Ausgabe 
11.10.1898 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

4 A - RiS Stober.

"Niergitinj^

sgE!*J Hmm.

,iob6 »v< Ubr, b^m

rsus

* Nutung, '"dem derus'sarten W, m Söerein^aufe, sowie bet I 'iMe 30, woselbst auch * ll offen.

^chulcomwisiwu.

e« der SeneralDtdammluni Ttock des Kaiserhofcs d voo 8>/z Uhr ab em iie neuestentechnischen

benbe wird freundlichst ein- .Der Vorstand.

»mmot 6

reck, Hiessen J ab

ien hoch.

10611 V

Meeeeooe

sachflhule

lorgeschriebenen fowie

77' i ßonoren. leiden J

BrieS>* * * * * 6 heu Narf

Ä Jlk. 2.50, 3.-. 3.60, 4,-. 6,- pr. '/, LI»

"Ätt * Qualität.

MD7 v Günstige

ungtn w .

[ttben bevorzug - ,

Verficher«nssb-"l.^

1808

Dienstag den 11. October

Nr. 238 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

bdgdtgt.

Heneral-Unzeiger

eae|m< eoe N nzeigr« p bn Nachmittag- für bat |clgmtni lag nfcfcaarnbci Nummrr bii Var». 10 Uhr.

vri Poftb<jug S Mark 50 Pfg. Pirrtcljäbrlt<.

Stnjtigkn.vtrmittllmgrßtSm M Iu- unb ÄuiUebel »rhmtn Anz.-igta für bra Gitßtncr Angcigtr reigcfm

yqugtyrd/ eitrttljdbrli^

S Mark 20 Pkg monatlich 75 Pfg mit vrmgerlotz»

Die Git^tntr MomikieaS lütter ecrbcn btro Änjttgtt

fcf4dwt ttgNch ku Nu-aabmt btl Montags.

Zlnrts- und 2lnzeigeblntt für den Tkreis Gieszen.

ÄcWmen, (typtbitien nnb Snidrrri;

Sch, Kratze Ar. 7.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter.

treffe für Depeschen: Anzeiger chtstzs«. Fernsprecher Str. 5L

Theil.

Bekanntmachung,

bett.: Die Vtehmärkte zu Gießen.

Wir bringen hiermit zur Kenntniß der Interessenten, daß von jetzt ab die in hiesiger Stadt stattsindenden Vieh« Märkte erst um 8 Uhr Vormittags ihren Anfang nehmen. Bor dieser Stunde ist der Auftrieb von Vieh weder auf dem Viehmarkt selbst, noch in den angrenzenden Straßen gestattet.

Gießen, den 6. October 1898.

Großherzogliche» Polizeiamt Gießen. Muhl.

Der dritte Bundestag deutscher Frauen Vereine,

der zur Zeit tu Hamburg tagt, hat eite Reihe von Beschlüssen und Resolutioueu gefaßt, die sich so ziemlich auf dar ganze Lebtet, dar man die Frauenfrage nennt, erstrecken. Wie wir den uns vorliegenden Berichten, deren auch nur auSzug». weise Wiedergabe wir uni aus äußeren Gründen versagen massen, entnehmen, erregte unter den verschiedenen Rechen­schaftsberichten Aufmerksamkeit und Interesse namentlich der Bericht über die in München unb Berlin eingerichteten vor- berei'ungSkurse für Fabrik» unb Gewerbe Inspektorinnen. Am DtenStag wurden die Satzungen des Bundes beratheu unb über mehrere Anträge beschlossen, so insbesondere über einen Antrag der Nürnberger Ortsgruppe, die Pflege der Kost- und Ziehkinder betreffend.

Lebhaftes Interesse erregte die Sitzung der Sittlichkeit»» commisflon, deren Ausführungen nicht nur fittlichen Gruft, fouderu auch eine ebenso würdige wie practische Auffassung der hier in Betracht kommenden heiklen Fragen verriethen. Der Mittwoch brachte Beschlüsse über obligatorische Fort- bildungSschulen für Mädchen, Förderung deS Frauenerwerb» durch Obst» und Gartenbau, die Gesetzeskunde der Frauen, ihre volle Vereins» und Versammlungsfreiheit, ihre Mit­wirkung bei communalen Schul- und Armenangelegeuheitev, die Approbation von Aerztinnen u. S. DaS uneingeschränkte Lob, da» der Leitung der Debatten sowohl wie den Debatten selbst gezollt werden darf muß nur an einer Stelle etwa» weniger laut erklingen, da wo die Frauen sich der Frieden»» srage zuwenden.

