großen preußisch'deutschen Patrioten und der welterfahrensten Menschenkenners und Staatenlenkers, der am Abend seines Lebens seinem Volke sagen will, wie Deutschland endlich seit den Tagen der sächsischen Kaiser wieder ein einiger großer Staat geworden ist und durch welche Mittel und Wege wir über das Heer von Hindernissen hinweg zum großen Ziele kamen. Freilich erzählt er das im Tone des Titanen, welcher sein Herzblut dabei vergossen hat, der fast nie den Dank und das Verständniß, das er erwartete, fand, der fast nie zur Rübe, zum Genuß des reinen Glückes und der vollen Be- frieoigung seines Schaffens kam. Der ungeheuere dramatische Eindruck des Werkes scheint mir wesentlich darauf zu beruhen, daß es bei aller Schlichtheit und Realistik, bet dem gänzlichen Mangel jedes Posirenr und jeder Declamation die innere Tragik des weltgeschichtlichen Helden erzählt, der alles Große für sein Vaterland nur erreicht durch innere Erregungen und äußere Kämpfe so bitterer und so heftiger Art, daß all seine Macht, sein äußerer Glanz ihn nicht über seine Einsamkeit und die Nichtanerkennung trösten können. So sehr für diese Stimmung seine Entlassung 1890 mit- und nachgewirkt haben mag — er vermeidet in vornehmer Weise, sie zu besprechen — so wenig ist diese doch offenbar die Grundursache dieser durchschimmernden Stimmung. Auch Alles was er vorher erlebt hat, seine ganze politische Thätigkeit von 1862 an, tritt uni in der Beleuchtung eines erschöpfenden Kampfer und eines Martyriums entgegen. Und dabet ist das, was an seinem Herzen nagt, was seine Neroenkraft erschöpft, nicht die Reibung mit seinen Feinden: die belebt, erfreut und erftischt ihn. Nein, die Losreißung erst von Gerlach, Stahl, Wagener, später von der ganzen conservativen Partei, von seinem Verwandten Kleist. Retzow, von seinem Freunde Blankenburg und halb auch von Roon, die Kämpfe mit den Generalen, die ihn, den Begründer all ihres Ruhmes, 1870 von jeder Berathung ousschließen, weil er, wie der Kaiser zu Graf E. Stolberg sagte, 1866 immer Recht in seinem Votum gegen sie gehabt habe, die Reibungen und Kämpfe mit den anderen Ministern, der erschöpfende Kampf gegen die Hofkamarilla, über die er nie ganz Herr wird, die bittere Empfindung, daß bei seiner Entlassung 1890 durch alle Ministerien die Stimmung einer Befteiung von schwerem Joch laut durchbricht, und zuletzt ftellich am meisten, daß er auch mit seinem vielgeliebten Kaiser nur durch Kämpfe der erschütterndsten Art hindurch auskommt, daß dieser z. B. nach der Kaiserproklamation in Versailles ihn ignorirt, an ihm vorbei geht, den Generalen die Hand gibt, weil der König und er die Tage vorher fich über die Art der Kaiser- titulation nicht hatten einigen können, — das sind die bittersten Tropfen in dem Leidenskelch, den er dann zuletzt mit der Entlassung bis auf die Hefe leeren muß. Daß er seine eigene innere Geschichte so empfand, daß er die ungeheuren Erfolge, die große Popularität, die seltene Macht weniger sah, als die vielfach kleinen Kränkungen, lag in seinem innersten Wesen noch mehr begründet als in seinem äußeren Schicksal. Ein Mann von solcher Willensstärke und so tiefer Gemüthsempfindung, daß er, der scheinbar Eiserne, zum Beispiel in Nikolsburg, als er von allen Generalen und dem König überstimmt wird, nur noch fähig ist, in sein Zimmer zu eilen und in einen Weinkrampf zusammenzubrechen, ein solcher Mann war nicht fähig, sich harmlos wie Andere zu trösten, er habe ja doch viel erreicht, Alles sei nicht zu haben. Es bäumt in ihm der Prometheus sich auf, der das Schicksal zwingen will, und wo er es nicht zwingen kann, mit den Göttern hadert. Aber die Götter überlassen ihren Lieblingen, j durch welche sie das Höchste ausrichten, eine solche Rolle nur um den Preis der Einsamkeit und eines gewissen Martyriums. '
Der große historische Genius, der sein Vaterland rettet und zur Größe führt, kann das nur vollführen auf einem schwin- delnden Pfade, auf dem ihn selbst die Nächststehenden oft nicht begreifen, den erst die folgende Generation in dankbarer Verehrung ganz verstehen kann.
