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Rr. 29« Erstes Blatt.
Sonntag den 11. December
1898
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General-Anzeiger
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Zlnrts- und Zlnzeigeblutt für den Ureis Giefzen.
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Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. \ Ärd" * ÄÄT'
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Anrttichcr Ttzrtt.
Die nachstehende BifanmmacMung bringen wir wieder- holt zur oQgtmetnea »cnntnl§.
Gießen, den 8. December 1898.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
Muhl.
Bekanntmachung,
betr.: Sonntagsruhe tm Handelsgewerbe.
Für die Deta l Geschälte de« Handelsgewerbes io der S'odt Gießen werden io Zukunft, außer deo schon bisher für die drei Sonntage vor Weihnachten freigrgebeoen Stunden Bon 11 USt vormittags bi« 7 Uhr Abends, für dem letzten Sonntag vor Weihnachten auch noch die «eiteren Stunden von 7 bis 9 Uhr al« Beschäftigung«- unb ver- lanfszeit freigegebeo.
Gießen, den 7. December 1897.
Großherzogliche« Polizeiamt Gießen.
«ez.: v. Bechtold.
Oefnudeu: 4 Portemonnaie« mit Inhalt, 1 Thermometer, 1 Mavschrttevkoops, 1 Lorgnette, 1 Taschenmesser, 1 Senkel, 1 Gummischuh, 1 Taichrntuch, 1 Halstuch, 1 Paar Handschuhe, 1 Eapes, 1 Moolchetteokoopf und 1 Holzschlägel.
Gießen, den 10 D'Cfmbrr 1898
Grobherzogliche« Polizeiamt Gieße».
Wudl. 751' ' 1 !■—■,. . ---------
Ausland.
Budapest, 9. Dlcembrr. Da« Abgeordoetenhau« iß heute überaus stark besetzt. Es herrscht erregte Stimmung, da verlautet, daß mehrere Abgeordnete ihre Unterschrift unter drr lex Tisza zurückgezogen haben. Nachdem der Vice- p ostdeul einen Brief de« früheren Plästdenten Szilazht ver- üfen, worin dieser m'ttheilr, daß er auf seiner Demiifion besteht, halten die Abgeordneten Aponhi und Kofluth Im Warnen ihrer Parteigenossen längere Reken, worin' fie ihr Bedauern über die Demission aussprecheu. Die Sitzung wurde Libann auf morgen veriagt wir der Tagesordnung: Neuwahl bis Präsidenten.
MaUand, 9. December. Auf dem Somosee ist gestern Abend bet dichtem Nebel ein mit Passagieren besetzter Dampfer auf eine Sandbank gestoßen. Die Pastagiere wurden gerettet.
Paris, 9 December. Nachdem der Eassotionshof gestern seinen Beschluß in der Piequart-Augelegenheit ver- k rodet batte, begab sich Ladort mit setnrm Secrerär nach dem Velänguiß, nm Pirq:art davon zu benachrichtigen. Picquarr war sehr erfreut und dankte seinem verthribtger aus« Herz, liitzste Man glaubt, daß bal Kriegsgericht über Picquart ent nächsten Monrag zusommeotrerrn, den Beschluß des laflatioosboses zur Srnniniß nehmen unb sich dann auf un- ^ft'mmre Zett vertagen werde. Eingeweihte Kreise wollen w.ffeu, daß Picq .an in den nächsten Tagen in Fretheü gesetzt «erden solle.
Pari«, 9. December. Gestern Abend fand unter dem Vorsitz drs Leiters des Pasteul'scheo Instituts, Vnelaux, ene Versammlung statt, welche Picqvart zum Ehren- Prändeuien wählte und eine Resolution aunahm, in welcher iit Abschaffung des Kriegsgerichte« gefordert wird, Es werden »wfass'nde Vorsichtsmaßregeln getroffen, um Gegeudrmonstra tfonen und Tumulte zu verhindern.
