Ausgabe 
10.3.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 58

Zweites Blatt.

Donnerstag den 10. März

1898

Gießener Anzeiger

r'/2 Uhr,

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General-Anzeiger

Aints- und 2luZELgeblutt für den Kreis (Sieben.

Kratisbeilaye: Gießener Familienülätter

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Muster umgehend.

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G. Hennebergs Selden-Fabriken (k u. k. Hon.), Zürich.

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SU|ufl»Frrto virrreWhrltch 2 Mark 2» Pfg. moaatttch 76 PH- mit Brdcherloho.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer di- Borm. 10 Uhr.

Alle Auzeigcn.BermittlungSstellen In- und AuSlandeM nehmen Anzeigen für >en Gießener Anzeiger mtgcfOL

Bei Psftbezug Mark 50 Vfg. terteltährlich.

weil die Ladungen alle auf eine Stunde lauten. Er macht noch auf die GerichtSschreiber-Gehülfeu aufmerksam, welkte mit einem colossalrn Gehalt von 720 Mark jährlich ihr Dasein fristen. Hier sei doch eine Aufbesserung entschieden am Platz, um diese Leute vor Hunger zu bewahren. Ein Straßenkehrer bekomme ja mehr als Diese. Wenn eine Auf- besierung nicht etntrete, so sei eS nicht ausgeschlossen, daß sich ähnliche Veruntreuungen, wie im Falle Ruh wiederholen werden. Durch die neu eingeführteu Coutrolmappen schütze stch die Regierung nicht. Er beantragt eine Ueberoahme der GerichtSfchreiber Gehülfeu in staatlichen Dienst und Einreihung derselben nach dem Dienstalter in das BesoldungSshftem. Abg. Hirsch bespricht die Weinschmiererei, insbesondere über die verschiedenen Prozeßverhandlungen hierüber. Einen Be­weis sür daS Wetnpanrschen sei schwer zu erbringen. Um die Weinschmiererei zu beseitigen, gebe eS nur ein Mittel und das sei die Keller Controle. Diese wollten aber die Producenten nicht. Von einem Kunstweinsteuergesetz halte er nicht viel. Die Abgg. K öhl er-Darmstadt und Schmeel besprechen ähnliche Defiderteu wie die Vorredner und rügen noch die schlechte Bezahlung der GertchtSschreibergehülfen. Mini- sterialrath Dittmar erwidert, diese Schretbgehülfen seien junge Leute, die als Lehrlinge im Gerichtswesen verwendet würden. Diese staatlich auzustelleu, wüste er ablrhnen, ebenso die vom Abg. David und Genoffen beantragte Ausbesserung der Gehälter der Schreibgehülsen um 60,000 Mk. Daß kranken HilsSgerichtSschreibern kein Gehalt gezahlt worden sei, könne er nicht glauben. Liege ein solcher Fall vor, so werde sofort Remedur eintreteu. Ueber den Fall Ruß werde er nicht mehr reden. Bezüglich des bürgerlichen Gesetzbuches würde die Regierung die AuSsührungSbestimm- uugen zur richtigen Zeit erlassen, um sie zur Verwendung bringen zu können. Abg. Brentano stellt fest, daß eia Richter sich über die Verhandlungen vom SamStag, in welcher das Vorgehen dieser Herrn besprochen wurde, dahin geäußert habe, diese Anschuldigungen seien unerhört. Jetzt werde er aber gerade in derselben Weise weiter fahren in der Maß­regelung der Anwälte. Zur Ehre deS hessischen Richter- staudeS wüste cS gesagt werden, daß dieser Fall vereinzelt sei und zu wünschen sei eS nur, daß die Regierung Alles thue, damit das Ansehen bet Justiz nicht leide, daß die Kluft zwischen Anwalt und Richter nicht vergrößert werde. Der junge Accesstft müsse einen anderen LebenSgaug haben zur Erweiterung seiner praetischeu Kenntnisse. Nach dem zweiten Examen gehörten diese Herren in den Verwaltungsdienst und in die Communalressorts. Diese Punkte möge die Regierung in Erwägung ziehen. Damit wird die Sitzung abgebrochen. Morgen 9 Uhr Sitzung.

Erscheint ttgkich mit Ausnahme de» Montag-.

Die Gießener Hlamikie» 5 kälter »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

2031] Ich empfehle mich in allen voikommendenTpeuglerarbeite», insbesondere in Bauspenglerei.

Christian Arnold, Spenglermeifter, Sonnenstrabe 8. Reparaturen gut, schnell und billig.

