Ausgabe 
11.1.1898 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt ? Dienstag den 11 Januar

1808

Nr. 8

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Fernsprecher Nr. 51.

Zum Wiederbeginn der parlamentarischen Arbeiten.

Am Dienstag nimmt der Reichstag die durch die Weih- aachtSserien unterbrochene Sesfion wieder auf, um fich zu-

bei den in diesem Jahre stattfindenden Neuwahlen gemacht werden und der Regierung großtn Schaden bringen wird.

An Vorlagen, die in der Thronrede nicht augekündigt worden find, dürfte dem Reichstage in nicht allzuferner Zeit auch eine Creditforderung der Regierung anläßlich der Be­setzung der Kiao-Tschaubucht und de« mit China darüber ab- geschloffenen Vertrages zugehen. Der letztere bedarf der verfaffungsmäßtgen Zustimmung des Parlaments, welches vatürlich auch über die zu fordernden Summen zu befinden hat. ES wird fich bei dieser Debatte dann auch Heraus­stellen, welche weitere Pläne die Regierung verfolgt, ob fie die in Kiao Tschau erforderlichen Bauten usw. auf eigene Rech­nung übernehmen oder Privatunternehmer in geeigneter Weise unterstützen wird. Soweit fich vorauSseheu läßt, wird der Reichstag der Regierung in dieser Angelegenheit keine großen Schwierigkeiten bereiten und ihren Maßnahmen zu« stimmen, da sich fortgesetzt die Ansicht immer mehr Bahn bricht, daß unserem Handel und unserer Industrie auS der Niederlaffuog in der Kiao Tschau-Bucht große Dortheile entstehen werden.

Gleichzeitig mit der Wiederaufnahme der Arbeiten seitens deS Reichstags tritt auch der preußische Landtag zusammen, und zwar ebenfalls zu seiner letzten Seffton in der laufenden Wahlperiode. Einen breiten Raum der Verhandlungen wird außer dem Etat die 100 Millionen-Vorlage Hk AufiedelungS- zwecke in Posen und Westpreußeu einnehmen, bei deren Be- rathung die Parteien wieder hart aneinander gerathen dürften. Auch die zur Linderung der Roth in den UeberschwemmungS- gebieten geplanten Maßregeln, die sich hoffentlich auch in ausgedehnter Weise mit einer Fürsorge zur Verhütung solcher Katastrophen beschäftigen, werden einen Hauptgegenstavd der Debatten bilden. Im U-brtcen aber wird vorauSfichtlich die Seffion keine allzulange sein. (xx)

thätigkeit wird der Reichstag an den vor uns liegenden Wochen aber nicht im Plenum, sondern in den Commissionen entfalten, und dir Verhandlungen derselben dürften geeignet s«tn, da« größte Jntereffe zu erregen. Wenn es auch nicht immer zutrifft, daß die Entscheidung über eine Vorlage schon m der Commission erfolgt, so geben unS die Verhandlungen anb Beschlüsse derselben doch stets ein getreues Bild über die Stellungnahme der einzelnen Parteien. ES ist- ja schon vorgekommea, daß Parteien ihren Standpunkt verändert und tot Plenum anders gestimmt haben, als in der Commission, «her daS ist doch nur ein seltener Ausnahmefall, der durch ganz besondere Umstände bedingt ist.

Noch immer ist die Haltung einzelner Parteien zum Flottengesetz nicht geklärt, aber im Allgemeinen herrscht doch kein Zweifel mchc, daß dasselbe zur Annahme gelangt, und zwar wahrscheinlich unter den von Dr. Lieber bei der ersten Lesung angedeuteten Voraussetzungen. Ob die polnische Reichstagsfraction für die Marinevorlage eintreten wird, wie et in diesen Tagen hieß, ist von berufener Seite noch nicht bestätigt worden- aber eS liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, daß eine Partei dafür stimmen wird, deren früheres Mitglied fich durch feine Schwärmerei für die deutsche Flotte den BeinamenAdmiralSkl" erworben hatte.

Weniger zuversichtlich als über den Ausgang der Flotten- frage darf man über daS Schicksal der Militärstrafprozeß- aovelle fein. Wir wiffen ja aus den Verhandlungen, daß fast «lle Parteien etwas an dem Gesetze zu mäkeln hatten und Wünsche äußerten, gegen deren Erfüllung sie dem Gesetze zu- z-astimmen fich bereit zeigten. Aber wir haben auch au« dem Munde de« KrtegSmln sterS vernommen, daß das von der Negierung Gebotene das Aeußerfte sei, wozu fich die mili­tärischen Kreise verstehe»- könnten. ES wird deshalb sehr schwierig und die Hauptaufgabe der Commission sein, einen Ausgleich in den gegenseitigen Anforderungen herbeizuführen. Dir fürchten, daß, wenn die Regierung auf ihrem Stand­punkte beharrt und keine Concesfion macht, die ganze Reform- saage zu Wasser wird. Und daS wäre im Jntereffe der Sache selbst wie auch mit Rücksicht auf den nationalen Frieden sihr zu bedauern, denn e« ist selbstverständlich, daß die Ntcht- 8 «Währung der Reformen im Militärstrafproceß zur Parole

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1. Juli 1897 während der volhergrgangenen 12 Monate 111,862,552 Dollars 85 Ct«. oder 21,219,779 Dollars 81 CtS. mehr als im gleichen Zeiträume des Jahres 1895/96.

