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8.10.1898 Zweites Blatt
 
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Nr. 23« Zweites Blatt

Samstag den 8. Octobcr

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

llmts» uitb Zlnzeigeblatt für d«ir Kreis Gieszen

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Die Sießen-r Alomif ie» blätter »erden dem Anzoger wöchentlich viermal beigelegt.

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-chufllrahe Nr. 7.

sowie neueste Eingänge der modernsten Kleider- ! und Blousenstoffe für den Winter versenden in

Stotterer nöthig. Auf Vorschlag des Herrn Oberlehrers soll Herrn Schulverwalter Kling der Unterricht übertragen werben. ES wird auf Antrag bei Schulvorstandes beschlossen, Herrn Kling die Theilnahme an eine« AuSdildungScursu» in Berlin auf städtische Kosten zu erwöglichen.

Dem Geflügel« und Vogelzuchtverein, welcher auf vichlrr'schem Gelände an der Hardt eine Geflügelzucht- station errichten will, wird eine einmalige Subvention von 100 Mark bewilligt.

Um die Intensität und Dauer starker Regengüsse im Hinblick auf die bevorstehende Saualisatiou bester beobachten zu können, ist die Anschaffung zweier selbstregistrirender Regenmesser empfohlen worden. Die Versammlung be­schließt Anschaffung solcher Regenmesser und Aufstellung je eines derselben im Hofe des Bürgermristereigebäudes und bei Hygienischen Institut».

Zur Wieberherstellung btt Fayabr bes alten Rath- Hauses finb verschiedene Ausführungeo empfohlen worben. Nach Einholung kunstverständiger Urtheile soll der Holz- construction der Vorzug vor ber Bemalung gegeben werben. Die versammlnng beschließt auf Antrag ber vaudeputation vorerst beu alten Verputz entfernen -n lassen, um zu erfahren, ob noch Theile einer Holzeonstrvction vorhanden finb. I« Frühjahr nächsten JahreS soll bann nach noch zu sossenbeu Beschlüssen über die Art der Ausführung die Herstellung vor- genommen werben.

Zur Umänberung ber Sübaolage zwischen Blockstraße unb Goethestraße mit theilweiser Erhöhung bes tirferliegendrn Theils, Entwässerungsanlagen, für gärtnerische Arbeiten unb Sträucherlieferung werben 3000 Mk. gefordert. Die Ver­sammlung stimmt dem Voranschlag zu, desgleichen dem vor- schlage des Herrn Schwall, nach dem Vorgänge anderer Städte in den Anlagen Körbe zur Aufnahme von altem Papier re. ausstellen zu lassen. Die von den Herren Heichelheim und Schwall dargelegten Mißstände in Be­treff der P ffoiranlage an der bezeichneten Stelle sollen bei der Umänderung dieses «ulagentheils mit in Berücksichtigung gezogen werden.

Die Rechnung der Löber'schen Stiftung für 1697/98 unb ber Voranschlag berselben für 1898/99 werden genehmigt. Erstere weist nach an Einnahmen 8649 Mk., an Ausgaben 2216 Mk., während die letztere fich ausgleicht mit 8629 Mk. Dal Kapitalvermögen der Stiftung beträgt 61 647 Mk.

Bon den vorliegenden Gesuchen um (Sonerff on zum WirthschaftSbetrieb wird dasjenige von Heinrich Sehrt (Frank­furterftraße 165) durch Verneinung der Bedürfnißfrage ab­gelehnt, diejenigen von Philipp Gans (Dammstraße 84), welcher Branntwein über die Straße verkaufen will, und Johanne» Neeb (Rodheimerstraße 36) befürwortet.

In der Lonhstraße soll die Sa»- und Wasserleitung um je 8 Meter verlängert werden, wa» Ausgaben von 168 | bezw. 40 Mark verursacht, die bewilligt werden; weitere 88 Mark werden für Verlängerung der Wasserleitung auf dem Nahrungsberg, 1784 Mark für die Verlängerung der Wasserleitung in der Rodheimerstraße bis zum Feldschlößchen und 150 Mark für die Verlängerung iw Teufelslustgärtchen bewilligt, nachdem in allen Fällen Seiten» der Anlieger rin Wafferbezug entsprechend dem zehnten Theil der Kosten garautirt worden.