Redaction, Expedition und Druckerei:

-chukstritze Ar. 7.

Adresse für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

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Ausland.

Wien. 8. März. Heute treten die Zimmerleute in einen Strtke ein. Man hofft jedoch, denselben bald betzulegen, da ein großer Theil der Meister die Forderungen der Arbeiter bereits bewilligt hat.

Cotolts und prwhtaitUes*

Darmstadt, 8. März. Laut Anschlag am schwarze» Brett der Technischen Hochschule ist (mit Rücksicht auf den tu letzter Zett besonders starken Andrang von Reich»- anSländern zur Anstalt, deren Gebäude nicht dafür auS- retchen) seitens des Ministeriums die Verfügung ergangen, daß nichtdentsche Gtudtrende, insofern sie nicht den von ihnen geforderten Nachweis des Besitzes genügender Subsistenz­mittel zu erbringen vermögen, bei der Aufnahme zurück­gewiesen werden können. Ca. 280 ReichSauSländer be­suchten in dem zu Ende gehenden Semester die Hochschule.

Mainz, 5. März. Bor einigen Tagen ist da» 9jährtge Töchterchen eine» Mitgliedes des GtadttheaterS ver- f ch wju o,d>.n°- die StcherhettSorgaoe geben sich olle erdenk­liche Mühe, die Spuren der Verschwundenen ausfindig zu machen. ES bricht sich die Anficht Bahn, daß daS Mädchen das Opfer eine» Verbrechens geworden ist. Sichere Anhalts- punkte hat man allerdings nicht dafür. Da» Gouvernement ist gebeten worden, Wallpatroutllen zu beauftragen, bet ihren Ruudgängen durch die Festungswerke genau Umschau zu halten.

Rumpenheim, 5 März Auf dem Rumpenheimer Schlosse werden eben umfassende Vorbereitungen für den Empfang des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechenland getroffen, die dort im nächsten Monat er wartet werden. Die sür das hohe Paar bestimmten Räume werden einer durchgreifenden Rcnovirung unterworfen. Die Herrschaften werden zunächst auf Schloß FriedrtchShof Auf­enthalt nehmen und von dort zu mehrtägigem Aufenthalt nach Rumpenheim kommen.

AuS bett Verhattblttttgerr bet Zweite« Kammer bet hessische* Stüttbe.

