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9.10.1898 Viertes Blatt
 
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Nr. 237

Sonntag den 9. October

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Deutsches Nelch.

Berlin, 7. October. lieber große Heeres - -Erst S r k un g c n, welche beabsichtigt fein sollen, berichtet tatWests, volksbl.". Danach sollen die neuen Infanterie« irtgaden zur Formation neuer Äimeecoipl zusamwrngezogen »erden and zwar von nicht weniger al» fech» Ärmeecorp». Mtfe Vermehrung ter Infanterie würde eine Vermehrung len übrigen Truppengattungen nach fich ziehen. Sodann sei icabfichtigt, unter Mttoerwkndnng der 5. (Slcabron» der inoallerieregimenter 23 neue Eavallerieregimenter zu bilden. Utfe Maßnahme würde bedingen eine Mehreinstellung an Xl krnten von 18,000 Mann. Danach würde also die Heeres- renftärkung 80,000 bll 40,000 Mann umfaffen. Diese Nach- ncht klingt so ungeheuerlich, daß wir schon difehalb ihr einen Hauben nicht betmeffen können.

Berlin, 7. October. DemLocal-Anzeiger" wird au» Bari» telegraphier: Die Vereinigten Staaten stellten in der (tätigen Sitzung der FriedenS-Lonf er enz drei Forder- mgen auf: 1. Manila und da» gefammte Gebiet der Insel l^gon gehört den Bereinigten Staaten. 2. Spanien ver- schttt auf alle Hoheitsrechte über da» übrige Gebiet der khtlippinengruppe. 3. «in Schiedsgericht wird über den Robu» der Uedernahme und Tilgung der Philippinenschuld i-ischeiden.

Berlin, 7. Oktober. Nach Mittheilung der hiesigen silenbahn-Direction ist die Frist für freie Lagerung los Getreide unb Mehl auf de« hiesigen Stettiner kahnhof bi» auf Weitere» von 14 auf 7 Tage herabgesetzt.

Berlin, 7. October. Bekanntlich ist den deutschen ittippen, die an der Palästina-Reise de» Kaiser» theilnehmen, lr«penanzug vorgesch,leben. Das ist im Orient, wie lan derR. B.-Z." schreibt, ausgefallen. Reisenden kann in dringend empfohlen werden, von October ab recht warme vd wollene Sachen müzunthmen- denn wenn e» in den Kftenstädten Jaffa, Ratfa, Beyrut auch noch angenehme lüW» Temperatur giebt, ist im Innern Palästtna» eine recht erfindliche Kälte von Oktober ab bemerkbar. Dasselbe gilt fj Damaskus und Baalbeek, die bedeutend über dem Üeerelfpfegel liegen. Im Oktober beginnen die Regen, die türrrne und die schlechte Sce Hierselbst, und es ist deshalb :ia dringend zu wünschen, daß unS der Himmel während ganzen Reise Raiserwetter bescheert. DaS Wohnen in ^lNkn hat feine starken Schattenseiten, besonders in Palästina,-

Jaffafieber und die Malaria in vielen Städten dieser f aftinj sind berüchtigt. Wen da» Fieber erreicht, der möge vtste thun, nämlich daS Land sofort verloffen. Der rRo-awechsel macht fich dann sofort bemerkbar. Beyrut unb IKiif i finb sehr gefunbe Stäbte unb bieten Laftveränderung io- dem Rarmel bezw. Libanon in bentschen Hotels. Die IBrg Kampagne finbet Mitte Oktober ihren Abschluß. Die IBlrbetung sämmtltcher, etwa 8000 Reifenden von Beyrut l»ch Damaskus Ist mit großen Schwierigkeiten verbunden- «lei muß fich eben mit Güterwagen behelfen, denn die ivtt:tion verfügt nur über 22 Wagen erster, zweiter und litEiir Claffe. Der lebhaftere Verkehr macht fich bereit» 8116t 3b. von Ronstantinopkl find die ersten Pluderhosen ein- llicorfen, es ist aldanefifche Garde. Herr Ottomar illtlchütz wird fich in Haifa dem kaiserlichen Gefolge an- Schlehe». Er hat auf Befehl der Ralferln für die ver voll- clbt gung von deren photographischer Ausrüstung zur Orient °>oe gesorgt. Die Ralferln widmet fich fett längerer Zelt großem Vergnügen der Photographie und schafft sich ' nil von allen Begebenheiten selbst die Erinnerungsblätter, s«tze unter Anderem die Salon» S. M. UachtHohen- ilrfmn", der MachtIduna" unb de» kaiserlichen Hofzuges ßchü-cken.

