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12.6.1898 Erstes Blatt
 
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Nlt. 135 Erstes Blatt. Sonntag den 12. Juni

1898

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Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juni. Wie demBerl. Tagebl." zufolge verlautet, find Erhebungen über Veränderungen, welche im nächsten Jahre in der Armee vorgrnommeu werden sollen, bereit- beschlofien. Es soll fich diesmal nicht um eine große Einzelforderung handeln, sondern um eine ganze Reihe von Forderungen secundärer Bedeutung. In erster Reihe ist eine durchgreifende Reform der Feld-Artillerie geplant. Ferner sollen au- bereit- bestehenden Formationen mehrere neue Armeekorps gebildet werden. Davon dürfte Tachsen ein zweite- Armeecorps mit dem Sitz in Leipzig, Bayern ein dritte- Armeecorps mit dem Sitz in Nürnberg und Preußen ein 18. Armeecorps mit dem Sitz wahrscheinlich in Mainz erhalten. Die zweijährige Dienstzeit bet den Fuß- truppen soll bestehen bleiben wahrscheinlich wird "her eine größere Zahl Capitulanteu gefordert werden. Welche Forder­ungen für die Cavallerie gestellt werden, steht noch nicht fest, doch reicht die jetzige Zahl nach der Anficht maßgebender Kreise nicht mehr aus. Man nimmt an, daß für jede- Armeecorps eine Escadron Jäger zu Pferde (Meldereiter) gefordert werden wird. Schließlich soll die Pioniertruppe reformirt werden. Man nimmt an, daß ein Theil der Regimenter, welche j'tzt zwei Bataillone haben, auf drei Bataillone gebracht werden sollen.

Köln, 10. Juni. Da- in der Mosel-, in der Eifel-, sowie namentlich in der Sieg-Gegend herniedergegangeue schwere Unwerter hat überall großen Schaden angerichtet. Der Verkehr rheinaufwärts ist gegenwärtig nur noch ein- geletfig, da bet Boppard eine große Strecke der Eisenbahn mit Geröll überzogen ist. Auch bei Bletchenberg a. d. Sieg stürzte ein Bergabhaug herab und überschüttete da- Bahn- geletse. Ein Hau- stürzte ein. In Eitorf an der Steg wurde der untere Sradtthril durch die von ollen Setten hereinbrechenden Waffermaffen vollständig zerstört und drei Brücken weggerifien.

AusUnr-.

Wien, 10. Juni. Bisher hat der spanische Bot« schäft er bet dem hiefigen auswärtigen Amte noch kein offizielle- Ansuchen wegen Fried enS Vermittelungen gestellt.

Wien, 10. Juni. Da- für morgen im Karl-Theater zur Aufführung angesrtzte LebensbildDer Ehrgeiz" wurde von der Censur verboten.

Loudon, 10. Juni. DieTimes" melden au- New- York, daß ein amerikanisches Kanonenboot Sam- fouS auf einen Eisenbahnzug schoß, welche- Truppen beför­derte. Viele Soldaten wurden getödtet.

Loudon, 10. Juvi.Morning Post" meldet aus Hongkong, die englischen Behörden haben mehrere Schiffe, welche Waffen und Munition für Manila an Bord hatten, beschlagnahmt.

London, 10. Juni. Die Blätter melden au- New- York, daß die Einnahme der Festung Laima nera dem Plane der Amerikaner entspreche. Diese Einnahme soll den vor Tampa und Key West angekommenen Truppen den Weg nach Santiago bahnen.

Madrid, 10. Juni. An die Stelle des General-LopitänS von Madrid, Daban, ist der ehemalige Kriegsminister CH in­et lla getreten.

