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12.7.1898 Erstes Blatt
 
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Hiuterfeite de» Kopfes den Friseuren. Die Babiere dürfen jedoch, wenn sie sich de» EtufetteuS und Pomadtsiren» der Haare enthalten, auch Haare schneiden. Da» Pomadtsiren gehört den Friseuren. Die Folge war, daß die Barbiere Haare schnitten, ihren Kunden Oel und Pomaden zurecht« stellten, und daß die letzteren da» Oelen und Salben selbst besorgten. Eine nochmalige Beschwerde der Friseue bet dem Gewerberath war erfolglos, denn dem letzteren ging e» wie d m bekanntenGreis, der sich nicht zu helfen weiß." Die Kürschner verklagten die Schneider, welche einen P:lzrock an« gefertigt hatten. Der Gewerberath entschied: Dem Schneider gehört" die Außenseite de» P lzeS, dem Kürschner die Innen« fette de» Pelzrocke». Al» nun die Schneider nachwiesen, daß der Kürschner gar keinen Pelzrock anfertigeu kann, wenn er nicht vom Schneider den Rock geliefert erhalt, den er mit Pelz füttern darf, versagte wiederum die Weisheit des Ge- werberathe». Auch der Appell an die Regierung brachte keine Entscheidung. Die Frageschwebt" noch beute._______

Eingesandt.

Gieße«, 11. Juli 1898.

Auf einem Spaziergange durch die Grünbergerstraße kann man jetzt eine geänderte Thoretnfahrt bewundern, die jedem Gießener -Einwohner, der städtische und allgemeine Angelegenheiten mit In­teresse verfolgt, auffallen und zu denken geben muß. An sich ist ja «ine geänderte Thoretnfahrt nichts Befremdliches, die erwähnte Aende- rung aber betriffi einen städtischen Weg. der weiterhin eine Brette von 2 bis 27t Meter hat und dessen Eingang nun auf 75 Centi- :n?ter verengt worden ist. Bor Kurzem war derselbe durch eine Schranke, welche etn anliegender Etgenthümer hotte ziehen lassen, überhaupt gesperrt; die Schranke mußte tndeß, einer Verfügung der Stadt zufolge, wieder fallen, was sowohl im allgemeinen, als be­sonders tm Jntereffe der Einwohner, welche die Schmall'sche Bleiche benutzen müssen, und deren sind gar nicht wenige, dankbar begrüßt wurde. Da kaum anzunehmen ist, daß von Stadt wegen dieses neue Hinderniß errichtet worden ist, muß man vermuthen, daß einer der beiderseitigen Anlieger in dieser wenig förderlichen Weise vor- gegangen ist, und man wundert sich billig darüber, daß dergleichen picht polizeilich verhindert wird. Ein nothwendiger Weise stark be­nutzter Weg, der zum Wäschetransport auch für Handwagen befahrbar fdn muß, dürfte auf alle Fälle fretzuhalten fein, so lange nicht Er­satz für ihn geschaffen tst. Sicher wird die Stadt, auch wenn die Anlieger zu dem erwähnten Vorgehen berechtigt sein sollten, im Stande sein, dem drückend empfundenen Uebelstande abzuhelfen.

Wissenschaft, Literatur nnd Annst.

Die Königin Margherita von Italien ist eine der schönsten Frauen ihrer Zett. Mit der außerordentlichen Anmuth und Grazie der Erscheinung verbindet die hohe Frau einen feinen Geist und etn tiefes Empfinden für alles Schöne. Die Königin in ihrem Privat­leben schildert in einem ungeme'n fesselnden Aufsatz das soeben er­schienene Heft 22 derModernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin W. 57, Leipzig, Wien, Stuttgart, Preis 60 Pfg.). Als be­sonders interessante und werthvolle Beigaben treten zu dieser Schil­derung Bilder der Königin und ihrer Hofdamen hinzu, welche bis­her noch nie veröffentlicht worden sind. Auch der prächtige Empfangs- silon der Königin ist wtedergegeben. So entzückend sind alle diese Silber, daß sie allein schon genügen, um Heft 22 derModernen Kunst" in bester Weise zu empfehlen. An wetteren trefflichen Gaben ist kein Mangel. Meisterlich sind wieder die als Wandschmuck ge­eigneten großen Holzschnitte nach den OelgemäldenSphinx" von O. Ltngner,Nach dem Sturm" von Th. Weber undWallfahrer «m Ziel" von A. Tiratell«. Auch die großen IllustrationenRusina und Justin«" von dem spanischen Meister Gonzales,Eine Katzen- rnufik von I. Adam und die farbig vorzüglich ausgeführte doppel­seitige IllustrationModernes Velodrom in Parts" von G. Scott verdienen ebenso wie die zahlreichen Portraits und Illustrationen

im Zick-Zack die höchste Anerkennung. Aber nicht nur nach der künstlerischen Seite, sondern auch nach der literarischen Seite erweist sich Heft 22 derModernen Kunst" als eine glänzende Leistung.