• Auf der Suche nach Nudröe. Dieser Tage find in StockholM wieder einige LebenSzrichen von der in Nord- fibtrieu befindlichen schwedischen HttfSexpeditiou, die Nach- forschllugen nach Andrer anstelle, eiugetroffeu. Sie befand fich bis vor Karze« beim Lenadelta, von wo aus fie in- zwischen die Weiterreise zur JeniffLimündung angetreten hat. Sie mußte längere Zett beim Lenadelta uuthätig verweilen, da es nicht gelang, einen Renuthterbesitzer ausfindig zu machen, der geneigt gewesen wäre, mit seiner Karawane bis zum Jenissei zu gehen, etwa 3500 Werst. Somit blieb dem Führer der Expedition, Stadling, nichts übrig, al- bis zum Eintritt des Winters zu warten, wo die Reife zu Schlitten vor fich gehen kann. Jetzt befindet fie fich auf dem Wege zur Mündung des Olenek, eine Reise, die 400 Werst (etwa 50 Meilen) lang ist und längs der Eismeerküste in einem Ruderboot zurückgelegt werden muß, denn mit den Be- förderunßSmitteln ist es dort schlecht bestellt. Bon der Olenek-Mündung ab geschieht die Weiterreise zu Lsude. Sie gehr zuerst nach Anabar, dann nach Chatanga und durch die Taimyr-Halbinsel zum Jenissei. Bou dessen Mündung reist dann die Expedition bis zu der an der sibirischen Bahn am Jenissei belegeuen Stadt Krasnojarsk, bis wohin von der Mündung des Jenissei etwa-2000 Werst sind- von dort er- folgt die Heimreise mit der Bahn. Ursprünglich hat eS im Plan der Expedition gelegen, auch nach den neusibirischen Inseln zu gehen, da aber eine der russischen Karawanen, von denen die Inselgruppe behufs AufsammelnS von fossilem Elfenbein besucht worden, die Nachricht mitbrachte, daß dort keinerlei Spuren von Audröe bemerkbar gewesen wären, hat fich die Expedition diese schwere Reise gespart. Am Lenadelta hat die Expedition gleichfalls nichts über den Luftschiffer erfahren. Auch die russischen Handelsleute, die mit den östlich vom Lenadelta wohnenden Eingeborenen in Berührung kamen, brachten keine Kunde von den Vermißten, und so bleiben jetzt in Nordfibirten nur die zwischen dem Lenadelta und dem Jenissei belegeuen Küstengebiete zum Absuchen übrig.
