wäre e- viel klüger, dem Plan der Regierung keine Schwierigkeiten zu machen und die Aufschließung deS Wetzlarer Kreiser einer Gesellschaft für Kleinbahnen zu überlaffeu, welcher der Minister für öffentliche Arbeiten jede Förderung angedeiheu läßt. Er wäre, wie wir uochmalr betonen, ein schwerer Fehler, aur engherzigen Gründen localer Natur dem Projekt der Regierrung, dar erst nach Ueberwtuduug der größten Schwierigkeiten zur Aurführnug kommen wird, störend ent« gegeututretrv.
* Lüneburg, 7. Drcember. Einem tragischen Geschick ist der hier wohnhaft gewesene Lokomotivheizer Philipp zum Opfer gefallen. Er brachte an dem Tage der entsetzlichen Eisenbahnkatastrophe bei Eschede (am 14. August 1897) den ersten Personenzug an die Unglücksstätte. Der gräßliche Anblick der verstümmelten menschlichen Körper hatte damals einen derartig tiefen seelischen Eindruck auf ihn ausgeübt, daß eine allmählige Geistesumnachtung bet ihm eintrat und er infolgedeffcn vor längerer Zeit der Heilanstalt in Hildes- heim überwiesen werden mußte. Dort ist er nun durch den Tod von seinem qualvollen Leiden erlöst worden. Philipp war etwa zehn Jahre lang im Etsenbahndienste und jederzeit ein pflichttreuer Diener des Staates gewesen.
• Der writgeoauule „Boter Schneller", der Begründer des syrischen Waisenhauses in Jerusalem, ruht nun schon zwei Jahre auf der stillen Höhe de» Berges Zion mit den dort gleichfalls begrabenen evangelischen Bischöfen Jerusalem» und den Heimgegangenen der dortigen Gemeinde dem Auferstehungsmorgen entgegen. Als er vor 46 Jahren vor der Rhede von Jaffa das heilige Land zum ersten Male erblickte, gelobte er mit seiner Frau seine ganze Lebenskraft einzusetzen, um nach dem Maße seiner Kraft mitzuarbeiten an der Zurückpflanzung des Evangeliums in feine alte Heimath, hier zu leben, zn arbeiten und einst zu sterben. Trotz mehrfacher Ueberfälle, gänzlicher Ausplünderung und blutiger Mißhandlung hielt er mit unerschütterlicher Glaubenszuversicht Wort. Und der Herr hat ihn nicht zu Schanden werden laffen, sondern sein Vertrauen mit reichem Segen gekrönt; aus dem unscheinbaren Anfang de» syrischen Waisenhauses ist eine weit reichende Misfionsarbeit für das ganze Land geworden. Es sind allein durch die Erziehung des Syrischen Waisenhauses 1*/, Tausend Männer und Jünglinge aus Judäa, Samaria, Galiläa, Syrien dem Evangelium zugeführt worden. Als „Vater Schneller" am 18. October 1896 starb, hielt man seinen Verlust für fast unersetzlich; so unermüdlich und kraftvoll hatte er bis in die letzten Tage seines Lebens gearbeitet, ohne daß „seine Augen dunkel geworden und seine Kraft verfallen war". Aber seinem Leben-werk hat es nicht am Fortgang gefehlt. Die Aufnahme armenischer Waisenkinder hat große Erweiterungen der Arbeit gebracht; und es zeigt sich so recht: „Dieser säet, der andere schneidet"; die Arbeiter wechseln, die Aufgabe bleibt. Möchte es nie fehlen im heiligen Lande an treuen Schnittern und Säeleuten, die wie der Entschlafene des Herrn Werk mit Glauben, Geduld und treuem Eifer betreiben.
