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8.9.1898 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 8. Tcplembcr

Gießener Anzeiger

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General-Anzeiger

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Die Krönung der Königin Wilhelmiua

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In der neben dem Königsschloffe in Amsterdam ge* lr-kven .Neuen Kirche" hat am Dienstag die Krönung der langen Königin der Niederlande stattgefunden, vor ver­sammelten Generalstaaten da» ist da» holländische Parla­ment leistete die Königin folgenden Eid:

.Ich schwöre de« niederländischen Volke, immer die be­stehende verfafiung zu beobachten und aufrecht zu erhalten. Ich schwöre, zu vertheidigeu und zu bewahren mit meiner gangen Macht die Unabhängigkeit und da» Gebiet de» König­reich». Ich schwöre, die öffentliche wie die persönliche Frei- hkit und die Rechte meiner Untertanen zu schützen und für die Bewahrung und die Zunahme de» allgemeinen und de» besonderen Gedeihen» alle Mittel anzuwenden, welche die Ge- setze mfr zur Verfügung stellen so wie e» eine gute Königin zu thuu schuldig ift*

Mit der darauf erfolgten Eidesleistung der General- ftaaten geschah die Einsetzung der Königin al» Herrscherin, nab die Hauptfeier hat nun ihr Ende erreicht.

Die Niederlande find im Allgemeinen ein glückliche» Land, da» von einem derben, kernigen Menschenschläge be­wohnt wird. Handel und Verkehr blühen, und insolgedefien «acht sich ein Wohlstand bemerkbar, der über da» ganze Land ziemlich gleichmäßig vertheilt ist. Da» Volk liebt seine Heirnath, die e» vielfach mit ungeheuren Mühen und Kosten len Meereswogen abgerungen hat, und eifersüchtig wacht e» darüber, daß dem Lande die Selbstständigkeit bewahrt bleibe. De Unabhängigkeit und do» Gebiet de» Königreich» zu wahren und zu vertheidigeu, hat die junge Königin geschworen, fc» gab eine Zeit, da war man in dem Nachbarreiche sehr mißtrauisch und man befürchtete, daß Preußen eigennützige Abfichten gegenüber dem Lande hege. Lange Jahre hindurch baren die Holländer nicht gut auf an» Deutsche zu sprechen, enb in dem beiderseitigen verhältniß hatte eine Kühle Platz griffen, welche gar nicht zu den nahen verwandschaftlicheu Erziehungen, in welchen die Dynastien stehen, paßten. Der kiesuch de» Kaiserpaare» in Holland, der Aufenthalt der LVaigin-Regentin Emma und der Königin Wilhelmina am rttußischen Königshofe und nicht zum Geringsten das Ein- tuten unseres Kaiser» für die den Holländern stammver- rwadten Buren hat dazu beigetragen, die beiden Völker nvauder wieder etwa» näher zu bringen.

Wir haben schon vor einigen Tagen betont, daß die nge Königin vorausfichtlich einen nicht geringen Eirfluß auf i't Politik des Landes auSüdeu wird, wenn auch ihre Rechte .'rcrch die verfafiung stark beschränkt find. Zur Zeit ist ein ^liberales Ministerium am Ruder und dürfte oller Wahr- chtiolichkeit nach auch noch länger doS Regiment behalten. d»uk der Niederlage der deticalen Partei bei den letzten kmlamentswahleu hat die Regierung endlich die Heeres- irßorm-vorlage einbringen und dieselbe auch zur Durchführung langen lassen können. Bisher gab e» in den Niederlanden

die militärische Stellvertretung, diese ist nunmehr ab- zr chafft und der persönliche Heeresdienst eingeführt worden. Vie Folgen dieser Einrichtung werden fich in doppelter Rich- n» äußern, einmal in socialer Beziehung, indem die ver­miedenen »lofien der bürgerlichen Gesellschaft durch daS ge- «infame Zusammenleben einander näher gebracht werden, ul dann in militärischer Hinficht, indem die Heranziehung hi gebildeten Klaffen die Möglichkeit der Schaffung einer Iberen Reserve gewährt. Ueberhaupt fängt man an, in Holland da» Bedürfniß nach zeitgemäßen Reformen auf allen Mieten zu empfinden.