Im Reiche derTausend Inseln". Neben den großen Antillen fordern in dem zwischen Spanien und Nordamerika aus­gebrochenen Kriege die Philippinen das größte Interesse. Es ist da­her höchü zeitgemäß, wenn die bekannte «llustrtrte Famtlten-Zett- schrist ..'ihtr Guten Stunde" (Deut-ches N-rlagsbauS Bong L Co., Berlin' W. 57. Prers beS Vrerzehntaashefles 40 Pfg.) in ihrem neuesten Hefte einen ausführlichen, spe litt auf datz Leben der Tagalen, der Aufständischen, eingehenden illustrirten Aufsatz veröffentlicht. Auch die übrigen Darbietungen d-S Heftes stehen wiederum auf der vor­nehmen Höhe, welche diese Zeitschrift einnimmt.

Während Dr. Hans Mcyer im Laufe des Juni seine abermalige Reise zum Kilimandscharo anaetreten hat, bricht sein um 12 Jahre jüngerer, aber auch schon als Forschungsreisender ver­dienter Bruder, Dr. Hermann Meyer, zu s.iner zweiten Reise im August nach dem Inneren Südamerikas auf. Sein Ziel ist der vor zwei Jahren von ihm entdeckte Atelcku- (äieintm) Fluß, welcher iU den Quellst,ömen des Lingu gehört. Am Atelchu wie am Kuluöne wohnen noch Indianerstämme, die von keinem Europäer bisher be­sucht wurden und reiche ethr ozraphtsche Ausbeute versprechen. Ein Arzt, ein Naturforscher und etn Photograph werden Dr. Hermann Meyer begleiten.

rlniversitäts. Nachrichten.

Zum Prorector der Universität Göttingen wurde für die Zeit vom 1. September 1898 bis 1. September 1899 der Profess-r Dr. Runge, Dtrector der dortigen gynäkoiogischen Klinik, gewählt.

Unterhaltungen in Bad-Nauheim

vom 12. Juli bis 17. Juli.

Dicnstag den 12. Juli, Nachmittags von 4Vt bis 7 und von 8 bis 10 Ubr auf der Terrasse: Eoncert der Capelle des 2. Großh. Hess. Inf. Regts. Kaiser Wilhelm Nr. 116 aus Gießen. Bet gutem Wetter spielt die Kmcopelle von 6 bis 8 Uhr am Teichbause. Mittwoch den 13. Juli, Nachmittags von 4 k bis 7 und von 8 bis 10 Uhr auf der Terrass : Eoncert der Capelle des Königl. Bayr. 2. JSgerbataillonS aus Aschaffenburg. Abends 8 Uhr: Theater­vorstellung. Der Deilchenfresser. Donnerstag den 14 Juli, Nach­mittags von 5 bis 7 und von 81 > bis 10 Ubr: Concert der Kur- capelle auf der Terrass.'. Von 87, bis 10 Uhr spielt die Capelle Tänze und kann auf dem nordwestlichen Theile der Terraffe getanzt werden. Freitag den 15 Juli. Nachmittags von 5 bis 7 Uhr: Concert der Kurcapelle auf der Terraffe. Abends 8 Uhr: Theater­vorstellung unter Mitwirkung der Kurcapelle. Giroflä Girofla. Samstag den 16. Juli, Nachmittag« von 4 bis 7 und von 8 bis 88li Ubr auf der Terrasse: Concert der Capelle des Jnf.-Regiments Nr. 166 aus Hanau. Nachmittags 4 Uhr: Theatervorstellung iür Kinder und Erwachsene. Tischlein deck dich; Eselein streck dich; Knüppel aus dem Sack. Abends von 8 bis 10 Uhr im Saale: Tanz. Vorläufige Anzeige: Sonntag den 17. Juli, Nachmittags von 47t bis 7 und von 8 bis 10 Ubr aus der Terrasse: Concert der Capelle des Pionierbataillons Nr. 19 aus Straßburg.

verkehr, Land« nnd volkrwtrthschaft.

GrüUverO, 9 Juli. Frucktpreise. Weizen X00,0000,00, Korn X 16,50-17,00, Gerste X 00,00-00.00, Hafers 00,00-00.00, Erbsen X 03,00-00,00, Linsen X 00,00, Wicken x 00,00, Lein X 00,00, Kartoffeln X 9,00-10,00, Samen X 00,CO.

Neueste Nachrichten.

Depeschen de» BureauHerold".