Frankfurt a. M., 9. Januar. DerFranks. Ztg." wird auS Konstantinopel telegraphirt: Nach Mit­theilung von zuverlässiger Seite wird der Sultan demnächst eine besondere Commission nach den armenischen Pro« vinzen entsenden, um die größeren, den Armeniern in den beiden letzten Jahren zugesügten materiellen Schäden fest- stellen zu laffen. Der Sultan will zu diesem Behufe 300,000 Pfund unter die Armenier vertheilen laffen.

BreSlau, 9. Januar. Das Comits für Errichtung einer techuifven Hochschule in Breslau wird, wie derBre«l. Geu.-Auz." meldet, am Mittwoch den 12. d. M. vom CultuSmiuister Dr. Boffe in Audienz empfangen werden.

Essen a. d. R., 9. Januar. DerRhein.-Westf. Ztg.- zufolge wurde in der heutigen Zechenbefitzer Versammlung des rheinisch - westfälischen KohlensyndicatS eonstatirt, daß die Einschränkung im November 1897 3,43 pCt. gegen 8,33 pCt. im October 1897 und 3,34 pCt. im November 1896 beträgt. Der Absatz war sowohl im November wie auch im December int Allgemeinen durchweg gut. Zur Zeit ist er etwa« geschwächt, weil die Schifffahrt durch den Waffer- mangel leidet und weil die augenblicklich milde Witterung einen geringen Verbrauch an Hauibraudkohleu zur Folge hatte. Die nächste BeirathSsitzuvg ist auf den 24. Januar anberaumt worden.

Hamburg, 8. Januar. DieHamburg Amerika Linie" coutrahirte, nach derHamb. Börsenhalle", außer den drei großen Dampfern, derea Abschluß mit der Firma Blohm u. Voß vor einigen Tagen gemeldet wurde, noch einen Riesen-Damvfer mt demVulkan" in Stettin. Das Schiff soll 300 Cajüteureisende, 1000 Zwischendeckpassagiere und 14,000 TonS Ladung aufzuuehmen im Stande sein.

München, 8. Januar. Die Kammer der Abge­ordneten derieth heute über die von der Regierung vor- geschlagene GehaltSaufbefferung der katholischen und der pro­testantischen Geistlichkeit. Ceutruw und Bauernbund nahmen eine ablehnende Haltung ein, da bei dem Modus der Auf- befferung die Parität zwischen den katholischen und pro- testanttschen Geistlichen nicht genügend gewahrt sei. Die Liberalen und Dr. Sigl befürworteten die Vorlage. Schließ­lich wurde jedoch mit 76 gegen 67 Stimmen die Gehalts- aufbefferung abgelehnt.

2.-, 2.50, 3-, 4.-. .l,-|FLM.1.80. , 2.10.

Deutsches Leich

Berlin, 9. Januar. Der Kaiser hat auf da« Glück­wunsch-Schreiben des Berliner Magistrats an diesen zu Händen des Oberbürgermeisters Zelle die nachfolgende Antwort gelängen laffen:Der Magistrat Meiner Haupt-und Refidevz- stadt Berlin hat Mich mit freundlichen Glückwünschen in das neue Jahr begleitet und zugleich treuen Segenswünschen für die Meerfahrt Meine« Bruders, de« Prinzen Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, Ausdruck gegeben. Ich bin hierdurch auf« Angenehmste berührt worden und spreche dem Magistrat Meinen Dank dafür au«. Wenn in der Adresse darauf htngewiesen, daß e« Mir in dem begonnenen Jahre vergönnt sein Wo, auf einen zehnjährigen Zeitraum Meiner Regierung zurückzublicken, so erfüllt auch Mich die Aussicht mit Freude und Dank gegen (Sott. Im Vertrauen auf seine Gnade werde Ich auch ferner bestrebt sein, der stetig fort- schreitenden Entwicklung auf allen Gebieten de« Volkslebens friedliche Bahnen zu weisen und daS von dem hehren Be- gründer des Deutschen Reiche« überkommene Erbe Meinem Volke fest und unverrückt zu erhalten. Ich rechne auf die patriotische Unterstützung aller königStreue^ Elemente des Vaterlandes."

Berlin, 9. Januar. Wie die Morgenblätter melden, antwortete Fürst Bismarck einem alten italienischen Freunde, der sich nach seinem Befinden erkundigt hatte, tele- graphisch Folgendes:Ich danke, ich leide an Gelenkschmerzen, sonst gehts gut."

Berlin, 9. Januar. Mit dem Urtheil im Tausch- Proceß wird die Angelegenheit aller VorauSficht nach erledigt sein. Sowohl der Staatsanwalt wie Herr v. Tausch gedenken fich, demLocalauzeiger" zufolge, bet dem Urtheil der ersten Instanz zu beruhigen.

