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Nr. 262
frftchrf tägNL ■u Ausnahme bet Montags.
Die Gießener y «mtrtee Kälter Werben bem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt.
Drittes Blatt. Dienstag den 8. November___________________
Gießener Anzeiger
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General-Anzeiger
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Fernsprecher Wr. 51.
Aintlichev Theil.
Bekanntmachung, betreffend: Feldbereintguog in der Gemarkaog Ringel-Hausen. Ja der Zeit vom 7. November d. I bis einschließlich 70. November d. I. liegen ans dem Amtszimmer der Groß- herzoglichen Bürgermeisterei Rabertshausen die Arbeiten des ersten Abschnittes mbricirter Feldbereiotguog, nämlich:
1. der allgemeine Meltorattoasplao,
2. Eeläuteruagsbericht und PtüfungS-Protocoll zu demselben,
zur Einficht der Betheiltgten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt:
Montag den 21. November 1898, Vormittags 10 bis VJl Uhr, auf dem Amtszimmer Großh. Bürger meisteret Rabertshausen, wozu ich die Beihriligten unter de« Ansagen ein- lade, daß die Rtchterscheineudeo mit Einwendungen aus» geschloffen find.
Einwendungen find schriftlich abzufafieo, zu begründen mud auf Papier io Aeteugröße (mindestens l/t Bogen) eiuzu- «eichen.
Friedberg, deu 2. November 1898.
Der Sroßh. Beretntgungscommiffär:
Merck, Kreisamtmonn.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. November. Die „Post" bezeichnet die Meldung der „Frankfurter Zeitung" von eine« angeblichen deutsch- türkischen Büuduiß als ersouden.
Berlin, 5. November. Wie aus Beirut telegraphirt Wird, ist das Kaiserpaar heute vormittag um 9 Uhr bet tropischer H'tze dort etngeteoffen uud wird bis zu der am Montag früh erfolgenden Abreise nach Damaskus dort verbleiben. Aa Bord ist Alles wohl.
Berlin, 6. November. Zahlreiche Josluevza-Er- Lrankungeo find dem ,Berliner Tageblatt" zufolge beim ersten Bataillou des 3. Garde Regiments zu Fuß ausgetreten. Die Krankheit kam am Donnerstag Nachmittag bei Mann- s-asten der 3. Compagnie zum Aasbruch, dehnte sich aber bild auf die vierte Lompogute aus. Am Freitag Abend waren etwa 80 Erkrankungen zu verzeichnen, von denen allerdings die Mehrzahl leichter Natur ist.
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«rohpikivde, 6. November. Bei der heuttgeu Schluß- Verhandlung wegen der tu der Gemeinde Tsba vor Kurzem stattgefundeneu Auflehnungen von Soctuldemo- k rat en gegen die behördlichen Organe, wobei eine Person getödtet und mehrere verwundet worden waren, wurden vou 42 Angeklagten 22, uud zwar die Haupträdelsführer wegen Todschlags und Aufreizung zu je 13 Jahren Zuchthaus und die übrigen Angeklagten zu Freiheitsstrafen vou drei Monaten bis zu eine« Jahre verurtheilt.
Graz, 5. November. Die Grabsteine der bet deu am 29. November v. I. hier stattgrhabten stürmischen Volksseenrn erschoffenen und durch Bajonettstiche getödtrtev Arbeiter Has und Mtlnarttsch wurden behördlich conftseirt, weil fie auf diese Auläffe Bezug habende Inschriften trugen. Der Abgeordnete Pesel wird heute i« Abgeordnetenhause aus diesem Grunde eine Joterpellatiou eiobriugeo.
Budapest, 6. November. Die gestrige Rede Lord Salisburys wird tu hiefigeu politischen Kreisen keineswegs als sonderlich beruhigend aofgefaßt. Mau will aus derselben ersehen, daß Fraukreich zwar auf Faschoda verzichtet, aber hierfür derartig wichtige Compensattonea verlangt, welche Eoglaud nicht bewilligen könne. Deshalb würden die Kriegs- rüstungen in größerem Mastßabe fortgesetzt werden.
Budapest, 5. November. Ein osficiöser Artikel des »Pester Lloyd" schlägt vor, die beiden Parlamente sollten fich, um eine Entscheidung der Krone tu der Quoteufrage zu vermetdeu, über etue provisorische Aufrechterhaltung des Status quo für eia Jahr eiuigru. Während dieser Zeit könnten fich die beiden Regierungen für die Dauer mehrerer Jahre über etue gewiffe Quote etutgev, welche daun die Quoteo-Drputattou stadtltfireu köoute. Damit fiele die Noth- Wendigkeit für wettere Verhandlungen uud diejeutge, von Fall zu Fall eine neue Verechuuugsbafis zu fixireo, völlig fort.
