Ausgabe 
12.6.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 135 Drittes Blatt.______Sonntag den 12. Juni_______________________AS9S

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Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die Turngemeinde Darmstadt beabfichtigt eine Ber- loosung von Silber- und Gebrauchsgegenständen zu veranstalten, um die Mittel znr Erbauung etuer neuen Turnhalle zu gewinnen.

Großherzogliches Ministerium des Innern hat ausnahms­weise die uachgesuchte Erlaubntß zur Veranstaltung dieser Berloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 100,000 Loose zu 1 Mark da- Stück, auSgegeben werden dürfen und mindesten- 50 pCt. de- Bruttoerlöse» au- dem verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegeustanden zu verwenden find.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet wordeu.

v. Gagern.

Politische Wochenschau.

Die starke Hitze, welche in den letzten Tagen herrscht, macht sich bereits in der Politik geltend. In der Redaction de- »Figaro- ist ein Entlein auSgebrütet worden, welche» feinen Flug durch Europa munter und wohl antrat, um schließ­lich in der Wilhelmftraße in Berlin ein klägliche» Ende zu finden. Bekanntlich weilt Reichskanzler Fürst Hohenlohe in der französischen Hauptstadt. Giebt es für ihn dort eine bessere Beschäftigung, al- den Parisern von seiner ArntS- müdlgkeit zu erzählen und von dem Entschlüsse, bald nach seiner Rückkehr nach Deutschland, den Reichskanzlerrock an den Nagel hängen und fich auf seine Güter zurückziehen zu wollen? In Deutschland hat wohl Niemand diese Mär ge­glaubt, und so war eS denn auch ziemlich überflüssig, daß man eS an officiöser Stelle der Mühe werth fand, die Nach­richt in optima forma zu demeutirev.

Graf PosadowSky ist jetzt, so kurz vor den Reichstag-- Wahlen, ein geplagter Mann, da die Vorbereitungen dazu in sein Reffort gehören. Aber er ist auch ein sehr geschäf­tiger Mann, so findet er neben seinen Amtspflichten noch Zett, Briefe zu schreiben, in denen er zum Ausdruck bringt, wie fich Wähler zu verhalten haben, denen daS Wohl der Krone und deS Vaterlandes wahrhaft am Herzen liegt. Da- Schreiben des Grafen PosadowSky an dennotablen Politiker" hat denn auch nicht verfehlt, großes Aufsehen zu machen. Biele Erörterungen wurden darau geknüpft, insbesondere, ob der Staatssekretär auf eigene Faust gehandelt habe oder im Etnverständnlß mit seinemChef", dem Reichskanzler. Man construirte bereits einen regelrechten Covfl ct zwischen Reichs­kanzler und Staat-secretär, dem aber schließlich durch etu

Feuilleton.

Aus Kerrn Knurigs Schkaftockpredigten*).

Vom Rauche«.

Nein, da- geht wirklich nicht länger an, daß ich mich in meiner eigenen Behausung nicht frei bewegen darf. Ich komme mir fast psie ein Schuljunge vor, der sich fürchten muß, bet der Etgarre ertappt zu werden. Allerdings hast du mir gnädigst gestattet, in meiner Arbeitsstube hie und da eine Cigarre raucheu zu dürfen, nachdem du erkannt hattest, daß eS aller Utberredung-kunst nicht möglich wäre, mir diesen Genuß ganz zu verkümmern. Aber selbst daS gibst du nur unwillig zu, denn wenn du zufällig hinein- kommst und ich just tu etwas valleren Zügen geraucht habe, so steckt du eine Miene auf, al- ob ich alle sieben Tod­sünden multiplicirt verbrochen hätte.Entsetzlich! Zum Umkommen!" heißt e» da. Und wenn ich mich mit meinem Gltmmstengel sür einen Augenblick nach einer anderen Stube begebe, so werden all. Fenster ausgertffen, al- gälte e-, den Teufel zu verscheuchen. So kann das nicht wettergehen! Hol der Henker die Gardinen und wie sonst noch da- Zeug heißt! Dein Vater raucht auch nicht zu Hause? Nun ja, der ist gut dresfirt worden, da» merkte ich schon vor langer Zeit- bet mtr aber läßt fich da» nicht durchführen. Der Mann deiner Freundin raucht gar nicht zu Hause? Wird wohl auch so einer sein. Doch was kümmert da» mich. Mögen Andere machen, was sie wollen oder müffeu, ich werde von nun an hier rauchen, in allen Räumlichkeiten.

*) Verlag von Levy L Müller, Stuttgart. (Preis in illuftr. Umschlag Mk. 1.50.

amtlichl» Dementi und durch die Erklärung, daß Gras Poia- dow-ky vollständig im Einvernehmen mit dem Fürsten Hohen­lohe jenen vielberuseuev Bries geschrieben habe, ein Ende gemacht wurde. Dadurch wird die Kundgebung de» Staat»- srcretär» gewissermassen zu einem Wahlprogramm der Regie­rung gestempelt.