Wir glauben nämlich, daß der deutsche Frauenbund nicht gut beratheu war, wenn er am Dienstag die Beschickung de» internationalen Gongresse» de» WeltfrauevbundeS, der 1899

Feeeilletsn.

Das Heßeimniß der kolossalen Entwickelung der Zlnion. Gulturhiftorische Skizze

Von Dr. R. Marschner.

(Schluß.)

Bon welcher uugehenren Bedeutung und Wirkung aber solche Reden namentlich iu der Zeit der Wahl und de» K.iege» sein können unb stub, kann sich Der eine Vorstellung machen, ber Sehnliche», wenn ouch nur en miniature, tu unserem eigenen Baterlonbe erlebt hat. In ber Union regiert die Majorität des BolkSwillruS und der Stimm» kästen ist da» eigentliche Archiv ihrer Geschichte, verdondtn mit brr, ebenfalls konstitutionell gewährleisteten vollkommenen Preßfreiheit, welche die Bereinigten Staaten heute an bie Spitze aller zeituvglefenben Na'ionen gestellt uab das Zeitungs­wesen auf eine unerreichbare Höhe geführt hat, ist die Rede- freihtit in allererster Linie eine der wichtigsten Ursachen ihrer eolossalen Entwickelung. Damit ist nicht gesagt, baß bie Rede und die Pnsse in jedem Falle straffrei wären, im Gegentheil, eS wirb genug prozesstrt unb geschaffen wegen öffentlicher Beleidigung, Verleumdung, aber - wund- tobt bet Lebzeiten darf kein Amerikaner gemacht werden für daS, wo» er gesagt hat. So etwa» wie Eoufiication dieser oder jener Nummer einer Zeitung oder einer Broschüre wäre etwa» Unmögliche», «ein Wunder also, daß ein Land, in welchem jeder Bürger ein eifriger und wohlurterrtchtrter Politiker und jeder Politiker ein einfacher, freier Bürger ist, auch politisch ewporkomwen muß. Durch die Volksschule -schon wird dem Schüler All», defftu :r al» Mitglied de»

in Loudon tagen und sich besonder» mit der Einrichtung internationaler Schiedsgerichte befaffeu soll, in Betracht zog. Wir möchten uns nicht gern den Groll und Haß der geist­vollen und von uns hochgeschätzten Damen zuzteheu, die dieser Frage ihr Interesse zuwenden und thun daher nur mit Zittern unb Zagen bte Frage: Glauben fie, daß eS praetisch ist, leere» Stroh zu dreschen? Und halten fie bei der gegen» wärtlgen Weltlage jene tnternationalln Bestrebungen wirklich für mehr al» leere» Stroh?

Etwa» ernster und entschiedener aber müssen wir unser lebhaftes Befremden darüber au»drücken, daß am Mittwoch anläßlich de» Anträge» des Berliner HanSfrauenveretn», der Bund möge die FriedeuSbestrebungea tu seine Arbett»gebtete aufnehmen, neben Betsall auch Zischen (!) laut wurde, al» Fräulein LtchnowSka für den gerechten Krieg zur vertheidigung de» vaterlande» sprach. Die Zischenden können unmöglich deutsche Frauen jene» Stamme» gewesen sein, die 1813 und 1870 unser Stolz unb unsere Freude waren. Schließlich mag noch erwähnt werben, baß in ben Vorstand gewählt wurden: Erste Vorsitzende Fräulein Aug. Schmidt, zweite vorfitzende Frau Simson, dritte vorfitzende Frau Stritt, Frau Dr. Bieber-Bähn (Berlin), Fräulein Auguste Förster (Dassel), Frau Dr. Naue (München), Frau Helene v. Forster (Nürnberg), Fräulein Helene Lauge (Berlin), Fräuleiu Ottilie Hoffmano (Bremen), Frau Schwerin, Fräulein Freudenberg, Frau Prof. Kaselowrky, Fräulein Dr. AugSpnrg. M. N. N.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. October. Ueber den Kronrath, welcher gestern abgehalten wurde, meldet ein Berichterstatter, e» sei Gewicht darauf gelegt worden, daß der Zusammentritt de» Reich»tage» dem Zeitpunkt der Rückkehr de» Kaiser» au» dem Orient angepaßt werde. Damit sei ausgeschlossen, daß der Reichstag im November eröffnet würde, vielmehr kommt nur das erste Drittel de» Dtcember dafür iu Frage.