• Prinz Heinrich vou Preußen schenkte, als er vor mehreren Jahren auf dem Panzerschiff „König Wilhelm" eingeschifft war, der Besatzung dieses Schiffes einen jungen Bären, der natürlich bald der allgemeine Liebling der Mannschaften ! wurde. Als der alte »König Wilhelm" außer Dienst gestellt ! wurde und die Besatzung in zwei Theilen auf zwei andere • Schiffe überging, wurde da» Loo» gezogen und Meister Petz fiel dem für da» Panzerschiff „Oldenburg" bestimmten Be- I satzung»theile zu. Da Meister Petz die vorzügliche Verpflegung ' an Bord der deutschen Kriegsschiffe genießt, hat er fich prächtig entwickelt; er ist bereit» 1*/, Meter groß. Die intime Freundschaft, die er mtt der Besatzung geschloffen, hat er getreulich
gehalten. Trotz der vielen Neckereien, die unser« Blaujacke« mit ihrem Kameraden vorhaben, ist dieser doch nicht au- feinem Phlegma herau»gekommen. Mit unerschütterlicher Rübe erträgt er Alle», wenn ihm dafür nur ein guter Biffen winkt. Alle Räume de» Schiffe» find ihm offen, und so ist er denn auch bald hier, bald dort zu treffen, beim Eomman- bauten und beim Koch, in der Batterie, auf Deck und Nachts im Schlafraum. Mit gemächlichem Schritt troddelt er treppauf und treppab, der ganzen Besatzung zum Zeitvertreib.
• Ausstiche Erdhöhleumeuscheo. Bet der letzten R vifionS- reise eine» höheren Staatsbeamten im Gouvernement Wjatka kam derselbe auch in die Nähe der kleinen Gouvernements- stadt Tscherdyn, welche an einem waldreichen Ausläufer de» mittleren Ural liegt. Bet der eintönigen Fahrt durch die urwaldähnlichen Kiefernwälder, durch welche an manchen Stellen öfter» erst mit der Axt Bahn gebrochen werden mußte, beobachtete der Beamte plötzlich, wie fich die mitgenommenen Hunde suchend nach ein und derselben Richtung hin entfernten. In Begleitung von zwei handfesten Dienern stieg er aus seinem Wagen und machte fich daran, der Spur der Hunde zu folgen. Bereit» nach einigen Werst begann fich auch der Wald, wie von Menschenhand entholzt, zu lichten, und nachdem man eine weitere halbe Stunde rüstig vorwärts gegangen war, sah man in einiger Entfernung an ebener, baumfreier Stelle, au» niederen Erdhügeln Rauch aufsteigen, den man zuerst für Erdgase zu halten nur allzugeneigt war. Nachdem man die Hunde zurückgerufen und angekoppelt halte, um keinen unnötigen Schaden anzurichten, ging man näher an die moosgedeckten Erdhügel heran, in denen man höhlenarttge, unterirdische Wohnungen entdeckte. Von einem (Somfort, auch nur im primitivsten Sinne des Worte» war natürlich keine Rede; selbst Fenster und eine besondere Oeffnung zum Abzug de» Rauches fehlte, sodaß das für den Ein- und Ausgang bestimmte, etwa ein Quadratmeter große, regellose Loch für alle Anforderungen genügen mußte. Baumäste und junge Stämme bildeten das Dach, über welche dann zum Schutz gegen die Witterung Rasenstücke und Waldboden in gehöriger Höhe gelegt waren. Die Menschen selbst, bereit Kleidung aus Thierhäuten und Bastgespinnsten bestand, sprachen eine, dem Wogulischen ähnlich klingende Sprache, in welcher fie auch von ihren Gästen verstanden wurden. Sie sind eifrige Jäger, zu welcher Beschäftigung ihnen die meilenweiten, von Thicren überaus starkbevölkerten Wälder genügendes Material geben. Gemüsezucht und Ackerbau kennen fie nicht; dagegen verstehen die Frauen gewiffe wildwachsende Wurzeln und Blattpflanzen in schmackhafter Art zuzubereiten. — Eine aus Wjatka eigens dorthin entsandte Expedition dürfte in nächster Zeit Näheres und Ausführlicheres über den bisher noch völlig unbekannten Ort und feine Bewohner bringen.
Feuilleton.
Iriefe aus der Residenz.
Origtnalbericht für den ,Gießener Anzeiger".
(Nachdruck verboten.) III.
Der russische Besuch. — Reitheitert in tzsstheater.
Aus den Loocenlebeu.
Ein hoher fürstlicher Besuch hat für eine Residenz vmer allerlei Annehmlichkeiten im (Befolge. Die vielen Ausfahrten tu Galawageo, das persönliche Erscheinen der jrheu Herrschaften in einzelnen Geschäften, ihre ständige Aiwesenheit bei den Theatervorstellungen — das olles gibt i<« äußeren Getriebe einen gewiffcn lebhafteren Pulsschlag aib wiikt namentlich anregend auf diejenigen Kreise, welche drrch Rang ober Amt dem Hoflebeo väheisteheo. Hinzu trnmt noch, daß hier viel alte Anhänglichkeit für die Groh sürftiu Sergius herrscht, und daß die Darmstädter sich immer freuen, wenn ihre schöne Prinzessin Ella wieder ein- ml den Weg in die hessische Heimath gefunden hat. Auch fit selbst scheint fich hier nebst Gtwohl sehr wohl zu fühlen, btan die für Darmstadt aogesetzte Zett des Aufenthalts wird ienter eher verlängert als abgekürzt.
waren einige Tage im Schaufenster des Alice Bazars ausgestellt.
