Ausgabe 
11.6.1898 Drittes Blatt
 
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Zweites Blatt.

Samstag den 1t. Juni

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Erscheint tägttch mit Ausnahme de» Montags.

Die Gießmer MamikieuvtLtter »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

Gießener Anzeiger

AezugspreiB vierteljährlich

2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg, mit Bringerlohu.

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Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlaudeB nehmen Anzeigm für den Gießmer Anzeiger -ntgegeu.

Anrts- und Anzeigeblatt für den litxis Gieszen.

Stbodtea, Expedition und Druckerei: Ochnkstratze Nr. 1.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter. Fernsprecher Nr. 51. m

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die laudwirthschaftlicheHauShaliungSschule zu Lind heim beginnt ihren zweiten 1898er fünfmonatlichen Lehrcursu» Freitag den I. Juli 1898.

Die Schule hat die Aufgabe, junge Mädchen zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen bäuerlich-bürgerlichen Haushaltung vorzubereiteu. Dieselben erhalten hierzu Unterricht und practische Anleitung in der HauSwirthschaft und Milchwirthschaft, im Gemüsebau, in der Obstverwertbuag, der GesundheitS- und Ernährungs­lehre, der Krankenpflege, sowie im Rechnen, in der Abfassung von Aufsätzen und Briefen und Anleitung in der Buchführung. Auch ist für gute Lectüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt.

Die Schule besitzt einen Garten beim Hause, eigne Molkerei und Geflügelhaltung.

Die unmittelbare Lettnug der Anstalt untersteht einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Asststeutiu (Jndustrie- lehreriu). Sowohl diese als die Mädchen wohnen im An- stattßgebäude. Für Unterricht und LogtS find 20 Mark pro Cursu» und für Kost und Verpflegung 1 Mark pro Tag zu entrichten- außerdem find nur noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.

Ausführliche Programme, aus denen das Nähere auch über die Aumeldungen, die möglichst frühzeitig erbeten werden, zu ersehen ist, find von dem Unterzeichneten, sowie von Herrn Oberamtmaon Westeroacher zu Ltndheim erhältlich.

Büdingen, den 21. April 1898.

Der Borfitzevde des landw. BezirkSverein».

Kliets ch, Geh. RegierungSrath._____________

Bekanntmachung.

Am 10. Juni wird bei der Posthülfstelle in Alten« buseck eine Telegraphenaustalt zu Ferusprechbetrieb, mit welcher eine Unfallmeldestelle verbunden ist, eröffnet werden.

Darmstadt, 8. Juni 1898.

Kaiserliche Ober-Postdirectiov.

I. B.: Fuhrken.________________

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Juni. Prinz Friedrich August von Sachsen trifft derPost" zufolge heute Nachmittag in Berlin ein, um fich morgen früh beim Kaiser als neu ernannter General-Lieutenant zu melden.

Berlin, 9. Juni. Gegenüber der in einem Theile der Presie aufgetauchten Bermuthung, als befände fich Staat»- fecretär Pofadowsky hinsichtlich der Stellung der Re­gierung zu den Wahlen nicht im Einklänge mit dem Reichs­kanzler Fürsten Hohenlohe, coustattrt dieNordd. Allg. Ztg." ausdrücklich, daß Graf Pofadowsky seinen sogenannten Wahl- brtef selbstverständlich nicht verfaßt hat, ohne fich versichert zu haben, daß die darin ausgesprochenen Grundsätze vom Reichskanzler gebilligt sind.

Berlin, 9. Juni. Auch Seitens der Reichsbehörde find Anordnungen getroffen worden, um jedem Reichsbeamten die Möglichkeit zu gewähren, von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Berlin, 9. Juni. Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird derNordd. Allgem. Ztg." zufolge in diesen Tagen seinen Aufenthalt in Paris beenden und fich zunächst nach Schillingsfürst begeben. Die Rückkehr nach Berlin erfolgt Mitte dieses Monats.

Berlin, 9. Juni. Wie demBerl. Tagebl." aus Brüssel telegraphirt wird, hat fich in Belgien dieMtlitär- KrtsiS noch weiter verschärft. Außer dem General Grafen Oultremont boten auch die Generale vauloo und WillaerS ihre Demtsfion au. General Marschal, welchem daS KriegS- Portefeuille angeboten war, verweigerte deffen Annahme, wenn nicht die HeereS-Reform sofort durchgeführt werden würde.

Bremen,9.Juni. Der Norddeutsche Lloyd bestellte bet BlohmLBoß in Hamburg zwei Doppelschrauben, dumpfer von 10000 Tonnen für Fracht- und Passagier- verkehr auf New-Aorker Fahrt.

ArssUnrd.

