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11.9.1898 Erstes Blatt
 
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m. 213 Erstes Blatt.

Tonntag den 11. September

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Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger

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Die letzten Kundgebungen des Kaisers.

Unser Ratter macht bekanntlich aus seinem Herzen keine Mördergrube- er liebt el, öffentlich seine Ansichten, Mein» sogen und Wünsche darzulegen, und schon manches bedeut- ferne Wort hat er gesprochen, welches für wettere Rretse be» stimmt war, als für Diejenigen, an welche er es richtete. Die Rede tu Othnhauseu wird in der ganzen Preffe lebhaft erörtert. Wie der Ratser über die Tocialdemokrat e denkt, wie er ihre Ziele und ihre Mittel verurthetlt, ist kein ®e- hetwoiß, und das Wort von denvaterlandslosen Gesellen" bedarf keiner we'teren Deutung. Zu den Mitteln der Um- fturzpartei gehört auch der ©tritt, und die Begünstigung des­selben hat die Soeialdemokratte auf ihre Fahne geschrieben, wenn eS fich darum handelt, berechtigte und unberechtigte Forderungen der Arbeiter durchzusetzen.

Immer heftiger hat sich in unseren Tagen der Ramps zwischen Arbeitern und Arbeitgebern gestaltet, und viele Millionen beträgt jährlich der Schaden, welcher auS den GtrikeS resultirt. Mau kann es deshalb verstehen, wenn der Kaiser, welcher fich auch als Schützer der nationalen Arbeit sLhlt, den ©tritt oder wenigstens die gewaltsame Arbeit-» Verhinderung durch Verschärfung der ©trafbestimmungen ein- zvdäwmev sich zur Aufgabe gestellt hat. Freilich wird es höchstwahrscheinlich bet dem guten Willen bleiben müffev, da schon j'tzt aus bin Darlegungen der verschiedenen Partei­blätter zu entnehmen ist, daß der Appell des Ratsers au die Voltsvertreter bet btr Mehrzahl berselben ohne Wtrtung sein wirb.

Interessant und im höchsten Grade bemerteuswerth ist auch die tn Porta gehaltene Rede des Monarchen, da fie als eine Grundlage für die Stellungnahme Deutschlands zu dtr Friedensbotschaft des Czaren aufgefaßt werden tauu. lieber bie Tragweite und Ausdehnung der Pläne de» russischen Raffers schwebte man bisher völlig irn Unklaren. Während bie Einen btr io Aussicht stthtnbtn Lonferenz jede Beden- iong absprachtn und zu dem Schluffe tarnen: «ES bleibt Alles hübsch beim Alten", wußten Andere von Abrüstungen, Lrrbrüderuog der Nationen und ewigem Weltfrieben zu er# zählen. Der Ratser hat in Porta bte Gelegenheit wahr- genommen, bie Sache richtig zu stellen. AuS seinen Worten, ba§ der Friede nie besser gewährleistet sei, als durch ein stets schlagfertiges, kampfbereites deutsches Heer, geht deutlich hervor, daß eS mit der Abrüstung Nichts ist, 6a§ der Werth und der Zweck der Czareu-Borschast io anderer Dichtung zu suchen ist. N'cht von Abrüstung kann die Rede sein, sondern nur davon, daß in den fortwährenden Rüstungen Halt gemacht wird, daß die Nationen aufhören, einander in Bezug auf Waffenstärke zu überbieten. Manches Land ist in befer Hinsicht bereits au der Grenze der Leistungsfähigkeit «gelangt und steht vor der Gefahr, bet weiterer «n- shaanuog seiner mtlttärffchen Rläfte finanziell ruiuirt zu werden. Die Absichten des Ezaren bleiben darum nicht weniger edel und werthvoll, wenn fie die Einschränkung der ürüstungen im Auge haben. Jedenfalls hat bte Rebe Ratser Wilhelms tn Porta bazn beigetragen, Licht tu eint Angelegen- tzeit zu bringen, welche beS höchsten Interesses werth ist und bie ganze Welt berührt. Wenn auch manche allzu kühne Hoffnoogen der sogen. Friedensfreunde zerstört worden find, ie wissen wir es dem Raffer doch Dank, daß seine Worte gezeigt haben, woran wir eigentlich sind. (xx)

Zur russischen Friedenskundgebung

treibt die ,R9ln. Ztg."