I« Hoftb eater wenden fich die Blicke des Publikums jetzt wieder häufiger den Hoflogen zu, die fast niemals leer bleiben. In der eigentlichen Großherzogltchen Loge, rechts von der Bühne, fitzen gewöhnlich die Großherzogin, Großfürstin Sergius und Priozesfin Ludwig von Battenberg, während Großherzog und Großfürst entweder in ber Reden- löge ober in der darunter liegenden ihre Plätze etnnehmen.
Ein großer Theil des TheaterrepertoireS ist gegenwärtig aus den dtrecten Wunsch des Großherzogs und auf feine Rückficht für die hohen verwandten zurückzuführeu, welchen selbstverständlich tu jede« Genre das Beste uud Eharacteristtschste geboten werden soll.
So ist denn thatsächlich jede Gattung vertreten gewesen, der Schwank durch Blumenthal kadelburgs m weißen Rößl", die Wagner-Oper durch .Rheivgold", de« eine ganz vorzügliche Besetzung zu Theil werden konnte, und die klassische Tragödie durch Shakespeares .Hamlet". Die Eiostudirvug des letzteren verschaffte uns gleichzeitig die Bekanntschast eines sehr intereffanteu Gastes, des Loburger Hofschauspielers Le Seur, welcher, wie mau sagt, auf persönlichen Wunsch des Großherzogs zu eine« auf zwei Abende berechneten Gastspiel etugeladen worden ist. Der Künstler hatte seine Rolle sehr tief angelegt, vermied alle Kunststücke der Routine und bot jedenfalls eine zu wettere« Nachdenken anregende Leistung. Für unser Gefühl vermißten wir In diese« Hamlet einzig die Warme in den Beziehungen zur
| Ereignisse (die Ermordung des Schwedenköntgs Gustav DI. durch Ankarström) sogar auf ihrem ursprünglichen historischen Boden hält, aber die Musik des Italieners ist ungleich feuriger und die ganze Anlage weit dramatischer.
Die Loncertsaisou hat fich sehr günstig angdaffen. Die beiden großen, unter Hof Lapellweister William de Haans LeÜung stehenden Loncert-Unternehmungen Musikverein uud Hofmusik-Loucerte haben ihre ersten Abende gehabt. Die Hofmnsik-Loncerte finden bekannt- ltch i« Hoftheater statt und find dermaßen besucht, daß häufig an der Abendkasse kein Btllet mehr erhältlich ist.
Füe den Kartenverkauf bei den Muftkv er ein»' Loucerten, welche große materielle Opfer erfordern, ist eine neue Einrichtung getroffen, welche fich zu bewähren scheint uud die hauptlächlich den Zweck versolgt, deu finaoz- kräftigen Theil ber Residenz zu stärkerem Abonnement heran- znziehen.
Einen ausgesprochenen Elite - Eharacter trugen ferner zwei Loncerte, die tu ber .Traube" abgehalten wurden: Das eine galt dem Besten ber Pevfionsanstalt deutscher Schrift- stellet und Journalisten. Es tuteresfirte uns besonders durch das Auftreten der jungen Sängerin Kennt Wiegand au« Frankfurt a. M., die in ihre« Liederdortrag eine solche seelische Tiefe und Ausdruckssähigkett zeigte, wie man fie diesem jugendlichen Alter kan« zutraueu sollte. Stellenweise erinnerte Fräulein Wiegand uns sogar an den Vortrag einer Amalie Jooch m.
vou große« Erfolg begleitet war auch ber Llavier- abenb, welchen Fräulein Frieda Hodapp aus Frankfurt i« Richard Wagner-Zweigverein hielt. -sch.
Für eine Institution ihrer hochseltgen Mutter hat die Großfürstin warmes Jotereffe bewohn: für die Alice- schule und ihr Gedeihen. So hat die hohe Dame kürzlich derselben drei Sartoos künstlicher Modeblumen überwiesen, ei: fie in Rußland von den jungen Mädchen einer Schule « Moskau gearbeitet werden, deren Protectorin die Groß- trftin ist. Die sehr geschmackvoll hergestellten Blumen, v«lche besonders für Hüte und Coiffuren Anwendungen finden,
Ophelia.
Unser Opernrepertoire hat eine hübsche Bereicherung erfahren durch die Eiustudtruug des verdi'scheu W*$R a »te n • b all s". Das Sujet der Oper war hier freilich schon früher bekannt durch das gleichnamige Werk Anders, welches die