Berlin, 8. October. Der Großherzog von Baden traf heute vormittag kurz vor 10 Uhr auf dem Bahnhofe in Potsdam ein. Er wurde von der Kaiserin empfangen. Der Großherzog hat im Stadtschlosse Wohnung genommen. Zur Frühstückstafel beim Kaiserpaar waren geladen: der Großherzog von Baden, der Botschafter in ölen, Graf Philipp zu Eulenburg und Oberstlieutenaut Graf Moltke.

Der Bund der Industriellen thrtlt mit, daß die Regierung folgende Vertreter zu seiner am 10. Octoder, vormittags 10 Uhr im Hotelvier Jahreszeiten" fiattfinbev- drn Generalversammlung entsandt habe: Der Siaat»- secretär de» Innern, Graf von Posadowlkh hat bin SynbikuS

Freistaates iu feiner Eigknschast als vollberechiigte» Mit» glteb besselben zu forbern unb zu leisten hat, anerzogen und er lernt sein Vaterland lieben, noch ehe er eS in seiner ganzen Größe bewundern gelernt hat.

Die Wissenschaft in der Union wird in den Dienst deS practischen Leben» gestellt. Für die Wissenschaft al» solche hat der echte Amerikaner keinen Teot übrig. Jete Ent­deckung, die am Experimeutirtisch gemacht wird, hat erst bann Geltung, wenn fie fich proctssch bezahlt macht. Ideal-schwärmerische Individuen a!» Professoren find ja wohl avch zu finden, doch tie allergrößte Mehrzahl derselben betrachtet die W ffruschast al» die »Kuh, die fie mit Butter versorgt". Werden der W'ssenschaft größere Summen von Millionären zugewaudt, so geschieht die» nicht ou» Bewunde- rung der W ffeuschaft, sondern an» Eitelkeit. Immerhin aber erklärt sich daran» die enorme Entwickelung der Iu» dustrie der Union, die gerade dadurch, daß fie fich oller und jeder Ergebnisse der Wissenschaft im reichsten Maße zu practischen Zwecken bedient, die heutige Höhe der Vollendung erreicht hat. Daß die Qaalität der Artikel ost weit hinter derjenigen anderer Länder znrücksteht, ist hierbei ohne Belang, die Entwickelung ist die Hauptsache und die ist nicht weg» zuleugnen. E» ist ja wohl auch bei an» bereit» ein ganz ähnliche» ig rebtn im Gang-, doch langsam ist e» und hält nicht Schritt mit dem amerikanischen. Sollten wir Deutsche einmal erst nur die Gesammtschätze unserer chemischen Forschungen praetisch verwerthen unb nicht nur auf Flaschen z ehen und im Schranke anfbewahren, unsere Industrie, unsere Gewerbe, unsere Künste rc. würben wie die Sonne über die Laude strahlen.

Der den Amerikanern immer nachgerühmte Unter- nehmvng»geist ist, bet Licht besehen, nichts mehr al» rück» sichiSloseste epcculaiton. Der Amerikaner will schnell reich werden, diesen Wunsch hegen au» Hundert immer 95,

Dr. völcker mit der Vertretung de» ReichSamt» de» Innern bei», des wirthschaftlichen Ausschüsse» beauftragt. In Ver­tretung de» ReichSschatzsecretStS von Thielemann wird der kaiserl. RegierungSrath Meuschel, in Vertretung de» preuß­ischen HaodelSmioisterS Brefeld bei Geheime Regierung»raih LusenSky ben Verhandlungen über den Wirthschaftlichen Aus» schuß unb bie Errichtung eine» deutschen HandelSmuseum» beiwohnen.