Die junge Königin, welche soeben mit dem Purpur ge- shmückt worden ist, hat Gelegenheit, nach vielen Richtungen l.« Anregungen zu geben. Sie wird al» eine scharfsinnige, dUdlickende Dame geschildert, welche da» Herz auf dem rechten ?ef haben soll. Da» Land steht demnach anscheinend vor glücklichen Periode seiner Geschichte- daß eine solche eviiin, dazu bedarf freilich die Königin der Mitarbeit de» 8mbe». Das gute verhältniß, in welchem heute Thron und 'M' zu einander stehen, läßt aber den Schluß zu, daß an tlif gemeinsammen Arbeit zum Wohle de» Lande» fürdethin Acht fehlen wird._______________ (xx)

Die Abrüstungs-Politik und die Börse.

Die ganze Woche hindurch war die Aufmerksamkeit der Dnlmer Börse durch politische Vorgänge in Anspruch g,. :A«veu und zeitweilig derart absorbirt, daß da» Geschäft IB®! in» Stocken kam. So ist die gewiß seltsame Thatsache lut ronstatiren, daß ein Ereigniß von der Tragweite der rächen Friedenskundgebung fast ohne Einfluß auf die Haltung lud Markte», fast ohne Wirkung auf die EnrSbewegung ge­

blieben ist. Man hatte eben zu viel mit der Sache selbst zu thun, man mußte fich die Angelegenheit zunächst einmal zu­rechtlegen, um darüber in» Reine zu kommen. Die Börse hat t» freilich längst verlernt, an kriegerische Verwicklungen zu glauben, für fie war der Friede immer etwas Selbstver- stäudliche», aber ihre Vorstellungen bezogen sich stets auf einen bewaffneten Frieden- e» war daher notüdich, daß fie bei der ersten Meldung geradezu geblendet und unfähig war, ihren Anschauungen einen adäquaten Ausdruck in den Kursen zu verleihen. Aus dem Meer von Eombinationtn hat fich allmählich an der Börse die Anficht entwickelt, daß man e» hier mit einer feineren Form der Absage Rußland» an Frankreich zu thun habe, von dieser Anficht zu der weiteren Auseinandersetzung über die Frage, welche Wirkung eine derartige Abkühlung der rusfisch-franzöfischen Intimität auf die russischen Papiere haben würde, war nur ein Schritt: thatsächlich ist die Wirkung, wenn auch nur in geringem Um­fang, bereits eingetreten, denn Pari» ist seit einigen Tagen Abgeber für Ruffen, um Italiener dagegen einzutauschen. Mau muß jedoch, nm die Bedeutung derartiger Transaktionen ermeffen zu können, vorher Klarheit darüber haben, ob das französische Kapitalistenpublikum oder die Speeulatiou ver­kauft. Man schätzt die Umlaufsmenge der rusfischen Werthe in Frankreich auf zehn Milliarden Frank»- allein e» ist jeden- fall» ein Andere», die Sparer zuerst für ein Papier zu be­geistern und hinterher die Papiere mit politischen Argumenten wieder aus de« Lande zu treiben, namentlich, wenn der Zinsfuß zu Gunsten de» Gegner» spricht. Es ist bemerkens- werth, daß die ungeheure Menge rusfischer Werthe in Frank­reich den Zinsfuß daselbst nicht beeinflussen konnte. vorläufig neigt man in Berlin der Anficht zu, daß e» fich bei den neuesten Pariser Abgaben um spekulative Vcrkänfe handele - sollten dieselben größere Ausdehnung gewinnen, so würde für etwaige Aufnahmen wohl da» deutsche Kapital in Frage kommen, da England fich grundsätzlich gegen russische Werthe verschlossen hat. In diesen Geleisea bewegten sich die Be­trachtungen der Spekulation, die im Uebiigen der russischen Kundgebung nur einen sehr minimalen Einfluß auf die Eurß- gestaltnng zugestanden hat. M. N. N.

Deutsches Reich.

