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Nr. 15« Awcites Blatt. Samstag den 9. Juli
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Gießener Anzeiger
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unhaltbare Gerede von einem uncoustitutiouellen Vorgänge beruht wahrscheinlich auf einer Verwechselung der vom Staat». Ministerium gegeogezeichneten BerusungSordre mit der persöu- ltchen Anzeige und Beglückwünschung zur Berufung, durch die >er Monarch die Herren noch besonder» beehrt- hat.
Berlin. 7. Juli. Der Kaiser hat in den letzten Tage« die Gesetzentwürfe, betreffend die Besoldung der evangelische« und katholischen Pfarrer, unterzeichnet. Wie die »Post" meldet, wurde au» diesem Anlaß dem LultuSminister da» Großkreuz de» Rotheu Adlerordeu» mit Eichenlaub verliehe« und ihm die Verleihung in einem Handschreiben bekannt gegeben, welche- die langjährigen Verdienste deS Minister- um Staat und Kirche in ehrender Weise hervorhebt.
verlia, 7. Juli. Wie die „Nationalzeitung" erfährt, ist der erste Gesetzentwurf zu einer Revision bei Urheberrecht- bereit- im Reichö-Justtzamt au-gearbeitet und dürfte in kurzer Zeit einigen Literaten und anderen Sachverständigen vorgelegt werden.
Berit«, 7. Juli. Der gegenwärtig im Bau befindlich» RummelSburger Wasserthurm ist heute vormittag mit douuerähnlichemGekrache zusawmeugestürzt und hat 20 Arbeiter unter seinen Trümmern begraben. Mehrere derselben wurden bereit- tobt, mehrere schwer verwundet hervorgezogen.
Hannover. 7. Juli. Heute Mittag hat auf der hiefige« Zündholz Compagnie eine furchtbare Explosion statt- gesunden und zwar durch Selbstentzündung bengalischer Zünd- Hölzer. Bt-Her find 16 schwer verletzte Arbeiterinnen in dal Krankenhaus geschafft worden. Mehrere davon werden wohl kaum mit dem Leben davonkowmeu.
Gießen, 9. Juli. Gegen Flohe, Schnaken, Schwaben. Ruffen, Wanzen und Fliegen kauft nur Lahres Dalma. Es tödtel. m 10 Minuten alle Fliegen im Zimmer. Nicht giftig. Hunderte von Dankschreiben. Nur ächt zu haben in versiegelten Flaschen zu 15, 30 und 50 Pfg., Staubbeutel 15 Pfg. in Gießen m der Hirschapotheke.
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Wie«, 7. Juli. Die Obmänner-Confereuz der Regierung findet am Sonntag statt. In derselben soll die Entscheidung darüber getroffen werden, ob die Führer der Deutschen in Böhmen und Mähren an den unverbindliche« Conferenzen mit dem Grafen Thun über die Regelung der Spracheufrage theilnehmen sollen.
Budapest, 7. Juli. Der Entwurf del von der Regierung geplanten autonomen Zolltarif» wird von der gelammten Preffe besprochen. Trotz der kräftigen Betonung der wirthschaftlicheu Selbstbestimmung Ungarn- tritt in den Ausführungen in dem überwiegenden Theile der Preffe eine auSgleichSfreundliche Stimmung zu Tage und eine starke Skeptik darüber, ob der Tarifentwurf jemals eine practifche Bedeutung erhalten werde.
Pari», 7. Juli. Der Abgeordnete Castellin interpelltrte heute Nachmittag in der Kammer die Regierung in der DreyfuSangelegenheit und sagte, wenn die Regierung nicht genügend Gesetze habe, um gegen die Freunde Dreyfu» aufzutreten, so solle fie ein solches Gesetz der Kammer vor- legen, die Kammer werde daffelbe ohne Weitere- auuehmeu. Das Volk erwarte eine formelle Erklärung. Der Kriegl- miuifter erwiderte: Die Armee ist stark genug, al- daß sie sich hinter Soudergesetzev verberge. Da- Land wartet aus eine Erklärung, hier ist fie. Die Regierung hat die absolute Gewißheit von der Schuld DrehfuS. (Anhaltender Beifall auf allen Bänken.) Hätte die Regierung nicht diese Gewißheit, so würde fie nicht einen Augenblick einen Unschuldige« im Kerker schmachten lassen. Der Krteg-miuister erklärte weiter, daß morgen da- DiSciplinarverfahreu gegen Esterhazy etugeleitet werde. (Anhaltender Beifall.)
Madrid, 7. Juli. Der General Linares hat trotz seiner Verwundung den Oberbefehl über die Bertheidigung von Santiago wieder übernommen.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. Juli. Nordlandreise des Kaiser-. Der Kaiser nahm am Mittwoch Vorträge entgegen, besuchte da- norwegische Krteg-schiff „Harald Haarfager" und daS Schulschiff Moltke" und machte Nachmittag- einen Spaziergang an Land.
