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10.2.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 34 Zweites Blatt. Donnerstag den 10. Februar 1898

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Bekanntmachung.

Der Stadtvorstand von AlSseld beabfichtigt, mit dem am 13. Juni I. IS. ftattfindenden Zuchtviehmarkt eine Ber- loofung von Vieh und landwirthschaftlichen Geräthen zu verbinden.

Großherzogliches Ministerium des Innern hat die nach« gesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Berloosung er- 1heilt und zugleich den Vertrieb der Loose zum Preise von 1 Mk. in der Provinz Oberhessen gestattet.

Gießen, den 7. Februar 1898.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Gaaern.

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Aus den Verhandlungen der Zweite«

Kammer der hessischen Stände.

G. Darmstadt, 8. Februar 1898.

Die Zweite Kammer der Stände trat heute zur Be« rathung de! HauptvpranschlagS der Staats-Ein­nahmen und «Ausgaben pro 1897/1900 zu einer längeren Tagung zusammen.

Die Sitzung wird um 10^ Uhr eröffnet. Am Minister- tische befindet sich außer dem Staats- und dem Fmanzminister das gejammte Staatsministerium. Zunächst gibt der Prä­sident dem Hause Keautuiß von einer Lmladuvg des ReetoratS der technischen Hochschule zum Besuche der von Doceuten der Anstalt gehaltenen Borträge. Hiernach erfolgte die Vereidigung deS neugewählten Abgeordneten Pitthau und tritt die Kammer sofort in die Berathuvg des neuen Staats­budget! 1897/1900, insbesondere tu die Generaldebatte zu demselben.

Abg. Schmitt bespricht zunächst die Wirkungen der Verstaatlichung der Hessischen LudwigSdahn zum heutigen Staatsbudget. Er hält die vom Herrn Ftuauzmiuister s. Z. dem Hause gemachten Einnahme-Aussichten nicht sür zmreffeude, besonders nicht um unser Staatsbudget sür die Folge davon abhängig zu machen. ES sei daher unbedingt nothweodig, daß sür Hessen, ähnlich wie in Baden, eine zweijährige vudgetpertode eingesührt werde. Mit der LudwigSdahn- Verstaatlichung müsse man sich jetzt abfinden, aber sicher sei, daß Preußen bei oer Verstaatlichung daS beste Geschäft ge- macht habe. Er hält ferner den von der Regierung aus. gestellten Steuersatz nicht sür richtig. Rheinhessen werde in der Steuerzahlung am härtesten mitgenommen. Wenn man frage, was erhalten die einzelnen Provinzen an Zuschuß, müsse man über da- Mißoerhältniß nur staunen. Es erhält an Zuschüssen die Provi,z Starkenburg 2,980,000 Mk., Oberhessen 1,480,000 Mk. und Rheinhessen 670,000 Mk. Dir Provinz Rheinhessen sei von jeher das Stteskiod des Landes, auch der Manipulationen verschiedener Brr- sicherungs Gesellschaften in Heffen, insbesondere der land- virthschastlicheu. Sache der Regierung sei es helfend einzu­greifen, um dieLandwirthschaft vor Aussaugung zu schützen. Abg. Ulrich bespricht die GehalrSverhälmifse der Staats- beamten, besonders das Beamtengesetz. Mit den Vorschlägen der Regierung sei er nicht einverstanden, weil nach oben mehr geschehen sei als nach unten. Pflicht der Regierung sei eS, insbesondere aber der Rammey, hier eine Klärung zu schaffen, am den vielen Unterbeamten endlich die versprochene Ge­haltsaufbesserung zu bewilligen. Wenn die Regierung nicht ernstlich bemüht sei, die vorhandenen Schwierigkeiten zu de- ieitigen, so werde sie die Folgen davon tragen müssen. Der Landwirthschaft sei auch in diesem Budget der Löwenantheil jugesallen, wahrend dem Gewerbewesen nicht in dem Maße, öle es uöihig sei, die Unterstützung deS Staates zu Thetl vrrde. Auch dem Arbeiterstand sei man nicht in dem Maße mtgegeugekommen, wie er es verdiene. Besonders habe man !ür die Errichtung einer Heilanstalt sür Lungenkranke bis letzt keine große Sympathie gezeigt, während doch dieser Segeustand von eminenter Bedeutung sür unsere Arbeiter- ievölkerung ist. Er't es sür unbedingt nöthig, einjährige Dudgetperioden einzuführeu^ denn unsere Finanzen seien so non den preußischen Einnahmen abhängig, daß man auch «ach preußischem Modus verfahren könne. Redner bespricht lobann noch eine ganze Reihe von Desiderien, insbesondere Ile Feierabendstunde auf dem Lande. Wahrhaft haarsträubende Details berichtet er über die Zustände und Willkür bei der Direktion des LandeSzuchihauseS Marienschloß. Dort seien Leute in Kellern krummgeschloffen und mißhandelt worden. Qln -Psui der Schande" müffe man zu einem Manne