Berlin, 7. September, vom Kaisermanöver. Nach Beendigung der Parade ritt der Kaiser am Montag an baß 68. Regiment heran, erinnerte daran, wie nahe daß Regiment dem hochseligen Kaiser Friedrich gestanden und theilte mit, daß die Prinzessin Adolf von Schaurnburg-L'ppe znrn Chef deß Regiment» ernannt sei. Er hoffe, daß Regiment werde fich dieser Ehre würdig erweisen, und wie bisher in Krieg und Frieden fich glänzend bewährt habe, so auch in Zukunft bewähren. Das Kaiserpaar ist Montag Nachmittag 3 Uhr in Oeynhausen angekommen und feier! ch empfangen worden. Auf die Ansprache des Bürgermeister» erwiderte der Kaiser, er freue sich an einem Ort zu sein, deffen Heilquellen so vielen Menschen zur Wohlihat gereichten; er danke für den schönen Empfang und wünsche Oeynhausen weitere» Gedeihen. Montag Abend fand im Kurhau» ein Paradefeftmahl statt, bei welchem der Kaiser die Prinzesfin Adolf von Schaumburg- Lippe, Prinz Leopold von Boyern die Kaiserin führte. An der Tafel saßen neben dem Kaiser die Fürstin von Schaum! ug- Lippe, Herzog Johann Albrecht von Mrcklenburg, weiter der Fürst von Schaumburg-L pve und Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe. Lwk» von der Kaiserin saßen Prinz Leopold von Boyern, Prinzeß Adolf von Schaumburg- Lippe, Prinz Albrecht von Preußen und Heinrich XVIII. Prinz Neuß. Gegenüber den Majestäten hatten Platz ge­nommen der commanbitenbe General de» 7. Armeecorps, Generallieutenaot v. Mtkusch Bachberg zwischen dem General­obersten Grafen Waldersee, dem Lhef des Seneralstabes der Armee General Grafen Tchli'ffcn und den Generalen v. Seeckt und v. Blume. Das Leben und Treiben in den Straßen ist sehr lebhaft- namentlich fieht man viele Bewohner der umliegenden Ortschaften. Das Wetter ist herrlich. An da» Festmahl schloß fich ein großer Zapfenstreich im Kurpark vor dem Kurhause, der von 1800 Musikern des 7. Corps unter Leitung des Armeemnfikinkp deuten Prof. Roßberg aus- geführt wurde. Der Kaiser und die Kaiserin sowie die Gäste wohnten ihm im Kurhaus unter einem geschmückten Baldachin bei.

Locales unö provinzielles.

+ Nidda, 6 September. Die Kirchweihtage vor­gestern und gestern, sowie der damit verbundene, von jthrr sehr besuchte Jahrmarkt brachten uns einen ungewöhnlich starken Vorkehr. Auf den alß Festplatz dienenden städtischen

Gävswiesen waren die Restaurationszelte, Larouffel» und Buden alle gut besucht, wie auch fast sämmttiches auf. getriebene Vieh gestern preiswürdig verkauft und der Kram­markt besten» frequrntirt wurde. Die in dem Tewpelcheu Nachmittag» erfolgte verloosung von Lhiereu, landwirth- schaftlichen GerSthen und Gebrauch»- rc. Gegenständen zog ebensoll» viele Neugierige herbei. Im Allgemeinen waren die Verkäufer auf dem Markte, sowie die Geschäft»leute in der Stadt zufrieden mit den gestrigen Marktergebniff.n.

