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9.1.1898 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 9. Januar

Erstes Blatt

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- unb Anzeigeblcrtt für den Kreis Giefzen.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

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mittag den hier anwesenden StaotSsecretär des RrichSpost« amtS, b. Podbielrki, in Audienz.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nuinmcr bis Vorm. 10 Uhr.

Hrfcheinl täglich mit Ausnahme deS Montags.

es unfern Freunden von der Seine von ganzem Hirzen, wenn 1 endlich einmal die Scandolprozeffe aushören.

Noch steht in den einzelnen europäischen Ländern die Politik ziemlich still; die Festtage wirken immer noch nach. DaS politische Leben wird erst reger werden, wenn die Par­lamente wieder zusammengetreten find. Wir könnten ja noch Manches auffüdren, was zu bericht-n wäre, so z. B. daß der Protest General Weylers gegen dir Botschaft Mac Kinleys im Sande verlausen ist, aber von so hervorragender Wichtigkeit find all diese Dinge nicht, sodaß wir unsere diesmalige Wochen­schau ruhig schließen können, ohne befürchten zu müssen, unseren Lesern etwas besonders BemerkenSwertheS vorevt-

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Die Gießener Aamitieuktättcr werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.

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Glasgow, 7. Januar. Ja dem WaareuhauS Chemikalien Exportfirma in der Revfield-Street brach

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Locales rrnd ^rovinzlelles.

Gießen, den 8. Januar 1898.

H Stadttheater. Nach längerer Zeit ging wieder einmalMadame Sans» Gene- über unsere Bühne. Dem htefigen Publikum ist dieses historisch*. Spectakelstück zur Genüge bekannt, es erfreut sich daran auch jedesmal über alle Maßen uvd so war es nicht zu verwundern, daß daS HauS beinahe auSverkaufr war. Zu jeder bis j.tzt hier stattgehabten Aufführung benölhigte man für die Hauptrolle, ob mit oder ohne Grund möge dahingestellt fein, eines Gastes - diesmal waren sogar zwei Gäste für die Verkörperung der beiden hervorragendsten Rollen berufen, nämlich Fräulein Mathilde LipSkt vom Wiesbadener Hoftheater und Herr Rud. Poffin vom Münchener Hof- und Natioual-Theater. Die Rolle der Madame San--G6ne stellt wohl Ansprüche an ein große- Können, bietet jedoch der Darstellerin keine Gelegenheit schwere seelische Affecte wiederzugeben; im Wesent­lichen ist eS der leichte EonversationSton, der durch rasche, unvorhergesehene Impromptus einen besonderen Charakter, eine besondere Würze erhält und dadurch der Rolle den Glanzpunkt sichert. Frl. LipSki bot außer ihrer stattlichen Bühnen Erscheinung auch eine hervorragend gute Leistung als Madame SanS-G6ne. Ungeniert uvd ungeztert, kokett uvd voll warm empfindenden Herzens sowohl als Wäscherin wie al» Hrrzogin uvd vor allem tote eine Französin, der die Grazie schon tu die Wiege als Angebinde gelegt wurde. Wenn fie ihrem Lefebvre zu Herzen sprach und ihre große Liebe zu ihm leidenschaftlich-ungestüm oder nachdenklich-traurig offenbarte, wenn fie den großen Corseu so sehr in ihre Gewalt brachte,

Abonnements auf das mit dem 1. Januar begonnene 1. Quartal des Gieflener Anzeigers werden noch fortgesetzt Von der Post, den Landbrief­trägern und in der Expedition entgegengenommen, und bereits erschienene Nummern, soweit der Vorrath reicht, nachgeliefert.

Die Auflage unseres Blattes hat mit dem Quartalswechsel erheblich zugenommen.

Verlag des Gießener Anzeigers.

Attstaud.

