Sonntag den 12. Juni
18f>8
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Anrts- uitb für feen Kreis (Sieben
Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. ]
Hießen).
r Vorstand.
voll
niPskhlr eine® vnrhlt
abrth^HÖ«
Jen
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den loißenden Lag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Auzeigcii-VermirrlunftSftkUkn bt« In- und flu»Uw*-i nebmm Anzeigen für ben ($he6enn Lnzeiger
»ttufcSfxd»
vierteljährlich
2 Mark 20 Pf, monatlich 75 B', mit vringrrlovn
Rcfetttfon, Expedition und Druckerei: Z4»tstr«te Nr. 7.
Im Festsaal werd Giesse etz vorgefthrt — E Aasaambel ohne Gleiche; — Da sieht merr — Ehr, dem Ehr gebihrt, — Waß Dilledande erreiche — Wann se e Vorbild be- scheidentlich — die „Meininger" sich genomme. — dann schlägt net fehl ganz sicherlich, — waß zur Aufführung soll komme. — Merr gradelire em Theateroerrin, der Thalien» Kunst dhut hewe — Unn loffe newem Han» Huckebein — Deß ganze Aasaambel lewe! — Etz isses Sach vom Bub. ligum — Mit Kunstsinn net ze geize, - Sich aazegucke Hans Huckebein. — Das Stick mit so große Reize; — Damit de Saalbau geferdert werd, — Muß sich deß Spiel doch verlohne, — Unn ohne Frag werds besser besetzt, — Wät bei Keßler'sche Rezidaztone! —
Slick unn noch mehr dezu, — mit sämmt ehre Herrn Brin° zibale! — Gibt daß e Gegauz unn en Naddau, — Von so viele Hundeseele — Unn grad deßhalb werd die Hunde« schau — rächt viele Besucher zehle.
— Schöne, charakteristische Handschrift bleibt eine gute Empfehlung nach wie vor, aber auch Die, welche einer solchen sich nicht erfreuen, finden an btt sich immer mehr einbürgernden Schreibmaschine einen flotten Gehilfen, der ihnen behend zur Hand geht. Bisher scheiterte die Anschaffung einer Schreibmaschine meist an den hohen Kosten; seitdem aber die Bltckerrsverfer auf dem Markte rr-
i m'fi eS Jedem möglich, um einen wirklich wohlfeilen Preis sich !" Befid einer in jeder Hinsicht vollkommenen Schreibmaschine zu setzen. Wer je die Vorzüge einer solchen schützen gelernt hat, wird fie ficher ungern misten.
RechtSanwalt^R osenberg II. tritt dafür ein, daß die That deß Angeklagten al- Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuge- fich darstelle. Sollten die Geschworenen aber die Frage wegen TodtschlagsversuchS bejahen, so bitte er, dem Angeklagten mildernde Umstände nicht zu versagen.
Die Grschworeven bejahten nach kurzer Berathung die Frage wegen versuchten Todtschlag-, verneinten dagegen das vorltegen mildernder Umstände. DaS Urtheil lautete auf 5 Jahre Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Der Staatsanwalt hatte 6 Jahre Zuchthaus beantragt.
De Spord, der is in unsere Stadt — bis uff de Hund gekomme. — E Auestellung awer, das iß e That, — De Hund zu Nutz unn Fromme! — Es gerne sich häi e Ran« dewu — die Hund, die internationale,
Schwurgericht.
W. Gießen, 10. Juni 1898.
Schluß der Verhandlung gegen Anton Arnold Offenbach a. M. «egen TodtschlagsversuchS.
Die au die Geschworenen gerichteten Schuldfragen sind gestellt auf: 1) versuchten Todtschlag- 2) das Vorhandensein mildernder Umstände; und im Fall der Verneinung der Schuld- frage 1: 3) schwere Körperverletzung. Staatsanwalt Zimmermann tritt entschieden dafür ein, daß den Angeklagten die ganze Strenge des Gesetzes treffe. Der Angeklagte habe die Tödtung de» Aussehers Moritz gewollt. Der Angeklagte mußte wiffen, welchen Erfolg sein Handeln nach fich ziehen Würde- wenn der Angegriffene nicht Geistesgegenwart ge. habt, diesen Angriff abzuwehren, und wenn d e Uniform nicht den Beamten vor der Wucht des Stoßes geschützt, würden die Geschworenen fich mit dem vollendeten Verbrechen, statt mit einem Versuch zu demselben zu beschäftigen haben. Der Staatsanwalt ist der Ansicht, daß mildernde Umstände nicht vorhanden feien- denn wenn ein Mensch, der eine schwere Strafe verbüßt, weil er bereits andere Menschen zusammengestochen und einen so schwer verletzt hat, daß der Tod gleich hinterher eintrat, im Gesängniß, in dem er diese Strafe verbüßt, die gleiche gefährliche That unternimmt, dann könne von mildernden Umständen keine Rede sein. Die Geschworenen sollten bedenken, daß oer Angeklagte ein unverbefferlicher Mefferheld sei, und demgemäß ihren Wahrspruch sollen. —
Adresse für Dkpeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 61.