• Wie da» Münchener tzofbranhan» begründet wurde, daS ist eine außerordentlich durstige und bayerisch-gemüthliche Geschichte. Die Bayern hatten einmal einen Herzog Wilhelm den Fünften, einen sehr süffigen Herrn, den fie auch den Frommen hießen, weil er den lieben Jesuiterv eine wunder- schöne St. Michaelkirche gebaut hat, die heute noch die Münchener freut. Der Herzog war aber nicht der einzige trinkfeste Manu an seinem Hofe, soudern eS bestand für das ganze herzogliche Gesinde das Privileg, täglich eine Maaß gewöhnlichen Bieres gratis auSzulöffeln. Das höhere Gesinde hatte sogar freie Hand, was das Quantum anging, so freie Hand, das die Köpfe selten frei gewesen zu sein scheinen, wenigsten- lassen eine Anzahl Rescripte gegen die Trunkenheit das vermuthen. Der Herzog selbst war ein Kenner. Er ließ fich seinen Stoff zum eigenen Gebrauch aus Zschopau im Sachseulande oder aus Einbeck in Hannover kommen. Da» aimpecktsch Pier war damals dieselbe Nummer, die wir heute als Bock verehren. Die allgemeine Bierschlemmerei wurde aber auf die Dauer doch etwa» kostspielig. Und als die Bierrechuungen immer höher hinauf tu die irrationalen Zahlen stiegen, da fand fich in eine« nüchternen Augenblick ein Miquel, der dem frommen Wilhelm vorstellte, eS wäre gar so Übel nicht, wenn man es einmal mit der eigenen Regie versuchte. Man baute also ein preuhauS. Ein geeigneter Platz war
auch bald gefunden, am sogenannten Lewaeuhaus, und Pad zu Altnhof. Der Bau kostete ganze 1477,5 Gulden. Die erste Bilanz bezifferte den Reingewinn auf 199 Gulden 16 Kreuzer. Rar ausnahmsweise wurde nämlich an Fremde verkauft, nur 800 Eimer. DaS Uebrige trank der Hof selber, und zwar im ersten Jahre 442 Eimer Winterbier und 1443 Eimer Sommerbier. ES muß ein sehr heißer Sommer gewesen sein in j-uem Jahr. Zu bauen begann man am 27. September 1589, zu brauen 1591. Der erste Braumeister bekam zwei Gulden Wocheulohn. Heute kriegt ein Braumeister 5000 — 6000 Mark. Und daS Hofbräu setzt Millionen von Litern um und rechnet mit Huuderttauseudeu als Reingewinn. Und das Alles ist Wilhelm des Frommen Verdienst. Ein SchmolliS dem Herzog»
Wissenschaft, Literatur und Annft.
— Für Laudwirthe. Im Verlag von Emil Roth in Gießen ist erschienen und durch alle Buchhandlungen, sowie direct vom Verleger zu beziehen: „Buchführung für den mittleren und Hetnerm Landwirth", zusammengettellt von Ernst Ludwig Leithiger^ Großh. Hessischer Landwirthschastslehrer in Alsfeld- Dritte, vollständig umgearbeitete und verbesserte Auflage. Groß Fol.-Format. Gut gebunden. Preis Mk. 3.—. Der Herausgeber giebt mit diesem Werk auch dem mittleren und kleineren Landwirth eine letchtverständ» liche und praktische Anleitung zur Betätigung in der landwirth- schaftlichen Buchführung. Es ist nichts Gekünsteltes und nichts BüchergelehrteS, was hier geboten wird, sondern nur NöthigeS in einfacher und leicht ausführbarer Form. Die ersten zehn Seiten sind der Geldeinnahmc des Jahres gewidmet, dabei find die nöthig« Spalten vorgesehen, woher die Einnahme stammt, aus Aecker und Wiesen, ausRindoiehhaltung, Schweinehaltung, Pferde-, Schafhaltung; aus Obstbau u. s. w. u. s. w. Am Ende des Jahres werben die Spalten aller Einnahmen summirt und auf einem besonderen Blatte vorgetragen. Ganz dasselbe Verfahren wird eingehalten für die Geldausgaben. Dir Differenz zwischen Einnahme und Ausgabe wird gezogen. Nun folgt ein Register für alle Käufe und Verkäufe, bei welchen keine baare Zahlung geleistet wird. Sofort nach der Zahlung wird die betreffende Einnahme oder