— Vertretung der Technischen Hochschulen im Herrenhause. Die Mittheilung der „Akadem. Bl.", daß die jüngste Berufung der drei Profefforeu der Technischen Hochschulen in daS Herrenhaus ohne ministerielle Gegenzeichnung erfolgt sei, trifft nicht zu. Wie die amtliche „Berl. Corr." erklärt, ist diese Behauptung ebenso unbegründet, wie alle übrigen daran geknüpften Bemerkungen. DaS ganze
Wie arbeitet man wirksam dem Stottern entgegen?
Einige Winke und Rathschläge für die Eltern stotternder Kinder.
Wer wie der Stotterer im Gebrauch seiner Sprache ernstlich beeinträchtigt ist, wer im rechten Augenblicke dal rtchtige Wort wohl weiß, aber unvermögend ist, e» hervor- zubringen, wer durch ein Gebrechen der Sprache gehindert ist, seine Keuutniffe und Fähigkeiten zur Geltung zu bringen, der verdient unser Mitleid und unsere Theilnahme, und wird fie gewiß auch bei allen Denen finden, die über die oft zum Lachen herausfordernde Außenseite de- Stottern- hindurch- blicken können und im Herzen bei Stotterer- zu lesen ver- stehen. Wie gar oft werden aber die Stotterer von Anderen verhöhnt und au-gelacht wegen ihre- Gebrechen-, gegen da- fie fich in ohnmächtigem Trotze auflehneu. Muthwilliges Kindern kann mau ja dergleichen Thorheiteu weniger verargen, aber Erwachsene sollten doch einem solch ungehörigen Thun und Treiben fern bleiben.
DaS Stottern ist in seinen Anfängen meist weiter Nicht- all eine schlechte Angewohnheit, eine Vernachlässigung in der Erziehung, worau- fich dann allmählich mehr und mehr daS bewußte Stottern entwickelt. Und darum ist e- eben auch zu beseitigen, wenn zur rechten Zeit und in der rechten Weise r-Ugegriffeu wird. Hierzu einige bewährte Rathschläge zu geben, ist der Zweck dieser Zeilen. Vor allen Dingen ist e» Pflicht der Eltern, ihren Kindern ein gute- sprachliche- Vorbild zn geben und stet- so zu sprechen, wie ihre Kinder sprechen sollen. Wie häufig wird aber hiergegen gesündigt! Wie gar viele reden mit dem Kinde in seiner noch fehler- haften, stammelnden Sprechweise und gewöhnen so dasselbe förmlich au Nachlässigkeit im Sprechen. Diese sollten doch ernstlich beherzigen, daß die Kinder nur durch Hören und Nachahmen sprechen lernen, und daß der Mensch meist zeit- lebens so spricht, wie sein Mund, seine Zunge es in der Kindheit gewöhnt wird.
Wenn alle Eltern ihren Kindern lautrichtig und nicht zu rasch vorsprecheu und fie dadurch frühzeitig au ein gemeffene- und richtige- Sprechen gewöhnen würden, wie gar viele Stotterer würden daun gar nicht zum Stottern gekommen fein! Darum sollte fich besonder! jede Mutter, denn fie hat ja in erster Linie die Erziehung de- Kinde- zu leiten, vornehmen, dem Kinde immer ruhig, deutlich und richtig vorzusprechen und da- Kind selbst au Ruhe, Deutlichkeit und Richtigkeit bei seinem Sprechen zu gewöhnen. „Bester bewahrt al- beklagt!"
Ist da! Leiden bereit- weiter vorgeschritten, dann thut mau am besten, sich mit einem in diesem Fache erfahrenen Lehrer in- Benehmen zu fetzen. Man findet ja solche jetzt an allen größeren Orten. Man hüte fich jedoch sehr vor dem Glauben, man habe damit, daß man dem Kinde einige Stunden geben läßt, nun seine Schuldigkeit gethan. Ohne wirksame Unterstützung und strenge Aufsicht seitens der Eltern ist die Arbeit de- Lehrers umsonst und das aufgewandte Geld zum Fenster hinaus geworfen. Ist da- stotternde Kind fetten» des Lehrer- erst einmal so weit gefördert, daß es ohne Anstoß sprechen kann, wenn es sich zusammeunimmt und acht- atbt, daun muß auch feiten» der Eltern mit Energie und vernünftiger Strenge darauf geachtet werden, daß das Nicht- stottern coustquent durchgeführt wird. Ein Satz, eine Antwort, bei der gestottert wurde, muß daun unbedingt so lauge wiederholt werden, bi» da- Sprechen ohne Anstoß gelingt. Seiten- de- Stotterer- selbst ist, wenn er wirklich von seinem Leiden genesen will, eiserne Willenskraft erforderlich, welche die Aufmerksamkeit auf die eigene Sprache Wochen-, ja monatelang nicht au- den Augen laffeu darf. Dieser Umstand ist r- ja gerade, der die Heilung bei vielen Patienten so schwer 4inb bei Willensschwächen Menschen unmöglich macht.
