Ausgabe 
8.5.1898 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

n

kibttn y. iz? Ais c ®Dtftanb.

inb Montag bei

ft flöt aubnben

47«

52 im Hose recht

attfindeuden

O«il oerg (391!

Comite, tags.

ssel

of

ptti mit t wiö Itat Ge'B

Unun unb Mchm

mich in den CM ib genügend vorhsnt»

G

[it die ergebene N? . bisher ümc hatte, a *w s Silbern in * 1

[4 neW. 9"w bat üertr«»® nstrten nnb »(9

**We' ment bWr>" ihofsr-2^

1S9S

Sonntaa den 8. Mai

Viertes Blatt.

Vr. 107

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Aezugsprei« vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In» und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgegaL

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.

Orscheivt ILgNch mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Mamitierrvtttter werden dem Anzeiger «Schentlich viermal beigelegt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Gratisbeilage: Gießener Familienblätter

Redaction, Expedition und Druckerei:

Schnkstrntze Nr. 7.

wSrtigeu Politik, welcher jede Beeinträchtigung fremder Rechte fervliegt, die aber für den Schutz bedrohter deutscher Inter- essen stet- mit Nachdruck eiutreteu wird, findet feinen Aus­druck in dem guten Verhältnisse, daS zu Meiner Genug- thuung zwischen dem Deutschen Reiche unb allen Mächten besteht.

Gegenüber dem zwischen Spanten und den Bereinigten Staaten von Nordamerika ausgebrochenen Kriegszustände be­trachte Ich es als die Aufgabe Meiner Regierung, einerseits nach beiden Seiten hin den Pflichten unserer neutralen Stellung voll zu entsprechen, andererseits darauf hin zu wirken, daß die deutsche Schifffahrt und der deutsche Handel vor Behelligungen und Schädigungen nach Möglichkeit be­wahrt werden.

Die Action, zu welcher Ich Mich gevöthigt sah, einen Theil Meiner Kriegsflotte nach Kiautschou zu entsenden, um für das vergossene Blut deutscher Missionare gerechte Sühne zu heischen, hat Mich in den Stand gesetzt, den lang gehegten und wohlberechtigten Wunsch nach einem commerciell ent- vickelungSfähigen und militärisch gefichertev Stützpunkt in Ostafien auf dem Wrge freundschaftlicher Verständigung mit China und ohne Trübung unserer Beziehungen zu anderen Staaten zur Erfüllung zu bringen.

Im Anschluß an den griechisch-türkischen Friedensvertrag ist es den Bemühungen Meiner Regierung gelungen, in Griechenland eine Regelung des Finanzwesens herbeiznführeu, welche die Rechte der deutschen, wie aller sonstiger Gläubiger in dem unter den gegebenen Verhältnissen erreichbaren Maße sicher gestellt hat.

In Gemeinschaft mit Meinen hohen Verbündeten wird e» auch serner Mein ernstliches Bestreben sein, die wirth- fchaftliche Entwickelung de- Reiches zu fördern, insbesondere den Druck, unter welchem die Landwirthschaft die Er­folge ihrer Arbeit beeinträchtigt fieht, mehr und mehr zu mindern, dem Gewerbefleiß, dem Handel und der Schifffahrt den Boden friedlichen Schaffens zu sichern und zu erweitern. Damit glaube Ich zugleich rn wirksamster Weise für die ErwerbSgelegenheit der arbeitenden Klaffen und für ihre zunehmende Wohlfahrt zu sorgen. Ich weiß Mich eins mit dem deutschen Volke, welches entschlossen ist, die verbündeten Regierungen in der Erreichung dieses ZieleS zn unterstützen und die Grundlage unseres staatlichen, kirch­lichen und bürgerlichen Lebens zu erhalten. Zn dieser festen Zuversicht hoffe ich zu Gott, daß es Mir beschieden sein wirb, die innere Kraft unseres Vaterlandes zu stärken und das Ansehen seines Namens unter den Völkern der Erde zu erhalten. Indem Ich Sie, geehrte Herren, entlaffe, ist es Mir ein aufrichtiges HerzenSbedürfniß, Ihnen für die ver- ständnißvolle Bereitwilligkeit, mit der Sie der Lösung bedeut­samer Aufgaben Ihre Mitwirkung geliehen haben, zugleich im Namen der verbündeten Regierungen Meinen kaiserlichen

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße».