Leudon, 9. December. Lhamberlain verbreitete sich ir, seiner gestrigen Rtde in Wakefield in ausführlicher Weise Bitt die allgemeine politische Lage und bemerkte bezüglich der Klage über die Allianz, e« sei müßig, wenn gewisse deutsche Kreunde ton einer Allianz sprachen, wo der vonhetl gänzlich ars einer Seite sei. England verlange nicht, daß Andere je tue Kastanien an« dem Fener holen, wolle ober ebeusoweuig ffr Andere die Kastanien au« dem Fener holen. Da« Deutschland betreffe, habe England mittelst eine« freundschaft. sich en und rvhtgen Gedanken. Austansche« sestgestellt, daß e« se,r wichtige Fragen gebe, welche die deutschen ebenso wie dis kuzlischen Jutereffen berühren. Die englischen und sie tratschen Ivtrrestev seien in keine« Th eile bet Urbe in ernstlichem Widerstreit, und e« sei zu hoffen, daß in Zakuuft im englische und der deutsche Einfluß gemeinsam i» Jatereffe Iti Friedens und des Freihandel« «rrde angewandt werden
fßaneu. Gr behauptete, daß sie Uoteute mit Deutschlaad eia nicht geringer Erfolg der Regierung sei.
Madrid, 9. December. Die Meldungen, daß Verhandlungen über den verkauf der eanartscheu Jnlelu an deu Lougostoat etngele'tet seien, werden offieiell dementirt.
Bsleacia, 9 December. Deutschland und Italien errichten nunmehr in Ueskaeb Eansula'e.
CecaUs **> proHniitflM,
Aietzen, 10. T^zcrmber 1898.
— Aas dem Sroßh. Ministerin«. Durch »r chließung Großherzoglicheu Mtarperums de» Javern vom 28. November ist bet Großh Rigtcruugsafftffor Matthias in Alzey mit der Authiifeleistuvg bei dem Seeretariat Grobherzogliche» Miotsteriums de« Javern beauftragt worden.
•• Ernannt ward » die Regterungsbausührer Ludwig Hammel aus Darmnadr, Walther Knapp an« Stuttgart, Earl Krauß au« Wörrstadt, Paul Rubo au« Land«- berg a. d W., Gerhard Plage au« Darmstadt, Albert Plitt out Biedenkopf, Gustav Plock au« Bad Salzhausen unb Pani Rorhamel aus Rrumünster ia Holstein zn Reglsrungsbaumeistrru.
— Knnsttzeret». Wie an« de« Jvserateutheil erfichtlich, findet grgeuwärng m der Gemäldeausstellung tm Thurmhau» am Braud ein Wechsel der Gemälde statt. Gleichzeitig sei erwähnt, daß em solcher nunmehr wieder regelmäßig erfolgen wird, was in letzter Zeit «egen der Ausstellung der freien V«reiuiguvg Darmstädter Künstler zu Darmstadt leider nicht möglich «ar.