Wien. 7. Januar. Heute Bormittag 11 Uhr sand die avgekündtgre Besprechung de» Ministerpräfidevtev v. Gautsch mit den Vertretern deS Juvgczechen-ClubS, Engel, Herold, Kaizl, Krawarz und Pacak, statt. DieNeue Fr. Pr." bemerkt hierzu, auch dieser Besprechung werde ein ganz unverbindlicher Charakter zugeschrieben. Es soll sich lediglich um einen Gedankenaustausch über die politische Lage, in erster Reihe tat Hinblick auf den am 10. Januar ersolgevdeu Zusammentritt des böhmischen Landtage», handeln.

Paris, 7. Januar.Petit Parificn" versichert, daß Oberst Piequart, einer der Ankläger Esterhazy», eine Disciplinarstrafe erhalten bat und ans der Armee entlassen wird. Dasselbe Blatt sagt, die Sachverständigen hätten bewiesen, daß der durch denFigaro" veröffentlichte Brief Esterhazys, worin dieser sein Bedauern ausdrückt, nicht an der Spitze eines deutschen Ulanen - Regiment- zu stehen, falsch tst.

Pari», 7. Januar. Don authentischer Seite wird die Nachricht von einem Bündnisse zwischen England und Japan für falsch erklärt. Die japanische Diplomatie beobachte eine rrservirte Haltung, die -u dem Glauben be­rechtige, daß sie Werth darauf legt, mit allen Mächten gleichmäßig freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten.

London, 7. Januar. Nach dem Havdel-auswrise zeigte die Waareu-Tinfuhr im December v. I. eine Abnahme von 2V< Millionen Pfund Sterling gegen da» Vorjahr, die Ausfuhr eine Abnahme von einer Million Pfund Sterling. Die Einfuhr wahrend des gan-eu Jahres ^rgab eine Zu­nahme von 9*/z, die Ausfuhr eine Abnahme von 58/* Mill.

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Morgen Feuer au-, dcm eine Explosion folgte, durch die vier Feuerwehrleute getödtet uud mehrere verletzt wurden. Der Schaden ist sehr beträchtlich.

Madrid, 7. Januar. Hier geht da- Gerücht von dem Au-bruch einer neuen Mivisterkrtsi» infolge der Ant­wort des Generalprocnrators auf den Protest Wählers. Vielleicht tritt nur der Jastizmmister zurück. Auf heute Abend ist ein Mintsterroth zusammenberufen.

Belgrad, 7. Januar. Die Ernennung des Exkönig- Milan zum Commavdanten der activen serbischen Armee erfolgte wegen der durch die radicalev Umtriebe hervor- gerufenen politischen Situation, .welche bereit» onftae einen antidynastischev Charaeter anzunehmen. Die Reor^uuss'.tloa der Armee und die Ueberwetsung der höchsten CommoadoS in eine feste Hand war damit zur dringenden Nothwrnd,gkeit geworden.

Deutscher Leich.

Darmstadt, 7. Januar. An dem gestrigen Hofball im Palais am Lmsenplatz nahmen der Großherzog und die Groß­herzogin, Prinz Wilhelm, der Pr'nz und die Prinzessin Ludwig von Battenberg, der Fürst und die Fürstin zu Asenburg-Büdingen nebst zwei Prinzessinnen-Töchtern, der Graf zu Erbach-Fürstenau, im Ganzen 288 Personen, Theil. Der Tanz, zu dem die Capelle des Großh. Feld-Artillerie- Regiment» Nr. 25 (Großh. Artillerie CorpS) spielte, wurde um 11 Uhr durch da» Souper unterbrochen- gegen 2 Uhr hatte da» Fest sein Ende erreicht.

Berlin, 7. Januar. Am heutigen Sterbetage der Kaiserin Augusta war da- Mausoleum prächtig mit Blumen geschmückt. Der Kaiser legte einen kostbaren Kranz am Sarg seiner Grohmntter nieder. Die Kaiserin konnte ihren Gemahl nicht begleiten, da sie sich noch Schonung auf- e.legev muß. Auuj btt Kaiserin Friedrich mit der Prinzessin Margarethe von Hessen spendeten einen kostbaren Kranz, wie solche auch vom Großherzog und der Großherzogin von Baden eintrafev. Vom Königin Augusta-Garde-Grenadier-Regiment Nr. 4 erschien eine Deputation, um ebenfalls einen herrlichen Kranz niederzulegen.