A Mainz, 6. September. Die zu Beginn diese» Jahre» im städtischen Gaswerke hier zu Tage getretenen Unter­schlagungen werden Mitte diese» Monat» die Strafkammer de» hiesigen Landgericht» beschäftigen. Al» Angeklagte er­scheinen vier Angestellte de» Gaswerk» und zwar der Director Hess em er, der Sassirer Beil st ein, der Buchhalter Feld- mann und der Kaffenbote Reimann. Letzterer ist der Havplbeschuldigte und wird ihm zur Last gelegt, einen Be­trag von 10,000 Mk. unterschlagen zu haben, veilstein und Feldmann find der veihtlfe bezichtigt und Director Hefiemer wird ebenfalls der Beihilfe, sowie der Untreue be­schuldigt, letztere dadurch begangen, daß er al» Bevoll­mächtigter der Stadt Über deren vermögeusstücke zu deren Nachtheil verfügt, um fich unb Anderen einen vortheil zu verschaffen. Bei Direktor Heffemer bildet den Schwerpunkt der Anklage, daß er eigenmächtig den ihm unterstellten Be­amten (worunter ein Sohn de» Direktor») ziemlich betrScht- l'che Remunerationen bewilligte unb solche unter anderem Namen buchen ließ.

vermischtes.

* Treiben, 7. September. Die Enthüllung de» Lud­wig Richter-Denkmal» auf der BrÜhl'scheu tenaffe findet am 28. September statt. Der Entwurf zu dem Denk­mal wurde von dem Braunschweiger Bildhauer Eugen Kirch- eisen angefertigt und zeigt den großen Meister in fitzender Stellung. Der Sockel des Denkmals, mit deffen Aufstellung soeben begonnen wird, ist au» rotbraunem schwedischen Granit. Für die Errichtung eine» Robert Schumann- Denkmal» in Zwickau find 86,000 Mk. gesammelt. Fllr da» Standbild, an deffen Ausführung nunmehr ge­gangen werden soll, wird ein freier Wettbewerb aus­geschrieben

Speyer, 7. September. Gedächtnißkirche der Protestatton von 1 627. Am 16. September, N^ch- mittag« 2 Uhr, ist eine Notablenversammlung dahier geplant, welche bezweckt, zu berathen, auf welchen Wegen die zunächst noch higeu Baarmittel tm Laufe dieses Winters auf- zubringen leien. An derselben werden nicht nur die von ben D öcesanlhnoden gewählten Vertreter der pfälzischen Kirche theilnehwen, sondern auch Deputirte der übrigen deutschen «irchenprovinzea, wie Excelleuz Dr Goldmann in Darmstadt, Eonsistorialrath Dr. Krebs in Frankfurt a. M. n. A. Die Versammlung wird zunächst unter Führung des Ober-Bau­leiters den Bau selbst in Augenschein nehmen unb au» dieser Besichtigung gewiß die nöthige Begeisterung erhalten. Alle, die fich sür das große Werk interesfiren, find auch ohne pezielle Einladung hochwillkommen.

Gr versteht fein Geschäft. Aus Berlin, 1. Sep­tember, wird geschrieben: Unter dem Publikum, das fich heute früh in der Belleallianeeflraße aufgestellt halte, um fich den Ausmarsch der Paradetruppeu anzusehen, bewegte fich ein Postkartenhändler, der ein neues zugkräftige- Empfehlung»- wort sür seine Anfichtskarteu in Anwendung brachte. Er rief nämlich:Meine Herren! Kaufen Sie die letzten Paradepostkarten vor dem ewigen Frieden!^

* Lesfittg über den ewigen Frieden. Im Jahre 1759 find, wie bteMagd. Ztg." in Erinnerung bringt, jene Rtttilea entstanden, die in ben Ausgaben der Lesfiug'schen Werke unter dem Titel: ^Aus den »riefen, die neueste Literatur betreffend^, zusammengestellt sind. Im fünsten dieser Briefe bespricht Lesfing ein Buch de» ohne feinen Kritiker wahrscheinlich jetzt ganz unbekannten Herrn v. Palthen. In diesem Buche sand fich ein Projekt, einen immerwährenden Frieden zu nnterhaltea". Nach Lessing wollte der versaffer ein allgemeines Parlament oder Tribunal errichten, deffen Ausiprnch fich alle europäischen Staaten gefallen ließen^. Der Krit ker bemerkt dazu:Wenn sich nun unter den euro­päischen Mächten Halsstarrige fänden, die dem Urtheil de» Tribunals Genüge zu leisten fich weigerten? Wie da? O, der Herr v. Palthen hat vollstreckende Völker, er hat milUSrische Executiou. Hat er die? Nun wohl, so hat er Kriegs