P. Eta ttheater. Durch verschiedene Fingerzeige der Direclton und Vorbespr chungen in diesem Blatte war die Erwartung, Felix Philippi« jüngstes Schauspiel ^Da« Erbe" zu scheu, tn den letzten Tagen recht rege geworden. Mit Freuden können wir seststcllen, daß der Spannung durch die gestrige Ausführung keine Enttäuschung bereitet worden ist. Denn das Stück selbst wird wohl Niemand gleichgültig lasten, mag auch, wie schon an anderer Stelle erwähnt, manches ouszusetzen sein, und einen ganz besonderen R<iz gewährt ee, hinter den erdichteten Vorgängen auf der Bühne weltgeschichtliche Begebenheiten, die uv» alle so nahe berührt Haden und noch berühren, durchfchimmern zu sehen. Diese Tendenz des Dramas ist zugleich seine Schwäche und seine Stärke. Erstere» deshalb, weil nothgedrungen bei etrem solchen Problem der berechnende Brrstund, wenn man lieber will „Die Mache*, an die Stelle der freischaffendcn Phantasie treten mußte. Letzteres darum, weil die Haur-lsigurcn wenigstens einen Anflug von dem Weien ihrer geschichtlichen Vorbilder an sich tragen und uns dadurch rasch vertraut werden. Bemerken», werch ist auch die sprachliche Kraft des Dichter», namentlich sein Reichthum an Bildern. Letztere find gerade die Stütze de» Dialog», indem fie der Dichter häufig al» Uedergünge für neu auftauchende Gedanken verwendet und so seine Handlung weiter fottspinnt. Wenn also das Schauspiel selbst durch feine Eigenart fesselte, so sorgten die Darsteller ihrer- seit» dafür, daß da» Interesse nicht erlahmte. Erne gewaltige Aufgabe war Herrn Walter mit der Nolle de» Commerzien- rathe» Sartoriu» zugefallen. Der Künstler zeigte fich derselben völlig gewachst», indem er in Ma»ke, Sp el und Eharacterzeichnung da- richtige traf. Vielleicht hätte an einzelnen Stellen ein tiefe», sonore» Organ, wie e» dem Darsteller ober nun einmal nicht gegeben ist, noch mehr Wirkung gethan. Sehr elegant im Auftreten, sympathisch in der Rede, maßvoll in der Erregung war Herr Dietzsch, dem al» junger Baron Karl von Laurun alles Lob gebührt. Auch Herr Liebscher bewies von Neuem seine Kunst, jeder Rolle ein durchaus eigenihümlichc- Gepräge zu verleihen, an dem im letzten Acte entlarvten Schurken van der Matt Hirsen. Von Den Damenrollen hat nur die der Frau Henriette größere Bedeutung und wurde von Frau H-.lm mit richtigem Der- ständniß wiedergegeben. In den kleineren Rollen waren die Herren Merten», Köhler und Wilhelmi gut, Herr Casterra zufriedenstellend. Die Au»stattung de» Arbeü»zimmer» war durchaus angemessen. Leider war da- Publikum nicht sonderlich zahlreich erschienen, suchte aber für seine geringere Anzahl dadurch zu entschädigen, daß e« nach dem letzten Acte — wohl in Erwartung auf ein sonst unausbleibliches Derlöbniß — noch so lange im Saal zurückblieb, bis die Lampen aus- gelöscht wurden.
— EtssNhtLler. Um auch ten auswärtigen Theaterbesuchern nochmals Gslegeshett zu geben, das erfolgreichste
Lustspiel dieser Sativu keuoen zu Innen, gibt die Direktion m weißen Rößl^ vou B nveothal «nb Rabilburg noch einmal am Sonntag den 11. ds., Nachmittags 4 Uhr (Kaffeoöffaung 3l/s Uh'). Es ist die« die neunte Aufführung des betrefftvben Werk S an der hiesigen Bühne. — Abends geht die Operettenpoffe „Untere Marine* mit neuer Ausstattung ia Scene, und sei auf diese al« humorvolle«, mit brillanten Melodien versehene« vühnenwerk ganz besonder« ansmeiklam gemacht.
” Kaiser-Panorama. G« herrscht nur eine Stimm« darüber, daß das Panorama in den Neuen Bäuen ganz vorzügliche« bietet, «eßhalb denn auch der Besuch desselben rin stetig zunehmender ist. Die Bilder treten plastisch der- vor nnd lvffca den Besucher fast vergessen, daß er in den wunderbar abgetönten Perspretiven unb den lebensvollen Darstellungen nur eben Bilder steht, dieselben versetzen ihn vielmehr unmhtdbar genießend und miihandelnd in die geschaute fremde Welt h nein unb wirken auf diese we'<e auch anregend und belehrend. So war es mit allen prächtigen Bilder-Serien, so ist e« fast in höherem Maße noch der Fall mit den jetzt vorgesührten ausgkwählten Alpen- landschaftsbildern de« Berner Oderlande«, die dem Beschauer die Alpennatur in ihrer ganzen Mächtigkeit und Großartigkrit zeigen. Wir find h'e, tu die Überwältigende Stille einer ernsten und zugleich schönen Nitur geratheo, und dieie Abwechselung hat ganz besonderen Reiz. Wer daher jene Bilder gesehen und sich an ihnen erfreut, der wird sich diese gewiß nicht entgehen lassen und für ein Billige« die schönste Alpenreise mitmachen.