merr higeleucht, — kaan Mensch war ze erblicke, — De Rezidador zeigt endäuscht — De Musestadt de Ricke. — Err zog de Hut bis uff die Erd — Wäi Abschied err genomme — Gab eiligst dann die Sporn seirn Ferd — unn werrd net widderkornme!
Bei Postt^uj 2 Mark 50 P», oitrteliäbrhd
Rr «35 Viertes Blatt.
ngsftl
5757
Vorstand.
ch tot EM mV
Jle aus
schifferabtheilung aus mit zwei Osfizieren aufgestiegen, er erreichte 4200 Meter Höhe und beobachtete 8 Grad Kälte- er landete bei Wilsnack, 113 Kilometer westnordwestlich von Berlin. Um 9 Uhr stieg Dr. Süring, ständiger Mitarbeiter am königl. Meteorologischen Institut, im Sportpark Friedenau allein auf- er erreichte 5200 Meter Höhe und landete 4«/, Uhr Nachmittags bei Schmergow, nahe der Bahnstation Groß- Kreutz, 42 Kilometer westsüdwestlich von Berlin. Der um 12 Uhr Mittags in der Luftschifferabtheilung mit zwei Offizieren aufgestegtne Premierlieutrnant von Sigsfeld landete um 7 Uhr Abends bei Rathenow. — In Wien stiegen um 9 Uhr 15 Min. in der Jubiläums-Ausstellung Prof. Tuma und Oberlieutenant Hinterstoißer mit einem Ballon auf, und landeten um 4 Uhr 20 Minuten Nachrn. bei Bardfalu, östlich vorn Neufiedlersee. Die erreichte Höhe betrug 4500 Meter. Außer diesem Ballon stiegen noch drei mit Offizieren be- mannte BallonS, die »Hungaria", »Breitensee" und »Austria" auf. Letzterer fiel infolge eines Riffes bald nach dem Aufstieg bei den städtischen Gaswerken nieder- der Ballon »Breitensee" ist bei Preßburg ruhig gelandet.
Dessau, 10. Juni. Die Prinzessin Eduard von Anhalt wurde heute Morgen von einer Prinzessin entbunden.
Feuilleton.
.Humoristisch Wundschau.
Don Carl Geißler.
De Liweralisrnus in unsere Stadt, — Schwenkt etz die Sammelungsfahne — Unn halt gesucht sich en Candidat, — Der wannelt gemäßigte Bahne. — Es sinn herzbriederlich vereint, — Die liwerale Bardeie — Unn werrn sich hinn- siro — Wäi merrsch scheint — So bahl net Widder entzweie. - De Freisinn, der war ja allerdings — Zeletzd aus de Art geschlage — Unn abgeschwenkt ze viel nach links; — Ltz thut err sich besser bedrage. — Mit Hurra! gehts zu de Irehliche Wahl, — Säi hahle zesamme wäi Eise, — So Andisemidde, wäi Christlich-sozial — Unn Rothe ehr Stärk ze beweise. — Erfreulich isses von jeder Seit, — Daß se ruhe lasse die Fehde, — Waß steckt dann aach drin in all lern Gestreit? — Es hott doch e Jedes sei Needhe! — No, wünsche merrn uffrichdig be Sieg, — Daß se die Wahl- schlacht gewinne — m.n hoffe merr, daß se net widder de Krieg — Im eigene Lager beginne! —
Bekanntlich hat e jeder Soldat — viel Hunger — Unn Dorscht net minner - — Daß Beispiel erlebt merr in unsere Stadt, — Dagdäglich am Mars seine Kinner. — As Speise sinn Bohne unn Erwes belibbt, — Aach Linse siehn oft uff de Karte, — Doch daß's beim Kommiß aach Gourmaan gibbt, — Unn große, füllt kaam merr erwarde! — Bewiese iffe» uns is wahr, — Daß innre Werdhfchaft ta Giesse — En Reservist mit Haut unn Haar — E Fledder- «aus verspisse! Mahlzeit! Soldatischer Lucull! . . . —
täglich eit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener MamikleuStätter Werden dem Anzeiger Wschentlich viermal beigelegt.
mchst slicht.