Ausgabe, dort wo fie htngehört, eingetragen. Eine weitere Tabelle dient der Ermittelung des Vermögensstandes. Alle Werthgegenstände, Aecker, Wiesen, Wald, Gebäude, Gärten, Vieh nach Gattungen getrennt, WirthschaftSgeräthe^ Haushaltungsgeräthe. Erntevorräthe, Lebensmittel, Geld und Ausstände u. s. w. werden nach ihrem jewelligen Werthe eingetragen und summirt, die etwa vorhandenen Schulden als Hypotheklchulden, Schulden auf Handschein, unbezahlte Rechnungen rc. abgezogen und so der reine Vermögensstand ermittelt. Ferner enthält das Buch Wirthschaftstabellen als Bestellungs- und Ernteregister, gutt er ernte» Register, Frucht-Bodenregister mit Tabellen für Zu- und Abgang, Mahlregister und endlich ein Zuchtregister über den Viehstano. Jeder Tabelle ist eine kurze Anleitung vorgedruckt, in welcher jede nöthige Belehrung über die Einträge enthalten ist, sodaß gar keine Irrungen vorkommen können. Die Führung dieses Buches dürfte jedem Landwirth ungemein hohes Interesse bieten, denn sie gewährt ihm Einblicke in seinen Vermögensstand, in seinen Wirthschafts- betrieb und dessen Ergebnisse, die ihm mancherlei Ueberraschungen bereiten dürften. Leithigers Buchführung führt in jeder kleineren oder größeren Landwirthschaft zu einer strengen Controlle des Betriebs, führt zum Nachdenken und eifert zu Verbesserungen an. Der Mahnung eines Sprichwortes eingedenk: „Wer schreibt, der bleibt! sollte kein strebsamer Landwirth, die Anschaffung dieses BucheS, daS ihm zudem noch eine angenehme Sonntagsunterhaltung gewährt, unterlassen. Zudem bietet diese Buchführung die beste Grundlage, zur Steuer-Einschätzung, nach beigegebener Anweisung. Ueber Liithigers Buchführung urtheilt die Braunschweigische Landwirth- schaftliche Zeitung: „ .... Die vorliegenden, in einem Buche zu- fammengebundenen Tabellen und Formulare find dem praktischen Bedürfniß gemäß aufgestellt und recht übersichtlich gehalten.* Württembergisches Wochenblatt für Landwirthschaft: „Dieses Buch kann sehr leicht geführt werden, und gewährt, wenn ordnungsmätzi- geführt, die Möglichkeit, alle Berechnungen, die der umsichtige Landwirth ausstellen muß, auf Grund von gegebenen Zahlen anzustellen. Ebenso wird das Werk empfohlen von der Deutschen Allgemeinen Zeitung für Landwirthschaft in Frankfurt a. M. u. a. m.
Spar- und Aihkaffe Gießen.
Bei der unterzeichneten Kasse werden im Monat December l. Js. jede« Dienstag, Mittwoch, Donnerstag nud Samstag Zahltage abgehalteu. Die Einleger werden ersucht, ihre Zinsen unter Vorlage der Einlegebücher zu erheben, oder beischreiben zu lassen. Zinsen, welche bis znm 31. December l I nicht erhoben sind, werden den Einlegern in den Büchern der Kaffe ohne Weiteres zugeschriebeu und vom 1. Januar 1899 au verzinst. Es brauchen hiernach alle diejenigen Einleger im December l. I bei der Kasse nicht zu erscheinen, welche nur Zinsen zrr- schreibeu laffeu wollen, dies kann vielmehr ganz gelegentlich im nächsten Jahre geschehen.
DieuStag den 6. und 27. December l. I. fallen die Zahltage ans.
Gießen, am 30. November 1898.
Spar- und Leihkasse Gießen.
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Concordia
Kölnische Lebens-Versicherungs-Gesellschaft
Gegründet 1853.
Billige Prämien, sehr günstige Bedingungen, die denkbar größte Sicherheit.
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Dieselbe beträgt im Jahre 1898 für die mit Gewinn-Amheil Versicherten auS 1879: 54o/0, 1880t 51%, 1881: 48%, u. s. w. der im Jahre 1896 entrichteten Prämie.
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