Berlin, 7. Januar. Der Kaiser begab sich heute zum Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und ließ sich von diesem Vortrag halten.

Berlin, 7. Januar. Wie au- Suez gemeldet wird, paffirten heute die KreuzerDrutschland" undGefion" unter dem Salut eines englischen Kreuz-r» und der Festung die Mündung deS Canals.

Berlin, 7. Januar. Wie dieNat.-Ztg." mittheilt, ist nach dem Muster deS Hamburger Arbeitgeberverbandes auch hier die Bildung eines großen Arbeitgeberverbande- geplant. Der erste Zusammenschluß der Arbeitgeber in Berlin, um gegen die ArbeitnehmerQrganisationeu bei Strikes gerüftet zu sein, erfolgte in der Metallindustrie.

Berlin, 6. Januar. Der Werth der amerikanischen Fahrra bau-fuhr har sich von 1,975,000 Dollar im Frühjahr 1896 auf 7,295,000 Doll, tm letzten Fiskaljahr erhöht. Nach England find in 1897 um 300 pCt. mehr Fahrräder exportirt worden al» in 1896. Das nächst« wichtigste Absatzfeld ist Deutschland, an dritter uvd vierter Stelle kommen Canada und Australien und zwar stellt fich die Ausfuhr nach Deutschland auf 146,000 in 1896 und auf 1,026,000 in 1897. DieN. Y. H. Z." berichtet weiter: Wie heißt, beabsichtigt die Cleveland Fahrrad Co., eine der größten Gesellschaften der Branche, ein Eta- bllssemevt in Deutschland zu errichten, falls es der Agitation der deutschen Fabrikanten und Händler gelingen sollte, die Regierung dazu zu bestimmen, die Einfuhr von Fahrrädern mit einem prohibitiv wirkenden Zolle zu belegen.

Frankfurt a. M., 7. Januar. DerFranks. Ztg." wird auS London telegraphirt:Daily Chronicle" berichtet ouS Washingthon, alle offictellen und nichtofficiellen Berichte aus Cuba besagen, das Elend fei dort so groß, daß nicht der zehnte Theil davon durch freiwillige Gaden gehoben werden könne. Mac Kinley werde fich deswegen wohl veranlaßt sehen, eine diplomatische Note nach Madrid zu schicken, um zu fordern, daß der Krieg aushöre. Von spanischer Seite habe man es schon als einen Fehler erkannt, daß man Amerika gestattete, den Cubanern durch freiwillige Gaben zu helfen.

vranufchweig. 7. Januar. DieBraunschw. Neuesten Nachr." melden au» Großrhüden.' Auf dem Kaliwerk Carlssund riß tu der hiutigen Morgenschicht ein Drahtseil­ein daran befestigter Kübel zerschmetterte einen Bergmann, welcher sofort tobt war - zwei andere wurden schwer verletzt.

Drelbe», 7. Januar. Der König empfing heute Nach-

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Politische Wochenschau.