* MaffmauLwauderuug deutscher Aerzte in Sicht! Et ist längst teta Gehetmutß mehr, daß es bei uni z u viel Aerzte gtebt. Seit einer Reihe von Jahren ist der Andrang zum Studium der Heilkunde an den deutschen Univerfi- täten in stete« Steigen begriffen. Die Zunahme der Aerzte steht schon lange in keinem Berhältniß mehr zum Anwachsen der Bevölkerung. Ganz besonders schlimm'liegen die Ver- hältvtffe in den Großstädten, während mancher Arzt auf dem Lande wohl noch sein Brod finden würde. Leider erliegen auch die Aerzte schon dem „Zuge in die Großstadt" und Helsen dort den Kampf umS Dasein unter sich verschärfen. Daß eS den jüngeren Serzteu immer schwerer wird, im Vaterlande einen ihrem Können und ihrer Aufwendung an Zeit, Geld und geistiger Arbeit entsprechenden Wirkungskreis zu finden, hat ja in der That für den ganzen Aerztestand zu ganz unerqpcklichrn Zuständen geführt. Um dem nun etwas adzuhelfen, will der Geschäftsausschuß der Berliner ärztlichen Staudesvereine an den Reichskanzler eine Petition richten, und ihm nahelegev, durch die deutschen Consulate Mittheil- nagen hierher gelangen zu laffen Über solche Orte im AuS- lande, wo fich rin deutscher Arzt mit Aussicht auf Erfolg niederlaffen könne. Die eingehenden Mittheilungen sollen dem ärztlichen AuSkunftSbureau, da» schon seit Jahren den AerztenachwetS besorgt (Berlin, MedicinischeS WaarenhauS, Dr. Joachim), überwiesen und von hier aus den deutschen Aerzten zur Senntnlß gebracht werden. Als wünschenSwerth wird es bezeichnet, daß bei Angabe der Orte zugleich mitge- theilt würde, unter welchen Bedingungen einem deutschen Arzte dort die Ausübung der Praxis gestattet würde, wie hoch fich ungefähr die Ausgaben für den Lebensunterhalt für daS erste Jahr stellen würden und nach welcher Zeit ein Arzt dort sein auskömmliches Brod finden könnte. Ob dieser Plan, wenn fich der Reichskanzler darauf etnließe, den gewünschten Erfolg haben wird, scheint mindestens fraglich. Wer noch die Mittel hat, um sich hier ein oder zwei Jahre über Waffer zu halten, wird keine Neigung zur Auswanderung haben- alle Diejenigen, die keine Mittel haben, können schon deshalb nicht anSwandern. Und den Uebrtgen wird der Mangel an Sprachkenntniffen (spanisch, englisch) auch noch ein große» Hinderniß sein. Ganz vereinzelt wird aus diesem Wege wohl ein Arzt im AnSlaude ein Unterkommen finden- ein Abfluthen des großen UeberschuffeS hätte die Maßregel gewiß nicht zur Folge.
* Bon den Reitpferden des Kaisers, die der Monarch in Palästina benutzte, hat am Montag eines der werthvollsten im Marstall zu Potsdam geiödtet werden wüffen. Sämmt- liche Pserde haben durch die Strapazen der Reise derartig gelitten, daß fie bei der Ankunst in Potsdam sofort in einem Krankenstall von den übrigen Pferden des Rarstalls isolirt werden mußten.
* Der Rutschfchlitteu, der in manchen deutschen Gebirgen als Volks- und tttudrrbelustigungsgeräth, auch wohl als Verkehrsmittel seit alterSher bekannt ist, nimmt in Schweden und Norwegen, namentlich aber in Kanada als
Sportgeräth einen hohen Rang ein. In den berühmten Schweizer Winterkurorten, wie St. Moritz und Davos bildet das Wettrutschen eine der aufregendsten Wintervergnügen, in Tirol ist der Sport, der dort unter dem Namen „Rodel" leidenschaftlich betrieben wird, gelegentlich untersagt worden, weil die Wahl allzu abschüsfiger und mit spiegelglattem Eise überzogener Bahnen ernste Gefahren in fich bergen kann. Auf gut gepflegten Schneebahnen ist dagegen der Rutschschlittensport eine ebenso gesunde, wie anregende Körper- Übung, und es wird unsere Leser interesfiren, daß der Winter- sportverlag in Berlin SW., Kletnbeerenstraße, in seiner unentgeltlich und postfrei versandten Broschüre über daS Schneeschuhlaufen, Rennwolffahren u. s. w. nunmehr auch eine Darstellung deS SchlitteurutscheuS ausgenommen hat. In Verbindung mit den Übrigen Wintersports dürfte dieser Sport wohl zur Belebung deS Winterlebens in den deutschen Mittelgebirgen beitragen.