Bekanntlich find an» Frankreich etwa fünfzig ausländische Anarchisten auSgewieseu uab an die Grenze geführt worben. DieGazette be Lausanne" fragt nun, ob

bte Betreffenden etwa an bte Schweiz abgeschoben worden

seien, unb bemerkt, Angesichts berartiger Zu» unb Abschied-

ungen von Anarchisten fei bie von Italien vorgelchlageue in­ternationale Coufereoz wahrlich uothwenbig, unb bie Schweiz habe alle Ursache, baran theilzunehmen. In der eisten

Woche deS November wird nun der Mörder der Kaiserin Elisabeth vor dem Genfer Schwurgericht erscheinen. Mehrere andere Anarchisten find in dieselbe Untersuchung einbegriffen, kommen aber erst später an die Reihe. Da ist zunächst al» erster Mitschuldiger Martinelli, der den Griff der Feile her­stellte. Da ist ferner der Anarchist Silva, auch Saldi, der erklärt haben soll, von der Absicht Lvccheni» unterrichtet ge­

wesen zu sein; vielleicht wird Silva noch vorher auSgewteseu. Galducci, ein Freund Luccheni», hat die That gepriesen und öffentlich gesagt, fein Freund Luccheni habe recht gehabt. Rombolt unb Gino haben zwar Luccheni nicht persönlich ge­kannt, wohl aber vor Zeugen bte Morbthat al» Helbenthat bargestellt. Weitere Verhaftungen sollen noch in Au»ficht stehen.

In einer Unterredung mit einem Berichterstatter ber Morni' g Post" bezeichnete Mac Kinley bte gegenwärtigen Zustände in ben Union»staaten al» überau» gedeihlich. Die neuen Besitzungen würden eine Zett lang unter militäri­scher Verwaltung bleiben, aber schließlich al» Territorien unter dem Ministerium de» Innern verwaltet werden- die Politik gegenüber den Einwohnern werde versöhnlich sein. Zoll­tarif wie Verwaltung würden tm Allgemeinen so wenig al» möglich verändert werden. Heer unb Flotte würben, den neuen Aufgaben entsprechend, vergrößert werden. Für die Bedürfnisse ber Regierung würben nöthigenfall» neue Steuern eingeführt werben. (5me andere Währung al» die Gold­währung sei aussichtslos.

und sobald ein Unternehmen diesem LebenSwnnsche nur eine einigermaßen baldige Befriedigung verheißt, wird eS tn» Werk gesetzt nnb wenn eS Millionen verschlingen sollte. Gelingt» gut- die Welt bewunbert benUnternehmung»» geift". Gelingt» nicht auch gut- bie Welt erfährt daun ben Krach unb nennt e»Specnlation»wuth", Spekulation»» wnth war e» aber schon im ersteren Falle. Daß so viele Unternehmungen glücklich ablaufen, liegt eben in ber ganzen Energie, mit ber ber Amerikaner fich dabei von vornherein ins Zeng legt, und diese Energie mvß ihm wohl ober Übel nachgerühmt werben. Selten ober nie wirb ber Amerikaner ein einmal verkrachte» Unternehmen wieder begkntn, denn wo nicht» Tüchtige» zu verdienen ist, rührt er keinen Fiogitk. Wa» den einmal verkrachten jedoch nicht rnnthlo» werden, sondern auch unter ben kümmerlichsten verhältn ffeu auf eine weitere Gelegenheit warten läßt, ist bte im Lande herrschende Anficht, baß jeder ehrliche Verdienst seinen Mann ehrt. Kein Kmb würbe einen Eigarretleohäodler deßholb verspotten, weil tr etwa früher Bankier unb al8 solcher M lliouär ge­wesen. Bewahre! Der Unglückliche darf fich nicht verstecken ober entleiben, nm derSchaube zu entgehen", o nein, er hatte hierbei nur kein Glück unb barf e» unbeschadet feine» Rufe» mit etwa» Anderem versuchen, ohne behwegeu gebraudmarkt" zu sein. Daß selbst gemeine Betrüger, wenn fie nur möglichst gtoßanig betrogen unb schlau bobtl zu Werke gegangen find, dieselbe Achtung genießen, ist eben eiaZeichen der Zeit", dessen wir Deutsche un» fast ebenso rühmen können.

Wir haben in Obigem ja noch lange nicht alle Gründe der kolossalen Entwickelnog der Union angeführt, doch wird fich ber geneigte Leser auch au» bem bereit» Gesagten ein Bild zu machen unb eine Perspective von der Zukunft diese» RtelenstaateS zu entwerfen im Staude sein.