Zum Einwslzen der Kreisstr e in Queckborn und der Ltcherstraße beabsichtigt das Kreisbauawt da» dazu nöthtge Wasser der städtischen Leitung zu entnehmen. Die Versamm­lung stimmt einem dahin gehenden Gesuche zu, unter Fest­setzung des Preist» auf 15 Pfg. pro Eubikmerer, und ge­nehmigt ferner da» Etnbauen eine» Hydranten auf der Ltcherstraße.

Die Ueberficht über die wirklichen Einnahmen und Au»gabeu de» Sroßh. Realgymnasiums uud der Realschule für 1897/98 wird nicht beanstandet. Der Zuschuß der Stadt zu den Kosten beträgt 29 238 Mark.

Der Antrag auf Erweiterung des israelitischen Religionsunterrichts an der Vorschule des Gywnafiums unb bes Realgymnasiums wird auf Vorschlag de» Schul­vorstandes insoweit abgelehnt, als es fich am Urbernahwe des Honorars sür weitere Stunden aus die Stadlkaffe handelt, wogegen die Stadt fich zur Zahlung, der auf fie entfallenden Hälfte bereit erklärt.

Infolge Weggangs des Herrn Lehrer Backe» «acht fich ein Ersatz desselben in seiner Eigenschaft al» Lehrer für |

«breffe für Drpeschrn: Anzeiger (Meften.

Fernsprecher Nr. 51.

Sitzung der Stadtverordneten

am 6. October 1898.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herren Bei- I geordneten Georgi und Wolff, von Setten der Stadtverord­neten die Herren Brück, Emweliu», Faber, Flett, Dr. Gaffky, I Dr. Gu'fletsch, Habenicht, Haubach, Heichelheim, Helfrich, Jughardt, Keller, Kirch, Loo», Löber, Orbig, Petri, Schwall, I vr- Schäfer, Scheel, Schiele und Wallenfels.

Herr Oberbürgermeister Gnauth brachte eine Ein- ladung des Vereins der Detailltsteu zu der am 16. October I d». Jahre» in Steins Saalbau stattfindeudeu 6. Eonferenz des Verbandes der Detaillisten für Südwest- I beutschland zur Kenntniß ber Versammlung.

Zu bem in voriger Sitzung behanbelten Gesuch von I Emil Benber um Ertheilung btt Coucesfion zum Betrieb I einer Seifenfieberei im Promenabehau», gegen welches von I der Stabt Protest eingelegt worben, unb nenetbing» auch ba» I Sroßh. KreiSgesundheitsamt fich gegen Genehmigung aus- I gesprochen hat, theilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, I daß baS Gesuch infolge Zurückziehung Erlebigung gefnnben.

Das Gesuch von Gg. Bichl er um Erlaudniß zur Er­bauung einer Mälzerei auf ber Harbt wird ausnahmsweise befürwortet.

Metzgermeister Braun beabfichtigt sein am Seltersweg gelegenes Geschäftshaus niederzulegen und an deffeu Stelle einen Neubau zu errichten. Da derselbe in Beziehung auf | Gebäudehöhe, Umfang des Hofraumes unb Stärke ber Brand- mauern den einschlägigen baupolizeilichen Bestimmungen nicht entspricht, find Dispensationen nöthtg, bie von ber versamm« lung mit Rllckficht auf bie vorliegenben desonberen Umstände, j 8° denen u. A. auch eine Verbreiterung be» LelterlwegS am Braun'fchen Hause zu rechnen ist, befürwortet werben.

Der Wechsel in ber Schulbienerstelle an ber Hanb- werkerschnle hat bie Herrichtung ber Schuldieuer-Wohnung uöthig gemacht. Die auf 280 Mk. veranschlagten Arbeiten werben genehmigt.

