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11.8.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 186 Zweites Blatt. Donnerstag den 11. August

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Nr. 36 de« Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 5. d. M., enthalt:

(Nr. 2605.) Bekanntmachung, betreffend die Anzeige« pflicht für die Geflügelcholera. Bom 2. August 1898.

Gießen, den 9. August 1898.

Grobherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Bechtold.

An Bord deutscher Kriegsschiffe, insbesondere der tu Ostasteu weilenden »Deutschland", sollen nach einem Berichte der »Franks. Ztg." trostlose Zustände herrschen. Wer unsere Mariae kennt, wird diesen Schilde­rungen von voruehereto mit einem Mißtrauen begegnen, daS «an in Frankfurt wohl auch gehegt haben würde, wenn man dort solche Keuutuiß besäße. E» wird dazu aus Berlin ge­schrieben:

Der anonyme Gewährsmann gtebt eine Darstellnvg der Arbeitszeit, die sich von 4 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends erstrecke, einschließlich einer zusammen l1/? Stunden be­tragenden EffeoSzett. Diese Angabe ist dtreet falsch. Nach dem Dienstplan ergiebt sich eine fast uur neunstündige Arbeits­zeit, die nur iu AuSuahmefällen überschritten wird. Wenn -a ein Schmutzfink oder ein Nachlässiger diese Arbeitszeit durch Strafwachea oder Nachexerctren sich und einem Vor­gesetzten verlängert und diese Strafzeit als officiellen Dienst berechnet, so kann die Martneverwaltung nicht dafür veraut« wörtlich gemacht werden. DaS Blatt fährt dann fort:

»Und wie steht eS nun mit der Verpflegung dieser so stark angestrengten Mannschaften? Hören wir weiter: Mor­gens gtebt es rin Stückchen Brod, daS vielleicht für ein tteines Kind auSreicht, und etwa einen halben Liter Kaffee, aber weder Waffer noch sonst etwas. Mittags gtebt eS zwei bis drei Kartoffeln und ein Stückchen Fleisch, hier uud da «inen Teller Reis oder Erbsen. Abends gtebt eS Thee ohne Zucker uud wieder so rto BiScheu Brod. DaS tst also die ganze Verpflegung. So werden Leute genabrt, die den ganzen Tag über fast ohne Pause arbeiten müffenl Die Stimmung der Mannschaften unter solchen verhältutffen kann man sich denken. Zur Stillung des Hungers wurde sogar tu einer Nacht die Bäckerei ausgebrochen und 20 Brode herausgeholt, und in einer andern Nacht ein KalbSviertel daS für die Ofsi- ziere an Deck hing, von den Matrosen roh aufgegeffen. In Shanghai kaufte der Zahlmeister vier Ochsen, wovon daS Stück 15 Mk. kostete und 50 Sock Kartoffeln, die mau hier last geschenkt bekommt, und doch bekommen wtr nicht genug zu effen. So lautet die bewegliche Klage der Mannschaft, und die gegebene Darstellung zeigt, daß fie nur zu berechtigt ist. Könnten wtr uur wieder einmal zu House effen. Das tst ein sehr trauriges Leben. In der Sauttoe kann mau fast nichts mehr haben, uud was fie haben, tst sehr theuer, so heißt e< an einer anderen Stelle.

Diese Darstellnvg wird uns von zuständigen Stellen als eine doShaste Entstellung bezeichnet. Die Mannschaften auf den deutschen Kriegsschiffen haben eine gewiffe Selbstbekösti­gung- fie erhalten vom Zahlmeister ihre BerpflegungSgelder, haben eiue BerpflegungSeommisfion, bestehend aus einem Offizier, einem Obermaat, zwei Sergeanten und einigen Ge- metneo. Diese Cowmisfion setzt allwöchentlich daS »Menu* für die folgende Woche fest, welches jedoch erst dem Capitäu zur Genehmigung vorgelegt wird. DaS Effru ist reichlich und von einer Beschaffenheit, daß oft die Offiziere sich einen Teller MaouschaftSeffen kommen laffeo und mit größtem Wohlbehagen verzehren. Die von der Lantiue erzielten et­waigen Ueberschüffe kommen der Mannschaft bei festlichen Ge­legenheiten durch Verabreichung von Extraspeisen uud Ge­tränken wieder zu Gute. Die BesolduugSverhältntffe find aber derartig, daß Mannschaften, welche längere Zeit auf See sind, sogar zwei- bis dreimal iu der Woche Wein trinken. Aus Gruud dieser Angaben, die von practischen Seeleuten in hiefigeu amtlichen Stellen stammen, würde es den Marine- behörden sehr angenehm sein, weou ihnen, wie die »Franks. Ztg." aozeigt, im Reichstage die Gelegenheit geboten würde, über diese verhältniffe genaue Auskläruog zu geben und so den Beweis zu liefern, daß das Blatt fich durch eiue bös­willige Entstellung hat hinter'S Licht führen laffeu.