Einige Punkte, die zur Würdigung des russischen Loo- fvevzplaves von Bedeutung scheinen, find in der Presse theilS ttersehen, theilS noch nicht mit der gebührenden Schärfe be- leachtet worden. Zunächst gilt dies von der Frage, weshalb Lttser Nicolaus den gegenwärtigen Zeitpunkt zur Einberufung eher allgemeinen Friedens- ober SbrüstongScooferenz für sehr zLastig trde favorable, gehalten habe. Die tn englischen Rättern ausgesprochene Bermuthung, baß bte Randgebung dis Ezaren mit ber Enthüllung deS Denkmals seines Groß­vaters zosammevhäage, trifft jedenfalls nur den äußeren Anlaß des hochherzigen Sotschlvsses, für den zweifesohne tiefere sachliche Erwägungen und Gründe von bestimmendem Siaflaß gewesen find.

Die Rote des Grafen Murawiew legt nun allerdings bemerkeoswerthev Nachdruck auf den Gedanken, daß die großen Opfer an geistigen und physischen Rrüften, die von der mili- lüttschen Rüstung verschlungen werden, mit mehr Berechtigung dea Werken deS Friedens, de« wirthschaftlichen Fortschritt neb andern Lulturzwecken, dienstbar gemacht werden könnten - liessen liegt es auf der Hand, daß die von dem Ezaren und

seinen Berathern vorausgesetzte Sonst des Augenblicks tu erster Linie in der auswärtigen Politik, auf dem Gebiete ber internationalen Beziehungen gesucht werben muh. Unwill­kürlich denkt man an den spanisch-amerikanischen Krieg, ber an einem augenfälligen Beispiel erwiesen hat, daß ber nächste Rrieg auch ben nicht unmittelbar betheiligteu neutralen Völ­kern, ja der gejammten civilifirteu Welt unberechenbaren Schaden zufügen wird.

Die Entwicklung der BolkSwirthschafteu zur Weltwirth- schäft ist allen rück äuftgeo versuchen zum Trotz zu einer Thatsache geworden, die nach einem wenngleich noch wenig erkannten, so doch tn der Stille wirksamen und zwingenden Gesetz bte internationalen diplomatischen Verhältnisse zu be­einflussen beginnt. Sodann wird man bei einer sorgfältigen Prüfung deS politischen Horizonts vielleicht in Ostasten einige Ursachen btr russischen Friebensbolschefft entdecken. Es wag genügen, darauf hiozuweisen, daß die zu einer Auseinander­setzung, um nicht zu sagen Ausheilung, drängenden ostastatischen Dinge zu den schon vorhandenen einen neuen Feuerherd zn schaffen drohen, deffen Gefahr durch die überschäumende Actionslust des jungen nordamerikanischen Chauvinismus noch erhöht wordeu ist. Ein zweiter Punkt, der iu das richtige Licht gerückt zu werden verdient, betrifft den voraussichtlichen Gegenstand der vom Ezaren geplanten internationalen Be- rathungeo. Fast alle Äußerungen der in- und ausläudischeu Presse beruhen aus der Annahme, baß ber Couferenz in blefer ober jener Form ein Abrüstungsvorschlag ober, genauer ge­sagt, ein Plan zur Verminderung der stehenden Heere vor­gelegt werden soll. Von welcher Sette man diesen Gedanken betrachtet, allenthalben zeigt sich eine saft unabsehbare Rette von Fragen, von denen jede für fich einen gordischen Rnoten barstellt. Um hieraus nur eines ber nächfntegenden und zu­gleich schwierigsten Probl«me herauszugreifen wie ließe fich für die allgemeine Abrüstung eine Berhältnihzahl staden, die nicht nur auf die Zahl und Tüchtigkeit der Truppen, sondern auch ans die Lage der Garnisonen Bedacht nähme? Die russischen Staatsmänner haben sich, dessen darf man versichert ein, diese und ähnliche Schwierigkeiten reiflich überlegt, bevor fie die Welt mit dem Auffliegen der Friedenstaube über­raschten.