Die Räumung bes stellenweise verschlammten Bruch- I graben», wofür 260 Mark vorgesehen find, wird gut- I geheißen.

Nachdem bereit» in einer früheren Sitzung über die I Herstellung von Anlagen auf bem vorberen Theil! be» Triebs berathen und ber barüber aufgestellte Bor- I anschlag in Höhe von 6000 Mark gutgeheißen worben, würbe I der Versammlung ber Special-Vorauschlag vorgelegt. Der- selbe wirb genehmigt unb nach bem Anträge des Stadt- I bauamts beschlossen, mit der Anlage von Wegen und der I Bepflanzung erst im Herbst 1899 zu beginnen, da voraus- sichtlich im nächsten Sommer bas Mittelrheiuisch-psälzische I BunbeSschteßen auf bezeichnetem Platze abgehalten wirb.

Die zur Anpflanzung ber Liedtgstraße ver- I »enbeien Ahornstämmchen sird freihänbig beschafft worden; I bie bafür verausgabten 265 Mark werben nachträglich be« | willigt.

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«haus am Staub

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CecaU» provinji«a«».

F. Von der Felbkruckerhöhe, 6. Oktober. In unseren Forsten find auch bteseS Jahr wieber auswärtige Pflänz­linge zur Verwenbnug gekommen, u. A. 90000 Fichten­pflanzen an» Holstein, denen unser Klima und der Basalt­boden sehr zusagt.

X. Darmstadt, 6. Oktober. Den Staatsbeamten werben bet Dienstreisen nunmehr, wenn fie fich des velocipebs bedienen, 2 Mk. pro Tag, 1 Mk. pro halben Tag bafür ver­gütet. Die Kunst- unb die kunstgewerbliche Ausstellung im Kunstvereinshause find fortdauerub lebhaft besucht nnb auch schon namhafte Einkäufe daselbst von fürstlichen Personen nnb Privaten erfolgt. Der Kunstveretn ist ben Veranstaltern nicht nur burch Hergabe der Räumlichkeiten, sondern auch da­durch entgegengekowwen, daß er den freien Eintritt seiner Mitglieder in der Kunsthalle aufhob. Die Ausstellungen schließen mit Eide des Monat»; darnach beginnen wieder die regelmäßigen Kunstoeretn»«Au»ftellungen.

AusUrnd.

Riesensortschritte wacht die Mo nopo lisirung der hauptsächlichsten Gebrauchs- und Verbranchsartikel in den Bereinigten Staaten, wie folgende Meldungen be­weisen. Die jüngst mit dem Lapital von 200 Millionen Dollars gegründeteFederal Steel Ly." (derEisen- und Stahl Trust-) soll durch Verschmelzung mit der Earnegie- Rockefeller'schen Vereinigung zu einem Monopol gebracht werden, das seinesgleichen sucht. Carnegie ist bekanntlich der größte Eisenerzeuger der Welt. Die Gründung einesElee- ßrieitätS«Trustes- ist bevorstehend, da die beiden größten An- lagen dieser Art, dieWalker Electric Eo.- und bieWesting- House (So/ eine Verschmelzung beschlossen haben, an ber auch dieNew Kork Air Break Ey.- theilnehmen bürste. Such die beiben gewaltigen concurrireubeuSprit-Ringe* ber ver­einigten Staaten, bieAmerican Spirit Manufacturing Ey.- (bekannt al»WhiSky^-Trust) unb bieStandarb Disttllmg unb Diftribuitiug Ey." wollen zu einemGroß-Monopole* zvsammentreten. Die Begrünbung be»Amerikanischen Fisch- unb Austern Truste»* soll binnen Kurzem mit bem Lapital ten 5 Millionen Dollar» erfolgen. Auch einchemischer" Trust ist geplant. Arme» Trust-Gesetz! Arme Verbraucher ! Wie sehr bie wirthschafiliche Freiheit in der großen Republik ivrch diese mächtigen Ringe eingeschränkt wirb, liegt auf irr Hand. .

monatlich 75 Pfg. mit Bringrrlohn.

