereiten kann.

Man gewöhne fich daran, bet jedem Wetter, etnerlet, ob Regen, Schnee, Wtnd oder Sonnenschein herrscht, dte täg- ltchen Promenaden tonezuhalten- nnr kleide man fich der Witterung gemäß, rede nicht viel bet starkem Winde oder zu kalter Luft, es kann dies nicht nur eine Erkältung herbei- führen, sondern hindert auch unter allen Umständen das ge­nügend tiefe Sthemholen und beschleunigt dte Ermüdung. Wer eS haben kann, gewöhne fich daran, jeden Morgen vor dem ersten Kaffeefrühstück nach dem Genuffe eines Glase» frischen Waffer» einen Frühgang zu wachen. Diese Früh- gänge find namentlich für Beamte, Gelehrte und alle sitzenden Stubeuarbeiter von höchster Bedeutung, denn fie verhindern Hämorrhoiden und Hypochondrie und geben dte richtige Arbeitslust.

Auch bei weiten Fnßwaaderuugen, namentlich auf Reisen, fange man nie zu schnell an und halte immer einen mäßigen Schritt, denn Maßhalten ist eine der ersten Bedingungen zu einer angenehmen und nützlichen Fußwanderung. Wer nicht von Hause au» an längere Fußtouren gewöhnt ist, der muß auf Reiseu höchst vorsichtig sein. Am ersten Tage genügt eine Fußwanderung von 1 f/2 bi» 2 Stunden. Auch am