Berlin, 11. Juli. Da»Kleine Journal" veröffentlicht Mitthri ungrn über eine Unterredung, die eine bekannte politische Persönlichkeit gestern mit einem der hervorragendsten Würdenträger de» russischen Hofe» bezüglich der etwaigen

Folgen de» spauisch-amerikanischeu Loufliete» gehabt habe. Danach äußerte die betreffende hohe Persönlich­keit sich dahin, sie glaube, die Frtedeu».Berhandlungeu zwischen Spanien und Amerika würden der gelammten europäischen Diplomatie noch große Schwierigkeiten bereiten, weil Amerika nach den letzten Erfolgen kaum mit der ursprünglich geforderten Herstellung von Euba sowie einer Kriegsentschädigung zufrieden sein werde, vielmehr auch noch Portorico und den asiatisch-polynesischen Besitzstand verlangen werde. Die Erfüllung dieser Forderung würden aber weder Rußland noch die übrigen interessirten Mächte zugeben. Rußland speciell würde auf die Dauer den ameri« kanischen AnneetirungSgelüsten nicht mit verschränkten Armen zusehen. Rußland wolle den Frieden und sei im Stande, seinem Willen den nöthigen Nachdruck zu verschaffen mit oder ohne England, welch l-tzteres, wie sich bald zeigen werde, zu seinem Schaden fitzt noch bemüht sei, eine Entente cordiale oder gar ein Bündniß mit der Union zu schließen. Bezüglich de» Verhältniffe» zwischen Rußland und Deutschland bemerkte der betreffende russische Diplomat, die Beziehungen zwischen d:esen beiden Mächten seien die besten. T» sei übrigen» ausgeschlossen, daß der spanisch-amerikanische Covflict errste D.fferenzrn zwischen den europäischen Mächten entsteht« lasst« könnte. Der Weltfriede sei nachgerade das Bedürsntß aller Großmächte.!

BreSlau, 11. Juli. Die Maurergesellen find heute in einen Strtke eingetreten, weil zehnstündige Arbeitszeit und 65 Psg. Stundenlohn nicht bewilligt wurden.

Eger, 11. Juli. Der von den Schönerianern abgehalteue deutsche Bolkstag beschloß nach einer Rede Schönerer-, solgende Resolution anzunehmeu: au den nationalen Forde­rungen festzuhalten und allen denjenigen deutschen Abgeord­neten, welche bezüglich der Aufhebung der Sprachenverord- uungen sich mit der Regierung tu Unterhandlungen einlesseu, ihre Verachtung auszudrücken.

Wien, 11. Juli. Das Gerücht von der bevorstehenden Verlobung des Erzherzog» Franz Ferdinand Este mit der Prinzessin Marte Loutse von Cumberland beruht auf That« fachen. Von beft unterrichteter Sette wird mitge'.hetlt, daß diese Verbindung etn Herzenswunsch des Kaisers sei. Die Prinzessin wird zum Katholizismus übertreten und die Hoch- zeit-feier soll noch vor den JubiläumSsestlichkeiten stattstadeu.

Brussel, 11. Juli. Großes Aufsehen erregt die Blätter« meldüng, wonach die belgische Regierung einige Stunden von der deutschen Grenze entfernt einen Arttlleriepark an­gelegt hat, welcher der größte der Welt werden wird. Der- felbe soll einerseits den Artilleriemanövern, andererseits dem Probiren der großen Feldgeschütze dienen.

Loudon, 11. Juli. Wie au» Santiago gemeldet wird, wüihet seit SamStag Nachmittag dort etn heftiger Kampf.

Die allbekannte Großfirma M. Jacobsohn, Berlin, Linienstraße 126, hat in den letzten zehn Jahren viele Taufende von Familien-Nähmaschinen an die Mitglieder von Forst-, Lehrer-, Bahn-, Krieger-, Post- und Beamtenvereine, sowie an Private und Schneiderinnen fast nach allen Städten Deutschlands geliefert. Jeder­mann kann sich von der Vorzüglichkeit der Maschinen persönlich überzeugen, indem die Firma gern Adressen angibt, wo die Maschinen im Betrieb zu besichtigen sind. Referenzen fast aus allen Städten Deutschlands. In Fahrrädern wirdKrone" sowie MarkeMilitaria", als wirklich gutes Fabrikat, billig geliefert.

Verdingung

Die Maurer-, Zimmerer-, Schreiner-, Schlosser- und Weiffbinderarbeiten zwecks Ein­richtung einer Niederdruck-Dampf­heizung im Gebäude der höheren und erweiterten Mädchenschule sollen Samstag den 16. d. M,

Vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden.

Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns in Zimmer Nr. 6 offen. Angebote auf Vordruck smd bis zum genannten Termin ver­schlossen und mit entsprechender Auf­schrift verfehen einzureichen.

ZuschlagSfr st 3 Wochen. Gießen, den 11. Juli 1898.

Das Stadtbauamt.

._______Schmandt._____6983

Wtwoch öm 13. Juli 1898,

Nachmittags 2 Uhr,

»erben im Bieker'scken Saale versteigert: mehrere Sophas, 1 Sopha mit 2 Sesseln und 6 Stühlen, 1 Buffet in Nußbaum mit Marmorplatte, 1 Nähmaschine, 1 Wascb- und Nacht­tisch mit Marmorplatten, eine Partie Glas-, Porzellan- und Nippsachen, 2 Weinbowlen, versch. Sachen aus Hirschgeweihen, 1 Kleiderschrank, ein Weißzeugschrank, zwei Hobelbänke, Werkholz, 1 großer Cassascbrank u. A. m

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