DaS wichtigste Ereigniß der letztrn Woche ist ohne Zweifel der Abschluß des Vertrages oder wie e» officicll genannt wird der Verständigung zwischen Deutschland und China wegen der Besetzung der Kiao T'chau Bucht. Was selten- unserer amtlichen Kreise vorhergesagt woroen war. ist eivgetroffen, ohne daß wir in irgendwelche Differenzen mit einer anderen Macht geraten find, habe-? wir unseren Willen burchgesetzt und uv» den gebührenden Platz in Oftastev ge­sichert. Es ist dies ein Erfolg, der nicht hoch genug veran­schlagt werden kann, wenn man fich vergegenwärtigt, daß man der deutschen Regierung bei dieser Gelegenheit gar zu gerne ein Betu gestellt hätte. Aber unbeirrt ist fie ihren Weg gegangen, den fie sich durch die am 18. November v. I». erfolgte Landung von Truppen tu Kiao Tschau vorgezeichnet hatte, unbeirrt um daS Treiben der englischen Preffe, der fich Anfang» auch ein geringer Theil der russischen und der frav- zSfifchev Presse angeschloffm hatte. Daß man in deutschen RegitrnngSkreisen ob de» schnellen Erfolgs äußerst brfrie- digt ist, braucht nicht besonder- betont zu werden- Der neue StaatSsecretär deS Aeußern, Herr v. Bülow, hat fich damit dte ersten Sporen verdient, die vom Kaiser durch die Verleihung der ersten Klaffe de» Rothen Adlerorden- an den Staatsmann belohnt worden find. Wenn erst die näheren Bedingungen des Pachtvertrages bekannt find, dürfte sofort eine Vorlage an den Reichstag gelangen, damit dieser die er­forderlichen Summen bewilligt. Mit der erfolgten Berständi- gung zwischen Deutschland uvd Chwa werden übrigens auch die Meldungen von einem weiteren Nachschub von Marine­truppen nach Ostaficn ihre Erledigung gefunden haben. Dazu wird jetzt !tin Anlaß vorhanden fein, wie wir denn auch ver­nehmen, daß die Regierung ihre Maßnahmen gleich ganz ge­troffen hatte.

Der NeujahrSempfaug an den verschiedenen Höfen hat keine Ueberraschungen gebracht- die Rede de» Präsidenten Favre rechnen wir al» solche nicht/ ebensowenig die zwischen ihm und dem Zaren gewrchselten Glückwunschtelegramme. Biel bemerkt worden ist die Audienz, welche der Erzbischof v. StablewSki im Laufe dieser Woche beim Kaiser hatte, und die Conferenzev dr» Kirchensürsten mit dem Reichskanzler uvd dem Minister v. M'quel. Man glaubt da» mit der Politik tn Verbindung bringen zu dürfen und mit einer Agitation, welche ang blich die Polen gegen da» geplante 100 Mlllionen- Vesetz für SnfiedelungSzwecke in Posen und Westpreußen be­treiben wollen. Etwas Bestimmtes ist natürlich über den Zweck der Anwesenheit des Bischofs in Berlin vtcht bekannt geworden, aber man kann wohl annehmen, daß Audienz und Besuche mehr einen persönlichen al» einen politischen Character getragen haben.

Die Oberosfiziösen streiten fich wieder einmal um daS VereinSgesetz. Die einen wollen wissen, daß Herr v. Miquel d-n Kaiser über diesen Gegenstand Vortrag ge­halten habe, waS von anderer, der Regierung ebenfalls nahe­stehender Seite wieder bestritten wird. Wir thun gut, die paar Tage bis zur Eröffnung des preußischen Landtages ruhig abzuwarten.

Während in Oesterreich daS AuSgletchS-Provisortum Nicht zu Stande gekommen ist, hat baß ungarische Abgeord- sctenhauS die Vorlage genehmigt, was immerhin ein gutes Licht wirst auf bte dortigen politischen Verhältnisse. Der Sfterreichische Minifterpräfident setzt seine Bemühungen zur Verständigung der Parteien unverdrossen fort, ohne bis jetzt einen Erfolg erzielt zn gaben. Noch besteht da» Standrecht in Prag und noch kann die Regierung den ReichSrath mit btt Aussicht auf fachliche Verhandlungen nicht wieder ein- berufen.

Frankreich steht fortgesetzt unter dem Eindrücke deS VsterhazhproceffrS, der sich zu einer Seeschlange herauSzu- bilden scheint, während die zweite Auflage deS Panama- ftanbalß glücklich beendet ist. Wieviel habet der Mantel der Liebe zugedeckt hat, läßt sich nicht ermeffen, aber wir gönnen

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