Um die staatliche Aufsicht in den Berg- !»bet rieb en möglichst erweitern zu können, sollen, Biti miautet, bereit» in den preußischen Staatshaushalt stllt 1899/1900 die erforderlichen Geldmittel eingestellt BlOti !N.

In Stuttgart tagt zur Zelt die allgemeine Eonse- ki'Nz der deutschen SittlichkeitSver eine. Am Dien»- vq Abend fand eine Versammlung statt, die einen vorwiegend Miel chen Charakter trug. Pfarrer L c. Weber (München- Miltach) legte die Nothweodigkeit bar, baß die staatliche Metzzebung auf fittlichem Gebiet in Uebereinftimmung ge- rirchr werde mit den moralischen Forderungen. Sm Mitt- moy Nachmittag tagte unter Ausschluß der Oeffentlichkelt VAI Delegiertenversammlung.

Kali, 7. Oktober. Der Strafsenat de» Kölner lchtr-Landesgeeicht» verwarf heute in bem lelantten Ve« o bt|ung»proce6 Stöcker-Stumm bie von Letzterem

eingelegte Rcvifion gegen bas Urtheil ber Strafkammer Saarbrücken und legte btm Beklagten die Kosten zur Last.

Ausland.

London, 7. Oktober. Eine Dalziel-Depesche aus Shanghai meldet, eine furchtbare Feuersbrunst zerstörte eine englische Quadralmeile der Stadt Han kau, darunter die AmiSgebäude, die Kirchen und viele Tausend Häuser. Man befürchtet, daß etwa taufend Personen umgekommen find.

vermischtes.

lieber den Besuch deS Reifer» in ber Apotheke zu Berg­kirchen bringt jetzt dieOsnabrücker Zeitung" eine dritte Darstellung nach der Erzählung des Apothekers Dr. Sied, bie folgendermaßen lautet:In der Nacht vor dem letzten Tage de» KalsermanöoerS kam der Kaiser früh um 4 Uhr nach Bergkirchen und liefe, als er am Haufe des Apothekers Dr. Steck vorbeikam, halten. Der im Schweizer Stil am Abhange des Wiehergebirges aufgesührte schmucke Bau der Apotheke gewährt nach allen Selten einen prachtvollen Blick auf die Höhenzüge, besonder» aber in das Werrathal. Der Kaiser hatte vom Wagen aus mit scharfem Blick eitannf, daß vom Balkon aus das ganze Manövergelände vollständig zu übersehen war, verließ den Wagen unb begab fich mit Gefolge in das Haus, das offen war, weil für den im Haufe im Quartier liegenden General unb mehrere Offiziere um 3»/zUhr Thee fervirt wurde. Der Kaiser gelangte so dir.ct nach oben. Es war gegen 4 Uhr Morgens, als imine Frau und Ich plötzlich erwachten und in der Dunkelheit einen Hufarcnoffizler mitten im Schlafzimmer sahen. Aus meine Bemerkung:Ich ließe mir während des Manövers alle» gefallen aber in meinem Schlafzimmer Hütte kein Mensch etwa» verloren", bat der Offizier höflichst um Entschuldigung; er hätte nicht gewußt, daß hier ein Schlafzimmer fei, auf sein Klopfen hätte Niemand geantwortet. Se. Majestät wünschte mit gütiger Erlaubnife des Herrn Doctor» den Balkon zu benutzen. Dr. Sieck bat den Offizier, Se. Majestät zu bitten, einige Minuten zu warten, damit feine Frau unb er aufstehm könnten, denn sie könnten doch nicht gut im Bette bleiben, wenn Se. Majestät und das Gefolge durchs Schlafzimmer gingen. Frau Sieck flüchtete bann Ins Badezimmer, um hier Toilette zu machen, und Sieck stand barfufe, nur mit Beinkleid unb Nachthemd bekleidet, am Bette, als Se. Majestät das Zimmer betrat und mit lachendem GesichtGuten Morgen, Herr Doctor" wünschte. Der Kaiser begab sich dann auf den Balkon und leitete von hier au» das 7. Corps. Der Kaiser wollte von 4 bi» 6 Uhr früh auf dem Balkon. Dann befahl der Kaiser Herrn Dr. Sieck zu sich und unterhielt sich in sehr liebenswürdiger Weise etwa 5 Minuten mit ihm. Bor dem Hause flieg der Kaiser zu Pferde und ritt nach der Wallücke zu." Der Frau des Apothekers Herrn Dr. W. Sieck hat der Kaiser zur Erinnerung an den Vorfall fein Bild mit eigenhändiger Unterschrift und Namenszug verehrt. Auf dem Bilde steht oben links der Name des Kaisers und unten folgende Widmung:Zur Erinnerung an den Ueberfall Morgens 4 Uhr in Bergkirchen 10./9 98." Dem Bilde war folgendes Schreiben beigefügt:Seine Majestät der Kaiser hat allergnädigst geruht, Ihnen gnädige Frau, fein Bild mit eigenhändiger Widmung huldvollst zu übersenden."