Bti Postbrzug 2 Mark 50 Pfg. viertrltShrlich.

Deutsche» Reich.

Berlin, 6. Oktober. Am 27. b. Mt»., dem Tage der Landtag»wahlen bleibt die Berliner Börse ge­schlossen.

Berlin, 6. October. Im Proeeß Stadthagen wurde heute Nachmittag da» Urtheil gesprochen. Wegen de» Gen»dar«en-Artikel» wurde der Angeklagte sreigesprocheu, weil erwiesen sei, daß ber Gen»barm Klötzsch mit bem Revolver geschlagen hatte. Wegen be» zweiten Artikel» sei, soweit e» fld) um Mißstänbe ans Polizeiwachen hanbelt, auch hier ber Brwei» gelungen. Der Gerichtghof nahm an, baß solche Mißstänbe thatsächlich herrschen. Im Nachsatz be» Artikel» aber werbe bem Polizei-Prästbenteu unterstellt, baß er von diesen Mißstänben gewußt habe. Darin sei ein Borwurf ber Pflichtwibrigkeit enthalten. De»wegen erkannte bet Geticht»hof wegen Beleibignng be» Polizei-Präfibenten auf 300 Mk. Geldstrafe und Publicationsbesuguiß sowie Vernichtung der Platten.

Eine neue Besitzung de» Kaiser». Der Landrath a. D. uud Ritterguridefitzer Birkner hat sein etwa 7000 Morgen große» Gut Kabinen bem Kaiser testamen­tarisch vermacht. Der Kaiser hat da» Anerbieten, ben Besitz schon bei Lebzeiten Birkner» anzutreten, angenommen. Kabinen, zwischen Elbing nnb ben Städtchen Tolkewit gelegen, gehört zu ben schönsten Besitzungen Westpreuhen». Da» stattliche Schloß lehnt fich mit seinem Parke gegen einen bewalbeten Höhenrücken, ben bie Ruine eine» alten Kloster» krönt. Der Garten, besten Anlagen al» Sehen»würbigkeit ber Provinz gelten, wirb durch uralte Alleen in den Forst übergeleitet; rin steiler, von Leben»bäumen umrahmter Pfad führt zu der I höchsten Erhebung, auf der da» Familienmausoleum errichtet

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ist. Jenseit» bet Lhauffee erstrecken fich bie Felber und Wiesen bis an das Frische Haff, welche» die Grenzen de» Gute» bildet und einen regen Schiffkverkehr ermöglicht. Bon Wäldern eingefaßt, an die königliche Forst grenzend, steht die Jagd de» Gute» auf besonder» hoher Stufe; durch lange Pflege, durch Anlage von Fasanerien, von Schutzgattern, Futterstellen und dergleichen ist der Wildstand ein ganz her- vorragender. Kabinen befindet fich seit Generationen iw Be- fitze ber Familie Birkner, bie am Tube be« vorigen nnb zu Beginn be» jetzigen Jahrhunbert» zu ben reichsten Altein­gesessenen ber Provinz zählte. Die Lonttnentalsperre zur Zeit Napoleon» jedoch schädigte auch hier den Wohlstand und da» Befitzthum. Kabinen ist ber Rest eine» saft sürstlichen Vermögen» geblieben.

Köln, 6. October. DieKöln. Ztg." schreibt zu ber Nachricht von der Entsendung eine» deutschen Schiffe» nach Taka, dieser Meldung werde eine ßb et Hieben e Be­deutung beigelegt. Namentlich sei e» unrichtig, daß die Möglichkeit einer kräftigen Ei mischungS.Politik Seiten» Deutschland» näher gerückt sei. Die Lage in Lhina sei kritisch, die Lentralgewalt aber stark genug um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sollten indeß die Aufständischen fich an europäischen Truppen vergreifen, so würden England, Rußland und Deutschland in kürzester Zeit so viele Truppen zur Stelle bringen, um die Sicherheit der europäischen Nieder- hffnngen gewährleisten zu können.

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