In Brüffel tagt die internationale Zuckerconserenz wegen Abschaffung der Ausfuhrprämien. Man verspricht sich von vornherein keinen großen Erfolg von den Verhandlungen, und soll insbesondere England wieder einmal daS Karnickel sein, welche» seine eigenen Wege gehen und wegen der Vor­theile, die e» fich aus einem Handelsvertrag mit den Ver­einigten Staaten verspricht, in der Prämienfrage nicht mit- thun will.

Frankreich hat jetzt seine MinisterkrifiS. MLline sieht anscheinend ein, daß er mit dem jetzigen Cabinet vor der neuen Kammer nicht bestehen kann- er hat deshalb eine gründliche Reconstruction vor, der voraussichtlich sechs Porte­feuilles zum Opfer fallen werden. Wohl oder übel muß Msline, um feine Regierung lebensfähig zu machen, fich noch weiter nach Link» wenden und dort Unterstützung suchen. Ob e» ihm überhaupt gelingen wird, fich noch lange zu halten, ist bei den Verhältniffen in Frankreich sehr fraglich, dort hängt die Regierung von gar zu vielen Zufälligkeiten ab.

In Oesterreich laoirt Gras Thun immer noch weiter. Inwiefern die Meldungen richtig find, daß er seine Demission etngereicht habe, läßt fich nicht controlltren, jedenfalls ist seine Lage eine sehr schwierige. Welche Umstände in Oester­reich eigentlich dafür sprechen, daß die Regierung den Badcni'schen Weg immer noch munter weiter wandelt, erscheint ein Räthsel, wenn man fieht, daß die Situation eine unhalt­bare ist. Die Parlament-Verhandlungen bleiben ergebnißloS, die Staatsgeschäfte stocken, und die Erbitterung der Parteien wird immer größer. E» wäre ein Schlag den Deutschen in- Geficht, sollte es fich bestätigen, daß die jungezrchischen Führer und auch der Prager Bürgermeister wiederum mit Auszeichnungen bedacht werden sollen.

Auf dem Balkan scheint fich wieder Manche- zuzu- spitzen. Die Au-landreise des Fürsten von Montenegro wird fortgesetzt commentirt, und mit Mißtrauen blicken die übrigen Balkanstaaten nach Cettinje. Bei der Eifersucht, die unter jenen kleinen Reichen herrscht, find Reibungen nicht ausgeschlossen, und die europäische Diplomatie thäte gut, ihre Aufmerksamkeit fortgesetzt den Verhältnissen auf dem Balkan zuzuweuden.

In dem spanisch»am erikanischen Kriege hat sich die Lage wieder zu Ungunsten der Spanier verschoben, die voraussichtlich doch der Uebermacht werden weichen müffeu. Mit den Amerikanern allein würden sie e- jedenfalls auf» nehmen, aber sowohl auf Cuba, wie auf den Philippinen find

Ei, sag wa» du willst, vom verpesten der Luft, der theuereu Möbel und waS sonst noch. Keine Liebe? Damit bekundet man nicht seine Liebe. Im Gegenthejl, eine liebende, kluge Gattin wird fich immer bemühen, dem Gatten die Häus­lichkeit so bequem wie möglich zu machen und ihn nicht sozusagen gewaltsam zum Besuche von WirthShauS oder CafshauS veranlasieu. Ich werde von nun au ganz uugenirt zu Hause rauchen! Und du bist klug und vernünftig genug, um einznsehen, daß ich Im Rechte bin.

Das Esse«.

Warum ich den Teller bei Seite schiebe? Glaubst du wirklich, daß ein Mensch ohne Gefahr für seine Gesundheit und ohne gänzliche Verleugnung seine- Geschmackes solche» Zeug genießen kann? Da ist ja der ärgste Wirth-hauSfraß ein köstliche» Göttermahl dagegen. Deine Köchin versteht so viel vom Kochen wie der Esel vom Ziiherspiel. Warum mir das gerade heute auffällt? Weil ich bisher nicht reden wollte. Hab' genug oft im stillen Aerger diese» diese- Ding da heruntergewürgt und de» lieben Friedens willen dazu noch ein freundliche- Geficht gemacht. Aber was zu viel ist, ist zu viel! Zwar wenn ich bedenke, wie heutzutage die Mädchen erzogen werden, kann eS mich gar nicht ver­wundern, daß eine solche Bescheerung auf den Tisch kommt. Alle» wird ihnen beigebracht, nur daS nicht, wa» eine Hau»- frau reiften muß. Ob ich am Ende dir die Schuld zn- schiebeu will, daß da» Essen wißrathen ist, oder, wie du sagst,ein bischen ander» als e» sein sollte?" Eigentlich. nicht- aber, nimm e» mir nicht übel, so ganz und gar möcht ich dich hiervon auch nicht freisprechen. Da» ist einmal I

die Insurgenten in eine kräftige Action eingetreten, der, ver­eint mit dem Vorstoß der amerikanijchen Truppen, die Spanier nicht gewachsen sind. Noch klammert fich die Madrider Re­gierung an die Möglichkeit, daß eine Wendung zum Besseren etntrete, noch macht sie übermenschliche Anstrengungen, um einen Erfolg herbeizuführen, aber ein solcher erscheint so aus­sichtslos, daß es im Interesse Spanien» an der Zeit wäre, wenn die Mächte intervenireu und einen möglichst günstigen Frieden herbeiführeu würden. (xx)