Uni gebt ferner von einem Herrn, der selbst an Bord eines deutschen Kriegsschiffes im AuSlaudsdtenste gedient hat, er hat u. A. daS LandungSgefecht in Kamerun mitgemacht ein in den lebhaftesten Ausdrücken der Eatrüstuvg abge­faßter Protest gegen die Darstellung der »Fikf. 3tg/ zu,

dem folgende auf eigenen Erfahrungen beruhende wahrheits­getreue Schilderung der verhältniffe an Bord deutscher Kriegsschiffe beigesügt ist:

Der Ausdruck Schweißkorb ist wahrscheinlich nur in Frankfurt Mode, gewöhnlich heiße er Hängematte, es schläft fich darin ausgezeichnet.

Der Dienst im Hafen ist sehr verschieden gegen den auf See. Im ersteren Falle fängt im Sommer der Tag um 5 Uhr, im Winter um 6 Uhr an, bann kommen die ver­schiedenen Exercitteu bis halb 12 Uhr- um halb 8 Uhr Mor­gens ist Frühstück, von 12 bis 2 Uhr ist Mittagspause, bann Dienst bis 5 resp. 6 Uhr- öfters kommt e» vor, baß man auch wehr Freizeit hat, bann darf geraucht werden, um 77i Uhr ist Bocken und Banken, um 8 Uhr gtebt et Hänge­matten. Mit Ausnahme der Wache, die zweistündlich ab­gelöst wird, schläft Jedermann acht bis neun Stunden, das ist genug!

Nun zum Seedienst! Ich kann darüber reden, denn ich bin 18 Monate auf Kriegsschiffen gefahren, darunter 14 Monate auf S. M. S. »Olga".

Der Dienst zerfällt in Backbord- und Steuerbordwache, hat die eine Wache, so hat die andere frei. Um 8 Uhr Abends tst also Wachewechsel. Die Wache tritt an, und die Freiwache schläft von 8 bis 12 Uhr Nachts. In dieser Zeit ist meistens nicht viel zu thun, eS werden alle Stunden die Posten abgelöst, eventl. ein Manöver, commandirt durch deu wachthabenden Osfizier, ausgeführt und im Uebrigen ruht die Mauuschaft auf Deck auSgestreckt, wenn auch nicht weich ge­bettet, doch schön auS, denn man gewöhnt fich an Alles.

Um 12 Uhr NachtS geht die Wache in die Hängematten, die Freiwache hat Dienst bi» 4 Uhr Morgen», dann geht'S bis 67i Uhr nochmals iu die Koje, während die sogenannte Hundewache von 4 Uhr ab Dienst hat, fie wäscht fich, putzt das Deck, das Tackwerk, die Bolzen, Blöcke rc., macht bis die Freiwache aufgepurrt wird, Alles hübsch sauber, wie jeder andere Haushalt auch. Um 7 Uhr ist Frühstück, bestehend aus gutem schwarzem Kaffee mit Zucker, dazu viermal io der Woche Hartbrod, und zwar genügend zum satt werden und je 30 Gramm Butter pro Tag, zweimal giebtS frisches Weiß- brod, daS sehr gut und reichlich auSsällt. Um 8 Uhr geht der Dienst an, mit Waffen und Kanonenputzen u. s. w. und gegen halb 9 Uhr beginnt der eigentliche Dienst in Geschütz- exercterev, Instruction und eventl. Segelmavöoer- daS geht bis halb 12 Ubr. Ist da» Wetter heiß, so find 10 Minuten, ja 7i fUlnbtge Pausen und die Mannschaft legt fich einfach auf den Boden und ruht auS. Um halb 12 Uhr wird daS Deck gefegt und um 12 Uhr tst dann Mittag.

DaS Effen ist tadellos und wird jedesmal bom wache- habenden Offizier gekostet. Fletsch gtebt» jeden Tag und zwar 400 Gramm, also fast ein halbes Kilo, dazu Gemüse, Kartoffel je nach der Lage deS Schiffes. Bis 2 Uhr tst Paufe bezw. bt» halb 3 Uhr, dann tst Dienst bi» 6 Uhr, eine halbe Stunde Deck aufklaren, dann etwas Instruction, um 7 Uhr ist Schluß, eS fängt das Abendbrod an, guter süßer Thee, Brod mit Butter wie Morgen-.

Sonntags giebt'S nur Süßspeise, Nachmittags Kaffee mit Weißbrod.

Am Mittwoch und Samßtag von 2 bis 4 Uhr ist Zeug- flicken, da rnht fich Jeder au»!

Da» Effen pro Mann für den Tag kostet etwa 2 Mk. Hat vielleicht die Landarmee ein ähnliche» ?

Ich glaube nicht. M. N. N.

Deutsches Reich.