♦ Rein, diese Berliner! Ein amerikanisches Blatt läßt sich aut Berlin melden, daß mau an den Bahnhöfen der Stadtbahn abgerichtete Papageien aufgehäagt habe, die fortwährend den Namen der Station abrufen und so den Dienst det StationSrufert versehen. Wir haben et zwar im Dresstren schon recht weit gebracht, aber so weit, wie der Amerikaner meldet, geht unsere Dresimfindigkett noch nicht.
• Der Brückenbau über den Zeniffei der mittelfibirischen Eisenbahn. Die mtttelfibirische Eisenbahn wird im Laufe deS Frühjahrs 1899 vollendet sein vnd damit einet der bedeutungsvollsten und schwierigsten Werke unsere- Jahrhundert-. Durch Hunderte von Kilometern deS dichtesten Urwalde- und Morast mit Sumpfpflanzen und manne-hohem, stet» uaffem Grase mußten die Ingenieure, welche da- Nivellement auS- führten, fich durcharbeiteu. Dazu kamen noch ganze Wolken von Mücken, Mo-kito- und allem möglichen fliegenden Ungeziefer, von Staub- bis zur Btenengröße, welche den Arbeiter zur Verzweiflung brachten. Sumpf und Suwpi, kein Dorf, tdn Hau» in der Nähe, wochenlang von der ganzen Welt abgeschuitteu und dazu keine ordentliche Ruhestatt, war da» Loo» der vorarbeitenden Ingenieure. Besonder» groß waren die Schwierigkeiten beim Brückenbau über den Jeniffei, über welchen da» neueste Heft der allbeltebten illustrirten Familien- Zeitschrift „Zur Guten Stunde" (Deutsche» Verlag-Hau- Bong & Co., Berlin W., Prei» des BierzehutagShefte» 40 Pfg.) einen fesselnden und reich mit Abbildungen versehenen Aufsatz veröffentlicht. Sonst finden wir in dem elegant ansgestatteten Hefte beispielsweise noch die textliche und bildliche Schilderung eine» Winterfeste» in Winningen an der Mosel, Bilder von der Orientreise deS deutschen Kaiserpaare», die Wohnung de» Capitän» Drehen» auf der Teufelsinsel usw., wie in der Ab- theiluug „Für unsere Frauen" die gewohnte Fülle an prac- ttfchen Darbietungen aller Art. Der Roman „Die Subalternen" schließt in harmonischer Weise ab, der Roman „Wandlungen" steigert fich bi» zum Gipfel der Spannung und eine neue Salzburgische Erzählung „DaS Vterberg- WirthShauS" von Philipp Wengerhoff setzt stimmungsvoll ein. In der Gratisbeilage „Jllustrirte Klasfikerbibliothek" werden die „Metsternovellen der 19. Jahrhunderts" mit Friedrich SpielhagenS „Han» und Grete" fortgesetzt.