* Matrosen der amerikanischen Rrieglmotine weilen jetzt in Berlin. Den Leuten ist bei Gewährung freier Her- und Rückrriie ein achiwöchiger Urlaub bewilligt worden. I« Ganzen wurden 160 Mann nach Deutschland beurlaubt.

Hebet die Ballonfahrt, die der Lustschiffer Speite­rt ni von Sitten in der Schweiz aus unternommen hat, und die ihn auf französisches Gebiet führte, werden jetzt Einzel­heiten berichtet: Nachdem der BallonVega" mit C^pirän Spelterloi, Prof. Heim, Dr. Maurer und Dr. B'edrrmaon vormittag» 108/< Uhr aufgestiegen war, kam er bei 2500 Meter Höhe in Südostwind. AIS er auf 4500 Meter gestiegen «ar, ging er über die Diableret» und die Woadiländer Alpen und erhob fich dann auf 6000 und bi» 6300 Meter. Hier herrschte eine Kälte von 21 Grad. Den Iu affen bot fich eine unermeßliche Aussicht über die Alpen bar, vom Rhein bi» über Savoyen. Der Himmel war dunkelblau, nur hin und wieder zeigte fich etwa» Herbstnebel. E» folgte eine stundenlange Fahrt gegen Nordwest, stet» in über 5000 Meter Höhe. Da» Btfiaden der Reisenden war meist vortrefflich, nur einer benöthigte Zufuhr von künstlichem Sauerstoff. Hebet 6000 Meter Höhe wurde man zur Arbeit schlaff. Der Jura, so erzählen die Theilnehmer, war wie nur unbedeutende Runzeln der Erde unter un» sichtbar. Die Alpen lagen wie :

I dne großartige Wand hinter un». W r fuhren über vte- croi», Besaryon, Grav und landeten zwischen Langre» und Dijon Nachmittags 41/1 Uhr. Die Landung war wegen UnterwindeS etwa» schwielig, verlies aber bei der Gefchicklich- feit de» Eapitän» ohne Unfall. Alle wtffenfchaftlichen In« fhumente haben fich vorzüglich bewährt.