gegenüber sagen, der dort als Direktor stehe und diese Zu- stände dulde. Er stellt noch fest, daß die Meuterei in dem LaudeSzuchthauS an der Tagesordnung sei und daß eS die Direktion sei, die die Leute zur Meuterei treibe. Ein Unglück sei eS, daß man an solche Anstalten immer Offiziere stelle, die keine Spur von Pädagogik haben. Der Mann in Marien­schloß sei aber von seinem Posten za entfernen. Staats­minister Finger stellt fest, daß eS seither im Hause bei der Generaldebatte nicht üblich gewesen sei, in so abschweifen- der Weise zum Budget zu reden. Die Klagen könnten ganz gut bei der Specialberaihunq zur Sprache kommen/ jetzt sei er doch nur zum Fenster hinaus gesprochen. Der Staats­minister widerlegt noch die von den Abgg. Schmitt und Ulrich ausgestellten Befürchtungen wegen der preußisch-hessischeu Betriebs-Gemeinschaft. Die gewünschte Reorganisation der oberen Staatsbehörde könne noch nicht eintreten, weil noch eine ganze Reihe von Fragen, insbesondere das Finanz- und Justizministerium betreffend, in der Lust liegt u. Abg. Osann bespricht daS Beamtengesetz und stellt fest, daß noch eine ganze Anzahl von Uaterbeamteu nicht berücksichtigt seien und verweist auf die Strueraufsehrr und Canzleidiener. DaS Beamtengesktz müffe genau geregelt werden.

Die Sitzung wird um 1 Uhr abgebrochen. Morgen 9 Uhr Fortsetzung.

Deutsch«, ««ich

Darmstadt, 8. Februar. Se. König!. Hoheit der Groß- h erz o g haben Sich gestern Abend 7 Uhr 58 Min. wieder nach Berlin begeben. Die Rückkehr findet in einigen Tagen statt. Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm find dem hiesigen Zweigvereiu des Evangelischen Bunde- al! Mitglied beigetreten.

Berlin, 8. Februar. DaS Abgeordnetenhaus de- battirte heute zunächst über die Interpellation Haack und Genoffen, betreffend Anfrage über die in der Thronrede ver­heißene Vorlage wegen Neuregelung und Verbesserung des Diensteinkommens der Geistlichen beider Eonfesfioneu. EultuS- Minister Boffe erklärte, daß die Vorlage in der nächsten Zeit dem Hause zugehen werde. Hierauf wurde die Berathung des Justizetats fortgesetzt. Derselbe wurde genehmigt. Nachdem noch einige Positionen deS BauetatS bewilligt worden waren, vertagte sich daS Haus auf morgen 11 Uhr. Erste LesKng der Vorlage betreffend Hochwasserentschädtgung und Antrag betreffend Communalabgaben.

Berlin, 8. Februar. Die Commission zur Vorberatbung der MilitärstrafgerichtSordnuug hat .heute Nach­mittag die erste Lesung des Entwurss beendet. In dieser Woche wird noch daS SinsührungSgesetz zur Berathung gelangen.

Berlin, 8. Februar. Die polnische Reichstags- fr actio wird heute Abend zur entscheidenden Sitzung bezüglich ihrer Haltung zur Marinevorlage zusammen- treten.

Arrslairö.

Wie», 8. Februar. Wie man auS Petersburg von politisch gut informirter Seite meldet, hat die chinesische Regierung die Absicht, eine Anleihe aufzunehmen, voll­ständig auigegeben.

Paris, 8. Februar. Der Andrang zur heutigen Ver­handlung gegen Zola war wieder sehr groß; der Justiz- Palast wurde heute scharf bewacht, Angesicht- der immer mehr steigenden Aufregung. Zola traf nm 12 Uhr mit seinem Bertheidiger Labori ein und wurde im Saal mit frenetischem Jubel empfangen, während er im Gerichtögebäude und auf dem Gange bereits von der großen Majorität der Menge mit Hochrufen begrüßt wurde. Das Gedränge im Saal war unbeschreiblich. Als Municipalgardisten versuchten, die Gänge zu räumen, kam eS beinahe zu einem Handgemenge. Die Sitzung begann mit der Verlesung von EnschuldigungSbriefen von Zeugen, darunter auch von Esterhazy. Nun begann das Aufrufen der Zeugen, worauf der Präsident dir Entscheidung des Gerichtshofes über die Anklagen des BertheidigerS von Zola verliest. Der Gerichtshof nahm den Antrag an, die militärischen Zeugen incl. Esterhazy nochmals vorzuladen, lehnte es jedoch ab, die Civilpersonen, welche sich geweigert haben, nochmals zu eitireu. Zuerst wird sodann Madame DrehfuS vernommen. Die Dame betritt in schwarzer Kleidung den Saal. Der Bertheidiger golaS fragt sie: »Welche Meinung Haven Sie von Zola, ist er aufrichtig, und unter welchen Umständen hat du Elam Mittheilung gemacht über die Verhaftung Ihre- Mannes? Der Präsident verbietet

dem Advokaten eine solche Fragestellung, worauf Zola Ein­spruch erhebt mit den Worten: Dieben und Räubern giebt man Gelegenheit, sich ihr Recht zu verschaffen. Der Präsi­dent fragt Zola: Kennen Sie die Gesetze? Zola antwortet: Nein, ich will sie auch nicht kennen. Der Ädvocat Zola! beantragt Vertagung deS Verhör- der Madame DreyfuS, worauf sich das Gericht einige Zeit zurückzieht. Nach Wieder­aufnahme der Verhandlungen ergeht sich der Vertheidiger weiter über seine Anträge. Der Staatsanwalt sagt sodann zu Zola: Sie sagen, Sie kennen die Gesetze nicht, wir werden eS Ihnen aber zeigen, daß Sie die Gesetze beobachten müssen, das können Sie versichert sein. Zola erklärt hierauf, er werde sich dem Gesetz unterwerfen.