Berlin, 9. Januar. Seit der deutschen Occupation der Kiao-Tschau-Bucht find keine fremden Schiffe ein- gelaufen.

Berlin, 9. Januar. Ja den Monaten October bi» December 1897 betrug die Ausfuhr au« dem ConsulatS- bezirk Berlin (mit Guben) nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika rund 1,120,661 Dollars gegen 1,042,774 Dollar« im gleichen Zeiträume de« Jahre« 1896, da« ist also eine Zunahme der deutschen Au«fuhr au« dem Berliner District um rund 327,125 Mk. während des letzten Quartal» 1897. Die Total - Ausfuhr aus dem Ber­liner Diftricte während des ganzen Jahres 1897 betrug 5,680,871 Dollars 34 CtS. gegen 5,123,190 Doll. 14 CtS. im Jahre 1896, da« ist also eine Zunahme um 557,681 Doll. 20 CtS. oder um rund 2,342,260 Mk. Die deutsche Ge- sammtauSfuhr nach den Bereinigten Staaten betrug bi« zum

Ausland.

Men, 9.Januar. Zu den anläßlich des RegierungS- jubiläumS Kaiser Franz Josephs am Hofe statte findenden Festlichkeiten wird daS deutsche Kaiserpaar, der König von Sachten, der Kronprinz und die Kronprinzesfin von Italien, sowie viele deutsche Fürsten in Wien erwartet. Ob auch der Zar kommt, ist noch ungewiß.

Prag, 9. Januar. Einer tschechischen Quelle zufolge wird der ReichSrath, unbekümmert darum, ob früher eine friedliche Lösung der Sprachenfrage erfolgt oder nicht, An­fang« März etnberufen werden, um den Versuch zu machen, den verfaffungSgemäßen und parlamentarischen Zustand durch da« Parlament wieder herzustellen und dadurch ein«-. Wetter­verwaltung nach dem § 14 zu vermeiden. ES wird bestä­tigt, daß, falls vorher eine friedliche Beilegung der Sprachen­frage nicht erfolgt ist, die Regierung noch vor Zusammen­tritt de« RrichSrathS eine beide Nationalitäten befriedigende Sprachenverordnung erlaffen werde.

Rom, 9. Januar. Wie verlautet, beabsichtigt die Re­gierung, zwei Panzerschiffe und zwei Kreuzer nach Ost ast en zu entsenden.

Brüffel, 9. Januar. Die hiesige deutsche Gesandtschaft dementirt kategorisch die Meldung deSEcho de Paris", wonach Capitän Dreyfus in Brüffel Beziehungen zum deutschen Militärattache, Grafen Schmettau, beseffen habe.

Pari», 9. Januar. Der ^Courier du Soir" kündigt an, daß einige Deputirten bald nach dem Zusammentritt der Kammer die Regierung über die Er ei gniss e in China zu interpelliren gedenken.

Marseille, 9. Januar. DaS SchiffLouis", welches nach Cadix unterwegs war, ist gesunken. Die ganze, 15 Mann starke Besatzung ist mit untergegangen.

London, 9. Januar. Unter Vorsitz Lord Salisbury« hat gestern ein Ministerrath stattgefunden, in welchem betreffs der ostafiatischen Frage wichtige Beschlüsse gefaßt sein sollen. In dem Arsenal zu PortSmouth herrscht seit gestern erhöhte Thätigkeit.

Giessen.

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Bekanntmachung.

Nach § 44 der Bahnordnung für dte Nebeneiseubahnen Deutschlands müssen sobald fich ein Zug nähert Fuhrwerke, Reiter, Fußgänger, Treiber von Vieh und Last- thtereu in angeffener Entfernung von der Bahn, und zwar, sofern Warnungstafeln vorhanden find, an diesen halten bezw. die Bahn schnell raumen.

Da eS in letzterer Zeit namentlich an der Bahnlinie HungenFriedberg mehrfach vorgekommen ist, daß Fuhr­werke, selbst schwer beladene, in so kurzer Entfernung vor der Ankunft der Züge über die Uebergänge fuhren, daß die Zugführer genöthigt find, die Luftbremse wirken zu lassen, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, so wird auf obige Bestimmung unter dem Ansügen aufmerksam gemacht, daß Zuwiderhandlungen mit Geldstrafe bis zu einhundert Mark bestraft werden.

Gießen, den 10. Januar 1898.

GroßherzoglicbeS Kreisamt Gießen.

v. Gag er n.

Gießen, den 10. Januar 1898.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Groscherzoglicheu Bürgermeistereien «nd die Gendarmerie des Kreises.

Die Großh. Bürgermeistereien wollen vorstehende Be­kanntmachung wiederholt ortsüblich publiciren und die Feld- schützen anweiseu, dte von ihnen beobachteten Zuwtderhand- lvngeu fraglicher Art zu Ihrer Keuntniß zu bringen.

Die Großh. Gendarmerie wolle sich gleichfalls die Ver­hütung und event. Verfolgung solcher Bahnübertretungen an- gelegen sein lassen.

v. Gagern.

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