Madrid, 10. Juni. Sämmtliche Car listen hielten hier gestern eine geheime Conferenz ab, welcher auch ein Abgesandter von Don Carlo- beiwohnte. CS sollen sehr wichtige Beschlüffe gefaßt worden sein.___________________'

Botanische Exeurfion nach Oberitalien

vom 26. Mat bis 3. Juni 1898.

bis man durch die verschiedenen Regionen der Kastanien« wälder. Sträucher und Matten endlich in die Region kommt, wo alle Vegetation aufhört. Man findet an den ober­italienischen Seen außer der ursprünglich einheimischen Flora die allmählich eingewanderten Pflanzen, einestheils aus den südlicheren Mittelmeerregionen und anderntheils der hoch­gelegenen Alpenregion und endlich die aus allen Klimaten eingeführten Gewächse, die sich dann dort acclimatisirt haben, sodaß eine Reichhaltigkeit der Flora herrscht, wie sie an anderen Orten kaum zu finden ist.

Begünstigt wurde die Excursion einmal von dem herr­lichsten Wetter, das sich besonders bei den botanischen Aus­flügen einstellte, und dann durch das nicht hoch genug hervor­zuhebende Entgegenkommen der Eisenbahnbehörden, wodurch sich auch die pecuniäre Sette der Excursion so günstig gestaltete, wie es wohl kein Theilnehmer erwartet hatte.

Der Ausflug selbst verlief folgendermaßen:

Wir fuhren am 26. Mai früh Morgens 7 Uhr von Gießen ab und langten Abends gegen 10 Uhr in Luzern an. Am zweiten Tage wurde Morgens in der Frühe in Luzern das Löwendenkmal, der berühmte Gletschergarten und die Stadt besichtigt, dann das Schiff bestiegen, mit dem wir über den herrlichen, von steilen, nut im frischesten Frühlings­grün prangenden Wäldern bedeckten Bergen umgebenen Vier­waldstättersee bis zur Tellsplatte fuhren, von wo der Weg über die einzig schöne Ax-.nstraße bis Fluelen zu Fuß zurück­gelegt wurde. Auf diesem Wege fielen uns auf, die der südlichen Flora angehörende Coronilla Emerus in vollster Blüthe, Lilium bulbiferum, Sesleria sphaerocephala und andere. Die steilen Felsen war? i bekleidet mit Erinus alpinus, Cochleatia saxatilis, Bellidiastrum Michelii, Globu- laria cordifolia und ähnlichen Alpenpflanzen, während ver- schiedrne Orchideen die bunten Wiesen schmückten. In Flüelen stiegen wir in die Gotthardbahn, um durch den großen Tunnel nach Bellinzona und weiter nach Locarno am Nordende des Lago Maggiore zu gelangen. Die Großartigkeit der Land­schaften, durch die wir fuhren, mit ihren steilen, zerrissenen Bergpartien, den tosend herabstürzenden Gebirgswässern, den noch mit Schnee bedeckten Berggipfeln und den reizend auf der italienischen Seite in Weingefilden gelegenen Ortschaften machte auf uns Alle einen tiefen Eindruck. Spät Abends kamen wir in Locarno an, wo für uns im Hdtel Suisse der Tisch schon gedeckt war. Der folgende Morgen wurde zu einem sehr lohnenden Ausflug nach der über Locarno auf einem von edlen Kastanienwäldern umgebenen Felsen gelegenen Wallfahrtskirche Madonna del Sasso benutzt. Da bei unserer Ankunft die ganze Aussicht durch dichten Nebel verdeckt war und der Regen in Strömen floß, benutzte Herr Prof. Hansen, während wir in einem Kreuzgange Schutz vor der Witterung fanden, die Gelegenheit, in einem klaren, fesselnden Vortrage über Pflanzengeographie mit besonderer Berücksichtigung der Flora an den oberitalienischen Seen uns die Eigenthüml'.chkeit gerade dieser Flora zu erklären und vor Augen zu führen. Als bald danach der Regen nachließ und der Nebel sich ver- theilte, konnten wir mit dem Botanisiren beginnen. Wir sahen die der Mittelmeerflora eigentümlichen weißen Cistrosen, Cistus salvifolius in ungeheuerer M.nge, weiter Saxifraga Cotyledon mit langen, weißen Blüthentrauben, Luzula nivea, Serapias lingua, Centranthus ruber, Polygala nizzaensis, Pani cum undulatifolium, Poa alpina vivipara, Ceterach officinarum, Aristolochia Clematitis, Orobanche Rapum, üppige Farnkräuter, wie Aspidium Braunii, Adiantum capillus Veneris und viele andere. Mittags fuhren wir mit dem Dampfer über den großartig schönen Lago Maggiore, dessen Ufer theils von steilen, waldbedeckten und oft noch schneebegipfelten Bergen, theils von den anziehendsten Land­schaften mit malerisch gelegenen Orten umgeben sind, von Locarno nach Pallanza.