• Sibirische Sultur hat da» Mißgeschick, welches vielfach rusfischen CtviltsationSverhällniffen geschieht, unterschätzt zu werden. Im Großen und Ganzen denkt mau fich nämlich den gewaltigen, astatischen Theil deS rusfischen Kaiserreiches als eine weite, öde und unfruchtbare Steppe ohne jede gebahnte Straße, mit Hauptstädten, deren Charakter dem eines amerikanisch-hinterwäldlerischen BlockhauSdorfeS ähnelt. Daß diesem jedoch nicht so ist, mögen die folgenden Angaben zur Genüge beweisen. So hat TobolSk gegen 25000 Einwohner, besitzt 20 Kirchen, darunter die Kathedrale der Heiligen Sofia und ein deutsch-luihrrische» Gotteshaus, ein geistliches und ein Lehrerseminar, ein Gymnasium, eine Militär- schule, ein Arsenal, ein Theater und vier Zeitungen. — JakutSk hat 6499 Einwohner, ein Seminar, zwet Gym- vasten, davon eins für Mädchen und eine Zrituug. — Jrku tSk hat 50274 Einwohner, breite, europäische Straßen, die unter Anderem mit zwet Triumphbögen geschmückt find, 23 griechisch-katholische, eine römisch-katholische und eine evangelische Kirche, drei höhere Mädchenschulen, zwet technische Schulen, ein Gymnasium, ein Seminar, zwri Militärschulen, ein Theater, eine Bibliothek, rin Mtneraliencabinett, ein Arbeit»- und ein FindelhauS und fünf Zeitungen. — Omsk, die größte der fibtrtschen Städte, hat 54721 Einwohner, eine Kathedrale, elf rusfische, eine katholische und eine evangelische Kirche, zwei Synagogen, eine Moschee, eine technische Schule, ein Lehrerseminar, ein Knaben- und ein Mädchengymnafium, eine Cadettenanstalt, eine Kirgisenschule, eine Bibliothek, ein geographische» Museum und zwei Zeitungen. — AuS diesen angeführten Thatsachrn dürfte jedenfalls er- fichtlich sein, daß der rusfische BrrbariSmn» im Grunde ge- nommeu, etwa» e'.vilistrter auSsteht, al» mau e» gewöhnlich anuimmt.
* Für Aufhebung bei Xriukzwauge» in den studentischen Korporationen tritt ein Aufruf ein, der von Dr. jur. Rudolf Osiu», Landesbankrath in Kaffel und allem Herren „einer der ältesten studentischen Corporationen", verfaßt ist und vom Vorstande de» deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke sämmtlichen studentischen Vereinigungen zugeschickt werden soll. Es heißt in dem Aufruf: „Grade weil wir die studentische Freiheit erhalten wissen wollen, kämpfen wir gegen den Trinkzwang. Der Student singt mit Stolz: „Frei ist der Bursch", und dabet legt er sich selbst eine Beeinträchtigung seiner Freiheit auf, wie sie drückender und schädlicher nicht gedacht werden kann, den Bier co mm ent. Der freie Bursch muß spinmn, muß Bier herunterwürgen, mag er wollen oder nicht. Und dabei weiß man ganz genau, wie schlaff das Trinken für den anderen Tag macht, denn man entbindet den, der am anderen Tag auf der Mensur stehen soll, vom Trinkzwang. Der Student soll aber jeden Morgen und nicht nur, wenn er fechten will, klaren Blick, Arbeits- fähigkeit und Energie zeigen. Daß der Trinkzwang die
Kneipen heiter und fröhlich macht, wird gewiß kein Kenner behaupten, und Jeder weiß, wie flach, öde und lärmend die Unterhaltung wird, wenn größere Bierquanten vertilgt find, Jeder weiß, wie schwer es dann ist, die Direction aufrecht zu halten. ... Die freundliche Sitte des Zutrinkens mag man beibehalten, aber den Zwang, bestimmte Quanten nachzutrinken, beseitigen. Fort mit dem Zwang, fort mit den Bieraffairen, dem Herauspauken, den Bierjungen u. f. w.! Alle diese Dinge verspürt der Student, auch wenn er es nicht Wott haben will, doch nur al» Last, also fort damit!" — Der Aufruf, dem die bekannte Heidelberger Rede von Professor Dr. Theobald Ziegler beigelegt ist, geht zunächst an die „Alten Herren" der Corporationen, um dann, mit deren eventuellen Unterschriften versehen, den studentischen Vereinigungen selbst zugesandt zu werden.