Daher halten wir es einstweilen für wenig wahrscheinlich, daß fie der Conferevz einen sörmlichen Abrüstungsplan vor- zulegen haben, vorläufig liegt die Wahrscheinlichkeit näher, daß fie die Frage in den Vordergrund stellen werden, auf welchem Wege künftig internationale Verwicklungen und Streitigkeiten in wirksamer Weise zu einem friedlichen Aus- trag gebracht werden können. Ob dabei die von der Wissen­schaft mehrfach erörterte Einrichtung eines ständigen inter­nationalen Schiedsgerichts oder an ein von Fall zu Fall zusammentretlndes gedacht ist, wäre für die Sache selbst von geringer« Belang. Jedenfalls hätte ein derartiger Vorschlag am ehesten AuSstcht auf Erfolg. Seine Durchführung würde durch die erhöhte Sicherung des Friedens den einzelnen Staaten in den Grenzen des eigenen Ermessens die Möglich- feit einer gewissen Abrüstung gewähren, sodaß die hochherzige Absicht des Zaren sich zum Theil erreichen ließe, ohne den einzelnen Nationen die souveräne Entscheidung über das, was fie zu ihrer Sicherheit sür nothwendig halten, zu schmälern. Mit dem vorstehenden Deutungsveriuche läßt fich der Wortlaut ber Petersburger Friedeusnote wohl vereinigen. Mag nun ber Plan scheitern oder in irgend einer Form Gestalt ge­winnen: wir und alle, die aufrichtig den Frieden wollen, Haden schon heute allen Grund, be« jungen Herrscher Ruß­lands für eine weltgeschichtliche Thal zu danken. Aller Welt hat er offenbar gemacht, daß das russisch'französische Bünduiß, auf das die Friedensstörer an der ©eine ihre ganze Hoffnung setzten, die Sicherheü Europas nicht im ©inne der französischen Rachepolitik bedroht und niemals in diele« ©inne bedrohen wird. Diese Erkeunwiß wird jetzt auch jenseits der Vogesen ausdämmern und manchen von Revancheträumen überh'tzren Kops ernüchtern. Wir wollen den offenen und verkappten Hetzern, die fich ihre besten Trümpfe au6 der Hand genommen sehen, ihren Serger über bie Note des Grafen Murawiew nicht verdenken, denn ihr Sergei ist diesmal für die Sache des Weltfriedens ein Gewinn.

Deutsches Reich.

D««stadt, 9. September. AuS Jagdschloß Wolfs­garten, 9. September, wird der ,Dar«st. Ztg." berichtet: Gestern spielte hier von 13 Uhr die Rtgimentsmuflk des 4. Sroßh. Infanterie-Regiments (Prinz Earl) Nr. 118. Se. Hoheit Prinz Albert zu Schleswig-Holstein war gestern zum Lnncheon hier anwesend.

Berlin, 9. September. Ergebnisse der Reichs­tag swahlen. Die kürzlich durch die Blätter gegangene Zusammenstellung ber Eegebniffe ber letzten Reichstagswahlen, bte im Bureau bes Reichstages ausgearbeitet worben ist, gibt noch zn einigen bemerkenSwerthen Beobachtungen Anlaß, vor Allem bezüglich des Centrums. Da von ber Bevölke­rung des Reiches 85,9 v. H. Katholiken find und die Katho­liken fich allerminbestens ebenso stark, wahrscheinlich aber viel stärker, als bie Evangelischen betheiligt haben, finb von ben im Reiche abgegebenen 7 787 000 Stimmen wenigstens 2 787 000 katholische Wähler zuzurechnen. Das Eentrum erhielt aber nur 1 454 000 Stimmen und wenn man bie elericalen Parteien der Polen und Elsässer hinzuzählt, 1 805 000. Hiernach haben von ber katholischen Bevölkerung fast 1 Million Wähler, genauer 35 v. H., also über ein Drittel, nicht ultramontan abgestimmt. Im verhältniß zu ben anderen Parteien, die bei ber letzten Reichstagswahl eine Einbuße au Stimmen gegen bte Wahl von 1898 erlitten haben, ist baS Eentrum mit einem Verlust von nur 0,9 v. H. am besten bavongekommen. Es folgen bie Nationalliberalen (21,1 v. H.), Eliäffer ( 6,2), Reformer und Conservative (je 15), freisinnige Bolkspartei ( 17), Retchspartei und freisinnige Vereinigung (je 24), endlich bie süddeutsche Volkspartei mit 34 v. H. Verlust. Am meisten an Stimmen- zahl gewonnen haben die bayerischen Banerobüudler (4- 17,3 v. H.), dann kommen die Socialdemokraten (4- 17,1), Dänen (4- 7,5), Polen (4- 6) und Welsen (4- 4,2 v. H).