»Muftis
Mäitär ohne Chw g Erwachsener frei
— Eine Ausstellung für Bücherfreunde. Men schreibt auS Würzourg vom 5 d. Mls.: Die Schätze der htestgen Unk oersitatS-Bidlioihek find nunmehr, in einer stattlichen Ausstellung vereinigt, auch der AUgemeinheit zugänglich gemacht. Wo einst die Speisitifche der Jesuiten standen, im ehemaligen Refcctorium deS alten UniveisilätSgebäudes und einigen anstoßenden kleineren Räumen hat Oberbibliothekar Dr. Kerler die literarischen Kostbarkeiten der Universitätö Bibliothek zur Aufstellung gebracht. Im Hauptsaale befinden sich die ältesten Documente der Druckkunst, Tafel- drucke auf Pergament, dann Lettrrndrucke auf Pergament mit fein- colorirten Holzschnitten, darunter — unter vielen anderen Erstdrucken — ein Exemplar der ersten Ausgabe deS „Theuerdank". Ein Gleiches wurde kürzlich in London für 6000 Mk. oertauft. Hier findet sich auch die älteste Ansicht Würzburgs, ein großer Holzschnitt , in der Würzburger Chronik von Schedel. Die Wände sind mit Thesen der Universitäten Prag, Rom und Bologna geschmückt. Ferner liegt ein Prachtwerk nut colorirten Pergamenldruckcn von BecanuS aus der Rubens'schen Schule und ein Skizzenduch von Balthasar Neumann, des Erbauers her Würzburger Residenz, mit ' Entwürfen für diesen P achtbau auf. In einem anstoßenden kleinen Zimmer nimmt eine Anzahl seltener Emblattdrucke und reizender Miniaturen daS Interesse Besucher« in Anspruch. Daran schließt sich ein Zimmer mit Handschristen, darunter eine Bibel aus der Zeit der Völkerwanderung, daS Originalmanuscript der auch im — (SeAÄhnntu.rt Druck erschienenen Würzburger Chronik von Fries, die bekannte p./7r„ .« . Grabschrifl auf Walther von der Vogelweide. Hier gieren die Wände philosophische Thesen der Universität Würzvurg auf Seide ■ gedruckt auS den Jahren 1682 diS 1695. Prächtige Elfenbein« i fchnitzereien alS Schmuck von Gebetduchdrckeln und gepreßte Leder- ■ ein bände vervollständigen den Ueberblick über diefe Geschichte der ! Bücherei. Erwähnenswerth ist noch eine Serie von Buntpapieren mit Bronceaufkuuck aus dem 18. Jahrhundert, in Aug«burger und Regensburger Fabriken gefertigt, iorote ein Schrank mit Ex libris. ; In einem eigenen Zimmer sind bi< offictellen Schriften ausgestellt, welche aus Anlaß der Universttälsjubiläen in den Jahren 1682, 1782 und 1882 erschienen find.
jnD-
ÄW.
2}' Lechenich, °ussesühn
laus» ch btfannten ®i«e . g^rion.
;chnltiieiss__
»arten lüft.«, w' colflbt und dtvech fB ;u jedtt Tagfizei!-
jtmer.
rue Wei*c*
3311
Nut *r|'
rmania
6hrle
। Du host kaan schlechte Mage — Unn kannst, ob nichdern - odder vull — Aach Schuhnägel verdrage!
Deß Kunstind esse is immer wach, — Vorab bei Rezi- dazione, — Doch neulich war de Besuch sehr schwach — Bei Keßler, unn daß war net ohne! — Unn wo im Saal
• London, 7. Juni. Der neue britische Kreuzer »Terrible", der in der vorigen Woche mit dem ersten Lord der Admiralität, Goschen, an Bord nach Gibraltar segelte, hat diese seine Probefahrt nicht bestanden. Da» Schiff sollte ans der Hinfahrt 10000 Pferdekräfte und ouf der Rückfahrt 15000 entwickeln, d. h. zuerst 17 und darauf 20 Knoten in der Stunde zntücklegen. Auf der Reise nach Gibraltar erreichte es aber nur eine Fahrgeschwindigkeit von 16 7 Knoten und auf der Rückreise gar nur 15 Knoten. Die Maschinen des »Terrible" sollen eigentlich 25000 Pferdekräfte befitzen, d. h. 22,5 Knoten tu der Stunde erzielen. Die Angelegenheit wird ohne Zweifel nächster Tage im Parlament zur Sprache kommen und man ist gespannt auf bie Erklärung Goschen», we»halb der »Terrible" auf der Rückreise so wenig leistete.