Unter Leitung des Herrn Prof, der Botanik Dr. Hansen zu Gießen machten elf Herren, darunter Apotheker, Natur­wissenschaftler, Mediziner und Forstleute, eine botanische Ex« cursion an die ober alienischen Seen. Der Zweck derselben war der, den Theilnehmern einen Ein« und Ueberblick in die Mannigfaltigkeit der Pflanzenwelt zu gewähren, und kein Platz war dazu geeigneter als der gewählte, wo man auf verhältnißmäßig kleinem Terrain die Ueppigkeit aller Floren, außer der Tropenwelt auch die kümmerliche und doch so schöne Alpenflora mit all ihren Zwischenstufen schauen und studiren kann. Denn an den gegen die kalten Nordwinde geschützten,

Am ersten Pstngsttagmorgen, dem vierten Tage der Reise, an dem die Sonne in südlicher Pracht am Himmel stand, fuhren wir früh Morgens in Barken nach der schönsten der drei borromeischen Inseln, Jsola Bella. Dort wurde uns

eingehend das großartige Schloß gezeigt. Danach erwartete uns im Garten der Obergärtner des Grafen Borromeo, Herr Pirrotta, ein schon älterer, botanisch sehr erfahrener Mann, der in liebenswürdigster Weise uns durch die para« diesisch schönen Gärten und Anlagen führte. Gleich am Eingänge fiel uns durch seine Größe ein 83 jähriger Cam­pherbaum auf. dann kamen die verschiedenartigsten Akazien, Eucalypten, illicium anisat., religiosum und floribundum,

sonnigen und doch feuchten Süd-Abhängen der Alpen ge« ; Eucalypten, Illicium anisat., religiosum und floribundum, gedeihen an den Ufern der Seen die meisten Pflanzen der 1 große Araucarien, Bambuse von Armdicke in Gebüschen, subtropischen Zonen in großartiger Ueppigkeit, höher hinauf Quillaya Saponaria, Liquidambar styraciflua, Laurus, on den Bergabhängen nimmt die Ueppigkeit immer mehr ab, Theeeträucher, Citrus in allen Varietäten mit Blüthen und

Früchten, Magnolien, Cactus-Arten, blühende Agaven, Korkeiche, Capparis u. v. a. Schlingpflanzen und Ranken­gewächse in vollster Blüthenpracht, die sich an den Mauern und bis in die Gipfel der höchsten Bäume erhoben, sahen wir in nie geahnter Größe und Fülle, wie besonders Rosen und Epheu. Ganz besonders fiel uns durch ihre Eariofität auf eine Abies monocaulis, eine circa 8 Meter hohe dünne ganz zweiglose Tanne, sowie eine Cryptomeria elegans mit 13 Stämmen.

Sahen wir auf Isola Bella die Ueppigkeit der südlichen Flora mit gärtnerischer Kunst geordnet und gepflegt, so fiel uns auf Isola Madre, wohin wir nun fuhren, die Groß- artigkeit der Vegetation auf, wie sie sich in Parks entfaltet. Dort fanden wir immergrüne Eichen. Kalmien in großartiger Blüthenfülle, Azalien,Rhododendron arboreum von li/i Met. Stammumfang und ganz besonders Coniferen, roie Welling- tonien, Pinus Montezuma, Cedrus Libani, Abies, Thuja, Chamaecyparis in tadellosen riesigen Exemplaren. Zu be­wundern ist diese Vegetation besonders, wenn man bedenkt, daß die Inseln früher nur nackte Glimmerschieferfelfen waren, die Graf Borromeo im 17. Jahrhundert durch Aufschütten fruchtbarer Erde in reiche Gärten verwandelte. Nachdem wir nach Pallanza auf spiegelglattem See zurückgekehrt waren, erhob sich ein Gewittersturm, der den See so in Aufruhe versetzte, daß die Wellen die Ufer überflutheten, ein unge­wohnter, aber prächtiger Anblick für uns. Der Tag wurde beschlossen mit einer kleinen Excursion an die Abhänge des Monte Rosso, wo Kirschlorbeerbäume, Maulbeerbäume, Weinreiben, edle Kastanien, über mannshohe Osmunda rega» lis, Dianthus atrorubens rc. uns interefftrten.