Fernsprecher Nr. 51.

Der Schluß des Reichstages.

Berlin, den 6. Mai.

Der Reichstag wurde heute Vormittag 10 Uhr im Weißen Saale des königlichen Schlosses durch den Kaiser mit folgender Thronrede geschlossen:

Geehrte Herren! Die erste Legislatnrperiod- des Reichstages, welche den vollen sünfjährigen Zeitraum umfaßt hat, liegt hinter Ihnen. Dieselbe ist fruchtbar gewesen an gesetzgeberischen Erfolgen, die zur Macht unb Wohlfahrt de» Vaterlandes dauernd beitragen werden. Ihrer beharrlichen, unauSgefetzt auf das hohe Ziel gerichteten Arbeit ist es ge­lungen, das große Werk des gemeinsamen bürgerlichen Rechts vor dem Ende der Legislaturperiode zum Abschluß zu bringen. Damit ist durch vereinte Thätigkeit der verbündeten Regie- ruogen und deS Reichstags dem deutschen Volke ein kost- barer Besitz gewonnen, der ihm im Laufe seiner tausend­jährigen Geschichte noch niemals vergönnt war. DaS neue gemeinsame Recht wird ein neue- starke- Band um die deut­schen Stämme schlingen.

Eine einheitliche Rechtsordnung ist auch für daS militär- gerichtliche Bersahren geschaffen, nachdem Sie einer, den An- sorderungen sowohl deS heutigen RechtSbewußtseiuS, wie der Manneszucht entsprechenden Vorlage Ihre Zustimmung er- theilt haben. u

Um die ernste Aufgabe, Bürge des europäischen Friedens zu sein, wirksam zu ersüllen, bedurfte Deutschland der Ver- stärkung seines LandheereS durch Ausnützung feiner steigenden Wehrkraft. Durch Bewilligung der dazu nöthigen Mittel hat der Reichstag ein bleibende» Verdienst um die friedliche Sicherheit deS Reich» erworben. Mit hoher Befriedigung erfüllt e» Mich, daß Ich unter Ihrer Patriotismen Mit­wirkung erreichen konnte, unsere Flotte auf eine feste und dauernde gesetzliche Grundlage zu stellen. Indem der Reichstag die Bedeutung deS Flottengesetze» für unsere wirthschaftliche Entwickelung und für die Stärkung unserer maritimen Wehr- kraft anerkannt hat, hat er die Hand zu einem Werke ge- boten, welches die dankbare Würdigung kommender Geschlechter finden wird.

Die Finanzlage deS Reiches hat in der verflossenen Legislaturperiode dem Aufschwung der wirthschaftlichen Verhält- uiffe entsprechend, eine besonders günstige Entwicklung ge­nommen. DaS Verhältniß der Einzelstaaten zum Reiche hat zwar die von den verbündeten Regierungen augrstrebte orga- Nische Regelung bisher nicht gefunden, wohl aber ist c» mit einer auf die ReichSstewpelabgaben beschränkt gebliebenen Steuererhöhuug gelungen, die Matricularbeiträge für die letzten Jahre thatsächlich in den Grenzen der den Einzel- staaten zu Gute kommenden SteuerÜberweisungrn zu halten. Daneben find noch zur Tilgung der Reichsschulden belang- reiche Beträge au» Ueberschüffen bereit gestellt.

Auf dem Gebiete des Post- unb Telegraphenwesens ist durch Ihre Zustimmung zu bem neuen Washingtoner Welt- postvrrtrage eine Reihe wesentlicher Erleichterungen für ben internationalen unb inneren Verkehr gesichert, ferner burch bie Bewilligung erheblicher Meörwittel eine namhafte Verbesse­rung bei Telegraphen- unb Fernsprechanlagcn mit besonberer Berücksichtigung ber kleineren Orte unb des flachen LandeS ermöglicht worben.