London, 9. Juni. Nach einer Meldung der aus Singapore empfing daS dortigePhilippiueu-Comtt6 gestern von dem Jnsurgrutenführer Agutoaldo ein Telegramm, worin er mittheilt, daß die ganze Provinz Cavite und mehrere Städte der Provinz BatangaS erobert und 2000 Gefangene gemacht seien; 3000 Spanier wurden getödtet, Kanonen und Munition erbeutet.

Madrid, 9. Juni. Infolge der deprimireudeo Nachrichten auS Manila kam es in der Kammer zu stürmischen Sceuen. Trotzdem erklärten sämmtltche Oppositionelle, die Regierung so lange unterstützen zu wollen, als dieselbe keinen schimpf- licheu Frieden adschließe. Gerüchtweise verlautet, daß die Garnison von Manila sich den Amerikanern al« kriegsgefangen bereits ergebln habe.

Cocates Und j-rovinziettes.

Butzbach, 9. Juni. Gestern ist mit den Arbeiten an den Aussttlluugsbauten begonnen worden- es wurde näwlich das Fundament für daS oberhesstsche Bauernhaus, in dem die Alterthümer- und Trachten-Ausstellung stattfiadeu soll, in Angriff genommen. Dieser Bau wird in einer Länge von 16 Metern und einer Tiefe von 10 Metern an der Nord­sette deS Birhmarkte» errichtet und soll im unteren Stock die Bauernsachen, im oberen die sonstigen Alterthümer enthalten. Außerdem wird auch seit gestern in der laudwirthschaft- licheu Halle am Fußboden gearbeitet, dem mau durch Schlacken­mehl, Saud und Lehm die uöthige Festigkeit und Staublofig- keit girbt.

4- Nidda, 9. Juni. Nächste Woche soll io unserer Stadt Bürgermeisterwahl erfolgen, wobei mehrere Caudidate« in Frage kommen werden. Kommenden Sonntag findet zu Salzhausen im Park, eveutl. im Karsaale wieder großes Milttärcoucert der Capelle des Jof.-RegtS. Kaiser Wil- Helm zu Gießen statt.

Darmstadt, 9. Juni. Wir scheinen einem traurig nassen Sommer evtgegenzugehen. Bis jetzt hat eS fast jeden Tag geregnet und gewittert, heute aber um die Mit- tagSzeit fiel ein Wolkenbruch, so stark, daß die Kanäle die Wassermaffen nicht schnell genug aufnehmeu konnten und z B. in der tiefgelegeuen Marktstraße alle Keller u. s. w. überschwemmt wurden und ausgepumpt werden mußten. Dabei entlud fich ein heftiges Gewitter, der Blitz schlug mehr- malig im Stadtgebiet ein, unter Ander« in den großen eisernen Wafferboden der Merck'scheu Fabrik. In der Darwstraße stürzte die Fayade eine» im Bau begriffenen Doppelhäuser in Folge der andringeuden Waflermaffeu ein.

Gießen, il.Juni. Gegen Flöhe, Sämaken, Schwaben, Ruffen, Wanzen und Fliegen kauft nur Lahr's Dalma. Es tobtet m 10 Minuten alle Fliegen im Zimmer. Nicht giftig. Hunderte von Dankschreiben. Nur ächt zu haben in versiegelten Flaschen zu 15, 30 und 50 Pfg., Staubbeutel 16 Pfg. in Gießen m der Hirschapothekc.___________ 545*

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Feuilleton.

Bergmannstod.

Von Rudolf EurtiuS.

(Schluß.)

Lauge vorher haben schon die mächtigen Maschinen zu arbeiten begonnen, welche in langen Röhreulettuogeu daS Sickerwaffer aus der Grube herauSpumpeu und frische Luft in dieselbe htnetnpreffen. Im Horizont des in Abbau be- griffeueu FlötzeS angekommen, begeben fich die Häuer an die Stelle ihrer Arbeit und beginnen beim kümmerlichen Scheine der SicherhettSlampeu ihr Tagewerk, deffen Entlohnung fich auf deu meisten Gruben nach der Mrnge der geförderten Kohlen bemißt. k , n,

Die StcherheitSlawpen, welche von dem berühmten Chemiker Davy im Jahre 1815 erfunden wurden, tragen am oberen und häufig auch am unteren Ende ein fein­maschiger Drahtnetz, welches in besonders gesährlichen Schächten noch von einem zweiten ebensolchen Netz umkleidet ist. Der wesentl'hste Zweck dieser Vorrichtung ist der, daß die zur Verbrennung tn der Lampe erforderliche Luft zwar i« ausreichender Menge in dieselbe eintretev kann, daß aber die oben zum Cyliuder heraustretenden heißen verbreunuugS- aase soweit durch daS Netz abgrkühlt werden, daß eine Selbst- entzündung der schädlichen Grubengase unmöglich wird und daß vor Allem die Flamme der Lampe nicht oben auS dem Cylinder hrrauSschlageu kann.