Deutsches Reich»

Darmstadt, 10. Juni. Aus Laxenburg bei Wien wird derDarmst. Ztg." unterm 9. Juni gemeldet: Gestern fand vor den Allerhöchsten Herrschaften große» vorreiteu in der spanischen Reitschule start. Seine Königliche Hoheit der Großherzog war zum Frühstück bei Sr. K. Hoheit dem Erzherzog Ludwig Victor geladen. Heute vormittag fuhren die Herrschaften nach Wien zur FronlrichuamS-Prozesfion. Die Abreise der Allerhöchsten Herrschaften ist zunächst verschoben.

Berlin, 10. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." bezeichnet die engltfche Blättermeldung, daß ein Wechsel in der Person de» deutschen Botschafter- in Konstantinopel bevorstehe, al» unbegründet.

Pultförmige Fernsprechgehäuse. Bei Be­nutzung von Sprechstellen der Stadt-Fernsprecheinrichtungen wird häufig da» Bedürfniß empfunden, die gehörten Mit­theilungen, besonder» Zahlen und Namen, sogleich nieder zu schreiben. Die bisher durch die Neichs-Tclegraphenverwal- tung ausschließlich verwendeten schrankförmigeu Fernsprech­gehäuse entbehrten indeß einer Unterlage zum Schreiben - die Inhaber von Sprechftellen waren darauf angewiesen, sich eine solche durch Anbringung eine» Pulte- neben dem Grhäuse auf eigene Kosten zu beschaffen. Neuerdings werden Fern­sprechgehäuse ausgegeben, dte derartige besondere Vortchtungen entbehrlich machen, indem die Pullfläche au-mattgrschliffeuem Milchglase besteht, auf dem Mittheilungen unmittelbar nieder- geschrieben werden können. Ein Schwämmchen dient zu« Enfernen der Schrtftzeichen. Oberhalb de- Pultes ist da» Mikrophon in bequemer Höhe am Grundbrett befestigt. Der ganze Apparat ist vornehm au-gestattet und erfordert nicht mehr Raum, al» die fchranksörmigen Gehäuse. Eine Ge­bührenerhöhung tritt bei seiner Benutzung nicht ein. Soweit der für da- laufende Jahr beschaffte Bestand au»reicht, wird neu hinzutretenden Theilnehmern die Wahl zwischen den Ge­häusen in Schrauksorm und denen in Pultform gelaflen. Ein Umtausch von den im Betrieb befindlichen schrankförmigen Gehäusen gegen solche in Pultform findet vorläufig nicht start, da der Bestand dazu noch nicht ausreicht. Ob die neuen Ge-

Sache der Hausfrau. Da hättest Du meine Mutter sehen sollen. Ich komme schon wieder mit der Rede von meiner Mutter daher? Wie denn nicht! Sie hat allerdings nicht» von Spritzmalerei und Kerbschnitzerei verstanden, aber wie eine Suppe gekocht werden soll und wie ein Teig zu kneten sei, da» wußte fie gründlich. Warum ich nicht meine Mutter geheirathet habe? Rede keinen Uufinn! Schaden könnte c» jedoch n'cht, wenn ihre Schwiegertochter ihr auch in mancher Beziehung gliche. Jetzt kommt natürlich da» Thränentüchlein wieder hervor. Sei kein Kind! Da» Essen wäre gar nicht so schlecht, meine üble Laune nur fäebe e» so arg? Ra, da muß ich doch bitten! Du wirst mir doch zugeben, daß ich da» Recht der Kritik habe, e» ist sogar nöthig und nütz­lich, fich darüber zu äußern. Wir müffeu doch nicht da» Geld zum Fenster hinauSwerfeu und dabei noch hungrig vom Tische aufstehen. Da wär' e» auch kein Wunder, wenn der Mensch wirklich schlecht gelaunt würde. Ich fordere ja nicht, daß du selbst kochen sollst, da» schon gar nicht, aber Nein, ich zweifle nicht an deiner Kochkunst, obgleich du mir in einer Stunde der Ausrichtigkeit mitgetheilt hast, daß da» angeblich von dir hergestellte Mahl, welche- ich al» Bräu­tigam bet euch genoffen habe, ein Product der alten Köchin deiner Eltern war. Gelt, jetzt lächelst du! Ich meine nur, e» wäre besser, wenn du deinen edlen Vorsatz, von nun an selbst zu kochen, ziemlich einschrävken wolltest. ES ist nicht gut, in solchen Dingen zu experimentiren. Nimm dir lieber eine tüchtige Köchin an Stelle dieser närrischen Grethe und halte Dann tüchtig Umschau. Man muß diesen Leuten zeigen, daß man ihnen gewachsen ist, dann geht alle» gut . . . Der Braten ist zwar etwa» zähe, aber wenigsten» doch besser al» die anderen Speisen.