* Eine vielsprachige Schule. In keiner Schule der Welt dürften wohl so viel verschiedene Sprachen gesprochen werden, wie in der »deut'chen Schule" zu Kairo. Nach dem offictellen Bericht Über da» letzte Schuljahr wurden von den 108 Kindern, welche da» Institut besuchten, folgende Sprachen mit Leichtigkeit verstanden und gesprochen: arabisch von 91, französisch von 7, deutsch von 54, englisch von 27, italienisch von 16, griechisch von 4. Von den Kindern waren 65 Knaben und 43 Mädchen. Nach der Nationalität vertheilen fich die Kinder wie folgt: 29 deutsch, 20 österreichisch, 12 englisch, 11 italienisch, 10 schweizerisch, 6 frarzöstsch, 6 egyptisch, 5 amerikanisch, 3 griechisch, 3 türkisch, 2 armenisch, 1 belgisch. Dem Glaubensbekenntniß nach waren: 59 evangelisch, 23 katholisch, 12 israelitisch, 9 mohammedanisch, 5 griechisch- orthodox.
Literatur und Aunft.
Amtlicher Theil.
Gefunden: 1 Geldstück, Briefmarken, 1 Brosche, 1 Paar Handschuhe, 1 Regenschirm, 1 Filzhut, 1 Kinderschuh, 1 Strumpf, 1 Netzjacke und 1 Schutzblech von einem Fahrrad.
Gießen, den 11. Juni 1898.
Großherzogliche» Polizeiamt Gießen, v. Bechtold.
Deutsches Reich.
Berlin, 10. Juni. Am 15. ds». Mts., dem Todes- tage Kaiser Friedrich», wird in der Friedenskirche zu Pot-dam eine Gedächtnißfeier stattstaden, zu welcher außer dem Osfiziercsrp» von Pot»dam auch das ganze OffiziercorpS der sogenannten Kaiser - Brigade bepfohlen worden ist. Zu der Gedächtnißfeier ist außerdem noch Einladung an Personen ergangen, die Kaiser Friedrich nahe- gestanden haben.
Berlin, 10. Juni. Der »Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ertheilung der vom Bezirks - Präsidenten Freiherrn von Freyberg'Eisenberg in Straßburg nachgesuchten Entlassung auS den Diensten des ReichslandeS unter Der- lrihung des Eharaeiers als Wirklicher Geheimer Ober- Regieruugsrath mit dem Range der Räthe 1. Klaffe- ferner die Ernennung des Bezirkspräfidenten Halm zum Bezirks- prästdenten für den Bezirk Uater-Elsaß und diejenige deS Legationsrathes Prinzen Alexander zu Hohenlohe- Schillingsfürst in Berlin znm Bezirks-Präsidenten für den Bezirk Ober-Elsaß.
Berlin, 10. Juni. Dem »Loeal-Anzeiger" wird aus Ktau-Tschau gemeldet, Prinz Heinrich ist von seinem fünftägigen Ausflug in da» Innere de» deutschen Schutzgebiete» wieder nach Tsingtau zurückgekehrt.
Berlin, 10. Juni. In Dentsch-SÜdwest-Afrika ist wieder ein Mitglied der deutschen Schutztruppe ermordet worden. Der im Frühjahre 1896 zur Schutztruppe Über- getretene Sohn de» in Podanin in der Provinz Posen an- lässigen Besitzers Kurzweg wurde bei Gelegenheit eine» Viehtransportes Überfallen und durch drei Schüsse schwer verwundet. Kurzweg ist bald darauf seinen Wunden erlegen.
— Bon den internationalen Ballonfahrten am 8. d. M. ist bisher Folgendes bekannt geworden: Der vom Sportpark in Friedenau Morgens 2 Uhr 38 Min. allein aufgestiegene bekannte Meteorologe Berson erreichte 5500 Mtr. Höhe und landete, nachdem der Ballon mehrfache Richtungs- Veränderungen erfahren hatte, um 4* 1/, Uhr bet Hagenow in Mecklenburg, 160 Kilometer westnordwestlich von Berlin- um 6 Uhr Morgens war der Hauptmann Groß von der Luft-