Sinweiblicher" Bandit, ber schöae Mu»ketier, einer der in den letzten Jahren in dem Kaukasus am meisten ge­fürchteten Wegelagerer, ist endlich vor wenigen Tagen ein- gefangen worden. Daniela Barbara, die stet» als Musketier verkleidet ging, war eines ber elegant.fien unb zugleich galantesten Banditevhäupter. Zehn Jahre siod es her, als ein junges, feiten schöne» Mädchen au» bem Dorfe Bandza, im Gouvernement Rutoifa, verschwand. Es war Daniela Barba'a. Seit jener Zeit wurde die fchöue Georgierin fünfmal, fei es durch btt Polizei, fei e» durch Kosaken festgeoommen. Die betten eisten Male wurde fie wegen ungenügender Beweise freigesprochen, daS bittre Mal entkam fie, das vierte Mal aber entführte fie ihren Gefangenwärter, der heute, gleich ihr, Bandit ift. Die Bande" Danielas hatte stets das Aeußere von eleganten Herren, und fie, daS Oberhaupt, pflegte stet» nur unter höflichem Salutiren ihre geipickeen Opfer um die Heraus­gabe alles Besitzes zubitten"» Der atme Tropf hatte nicht» von ihr zu fürchten, im Gegenthetl, fie versah ihn mit Rubel, Speise und Trank. Iw Uebrigen scheute die Barbara kein Menschenblut, wenn e» fich um Verfolgung handelte, i Als im letzten Jahre der rufstsche Polizei-Ju.pec ot Er.stoff ! in Begleitung von zwölf Mann, bis zu den Zähnen be­waffnet, sich in die Berge auf bie Suche nach der verwegenen Georgierin und ihre-Bande begab, kam von dieser Expedition cur ein Mann zurück, die Anderen waren im Kampfe mit den Banditen geblieben.

*Fingerhute" für Clavierspieler und Maschinenfchreiber. Das N'Ueste auf bem Geb.eie der Erst buogen fina Leine, mit winzigen paeumatiichev Riff - n versehene Schu tzkappen au» Gummi, bie auf die Spitzen d r Finger gezogen werden und sowohl beim Bearbeiten des Pianiuo», wie der Schreib­maschine dazu dienen, ie.i angestrengten Spieler wie Schreiber vor den schädlicheu Folgen seiner Thätizkeit zu bewahren. Bekanntlich hat mau in den Fingerspitzen, >n denen sich Neroencentreo befinden, ein überaus feine» Gefühl, unb so ist e» durchaus nicht zu verwundern, tag Leute, und be­sonders Feouen, die gezwungen find, täglich viele Stunden aus den Tasten de» Elnvier» ooer der Schreibmaschine herumzuhämmern, bald ungemein nervös werden. Man gibt gewöhnlich einer angestrengt arbeitenden M.schinenschreiberin zehn J-Hre, in welchem Zeitiauwe fie ihr Nervensystem voll­ständig rutnirt Haden wird, viele «erzte behaupten sogar, daß diese Erschlaffung der Nerven schon nach süns bis sechs Jahren eintritt. Auch Llavtervirtuofii neu Haden viel unter nervösen Anfällen zu leiden und müff:n nicht selten au» diesem Grunde ihre Laufbahn ganz aufgeben. D e neuen F ngerschutzkiappen soll.n nun tn ber Thot sehr viel bazu dettrazen, die äußersten Enden ber arbeiten!en Gliedmaßen unb lomit die Nerven ihre» Besitzers zu schonen, indem fie die S>öße oder vielmehr (5rid)ütierungea, denen d e Nerven» centren fortwährend au-gesetzt find, bedeutend abschwächen. Diese Kappen werden in verschiedenen Größen unb tc ganzen Garnituren, für je rechte unb linke Hand paffend, gearbeitet. Für maschinenschreibende Personen werden Garnituren an­gefertigt, die nur Schutzhüte für bie am mristen aaschlagenben Finger enthalten. Der Gebrauch dieser ©ummitappen ist jeeoch nickt nur von wohlthuender Wirkung auf bas Nerven» system, sondern schützt auch zarte Damenhände vor Miß» gestaltung, da die weichen pneumatischenF ngerhüte" daS Hart- unb Breiiweden der Fingerspitzen, sowie da» Brechen wohlgepfl-pter Näael verhindern.

Sitten bet besten Trockfehler, von denen man jemals gehört hat, ist der Druckerei derMagd. Ztg." passtet, in deren TamSiazsnuwwer folgendes Inserat iu lesen war: Herren, die in Bankgeschäften gut ein» geführt find, werden zur Uedernahme einer veettetung für

Einbruchsdiebstahl zu hohen Bezügen sofort gesucht. Sefl. Meldungen unter A. H. 122 an Rud. Mosse, Magdeburg.

Die fehlenden Worteverficherung gegen" waren bem nachfolgenden WorteEinbruchsdiebstaht" spurlos unb auf Nimmerwiedersehen abhanden gekommen.