* Ein neuer feuerspeiender Berg. Aus New-Dork wird der „Franks. Ztg." berichtet: Im Golddistrict Atlin in Britisch-Columbien ist ein feuerspeiender Berg entdeckt worden. Er brennt so hell, daß die Bergleute während des langen arktischen Winters bei seinem Lichte arbeiten können. Im October sah man zuerst Rauch im Gebirge aufsteigen und im November schossen die hellen Flammen empor. Als der Aschenregen kam, ergriff die Bergleute eine Panik, die sich aber jetzt gelegt hat.
♦ Dal Muster einel haulwirthe» ist ein vor Kurzem verstorbener Privatier in Dresden. Er hat nicht nur seit zwanzig Jahren keinen seiner Miether gesteigert, auf seine Kosten alle Reparaturen und gewünschten Neueinrichtungen ausführen laffen, sondern auch in seinem Testament, da» dieser Tage eröffnet wurde, bestimmt, daß seine Erben von seinen Miethern ein halbes Jahr lang keine Miethe fordern sollten.
Eingesandt.
Gießen, 10. December 1898.
Gießen, welches durch Anlegen schöner, und wo eS angängig war, breiter Trottoirs, sowie durch Verschönerungen und Lerbefie- rungen mannigfacher Art, wohl nach und nach Anspruch auf eine saubere und schöne Stadt machen kann, ist, ausgenommen die vier Anlagen, die sich allerdings durch permanent saubere Instandhaltung auszeichnen, arm an sogenannten Piomenadenwegen in der unmittelbaren Umgebung. Allerdings gtebt es mancherlei Wege nach bcn verschiedenen Ortschaften, wie den herrlichen AusflugSpunkten Schiffrn- berg, Forstgarten, Gleiberg, Badenburg, Windhof, Hohe Warte usw., aber in welchem Zustande befinden sich diese Spazierwege, während eines großenTheites des Jahre«? für Spazicrgänger kaumpassirbar! Allen voran verdient nun der Weg nach Heuchelheim und insbesondere der Weg von der Rodheimer Chaussee nach Heuchelheim genannt zu werden. Der Zustand spottet jeder Beschreibung! Betreffs des sogenannten Fahrdammes dürfte sich wohl demnächst der Thierschutzverein, der ja schon so viel Gute« erzielt hat, ins Mittel legen, aber wer erbarmt sich der armen Menschen, die täglich diese Strecke voll Morast passiren müssen? Vielleicht ein zu gründender Menschen- schutzverein? Wie leicht wäre diesem großen, für die Dauer unhaltbaren Uebelstande abgeholfen! Ein, wenn auch fchmaleS Fußgänger- banket, bedeckt mit wenigen Wagen des ausgezeichneten, besten Deck- Materials unseres, vor dem Thore lagernden LahnkieseS! Wam eine Stadt W.rth darauf legt, durch Zuzug von auswärts das Gt- meinwesen immer blühender zu gestalten, so ist e6 mit der Reinlichkeit, Verbesserung der Straßen rc. allein nicht gethan. Nein, btt sonstigen Annehmlichkeiten müssen damit Hand in Hand gehen, beim es genügt nicht, daß man auf sauberen, guten Trottoirs bis vor Die Thore der Stadt gelangt, um schließlich im Morast stecken bleiben zu müssen. _______________
rviFenschast, Literatur und Aunft.
— Latzwitz, Aus zwei Planeten. Roman in zwei Büchern.