Der zweite Pfingsttag traf uns schon sehr frühe am Ufer des Sees, galt es doch bei herrlichstem Wetter eine anstrengende Bergtour zu unternehmen, die Besteigung des Monte Motterone. In Barken fuhren wir über den See nach Baoeno, bekannt durch das rothe Schloß, worin Kaiser Friedrich als Kronprinz vor seiner Reise nach San Remo längeren Aufenthalt genommen hat. Unser Weg führte uns auf steilen steinigen Pfaden zuerst durch Rebengelände, dann durch Kastanienhaine, weiter über blühende Wiesen, deren bunter Blumenteppich hauptsächlich aus Narcissus poeticus und blauen Enzianen bestand. Allmählich hörte die Baum- region auf, die Zwerg-Erlen und blühende Alpenrosen (Rho* dodendron ferrugineum) zeigten an, daß wir uns schon in beträchtlicher Höhe befanden. Weiter hinauf führte der Pfad auf der Südseite des Berges über eintönige Matten, hier und da belebt von Sennhütten, bei denen vereinzelte Bäume, Bergahorn und Rothduchen standen. Weiter oben, in der Nähe des Gipfels blüthen Gentiana acaulis, Crocus vernus, Soldanella montana, die lieblichen Alpenglöckchen Daphne Cneorum, Homogyna alpina, Veratrum album, Anemone nemorosa, Polygala Chamaebuxus, Viola biflora und andere, einen einzigen Blumenteppich bildend, während die Alpenrosen in der Entwickelung noch sehr zurück waren. Der Berg ist 1491 Meter hoch, aus dem Gipfel fanden wir noch reichlich Schnee. Das Panorama, welches sich uns von dem Gipfel des Monte Mottorono darbot, war einzig groß­artig. Eine lange Kette von Schneebergen zog sich om Horizonte in scheinbar nächster Nähe entlang, woraus be­sonders die Monte Rosa-Gruppe, der Simpion, Bernina, Mischabel und viele Andere hervorragten, während zu unseren Füßen sieben Seen aus dem Grün der Landschaft hervortraten, nach Süden zu die lombardische Tiefebene sich ausbreitete, worin viele Städte und Dörfer, darunter das prächtige Mailand sichtbar waren. Zum Aufstieg hatten wir vier Stunden gebraucht, den Abstieg konnten wir gegen Abend in drei Stunden bewerkstelligen.

Am dritten Feiertage, der in der Heimath vollständig verregnet war, hatten wir wieder den prachtvollsten Sonnen­schein. Wir benutzten den Morgen zu einem Ausfluge von Pallanza nach Jntra in den berühmten Garten der Villa Francosini, wo wir die herrlichen immergrünen Gewächse der Magnolia grandiflora, Mespilus japonicus, Eamelien, Theesträucher, Erdbeerbäume, Palmen, Yucca und ganz be­sonders die großartigsten Coniferenbäume bewunderten, wie man sie in solcher Schönheit und Frische wohl nirgends wieder zu sehen bekommt.

Mittags führte uns das Schiff von dem schönen Pallanza, der Perle des Lago Maggiore, weg. Wir fuhren nach ßuino, von da mit der Bahn durch das Thal der brausenden Tresa nach Ponte Tresa, von wo uns da- Dampfboot über den lieblichen Luganersee nach Lugano brachte. Da die Zeit noch reichte und das Wetter sehe günstig war, fuhren wir sogleich mit der Drathseilbahn auf den 900 Meter hohen