Berlin, 9. August. Der Kaiser uud die Bis­marck' sch e Familie. Die auf Grund bester Srnntoiß der persönlichen verhättniffe geäußerte Ansicht, Fürst Herbert BiSmarck werde voraussichtlich niemals wieder in deu Staats­dienst treten, dient möglicherweise jenen traurigen Gesellen, die nicht aushören, Mißtrauen und Mißstimmung zu säeu, als willkommener Beweis zu der hattloseu Behauptung von einer erneuten Entfremdung zwischen dem Kaiser und der hivterlaffenen Bismarck'schen Familie. Aber wenn auch Fürst Herbert Bismarck iu den bersoffenen Trauertagen nicht den Wünschen deS Kaisers entsprechen konnte, so lagen hier bom Kaiser vollständig gebilligte triftige Gründe vor. Die vor Jahr und Tag vollzogene Wiederannäherung deS damaligen Grasen Herbert BiSmarck an den kaiserlichen Hof ist durch die Trauerrage iu FriedrichSruh nicht gelockert, sondern enger geknüpft. Jedoch schon damals, wie bei den später auftretenden lächerlichen Kriseugerüchtev, die dem Grafen Herbert BiSmarck daS ehrgeizige Streben nach einem | der höchsten Staatspofteu unterstellten, konnten wir versichern, I

daß dem Grafen Herbert beiantgc Neigungen gänzlich fern- liegen. DaS ist auch heute noch der Fall, umsomehr, als Fürst Herbert BiSmarck als Erbe von FriedrichSruh fich wohl zunächst der Verwaltung dieses Gutes uud der pietätvollen Ordnung der Hinterlaffenschaft seines großen, unvergeßlichen Vaters zu widmen gedenkt. Fürst Herbert BiSmarck weilte in den letzten Jahren verhältnihmäßig wenig in FriedrichSruh und jetzt feffeln ihn dort Pflichten, die kaum jemals in ihm den Gedanken an einen Wiedereintritt in deu Staatsdienst auskommen laffeu werden, wobei trotzdem die im vorigen Jahre wieder angeknüpften Beziehungen zum kaiserlichen Hofe auch feruerhtu gepflegt werden dürften.

Berlin, 9. August. Wie der »Post" auS BreSlau ge­meldet wird, wollen die oberfchlefifcheu Industriellen im Oktober, am Tage der Beisetzung des Fürsten BiSmarck. eine große Tranerfeter veranstalten.

Berlin, 9. Sngust. Anfangs Oktober wird im Reich»- Justizamt eine Sachverständigen-Tonferenz zusammentreten, welche zu dem Entwurf einer Revision eine» Urheber­recht» Stellung nehmen soll.

Berlin. 9. August. Die Bonner Studentenschaft hat beschloffen, die gesammte deutsche Studentenschast auszusorderi, eine Ehrung de» Andenken» des Fürsten Bis­marck in einer Form zu schaffen, welche dauernde Bedeutung haben soll. __________________________________

ArrsUrird.

Linz. 9. August. Einem hiefigeu Blatte zufolge soll die Einberufung de« ReichSrathe» demnächst erfolgen.

Patt», 9. August. Picquart wird vou deu Drehfu» feindlich-u Blättern verhöhnt, weil er gegen den Entscheid der Anklagekammer tv der Klagesache gegen Dupath de Elam Berufung beim (5affation»|ofe eingereicht hat. Man ist der Ansicht, daß der EaffationShof die Berufung nicht anuehmen werde.

Madrid, 9. August. In Regierungskreisen wird be- hanptet, heute seien auf särnmtlicheu Kriegsschauplätzen be Feindseligkeiten eingestellt werden.

vermischtes.

* Das Rheiogold.

(Nachdruck verboten.)

Leise plätschernd überm Waffer

Gleiten Nachen still und friedlich, Ferner Abendglocken Töne

Klingen in daS Ohr so lieblich - Seh versunken ganz in Träumen, Wie bei Märchen alter Zeiten Gold'ner Abendsonne Strahlen Ueber Burg und Berge gleiten.

Sei gepriesen, Stolz des Landes, Deutscher Strom, geliebt und hehre, An der Leher Saiten schlag' ich

Dir zum Preis und Dir zur Ehre l Ja, so lang der Gott GermanenS Lenkt allgütig alles Schicksal, Unser Kaiser als sein Sßetfjeng

Stcher'u AngS in Freud und Trübsal Deutscher That uud deutschen Sitten Achtungbietend Wege ebnet, Ist sein Streben durch fich selber

Und vou HimmelSglück gesegnet.

Murmeln, Rauschen hier unb dorten, Wie die Waffer kommen, gehen Glücklich, Der von Gott erkoren Dürft in eure Tiefen sehen, Eoern Schatz zur Krone schweißte Strahlend Bild in Ewigketten, Du Juwel von Einlg-Deutschland

GoldneS Denkmal aller Zeiten! ....

Unb die Wellen rauschens weiter

Und der Glocken Töne rufen: Ueber Sonnen, über Sternen Wird man Euer Bild noch suchen, e In deu Herzeu unauslöschlich Festgewurzelt allerorten Lebt Ihr ewig, Ihr Heroen, Al» ein Wilhelm, al» ein BiSmarck.

Arn Mittelrhein (Germania), 4. August 1898.

Maxim. Trapp.