Die wirthschaftliche unb ft ciale Gesetzgebung verdankt Ihrer eifrigen Mitarbeit eine Reihe wichtiger Ergebnisse. JnSbesonbere ist, wie ich hoffe, burch ba» Gesetz über bie Organisation beß idwerkS ber »oben geschaffen, auf bem dieser ehrenwer'.he Staub burch kräftigeren Zusammenschluß seiner ©liebet unb durch geordnete Vertretung seiner Ge- fammtinteressen, neue Kraft gewinnen wird, den wachsenden Schwierigkeiten Seitens beß großgewerblichen Wettbewerbe» Stand zu halten.

Durch die Bewilligung erhöhter Beihilfe für die Post- dampferverbindungen mit Ostafien trugen Ste dazu bei, unsere Verkehrßbeziehungen mit-Ländern, die für den Absatz unserer Erzeugnisse eine steigende Bedeutung erlangt haben, enger zu knüpfen, unb damit unsere handelspolitische Stellung da- selbst zu befestigen. Der friedliebende Character meiner au»-

Dank zu sagen."

Die Thronrebe wurde an mehreren Stellen von leb­haftem Beifall begleitet. Namentlich riefen laute Bravorufe hervor die Ausführungen über bie auswärtige Politik, über das Verhältniß Deutschland» zum spanisch-amerikanischen Kriege, zu Ehina, über baß vorgehen Deutschlands in Griechenland, und über baß Bestreben, ben auf ber Land- winhschaft lastenden Druck zu mildern. Der Kaiser hatte die wichtigsten Stellen der Rede durch Erheben der Stimme noch besonder» ausgezeichnet.

Rach Beendigung der Rede trat Reichskanzler Fürst Hohenlohe vor unb erklärte im Namen ber verbündeten Regierungen die Sitzungen beß Reichstage» für geschlossen. Ein vom bayerischen BundeSraths Bevollmächttgten Grafen Lerchenfelb ouögebrachte» dreifache» Hoch auf den Kaiser fand lebhaften Widerhall. Se. Majestät der Kaiser stieg die Stufen de» Throne» herab und entfernte fich, während die Schloßgarde präsentirte, langsam trit seinem Gefolge. Unter diesem befanden fich auch die anwesenden kaiserlichen Prinzen. Der ganze Festact dauerte im Ganzen nur eine Viertel- stunde.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Mai. Der Kaiser wird heute Abend 10 Uhr nach Urbißt abreifen. In seiner Begleitung wird sich auch der Leibarzt Dr. Zunker befinden.

Berlin, 6. Mai. Die Abendblätter beschäftigen sich mit ber heute vom Kaiser gehaltenen Thronrede. DieKreuz- ztg." sagt: Ueberan» wohlthuend berührt in der Rede die fich auf die Stellung DLutschlands nach außen beziehenden Stellen. Der Ton, der au» ihnen herausklingt, bewiese,

Amtlicher Theil.

Gesunden: 1 Brosche, 1 Cigarren-Etui», 1 Visiten- kartentafche, 1 Notizbuch, 2 Photographien, 1 Griffelkasten, und 2 Schirme.

Gießen, den 7. Mai 1898.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Roth.