3. und 4. Tausend. Weimar, Verlag von Emil Felber. Das vor- liegende Buch ist eine» der originellsten und interessantesten literarischen Erzeugnisse der jüngsten Zeit. Kurt Laßwitz, der bei gründlichster Gelehrsamkeit wie selten einer im Reiche der Phantast« heimisch ist, führt uns in diefern Romane die Schicksale einer deutschen Nordpolexp.dition vor, deren Theilnehmer mit den Bewohnern unseres Nachbarplaneten, den Martiern, die den Weg zur Erde gefunden und am Nordpol festen Fuß gefaßt haben, in Berührung und alsbald in enge Verbindung treten. Der Verfasser baut ein System der kühnsten Combinationen mit so sicherer Hand und soviel dichter ischer Anschaulichkeit aus, daß der Leser gar nicht zu Betrachtungen über Möglichkeit oder Unmöglichkeit deS Dargestellten kommt, sondern nur daS Unerwartete, das Phantanische der Begebenheiten zu genießen trachtet. Dom ersten Augenblick an, wo die Erdensöhne mit den Fremdlingen am Pol zusammrntr.ffen, bi» zur schließlichen Bo sttzergreisung der Erde durch die sittlich und culturell überlegenen Martier häuft sich Wunder auf Wunder, erschließt sich eine Märchenwelt, in der doch alles mit natürlichen Dingen zuzugehen und fick wie nothwendig zu entwickeln scheint. Wer den geistreichen Fabulirer, den gewandten und auch humorvollen Erzähler in seiner ganzen Eigenart kennen lernen will, der vertiefe sich in dieses prächtig! Buch. — Um die Anschaffung zu erleichtern, erscheint es in 20 Lieferungen ä 40 Pfg., kann aber auch complett auf einmal bezogen werden und bildet so eines der schönsten Festgeschenke, daS überall Freud« erregen wird. _____________
— Beim Herannahen deS hohen Festes der Freude, deS beseligenden Gebens und Empfangens empfiehlt sich zur besondere Beachtung der Weihnachtscatalog der Deutschen Verlag»' anstatt in Stuttgart. Von vielen Aobildungen begleitet, verzeichne derselbe eine reiche Auswahl der Geschenkliteratur, vom vornehmen Prachtwerk bis zu einfacher auSgestatteten Büchern, wie fie auch bescheidenen Mitteln erreichbar und namentlich solchen willkommen find, die viele erwartungsvolle Empfänger mit WeihnachtSangebindei zu bedenken haben. DaS ganze große Gebiet der Literatur ist d-rd vertreten. SeldstoerstSndlich ist die Jugend jeglicher AlterSstM auSgiebig bedacht, und wie dem mustkfrohen Hause sich manfle schöne Gabe darbietet, so mangelt eS andererseits nicht an Werken: von praktischem Nutzen für Familie, Küche und HauS.
— „Profit!" Neues deutsches CommerSbuch. Eine Samvc- lung der beliebtesten Studenten, Kneip, Volks und Gesellschaft^ lieber. Mit einem Anhang: „Der Lier-Comment". HerauSgegebea von Dr. Julius Sinter. Gebunden und in Form eine« Bierkru^ auSgestanzt. Preis Mk. 2.—. Schwabacher'sche VerlagSbuS- Handlung in Stuttgart. Beim Anblick diese« als Bierkrug auh gestanzten und einem solchen täuschend nachgebildeten CommerSbuch« wird sich Niemand mehr lange besinnen, waS er einem Student^ ober einem Gymnasiasten der Oberklassen zu Weihnachten f^nnn soll, denn man wird schwerlich eine Gabe finden, die für den Zwe« besser paßte und dem Beschenkten mehr Spaß und Freude mach« könnte. Mit Widmungsblatt und prächtigen Illustrationen vco Peter Schnorr versehen, enthält »Profil!" alle jene herrlich« Studenten- und Volkslieder, die bei festlichen Gelagen oder e® froher Wanderung angestimmt werden, mit Ausschluß alles Trtvim» und Anstößigen, sodaß man daS Buch unbedenklich jedem Jüogm» in die Hand geben darf.