DaS Grubengas oder Methan ist der einfachste unter deu fogeuauuteu Kohlenwafferstoffkörpern und bilder fich überall da, wo organische Materie in langsamer Zersetzung begriffen ist, ein Prozeß, der auch in den Kohlenlagern

stattfiadet, wenn derselbe fich auch über eine ungezählte Reihe von Jahrtausenden erstreckt. Häufig pasfirt eS dem Bergmann, daß er Spalten anhaut, tn welchem fich solche Gase unter hohem Druck angesammelt haben und auS denen dieselben nach der Eröffnung sausend entweichen (sogenannte Bläser). Aber auch die langsame Ansammlung der explosiven Gase verräth fich dem aufmerksamen Häuer durch daS Ver­halten seiner Lampe, welche ihn rechtzeitig vor der Gefahr warnt. Denn die alSdauu in deu Cylinder der Lampe ein- treeendeu Gase bewirken, daß die Lampe schlecht zu brennen anfängt und daß innerhalb derselben minimale Explofiooen deS GaseS (sogenannte Verpuffungen) stattfiaden. Bemerken unsere Bergleute diese Warnung rechtzeitig, dann gilt es, fich sofort mit Vorficht von dem gefährlichen Orte zurück- zuztrheu und denselben nicht eher zu betreten, als bis durch kräftige Ventilation jede Gefahr beseitigt ist. Aber wehe ihnen, wenn sie diese Anzeichen der Gefahr nicht beachten, wenn sie gar, waS strengstens verboten ist, daS in der schlechten Atmosphäre ausgelöschte Grubenlicht wieder zu entzünden versuchen. Mit elementarer Gewalt explodirt da» GaSgemeuge von atmosphärischer Löst und Grubengas, und gräßlich verbrannte und zerschmetterte Leichen bedecken deu Boden deS Stollens. Wer da nicht in unmittelbarer Nähe der Explofion war, muß nun trachten, sich so schnell wie möglich anS Tageslicht zu retten, um nicht in deu rasch fich verbreitenden Verbrennungsgasen, den Nachschwadeu, zu ersticken, tn welchen keine Aihmung möglich ist und welche schon manchem wackeren Bergmann und Ingenieur, der dem Feuerschwaden entronnen war, daS Leben gekostet haben.

Mau hat wiederholt schon deu Abbau von Gruben | gänzlich avfgebeu müssen, weil fich die Grubengase in Mengen

entwickelten, welchen die Ventilations-Vorrichtungen nicht gewachsen waren. Denn wenn, wie e» in einem belgischen Kohlenbergwerk der Fall war, auS einer einzigen Stelle des FlötzeS durch Jahre hindurch in der Minute 200 Cubik- meter explosives Ga» der Erde entströmen, so kommt da» der Production einer mittleren Gasanstalt gleich und ist mit den beuttgen Mitteln der Technik nicht unschädlich zu machen. In der Regel aber erschöpfen fich derartige reiche Gasquellen tn Tagen oder Wochen und ermögltcheu nach einiger Zeit die Wiederaufnahme des Betriebes.

Häufig gerathen bet solchen Explofioneu die Zimmerungen der Grube in Brand und versperren den Fliehenden den Ausweg, namentlich wenn nach Zerstörung der pölzenden Balken die Decke des Stollens ober die Settenwände de» Schachte» brechen. Dann gestaltet fich da» Schicksal der Eingeschloffenen wahrhaft trostlos. Denn wenn sie auch im günstigeren Falle vom Erstickungstode bewahrt bleiben, fo vergehen doch meistens viele Tage, bi» menschliche Hilfe zu ihnen Vordringen kann, und die Retter finden leider nur zu oft nur die entseelten Körper ihrer von einem graufigen Geschick dahiugerafften Kameraden.

Gänzlich werden fich derartige Katastrophen voran»- sichtlich nie vermeiden laffeu, denn der unglücklichen Zusälle gibt e» nur zu viele. Weun aber auf der einen Seite die StcherheitSvorrichtungen immer mehr, ohne ängstliche Rück­sicht auf deren Kostenpunkt, vermehrt und vervollkommnet werden, und wenn auf der anderen Seite die Arbeiterschaft dazu erzogen wird, die Anzeichen der drohenden Gefahr auf­merksam zu beobachten, muß e» unzweifelhaft gelingen, die erschreckend hohen UufallSziffern von heute bedeutend zu vermindern.