•• bchntzenfest 1899. Gestern Abend fand in Stein« Garten eine zahlreich besuchte Versammlung derj-nigen Herren statt, w-lche das Gesammicomite sür das im nächsten Jahre hier statifiadende 17. verbandsschiehen de» Badischen LandesschützenvereinS, sowie des Piälzischen unb Mittelrheinischen Schützenbuubes bilden. Nachdem Herr Oberbürgermeister Gnauth als vorfitzrnder die Eeschienenen begrüßt, unb eingehend über das berichtet, was bisher vom Festausschuß vorbereitet wurde, wurden die Sotzang'n sür die Ge- schäfts-Eintheilung und Emzelausschuffe üorg-tragen unb danach selbst zur Bildung der Ginzelausschnffe, durch die Herren Oberbürgermeister Gnauth und Beigeordneter Georgi, geschritten. Es bestehen danach neben dem Fest- unb bem geschästssührenden Ausschuß folgende Lnsschllffe: Finavzansschntz, Bau- unb Ausschmückungsaueschvß, Preß- ansschnß, Sch eßaasschnß, Wirihschaslsausichuß, Wohnungs- ausschnß, Empfongsausschuß, Musik- und Vergvügungsaus- schuß, Zag- unb Ordnnngsausschuß. Die beiden Bo.fitzenden dieser Ausschüsse bilden tm Verein mit 6 Mitgliedern des Schützender eins den geschästssührenden Ausschuß. Der so geschaffene Apparat wird in Kürze in Wirksamkeit treten. Die Zusammensetzung der Ausschüsse giebt die Gewähr, daß da« Fest unserer Vaterstadt tn jeder Hinsicht zur Ehre gereichen wird.
•* Sektion Gießen des D. nnd Oe. «. v. In der am 8 d. M. abgehalrenen Hauptversammlung des Verein» erstattete Herr Fritz Kühn den Bericht über do« verflossene Vereins- jahr und legte Abrechnang vor, zu deren Prüfung die Herren Georgi unb Srrtz bestellt wurden. Weiler beschloß man, da« Sristuugssest üe« nunmehr 12 Jahre bestehenden Verein« tm Monat Januar in der üdlicheu Weise zu feiern. Hierauf hielt Herr vanbel den angtkündigtea Vortrag über den bet Gelegenheit de« Besuchs be« beutlchen Turnfestes tn Hamburg unternommenen Ausflug nach Dänemark und SÜdschweden. Er schtlberte sehr hüdfch die Ueberfahrten nach Sorsör, Kopenhagen und Gothenburg, die schönen vtllenstädte am Sunde unb die Eindrücke, welche er bet unseren nordtschen Nachbarn von Land unb Leuten erhalten harte. Während die Danen den etwa 2000 am AvSflage beteiligten Turnern sehr kühl begegneten, war deren Begrüßung in Schweden eine nm so herzlichere, von Kopenhagen ans wurden die berühmten Sommerfrischen F'ederrksourg und Fredensdorg, letzteres mit den reizenden Ausbl cken ruf den Esromsee, unb Helsingör, — von Gothenburg ans bte berühmten T'ollläktasälle besucht. Ein vergleich Kopenhagens mit deutschen Städten fiel trotz seiner schönen Lage zu Gunsten der Letzteren ans, wie beim auch die Emrichtunzen der dänischen Eisenbahnen und Gasthöfe fich mit den entsprechenden deutschen gar nicht meffen können, von dem dänischen Militär ganz zu geschweigen. Redner gedachte auch bet schönen, schlank gewachsenen unb dabei kräseig gebauten Mäaner und Frauen Schwedens und erntete für seinen Vortrag den verdienten Beifall. — Den Schluß be«