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Man hört vielfach sagen: „Stottern steckt an, ist über- tragbar, erblich." Da- ist richtig. Freilich kann hier von einer Ansteckung in dem Sinne wie etwa bet Masern, Diphtherie u. s. w. nicht die Rede sein, sondern efl handelt fich um eine geistige Ansteckung. Die Erlernung unserer Sprache beruht, wie bereit» erwähnt, auf Nachahmung. Wie nuu da» Richtige, ebenso leicht wird auch verkehrte» nachgeahmt und erworben. Manche» Kind, da- an fich noch nicht Stotterer ist, aber Neigung und Anlage zu Sprachsehlern zeigt, wird fich leicht und rasch zu einem vollständigen Stotterer entwickeln, wenn es nicht al» Spielkameraden oder Mitschüler einige tadellose Vorbilder hat. E- braucht nur ein paar Mal uachzuäffeu, wozu leider der Reiz bei jedem Kinde vorhanden ist, und der sruchtbarste Boden zur gedeihlichen Entwickelung de» verderblichen Sprachpilze- ist geschaffen. Mau hüte darum die Kinder sehr vor derartigen Ansteckungen.
E» ist ein scheinbar unerklärlicher Zufall, daß Stotterer beim Singen, Flüstern und zuweilen auch beim Declamireu nicht stottern. In Wirklichkeit erklärt fich diese Thatsache sehr leicht. Die Melodie und der Rhhtmu- nöthigeu den Stotterer, auf die rechte Weise Athem zu holen, die Stimme am richtigen Orte ansprechen zu laffeu uud die eingeathmete Lust in richtiger Weise zu verbrauchen. Wa- liegt darum wohl näher, als daß mau das stotternde Kind anfangs au eine langsame, gemeffene, fast singende Sprechweise gewöhnt? E- muß namentlich die Stimmlaute länger al- gewöhnlich auhatten; denn diese find ja die Grundpfeiler unserer Sprache. Wenn man die- mit vernünftiger Strenge durchführt, dann wird meist schon nach einigen Wochen eine merkliche Befferung eintteten; doch hüte mau fich wohl, die Arbeit jetzt schon al» vollendet anzusehen uud zu früh zu einem rascheren Sprechen überzugehen. Der erlangte Erfolg ist erst der erste Schritt auf dem laugen, mühevollen Wege der gänzlichen Heilung.
Daß jedem Sprechen ein kräftige- Einathmeu Vorau-- zugehen hat, ist selbstverständlich- denn ohne Lust kann un- möglich ein Ton in der Kehle erzeugt werden. Der Stotterer athmet wohl auch ein, ehe er sprechen will, aber er verbraucht die eingeathmete Luft nicht in der richtigen Weise. Er will, da er weiß, daß ihm da- Anfängen die meisten Schwierig- leiten bereitet, die gesammte Luft herau-preffen, um den Anfang mit Gewalt zu erzwingen. E- gelingt nicht, die Luft strömt aus, und nun will er sprechen bei leerer Lunge oder gar nach Art der Bauchredner beim Einathmen. Gelingt ihm aber zufällig der Anfang, bann ist nach dem ersten oder zweiten Worte schon der Lustvorrath verbraucht, und die Quälerei beginnt von Neuem. Daß diese- Drücken au den Anfang-cousonanten aber grundfalsch ist, daß nicht dieser e- ist, der die Schwierigkeiten bereitet, läßt sich schon daraus ersehen, daß der Stotterer ihn oft mehrmals rasch hinter einander hervorstößt, ehe er beginnt- wa- Schwierigkeiten bereitet, ist der Uebergavg zu dem folgenden Stimmlaut. Dem erwähnten Preffen arbeitet man am wirksamsten dadurch entgegen, daß man den Stotterer daran gewöhnt, den ersten Stimmlaut im Satze etwas länger anzuhalteu als die folgen- den. Hierdurch schafft er fich eine untrügliche Hilfe, die sein Selbstvertrauen bedeutend erhöht. Ueberhaupt ist e- von großem Einfluß auf den Erfolg, wenn der Stotterer Vertrauen zu fich selbst gewinnt. Darum ermuthige man ihn bei seinen Versuchen, zolle ihm Lob, wenn die gegebenen Regeln richtig beachtet worden sind und tadele nur dann, wenn man sicher ist, daß Nachläsfigkeit oder Gleichgiltigkeit die Ursache fehlerhaften Sprechens find. Da» Stottern tritt periodisch auf, an einem Tage mehr als am anderen, und gerade deshalb muß man beim Tadeln vorsichtig fein, denn unverdienter Tadel macht muthlo», ängstlich, erschüttert da- Vertrauen und verbittert. Hier gilt eß, den Muth nicht zu verlieren und Geduld zu wahren- denn auf einen Streich fällt keine Eiche, und nur wer ausharrt, wird gekrönt!
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betr.: die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.
Auf Grund de- § 105, b Absatz 2 der Gewerbe-Ord- Dung und des § 2 ber Verordnung Großh. Ministeriums vom 2. October 1895 wird anläßlich der dahier stattfinden- den Verband-auSstelluvg der Heerdbuchgesellschafteu für die Zucht deS Vogelsberger Viehs am
Sonntag, den 17. Juli l. Js.
die Verkaufszeit für das HandelSgewerbe auf die Stunden von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr Nachmittags au-gedehnt.
Gießen, den 4. Juli 1898.
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