daß der Kaiser gewillt fei, dem deutschen Volke und damit Europa den Frieden zu erhalten. Mit Dank nimmt da» Blatt die Anerkennung der schwierigen Lage der Landwirth­schaft und de» Handwerk» entgegen, und ist erfreut über die Worte, daß ber Kaiser bestrebt sein werde, die vorhandenen Nothstände zu mildern. Schließlich spricht dieKreuzztg." ben lebhaften Wunsch aus, daß die bevorstehenden Wahlen einen nationalen Reichstag liefern möchten, der bereit fei, mit dem Kaiser und dessen Verbündeten an der Heilung wirthschaftlicher Schäden mitzuarbeiten, und der Gewähr liefere, daß er da, wo es sich um Deutschlands Ehre und Ansehen handele, stets ohne Zögern die richtige Entscheidung treffen werde. DieBerl. Reuest. Nachr." meinen, der Geist, von welchem die Thronrede durchdrungen fei, werbe im Lande weithin volle Zustimmung finden. Die Nation fei von der Befriedigung darüber erfüllt, daß Deutschland fich endlich einmal wieder in aufsteigender Eurve bewege, und daß feine Politik nach innen und außen wieder Erfolge auf- zuweifen habe, die fich in der nächsten Legislaturperiode ficherlich noch vermehren würden. DieDeutsche Tages­zeitung" bezeichnet die Thronrede als knapp unb klar, als hin und wieder herzlich. Die kaiserliche Zusage bezüglich der Landwirthschaft nehme eS, baß Blatt, mit Befriedigung entgegen, und glaube nicht unbescheiden zu sein, wenn die Hoffnung auSspreche, daß dem Kaiser gelingen möge, nicht nur den Druck, der auf der Landwirthschaft laste, zu mildern, sondern ganz zu heben. Um dies zu können, sei aber ein verständnißvoller Reichstag nöthig. Die Nationalztg." findet sonderbar, daß in dem Rück- blick der Thronrede auf die Legislaturperiode weder _ber Handelsvertrag mit Rußland, noch daS Börfengefetz erwähnt ill und bezeichnet eS als bemerkenSwerth, daß daS gute Ber- HSltniß zwischen dem Reich undallen Mächten" erwähnt wird, ohne besondere Hervorhebung der Beziehungen zu den Dreibundsstaaten Oesterreich-Ungam und Italien. Die Germania" hält ben Passu» von der besonderen Betonung de» friedliebenden Charakters der deutschen auswärtigen Politik, tn Verbindung mit der Versicherung, baß zwischen bem deutschen Reiche unb allen Mächten ein gute» Verhältniß besteht, bei der gegenwärtigen politischen Zeitlage von hervor­ragender Bedeutung unb schließt mit dem Wunsche, daß fich ber nächste Reichstag be» Lobes würbig erweisen möge, daS ihm heute zu Theil geworden fei. DieVoss. Ztg." findet, daß die Thronrede maßvoll unb fachlich ist und fich von früheren Kundgebungen gleicher Art nur durch baß reichliche Lob unterscheibe, welche» ber Volksvertretung gefpenbet wirb. Da» fei um so bemerkenSwerrher, al» bie» ber erste Reichs­tag gewesen sei, dessen Geschäfte ein ultramontaner Präsident geleitet habe. Schließlich vermißt dieVoss. Ztg." in ber Thronrebe einen Aufruf zur Sammlung gegen bie Social- demokratie. Die Thronrede athme eitle Befriedigung über das Erreichte, so laßt fich da»Berliner Tageblatt" au». Sie fei ein abgeklärtes, ruhig gehaltenes ActenstÜck, es finde sich kein birecter Hinweis auf die Agitation ber Social- oemokratie in berfelben, und wenn man die Thronrede lese, bann müsse man glauben, man lebe in der besten aller Welten, unb dabei wisse boch jeder Einzelne, wo ihn ber Schuh brücke. DieVolkSztg." hält die Feststellung, da» Verhaltwß Deutsch- land» zu allen Mächten sei ein gutes, und der spanisch- amerikanische Krieg ändere daran Nicht», olS von actneller politischer Bedeutung. Das Blatt vermißt andererseits einen Appell an alle bürgerlichen Parteien, bem Umsturz entgegen zu treten.

Berlin, 6. Mai. DiePost" meldet au» Warschau: Die Regierung verbannte verschiedene Angehörige der gebild-ren Kreise Polens. wie Aerzte, Schriftsteller, Recht»- an walte, wegen nationalpolnischer Agitation im Nu»lande zu mehrjährigem ZwavgSanfenthalt im Innern Rußlands.

Frankfurt a. M, 6. Mai. DerFils. Ztg." wird au« Konstantinopel telegraphirr: Die Botschafter haben fich la ihrer letzten Zusammenkunft über die Bedingungen der Räumung Thessalien» unb der Auszahlung der Kriegsentschädigung geeinigt Der von Lord Salisbury gemachte Vorschlag, daß die beiden letzten Raten der Kriegs­entschädigung erst nach ber vollständigen Räumung Thessaliens gezahlt werden sollen, wurde angenommen. Sobald der englische Botschafter die Autorssation zur Unterzeichnung der Note erhält, wird dieselbe der Pforte übergeben.

lintoerfitäte - Nachrichten.

- Der bisherige Privadocent Dr. Krückmann zu Götiinam ift zum außerordentlichen Professor an der juristischen Facuttät ber Universität Greifswald ernannt worden.