Zur Producttonsstatistik findet fich in ver­schiedenen Blättern eine Notiz, wonach die Aussendung bet Fragebogen nicht gleichmäßig erfolge und einige btbeutenbere Industriellen keinen Bogen erhalten hätten, während kleinere Firmen derselben Branche gehört wurden. Demgegenüber weist dieNordd. Allg. Ztg." darauf hin, daß die Zuthetlong der Fragebogen überall streng nach den Listen der Berufs- geuoffenschafteu geschieht, vielleicht erkläre fich der Jrrthum dadurch, daß der besondere Industriezweig, welchem die be­treffenden größeren Firmen augehören, noch nicht iu Angriff genommen ist, denn die verschiedenen Jndustttezweige auch die miteinander verwandten werden nicht gleichzeitig, son­dern nacheinander bearbeitet.

Mit Bezug aus das deutsch - englische Ab­kommen wird den9W. N. N." aus Pretoria tele­graphisch gemeldet: Bei Besprechung ber übertriebenen, von London aus verbreiteten Gerüchte bezüglich einer deutsch- englischen Uebereinkunst, nach welcher die deutsche Regierung England die allgemeine AnsfichtSgewalt Über bte Verwaltung von Lonreryo Marques eingeräumt hätte, bemerkt bte volksstem", diesen Gerüchten werde tn Prätoria kein Glaube geschenkt, wo volles vertrauen tu die aufrichtige und feste Politik Deutschlands hinfichtlich Südafrikas gesetzt werde, und dies um so mehr, als die hiefigea deutschen Interessen ständig gewachsen seien. Andererseits glaubt dievolksstem", daß ein Zusammenwirken Deutschlands und Englands in der Frage von Lourertzo MarqaeS wahrscheinlich sei im Hinblick auf mögliche Verwickelungen, bte in Lissabon nach ber Ent# scheibung bes Berner Schiedsgerichts in Sachen des Eisenbahn# streite» entstehen könnten.

Paris, 9. September. Morgen findet eine vertrauliche Sitzung des Ministerrath» statt, tn welcher der Kriegs- Minister Zurliuden erklären soll, ob er nach Prüfung des Dossiers die Revifion befürworte. Das Gerücht vom Selbst­morde Esterhazys bestätigt fich nicht.

Haag, 9. September. Der Extrazug der Königin Wilhclmtna traf heute Mittag 12 Uhr hier ein. Auf de« Bahuhose fand großer Empfang statt. Nach demselben begab fich die Königin ihrer Mutter tn achtspännigem Wagen nach de« Schloß.

Locales unfc ^provinzielles.

vießert, 10. September 1898.

<rK. toncert Auf Einladung der Curdirection Bad- Nauheim wirkt der hiefige Bauer' sch e Gesangverein morgen Nachmittag in einem Eoncert im dortigen Cur- hanse mir. Für Freunde des MSnuergesauges dürften bet den bekannten Leistungen dieses Vereins einige genußreiche Stunden in Aussicht stehen.

Stwasferte Milch. Ein MilchhSudler wurde heute vormtttag von der Polizei abgefaßt, als er gewässerte Milch verkaufte. Die Milch wurde b e schlagn ahmt. Der Mann führte eine Ranne bet fich, die Wasser mit etwas Milch