London, 8. Februar. AuS Bombay wird gemeldet, daß die Pest dort immer weiter fortschreitet.

Konstantinopel, 8. Februar. Die Gerüchte, Rußland bestehe nicht mehr auf der Candidatur deS Prinzen Georg, find vollständig unbegründet, im Gegevtheil, Ruß- land macht alle Anstrengungen, durch Concesfionen betreff! der rückständigen Kriegsschuld den Sultan gefügiger zu machen.

Konstantinopel, 8. Februar. In Tophane hat neuer­ding- ein großer Brand stattgefunden. 70 Häuser wurden eingeäschert. Mehrere Personen kamen in de« Flammen um. Biele Feuerwehrleute erlitten Verwundungen.

Athen, 8. Februar. Auf Reklamation deS griechi­schen Gesandten wegen der Vorgänge in Thessalien erwiderte die Pforte: Griechenland sei zur Ernährung der türkischen OccupationStruppen verpflichtet, und da e- infolge seiner finanziellen Lage hierzu nicht im Stande sei, hätte die Türkei zu dem Mittel der Besteuerung greifen müssen. Inzwischen dauern die Kämpfe in Thessalien fort. Mau fürchtet, daß die Türkei die neutrale Zone überschreiten und ein Zusammen­stoß mit den griechischen Truppen unvermeidlich sein werde.

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Inl Oberheffeu, 6. Februar. Die antisemitische Partei hat zu den bevorstehenden Reich-rag-wahlen für sämmtliche Wahlbezirke Deutschland- 40 Candidaten aufgestellt, wovon sechs auf unser Grohherzogthum entfallen und zwar candi- diren sür den Wahlbezirk Lauterbach-Alsfeld: Biudewald, Gießen: Köhler, Friedberg Büdingen: Leopard, Er­bach : Hirsche!, Darmstadt: Bormet, Bingen: Wols.

Grnnberg, 9. Februar. August Peter zu Groß-Eiche« ist zum Gemeinde-Einnehmer der Gemeinde Groß-Eichen be­stellt und als solcher verpflichtet worden.

1. Schotte«, 9. Februar. Wie daS hiesige Kursblatt meldet, findet die Versammlung des Bezirksvereins Oberheffe« der freisinnigen Volk-Partei am 27. Februar hier statt. ES soll u. A. über die Norninirung eine- Candidaten für die bevorstehende ReichStagSwahl, zu welchem ein ^be­kannter" Rechtsanwalt auSersehen ist, beratbtn werden. I« der öffentlichen Wählerversammlung am Nachmittag wird Reichstagsabgeordneter Dr. Müller-Sagan sprechen.

-f- Ridds, 7. Februar. Auf Veranlassung des hiesige« Ortsgrwerbe«BereinS hielt Herr Rentamtmann Schäser- Bingenheim in demGambrinus" vor zahlreichem Auditorium Gewerbetreibender rc., den angekündigten zeitgemäßen Vor­trag über daS Thema:Wie vermag der Handwerker er­folgreich gegen Großkapital und Großindustrie anzukämpfen?" Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall.

-1- balzhanfeu, 8. Februar. Die Baulust ist bei un- lebendig geworden, denn ein reicher Herr aus Frankfurt a. M. wird sich eine Billa in der Nähe de- hiesigen Kurparks bauen. Bon Seiten der oberen Staatsbehörde wird den Baulustigeu dadurch entgegen gekommen, daß verschiedene Grundstücke, die in der Nähe des Kurparks liegen, dem Staate gehören und sich zu Bauplätzen eignen, n vellirt und zu Bauplätzen ein* getheilt worden sind. Demnächst wird eine Schrist erscheine», worin die trefflichen Eigenschaften der hiesigen Bäder ge­würdigt werde».

B. Reichelsheim, 8. Februar. Hier hat sich ein Ge­flügelzuchtverein gebildet und es soll eine Zuchtstation errichtet werden. Da wir in der Umg-geud noch sehr wenige reine Geflügelraffen, wohl aber ein Durcheinander der ver­schiedensten Sorten und Gattungen haben, wird der ne»e Verein ein sehr fruchtbares Feld für seine Bestrebungen finden.

«Noch niemals eine so milde und angenehme aromatische Seife in Gebrauch gehabt", ist eine ärztliche Aeußerung über die Patent- Myrrholin-Seife, welche überall, auch in den Apotheken, hältlich ist. 3M