G. Darmstadt, 8. März 1898.

Die Verhandlung tu werden um 10 Uhr eröffnet. Die Speeialberathung über daS Capital 90, Oberlandes- gericht, wird heute fortgesetzt. Abg. Fr en ah beacht die geplante Aufhebung der Notariate in Rheinhessen und glaubt an kein gutes Zusammenwirken der erster»» mit den OrtSgerichten. Der Geschäftsgang an der Mainzer Kammer für Handelssachen sei ein sehr langsamrr und reformbedürf­tiger. Die Gehalte der HilfSgerichtSschreiber seien euischtedeu ausbefferungSbedürftig. Mit 1050 Mk. jährlich könne kein Beamter mit Familie auskommen. Auch seien diese Beamten noch nicht einmal in einer Krankenkasse, in die sie doch gesetz lich hinetngehöcten. Pflicht der Regierung sei eS, diese» nachzuholeo. Auch die Lage der Gerichtsvollzieher sei keine fo beneidenSwertbe, wie man vielfach anuehme. Thatsächlich feien eine große Zahl derselben in einer sehr mißlichen Lage. Er empfiehlt der Regierung die Verstaatlichung der Gerichts- vollzieherstellen und Urberführuug deren Einnahmen in die Gtaattkaffe. Ec bespricht sodann die Verwendung der Ge­richtsvollzieher zu Gericht-diener-Geschäften, wodurch deren Anichev vielfach leide und im Publikum mißfalle. E« liege auch nicht im Jutertsse der AmtSgeschäfte der Gerichtsvollzieher, daß diese mir einer Vergütung von 2 Mk. pro Tag drei Tage in der Woche ihrem Dienst entzogen würden. Auch die Gefängnißarbeit sei einzuschräaken. ES sei doch bedauer­lich, wenn der Staat seinen Bürgern onuöthig Concurrenz mache. Thatsache fei eS, daß z. B. die Darmstädter Gefäng- riißverwaltung die Bürstenwaarenfabrikation in ganz keuf- mäunischer Weise betreibe. Der Verwalter de» dortigen Großh. Gefängnisses biete per Circular und persönlich den Konsumenten die Maaren theilweise 50 pCr. unter dem Fabrikpreise an. Dadurch werde aber die einheimische Fab­rikation lahmgelegr. Einer ganzen Reihe von Lieferanten für GtaatSbahueu und DtaatSgebäuden fei von derselben Gefängnißverwaltung durch Unterbietungen bt» zu fünfzig Pcocent die Lieferung entzogen worden, die fie jahre­lang hatten. ES werde sogar behauptet, Fabrikanten bezögen Maaren von der Gefängnihverwaltung in Darm­stadt und verkauften fie noch mit Verdienst weiter. Diese Zustände dürfte die Regierung doch nicht weiter dulden, wrnu fie fich nicht starker Mißstimmung auSsetzen wolle. In der Kammer rede man fich de» Mund wund wegen der Hebung deS Handwerks und müsse nun zuseheu, wie die Regierung das Handwerk total ruinire. Sache der Gewerd- vereine und Innungen fei tl, hier entgegenzutreten. Ministerialrat) Dittmar hebt hervor, daß die Gefasgniß- arbeit für die Beschäftigung der Gefangenen nothwendig sei. Eine Concurrenz mit dem Handwerk sei von der Regierung niemals beabsichtigt. Brzlt-lich der Aufbesserung der Gehalte der GerichtSschretber und Hilfsgerichtsschreiber habe die Re­gierung ihr Wohlwollen wiederholt auSgedrückt. Leider sei daS Wohlwollen an dem Widerspruch deS Finanzausschusses gescheitert. Hoffentlich werden durch das bestimmt in Aussicht gestellte Besoldungsgesetz die berechtigten Wünsche der Hilf»- gertchtSschreiber befriedigt. Bezüglich der Gerichtsvollzieher könne er sagen, daß die Regierung nicht die Absicht habe, das Institut der Gerichtsvollzieher zu verstaatlichen. Abg. David bringt ebenfalls eine Reihe von Beschwerden zur Keuntniß des Hauses. Insbesondere bezüglich der Anberaum­ung der Termine,- im Gerichtsverfahren sei eine rücksichts­vollere Behandlung de» Publikums durch die Richter wünschenSwerth. Stundenlang müsse daS Publikum warten,

Vorsicht beim Waschen U'L« hettSpflege der Haut da« erste Erfordernis Werden scharfe, die Haut und ihre« so seinen Organismus angreisende Seifen benutzt, so ent­stehen daraus sowohl für die Gesundheit, wie Schönhetl oft die unangenehmsten Folgen. Deshalb nehme man zum täglichen Ge­brauch die erprobte und ärztlich so warm empfohlene Patent- Myrrholtn-Seife, bei welcher man keine Gefahr läuft, der Haut zu schaden. UeberaU, auch in den Apotheken, erhältlich. 36Q.

OestscheB Reich

Berlin, 8. März. DemBerl. Tagebl." wird aus Peking telegraphirt: In dem deutsch-chinesischen Pachtvertrag wird dem Deutschen Reich Concesfion zum Bau dreier Eisenbahnlinien im Innern von China zagestanden. Der Vertrag enthält zugleich BergwerkScoucesfioneu. Port Arthur und Talien Wann sind definitiv auf 99 Jahre an Rußland verpachtet. Rußland ist entschlossen, die fibirische Bahn btS Port Arthur weiterzuführen, mag nun China seine Zustimmung geben oder nicht.

Berlin, 8. März. Die Kreuzer® cf ton* und Deutschland" find heute in Honkong eingetroffen.

Köln, 8. März. DieKöln. Zig." schreibt zu der Meldung deSReichsanzeigers" über den definitiven Abschluß der Verhandlungen mit China, diese Nachricht werde ganz Deutschland und alle deutschen Kreise voll befriedigen.

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Von nun an sei die Besetzung derjKtaotschau Bucht c'ne That­sache, die aus dem Streite der internationalen Gegensätze endgültig auSgeschteden werde. In letzter Zeit seien noch wiederholt Versuche gemacht worden, die durchweg auf da» freundlichste geführten Verhandlungen zwischen der deutschen und chinesischen Regierung zu beeinträchtigen, die stch indeß alS verlorene Liebesmüh herauSgeftellt hätten.

Bremen, 8. März. Der Kaiser wird demBrewer Generalanz." zufolge am 23. März nach Bremerhaven kommen und auf dem LlohddampferKaiser Wilhelm der Große" eint Fahrt in See machen.

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